Alfred von Tirpitz

Alfred von Tirpitz war nicht nur deutscher Großadmiral sondern auch Staatssekretär des Reichsmarineamts und baute unter Kaiser Wilhelm II. die deutsche Marine zu einer der schlagkräftigsten Seestreitkräfte seiner Zeit aus.

 

 

Herkunft und Jugendjahre:

Alfred Peter Friedrich Tirpitz wurde am 19. März 1849 in Küstrin als Sohn des königlich preußischen Geheimen Justizrats Rudolf Tirpitz und Malwine Tirpitz geboren.

Die Erhebung in den Adelsstand erfolgte erst am 12. Juni 1900, sodass Alfred erst ab da an von Tirpitz hieß.

 

 

Militärische Laufbahn:

Tirpitz trat der preußischen Marine im Range eines Kadetten am 24. April 1865 bei. Am 24. Juni 1866 erfolgte die Beförderung zum Seekadetten und 1. August 1866 begann die Ausbildung auf dem Segelschulschiff SMS Musquito, mit der Tirpitz von Kiel aus in das westliche Mittelmeer und zurück fuhr.

Nach der Gründung des Norddeutschen Bundes und damit auch die Gründung der Marine des Norddeutschen Bundes, trat Tirpitz am 24. Juni 1869 dieser bei und wurde am 22. September 1869 zum Unterleutnant zur See befördert.

Weitere Beförderungen:
– 25. Mai 1872 zum Leutnant zur See
– 18. November 1875 zum Kapitänleutnant
– 17. September 1881 zum Korvettenkapitän
– 24. November 1888 zum Kapitän zur See
– 13. Mai 1895 zum Konteradmiral
– 5. Dezember 1899 zum Vizeadmiral
– 14. November 1903 zum Admiral
– 27. Januar 1911 Rang und Titel eines Großadmirals

 

1897 wurde Tirpitz mit Bernhard von Bülow zum Staatssekretär des Äußeren erklärt und von Kaiser Wilhelm II. mit dem Aufbau der deutschen Hochseeflotte beauftragt.

 

Alfred von Tirpitz

 

 

Der Aufbau der deutschen Marine:

Der als Tirpitz-Plan bekannte Aufbau der deutschen Marine diente mehreren Zwecken. Zum einen sollte der stetig wachsende Warenverkehr über Wasser, die Handelsrouten, gegen Angriffe gesichert werden. Zum anderen sah sich Großbritannien durch die Wirtschaftskraft des deutschen Reiches bedroht. Bereits vor dem Beginn des Aufbaus der Hochseeflotte Ende des 19. Jahrhunderts herrschte in Großbritannien eine breite Abneigung gegen das deutsche Reich, was besonders durch einige Zeitungsartikel verdeutlicht wurde, in denen die Zerstörung des deutschen Reiches propagiert wurde, damit jeder Brite daraus Gewinne erzielen konnte.

Die Auslegung der Flottenstärke der deutschen Marine wurde von Tirpitz auf 2/3 der britischen Flotte festgehalten. Tirpitz war bereits zu Beginn des Flottenaufbau bewusst, dass ein Seekrieg gegen Großbritannien nicht zu gewinnen sei, aus diesem Grund hatte die deutsche Marine von Beginn an einen defensiven Charakter und sollte überwiegend den Schutz der Nord- und Ostsee übernehmen. Auch eine britische Seeblockade wurde schon früh in die Planung mit aufgenommen, jedoch wurde angenommen, dass diese deutlich näher an der deutschen Küste liegen würde und nicht wie später im ersten Weltkrieg, näher an der britischen Küste liegt.

Der Aufbau der Flotte sollte weiter Großbritannien lediglich an einem Krieg mit dem deutschen Reich abhalten, nicht jedoch einen Krieg provozieren. Das Kalkül lag darin, den Briten bewusst zu machen, dass bei einem Seekrieg die britischen Verluste zu hoch wären, als das Großbritannien diese eingehen würde.

 

Der Zeitraum wurde von Tirpitz auf insgesamt 20 Jahre gesetzt, bis die deutsche Flotte die angestrebte Stärke besitzen würde. Er war zudem bemüht, Flottengesetze durchzubringen, die eine gesetzlich festgelegte Anzahl an Schiffen, Matrosen usw. festsetzte. Dies sollte eine kurzfristige Änderung oder Streichung durch den Reichstag unmöglich machen.

Folgen des Flottenprogramms:
– Der Aufbau verschlang große Mengen an Ressourcen die dem Heer fehlten
– Aufgrund der starken Propaganda erhielt der Aufbau im In- und Ausland große Ausmerksamkeit
– Für den Aufbau musste ein Feindbild und damit eine Rechtfertigung erschaffen werden. Da Frankreich und Russland keine entsprechende Marine hielten, wurde im Laufe der Zeit Großbritannien als zukünftiger Feind aufgebaut
– Obwohl bereits früh bekannt war, dass eine direkte Entscheidungsschlacht sowie die Blockade der deutschen Küste von Großbritannien nicht durchgeführt werden würde, wurde an diesem Plan und damit an dem entsprechenden Aufbau der Flotte festgehalten

 

Alfred von Tirpitz

 

 

Tirpitz im ersten Weltkrieg:

Während des ersten Weltkrieges kam die von Tirpitz aufgebaute Flotte nicht zum Tragen. Tirpitz wollte diese offensiv gegen Großbritannien einsetzen um frühzeitig die Entscheidung zu suchen. Diese Pläne wurden jedoch weder von Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg noch von Kaiser Wilhelm II. unterstützt, da diese zum einen die Verständigung mit Großbritannien suchten und zum anderen, um keines der Schiffe zu verlieren. Besonders Wilhelm scheute sich davor, seine Schiffe einzusetzen.

Dies führte im Laufe der ersten beiden Kriegsjahre zu vielen Meinungsverschiedenheiten, besonders mit dem Kaiser und über die Frage des uneingeschränkten U-Boot Krieges. Da weder der Reichskanzler noch der Kaiser die Flotte offensiv einsetzen wollten, trat von Tirpitz am 15. März 1916 als Staatssekretär im Reichsmarineamt zurück.

 

 

Einstieg in die Politik:

Mit dem Ausscheiden aus dem Militärdienst wandte sich Tirpitz im Jahre 1917 der Politik zu. Hintergrund war die am 19. Juli 1917 im Reichstag angenommene Friedensresolution, die auf einen Verständigungsfrieden mit den Alliierten und damit zu einem Ende des Krieges setzte.

Zusammen mit Wolfgang Kapp, Heinrich Claß und Conrad Freiherr von Wangenheim baute Tirpitz die Deutsche Vaterlandspartei (DVLP) auf, die sich als alldeutsche und nationalistische Partei sah und sich gegen die Mehrheit im Reichstag aus FVP, Zentrum und SPD stellen wollte.

Ziele waren unter anderem:
– Annexion Belgiens
– Annexion des Erzbeckens von Briey und Longwy
– Annexion der französischen Kanalküste unter Einschluss der Normandie
– Annexion Luxemburgs
– eine Unterordnung der Niederlande unter die deutsche Politik (bis hin zur Annexion)
– ein geschlossenes Kolonialreich in Afrika unter Einschluss Belgisch-Kongos
– Schaffung eines von Deutschland abhängigen polnischen Staates
– Annexion der russischen Ostseegouvernements und Litauens (und eine umfassende „Germanisierung“ dieser Gebiete)
– Annexion von Teilen des westlichen Weißrusslands und der westlichen Ukraine
– Freiheit der Meere – in dem Sinne, dass die deutsche Flotte in der Lage sein müsse, weltweit deutsche Interessen zu sichern
– Abtretung von Gibraltar, Malta und Zypern durch Großbritannien
– Zahlung gewaltiger Entschädigungssummen durch die Feindmächte

Zudem wurde begonnen Erich Ludendorff und Paul von Hindenburg als „Volkskaiser“ propagandistisch aufzubauen. Es sollte ein von Militär getragener „starker Mann“ etabliert werden, der das deutsche Reich führen kann.

 

Alfred von Tirpitz als Reichstagsabgeordneter

 

 

Nach dem Krieg führte Tirpitz die Partei weiter und saß als Abgeordneter der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) in den Jahren von 1924 bis 1928 im Reichstag. Anschließend zog er sich auch aus der Politik zurück.

 

 

Das Lebensende:

Alfred Peter Friedrich von Tirpitz verstarb am 6. März 1930 in Ebenhausen bei München und wurde auf dem Waldfriedhof in München beigesetzt.

 

 

Familie:

  • 18. November 1884 Hochzeit mit Marie Auguste Lipke

 

  • Sohn Wolfgang von Tirpitz
  • Tochter Ilse von Tirpitz
  • 2 weitere Kinder

 

 

Ehrungen und Namensgebung:

  • 18. September 1903 Verleihung Großkreuz mit Krone zum Orden Philipp des Großmütigen
  • 10. August 1915 Verleihung Orden Pour le Mérite
  • Das Schlachtschiff Tirpitz, Schwesterschiff der Bismarck, wurde nach ihm benannt
  • Das Hauptgebäude der Torpedostation in Flensburg-Mürwik erhielt den Namen „Tirpitz-Kaserne“. Die zur Torpedostation führende Straße erhielt am 9. Januar 1914 zudem den Namen Tirpitzstraße
  • Der Tirpitz-Hafen und die Tirpitz-Mole im Marinehafen Kiel
  • Die Tirpitz-Brücke im Marinestützpunkt Wilhelmshaven
  • In vielen Städten (Hamm, Oberhausen, Oldenburg, Plön u. a.m.) gibt es eine Tirpitzstraße
  • Ehrenbürgerschaft der Stadt Frankfurt an der Oder
  • Das Tirpitz-Gebirge auf der Insel Lavongai in Papua-Neuguinea

 

 

 

 

 

 

 

Passende Literatur zum Thema findet Ihr hier:

Politische Dokumente: Der Aufbau der deutschen Weltmacht

Politische Dokumente: Der Aufbau der deutschen Weltmacht Taschenbuch – 21. März 2014

Alfred von Tirpitz (1849-1930), Großadmiral und Staatssekretär des Reichsmarineamts, hatte großen Einfluss auf die Gestaltung der kaiserlichen Marine und auf den Ausbau der deutschen Hochseeflotte. Als wichtigstes Ziel formulierte er den Plan, die britische Vorherrschaft in der Nordsee zu beenden. Seine Abhandlung zum Aufbau der deutschen Weltmacht entstand nur wenige Jahre nach dem Ersten Weltkrieg. Tirpitz verstand sie vor allem als Rechtfertigung der kaiserlichen Marinepolitik und seiner eigenen Arbeit. Ich lege unsere Marinepolitik nach meinen Papieren der Mit- und Nachwelt dar. Ihre Geschichte fällt im wesentlichen zusammen mit dem, was man die Aera der deutschen Weltpolitik genannt hat. Gewiß ruhte diese zu einer Hälfte auf unserer festländischen Stellung und unserer Armee. Daneben aber hatten sich mit elementarer Gewalt die überseeischen Interessen und Rivalitäten ausgebildet, und so ist geschichtlich die Schaffung einer deutschen Macht zur See ein besonderes Problem des Zeitalters geworden. Nachdruck der Originalausgabe von 1924.

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Alfred von Tirpitz in seiner Zeit

Alfred von Tirpitz in seiner Zeit Gebundene Ausgabe – 1. August 2008

General Franz Uhle-Wettler hat mit seiner Biographie Alfred von Tirpitz’ nicht nur den Flottenbauer des Wilhelminischen Reiches porträtiert, sondern zugleich die Ursachen der deutsch-englischen Spannungen einer kritischen Untersuchung unterzogen, die schließlich mit zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges führen.

„Alfred von Tirpitz (1849–1930) war …‚der Schöpfer der deutschen Hochseeflotte‘ … Er leistete organisatorisch, technisch, ökonomisch perfekte Arbeit und erwies sich auch als ein Meister der ‚Public Relations‘, bevor dieses Wort überhaupt erfunden war. Seine Flottenpropaganda weckte Begeisterung in allen Schichten des Volkes. Für das Reich jedoch sei die Tirpitzsche Flottenpolitik fatal gewesen, die eigentliche Ursache, daß Deutschland in die außenpolitische Isolation und in die Feindschaft mit England geriet, worauf mit Ausbruch des Weltkriegs 1914 das ganze Elend des Jahrhunderts seinen Lauf nahm – so jedenfalls in heutiger politisch-historischer Sicht der meinungsführenden Geschichtsforscher.
Und dazu gibt es jetzt Widerspruch. Franz Uhle-Wettler kontert in seiner Tirpitz-Studie die bislang (vor)gefaßten Meinungen über Tirpitz mit Fakten über Fakten und Punkt-für-Punkt-Argumenten, die ebenso fundiert wie plausibel vorgetragen werden.“

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Erinnerungen

Erinnerungen Taschenbuch – Dezember 2011

Der Autor, zuletzt Großadmiral des Deutschen Reiches, war ab 1897 Staatssekretär im Reichsmarineamt und treibende Kraft beim Ausbau der deutschen Hochseeflotte. Nach seinem „Tirpitzplan“ sollte die Aufrüstung der deutschen Flotte über zwanzig Jahre eine annähernde Gleichrangigkeit mit der englischen Flotte und damit eine Vormachtstellung in der Nordsee erreichen. Tirpitz war auch für die Entwicklung des Handels- und Flottenstützpunktes Tsingtau in China verantwortlich. In den Erinnerungen ist die persönliche Biografie von Tirpitz’ eng mit einer Darstellung der Entwicklung der politisch-militärischen Verhältnisse vor und während des Ersten Weltkrieges verflochten. Tirpitz hat das Buch als eine Rechtfertigung seiner Politik verfasst, die er als friedensbewahrend verstand. Nachdruck der Originalausgabe aus dem Jahr 1920.

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Maritimer Imperialismus: Seemachtideologie, seestrategisches Denken und der Tirpitzplan 1875 bis 1914 (Beiträge zur Militärgeschichte, Band 61)

Maritimer Imperialismus: Seemachtideologie, seestrategisches Denken und der Tirpitzplan 1875 bis 1914 (Beiträge zur Militärgeschichte, Band 61) Gebundene Ausgabe – 26. Mai 2004

Die Arbeit von Rolf Hobson wendet sich der Frage nach den maritimen Verteidigungsbedürfnissen des Deutschen Reiches zu und gelangt dabei zu einer neuen Deutung der deutschen Flottenrüstung vor dem Ersten Weltkrieg. Dabei berücksichtigt sie vor dem Hintergrund des „industrialisierten Volkskrieges“ besonders den Aspekt des Seerechtes. Als Ausdruck des realen maritimen Kräfteverhältnisses engte es in der Dreiecksbeziehung zwischen den beiden Kriegsparteien und den Neutralen den Gebrauch von Seemacht als Instrument eines Wirtschaftskrieges ein. Hobson gelingt der Nachweis, dass sich aufgrund einer selektiven Rezeption des Navalisten Mahan das ursprünglich militärisch begründete Kalkül der deutschen Flottenrüstung zu dem in sich widersprüchlichen Abschreckungskonzept der Risikoflotte wandelte.

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Krieger, Denker, Amateure: Alfred von Tirpitz und das Seekriegsbild vor dem Ersten Weltkrieg (Beiträge zur Kolonial- und Überseegeschichte)

Krieger, Denker, Amateure: Alfred von Tirpitz und das Seekriegsbild vor dem Ersten Weltkrieg (Beiträge zur Kolonial- und Überseegeschichte) Taschenbuch – 1. Juli 2003

Von wahnwitzigem „Griff nach der Weltmacht“ bis reaktionärem, antiparlamentarischem „Sozialimperialismus“ reicht die Palette der Intentionen, die in der Forschung als ausschlaggebend für den Bau einer deutschen Schlachtflotte gesehen werden.

Christian Rödel läßt in seiner detaillierten Studie die Marineexperten zu Wort kommen, die den Aufbau der Hochseeflotte aus erster Hand miterlebten und kommentierten, auf deren Arbeit aber auch der hinter ihm stehende Gedankeninhalt gründete.
Rödel leistet damit eine lange vermißte Verankerung der Tirpitzschen strategischen Vorstellungen im militärisch-kulturellen Hintergrund seiner Zeit, ohne die alle weitergehenden Interpretationen des Flottenbaues auf einer unsicheren Basis stehen mußten, und setzt sich differenziert mit einer Historiographie auseinander, die die Schlagworte der Flottenpropaganda unkritisch übernahm oder apriorisch verwarf, ohne sie auf ihren zeitgebundenen Bedeutungsinhalt zu überprüfen.

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