Britische Eroberung von Indien

Im 18. Jahrhundert war der indische Subkontinent nach dem Tod des Großmoguls Aurangseb im Jahre 1707 in kleine Staaten unterteilt und auch die Macht der ehemals dominierenden Moguln beschränkte sich nur noch auf das Gebiet um Delhi. Dies machten sich die europäischen Großmächte, allen voran England und Frankreich zu Nutze und gründeten Handelsstützpunkte. Die englischen wurden von der Ost-Indien Kompanie verwaltet, diese war auch für alle Belange in ihrem Einflussbereich zuständig, ebenso auch für den militärischen.

Karte Asien vom 16. bis 18. Jahrhundert

Karte Asien vom 16. bis 18. Jahrhundert

Dies führte oftmals zu Konflikten mit den Franzosen, besonders wenn in Europa Krieg zwischen den beiden Staaten herrschte, dehnte sich dies auch auf die jeweiligen Kolonien der Mutterländer aus. Indien war da keine Ausnahme.

So versuchte der französische Gouverneur Joseph Francois Dupleix ab 1742 den Einflussbereich der Franzosen zu erweitern und die Briten vom Subkontinent zu verdrängen. 1746 konnten sie dabei die englischen Stützpunkt Madras erobern, nach dem Frieden des österreichischen Erbfolgekrieges wieder an die Briten zurückgeben. Ein neuer Ausbruch der Feindseligkeiten folgte ab 1756 als in Europa der siebenjährige Krieg ausbrach.

Der Beginn der britischen Eroberung Indiens war von einer Niederlage geprägt. Der Nawab (Herrscher) Siraj ud-Daula der Bengalen gestattet den französischen und britischen Kompanien in seinem Gebiet Handelsniederlassungen zu gründen. Als der siebenjährige Krieg in Europa ausbrach, sahen sich die Briten gezwungen ihre Befestigungen in Kalkutta auszubauen um gegen einen möglichen Angriff der Franzosen vorbereitet zu sein. Siraj ud-Daula sah sich durch diese Befestigung brüskiert und eroberte die Stadt mit seinen Truppen.

Die Rückeroberung durch die Briten erfolgte Anfang 1757, als Oberst Robert Clive mit einer kleinen Streitmacht von Madras aus Richtung Kalkutta segelte. Anschließend wurde die Stadt mir Rund 1.000 britischen und 2.000 Sepoys (einheimische indische Soldaten) besetzt. Der Nawab Siraj ud-Daula stellte seinerseits ein 50.000 Mann starkes Heer auf um erneut gegen die Briten zu ziehen und Kalkutta zu erobern. Doch die Briten hatten im Vorfeld die Position des Nawab stark geschwächt indem sie seine Offiziere bestachen und seinen Konkurrenten auf die Herrschaft Mir Jafar den Thron versprachen. So belief sich die Truppenstärke des Nawab in der Schlacht bei Plassey am 23. Juni gerade noch auf Rund 5.000 Mann. Der Sieg ging an die Briten die im Gegenzug das bengalische Gebiet eroberte und Mir Jafar als Marionetten Herrscher einsetzten.

1760 erfolgte der größte Schlag der Briten gegen die Franzosen, als ein Infanterieregiment unter der Führung von Sir Eyre Coote den Franzosen Graf de Lally schlugen und den wichtigsten französischen Stützpunkt Pondicherry belagerten. 1761 erfolgte die Kapitulation des Stützpunktes und die Franzosen waren vom Subkontinent vertrieben.

 

Der Beginn der britischen Eroberungen:

1761 kam es im Norden Indiens zu einem Nebenkriegsschauplatz als die afghanischen Muslime unter Ahmad Schah Durrani einfielen und gegen die hinduistischen Marathenen kämpfte. Zwar ging diese Schlacht unentschieden aus, doch der Herrscher der Mysore Haidar Alis nutzte die Gelegenheit der geschwächten Marathenen und baute seine Position deutlich aus. Begünstigt wurde sein Aufstieg durch die Unterstützung der Franzosen, die seine Soldaten ausbildeten und Waffen lieferten. Alis Sohn Tipu Sultan gelangen anschließend einige Siege gegen die Briten, so 1780 bei Polliur und 1782 bei Tanjore. Erst 1799 holten die Briten zu einem Gegenschlag aus, als Napoleon eine Invasion in Ägypten durchführte und die Briten die erneute Intervention der Franzosen in Indien fürchteten. Bei der Eroberung der mysorischen Hauptstadt Seringapatam wurde Tipu getötet. Anschließend wandten sich die Briten den Marathenern zu, die durch ihre interne Uneinigkeit geschwächt waren. 1803 wurden einige Siege im Norden gegen die Marathener errungen, auch im September gelang es in Zentralindien ein Heer zu schlagen. 1805 wurde ein Frieden ausgehandelt, der den Briten zwar große Gebiete einbrachte, die Marathener jedoch ihre Unabhängigkeit behielten. Erst bei weiteren Konflikten 1817 und 1818 konnten die Marathener geschlagen werden und das britische Gebiet bis zum Pandschab erweitert werden.

Anfang des 19. Jahrhunderts begannen die Sikhs im Norden ihr Gebiet zu vergrößern. Zu einem Aufeinandertreffen mit den Briten kam es ab 1840, als die Ost-Indien-Kompanie ihren Einflussbereich auf den Norden Indiens ausweiten wollte. Die entscheidende Schlacht fand 1846 bei Sobraon statt, wo das Heer der Sikhs vernichtet wurde.

 

Karte Asien im 18. Jahrhundert

Karte Asien im 18. Jahrhundert

 

Die Umwandlung zur Kronkolonie:

Nach dem Aufstand der Sepoy wurde der letzte Mogul Indiens verbannt und die Ost-Indien-Kompanie aufgelöst. Die Besitzungen, das Vermögen und alle Verwaltungsstellen wurden nun direkt an die englische Krone übertragen. Damit wurde Indien endgültig eine Kolonie des britischen Weltreiches.

 

 

Passende Literatur zum Thema findet Ihr hier:

Das unvollendete Weltreich: Aufstieg und Niedergang des Britischen Empire 1600-1997

 Das unvollendete Weltreich: Aufstieg und Niedergang des Britischen Empire 1600-1997 Gebundene Ausgabe – 10. September 2013


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Englische Piraten in der Karibik, „Rotröcke“ in den nordamerikanischen Kolonien, reiche „Nabobs“ in Indien, fromme Missionare in Afrika, ans Ende der Welt verbannte Sträflinge in Australien, Marinesoldaten auf den Schiffen der Royal Navy – auch auf ihren Schultern ruhte das Weltreich, das Großbritannien ab dem 17. Jahrhundert im Dienste Ihrer Majestät errichtete. Auf seinem Höhepunkt um 1900 umfasste dieses riesige Gebilde ein Viertel der Menschen und der Landmasse der Erde. Doch wie gelang es den Briten überhaupt, ihr Empire aufzubauen? Wie beherrschten und verteidigten sie es fast 400 Jahre lang? Warum zerbrach es ausgerechnet im 20. Jahrhundert? Und was können andere Imperien daraus lernen? John Darwin, derzeit der beste Kenner der Geschichte des British Empire, verrät in seinem neuen, spannenden Buch die Antworten.

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Das Britische Empire: Geschichte eines Weltreichs (Beck’s Historische Bibliothek)

 Das Britische Empire: Geschichte eines Weltreichs (Beck's Historische Bibliothek) Gebundene Ausgabe – 17. November 2011


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Peter Wende, langjähriger Direktor des Deutschen Historischen Instituts in London, entwirft ein facettenreiches Bild des Britischen Empire. Seine gleichermaßen lebendige und informative Darstellung eines der größten Herrschaftsgebilde der Weltgeschichte setzt ein mit dem Aufstieg Englands zur See- und Handelsmacht in der Frühen Neuzeit; sie bietet im weiteren einen Überblick über dessen imperiale Außen- und Reichspolitik bis zur Errichtung einer weltumspannenden britischen Kolonialherrschaft im 18. und 19. Jahrhundert und beschreibt schließlich den Weg des Empire zum Commonwealth nach dem Ende des Ersten Weltkriegs.

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Englands Krone: Die britische Monarchie im Wandel der Zeit – Ein SPIEGEL-Buch

 Englands Krone: Die britische Monarchie im Wandel der Zeit - Ein SPIEGEL-Buch Gebundene Ausgabe – 30. März 2015


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Die älteste Monarchie Europas und die Schicksale ihrer Herrscher

England gilt als älteste Monarchie Europas – und als Hort des Parlamentarismus. Die Überlebensfähigkeit der englischen Krone ist außerordentlich: In ihrer 1000-jährigen Geschichte erlebten die Herrscher und Herrscherinnen Ränkespiele und Intrigen am Hof, Glaubenskämpfe und Revolution, Liebesgeschichten mit tödlichem Ausgang, den Aufstieg zum Weltreich. Vom frühen Mittelalter bis heute haben berühmte Könige wie Wilhelm der Eroberer, Heinrich VIII. oder die Georgs aus dem Hause Hannover die Geschichte Englands geprägt; nach den Königinnen Elizabeth I. und Victoria wurden ganze Zeitalter benannt.

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SPIEGEL GESCHICHTE 1/2013: Das Britische Empire

 SPIEGEL GESCHICHTE 1/2013: Das Britische Empire Broschiert – 29. Januar 2013


SPIEGEL GESCHICHTE 1/2013: Das Britische Empire Broschiert – 29. Januar 2013

Die Weltsprache Englisch hat sich nicht zuletzt deshalb durchgesetzt, weil Großbritanien einst, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, über ein Viertel der Erdbevölkerung und einen ebenso großen Teil der Landmasse herschte. »Die Weltgeschichte kennt nichts Großartigeres als das Britische Empire«, verkündete damals, zur Zeit der größten Ausdehnung dieses Imperiums, Lord Curzon als Vizekönig von Indien. Doch wie kam es, dass eine Insel am Rande Europas, die später als die kontinentalen Großmächte der frühen Neuzeit damit begonnen hatte, fremde Länder zu erobern, zur stärksten Kolonialmacht der Geschichte wurde? War das Empire, wie es sich selbst gern sah, ein zivilisatorischer Segen für die Menschheit? Oder war es ein Herrschaftssystem, das seine Kolonien unterdrückte und ausbeutete? Ohne Masterplan, vielmehr aus einer Kette von Zufällen sei das Empire entstanden, erläutert der Frankfurter Historiker Peter Wende im Gespräch mit den Redakteuren Norbert F. Pötzel und Rainer Traub, der dieses Heft konzipiert hat. Ein entscheidender Gesichtspunkt für die Briten sei gewesen, dass ihr Überseereich möglichst wenig kosten sollte. Dass London auch heute noch auf eine Sonderrolle in Europa pocht, liege daran, dass »im politischen Bewusstsein immer noch der Gedanke verankert« sei: »Wir sind eine Führungsmacht«. Viele Autoren dieses Heftes waren oder sind als SPIEGEL-Korrespondenten in Ländern tätig, die einst zum Empire gehörten. Sie kennen dessen Erbe aus eigener Anschauung oder begaben sich an historischen Orten auf Spurensuche. Annette Großbongardt zum Beispiel war in Jerusalem mit dem jüdisch-arabischen Konflikt konfrontiert, der zu der Zeit entstand, als die Briten über Palästina herrschten. Michael Sontheimer besichtigte Lord Nelsons Flaggschiff »Victory« in Portsmouth und besuchte das National Maritime Museum in London. Wieland Wagner, in Neu-Delhi stationiert, erlebt bis heute, wie die Teilung Britisch-Indiens in zwei verfeindete Nachbarstaaten fortwirkt.

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