Burg

Befestigte Wehranlagen gab es bereits seit der frühen Antike. So wurden bereits Städte durch Wehrmauern gegen Angriffe geschützt. Auch im römischen Reich wurde Wehranlagen gebaut, sogenannte Kastelle, die rein militärischen Zwecken dienten.

Der Burgbau in Europa fand seinen Anfang mit dem Untergang des Weströmischen Reiches. Als die Grenzwälle (Limes) zu den germanischen Stämmen dem Ansturm mehr und mehr nachgaben und diese plündernd durch die Gebiete zogen, sah sich die Bevölkerung gezwungen sich auf Höhensiedlungen zurückzuziehen und diese gegen die Plünderer zu befestigen. Die ersten Burgen  waren zum größten Teil mit Erdwällen umringt, die hölzerne Aufbauten trugen wie z.B. Palisaden und Zäune.

Im 6. Jahrhundert hatte sich die Lage in Europa wieder einigermaßen stabilisiert, sodass in dieser Zeit kaum Burgen errichtet wurden. Erst im 7. Jahrhundert fing das fränkische Reich wieder an, Burgen zu errichten um seine Ostgrenze gegen Angriffe zu sichern. aus dieser Zeit stammen unter anderem:
– die Meersburg
– die Büraburg
– die Amöneburg
– die Schwedenschanze bei Stade oder
– die Anlage auf dem Odilienberg

 

 

Den Höhepunkt des Burgenbaus konnte man im Hoch- und Spätmittelalter erleben. Aus dieser Zeit stammen auch die bis heute erhaltenden Burgen und Ruinen, die einen Einblick auf die damalige Baukunst gewähren.

 

Gründe für den Burgenbau:

  • Reichsburgen und Landesburgen, diese waren in das territoriale Herrschaftssystem eines Königs oder Landesherrn eingebunden
  • Adelsburgen, die häufigste Burgart die dem Adel als Wohn- und Wehrsitz diente
  • Kloster- und Ordensburgen, die einer religiösen Gemeinschaft Schutz bieten bzw. Einfluss sichern
  • Stadtburgen bzw. burgartig befestigte Städte
  • Fliehburgen oder Volksburgen, die einer vollständigen lokalen Bevölkerung vorübergehend als Rückzugsorte in Zeiten der Gefahr dienen. Hierzu zählen auch Kirchenburgen und Wehrkirchen, die in ihrer Funktion als Fliehburg ebenfalls nur temporär genutzt wurden.

 

 

Die unterschiedlichen Burgtypen:

Höhenburgen:
Gipfelburg
(auf einem Berggipfel errichtete Burg)
Felsenburg
(Felsformationen wurden in die Wehranlage integriert)
Kammburg
(auf einem Bergkamm oder Bergrücken angelegte Burg)
Spornburg
(auf einem Bergsporn gelegene Burg)
Hangburg
(unterhalb des Gipfels, am Hang gelegene Burg)
Höhlenburg
(in eine natürliche Höhle eingearbeitete Burg)

Niederungsburg
Wasserburgen
(Typ 1: Inselburg: eine Burg auf einer natürlichen oder künstlichen Insel)
(Typ 2: Brückenburg: Burg auf oder an einer Brücke)
Sumpfburg
(Burg in einer Moor oder Sumpflandschaft)

 

 

Burgen nach Bauweise:
Abschnittsburg
(durch Gräben und Wehrmauern in mehrere Abschnitte unterteilt)
Ringburg
(Runde Burg bei dem die Wohnhäuser meist direkt an der Wehrmauer liegen)
Kastellburg
(Burg die aus den römischen Kastellen entstand)
Motte / Turmhügelburg
(künstlicher Erdhügel mit Turm oder Haus darauf)
Ebenerdiger Ansitz
(wie Turmhügel nur ebenerdig)
Schildmauerburg
(Burg, dessen Angriffsseite besonders stark befestigt ist)

Burgen nach Funktion:
Feudal / Lehensburg
(Herrschaftsburgen)
Flieh / Volksburg
(Verteidigungsanlage um Bevölkerung zeitlich begrenzt vor Angriffen zu schützen)
Ganerbenburg
(große Burganlage in der Verwaltung mehrerer Familien)
Hofburg
(kurzzeitige Wohnburg für einen reisenden König)
Landesburg
(Burg zur Sicherung und Ausweitung der Hoheitsrechte von Bischöfen, Herzögen oder Fürsten)
Trutzburg
(Burg zur Sicherung von Machtansprüchen oder als Belagerungsburg in Feindesland errichtet)
Zollburg
(Burg zur Sicherung von Zollstationen)
Zwing / Fronburg
(Burg zur Sicherung des unruhigen Umlandes)

 

 

Lage der Burgen:

Die Lage einer Burg war entscheiden in deren Verteidigung und somit in ihrem Aufbau. So lagen die meisten Burgen in Mitteleuropa auf Berggipfeln oder an Berghängen. Neben der erhöhten Lage konnten auch Felsformationen in die Wehranlage integriert werden. Das verringerte den baulichen Aufwand, es war kostensparend und ggf. auch durch natürliche Hindernisse besser zu verteidigen.

In Nordfrankreich und in England, wo die Gebiete vergleichsweise flacher waren, würden meistens ebenerdiger Burgen errichtet, die jedoch deutlich größere Ausmaße annahmen als die Gipfelburgen die man aus Deutschland kennt.

 

Bauliche Elemente:

Je nach Funktion und Bauweise verfügten die meisten Burgen über gleiche Bauelemente.
So war jede Burg durch eine Mauer gegen Angriffe geschützt. Diese konnte durch Wach- und Wehrtürme an wichtigen Punkten und oder den Toren verstärkt werden. Weitere Verteidigungselemente waren zudem ein Burggraben, Wälle oder natürliche Hindernisse oder Bepflanzungen.

Ein weiteres wichtiges Element war in den meisten Burgen der Wohnturm bzw. der Burgfried. Dieser Turm wurde entweder als reiner Wohnturm genutzt oder aber er war die letzte Verteidigungslinie sollte die Burg gestürmt werden.

Bei größeren Burganlagen die über eine Vorburg verfügten, gab es zudem noch einige handwerkliche Betriebe, die die Grundversorgung der Burg mit Material, Essen und Wasser übernahmen und so auch eine gewisse Zeit der Belagerung überstehen konnten.

 

Der Niedergang der Burgen:

Mit der Einführung von Feuerwaffen musste die Bauweise der Burgen den neuen Gegebenheiten angepasst werden. So entstanden ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts aus den Wehrmauern Wälle und aus den Mauertürmen wurden Batterietürme, später Bastionen.

Besonders schwer litten die Burgen anschließend im 30 jährigen Krieg, wo viele zerstört und anschließend nur noch bedingt wieder aufgebaut wurden. Im späteren 17. Jahrhundert zeigten die französischen Feldzüge, dass das Prinzip der Burgen nun endgültig seine Berechtigung verloren hat.

Durch die gesellschaftlichen Reformen konnten die Burgen nun aber auch an Nichtadelige verkauft werden, was zumindest einige Burgen vor dem Verfall rettete. Einige wurden sogar für Repräsentationszwecke in Schlösser umgewandelt.

Gründe für den Verlust einer Burg:
– 25% Aufgabe
– 13% Abbruch
– 11,5% Zerstörung im 30 jährigen Krieg
– 6% Brände
– 1,5% Erdbeben
– 26% unbekannte Gründe

 

 

Eine schöne Auflistung der europäischen Burgen und Schlösser findet Ihr auf der Seite
www.burgen.de

 

 

 

Passende Literatur zum Thema findet Ihr hier:

Burgen und Schlösser in Deutschland

 Burgen und Schlösser in Deutschland Gebundene Ausgabe – April 2005


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Kaiserberge, Adelssitze: Die Burgen, Schlösser, Festungen und Ruinen der Schwäbischen Alb

 Kaiserberge, Adelssitze: Die Burgen, Schlösser, Festungen und Ruinen der Schwäbischen Alb Gebundene Ausgabe – 28. Mai 2014


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Seit dem frühen Mittelalter werden die Höhen und Felsen der Schwäbischen Alb bevorzugte Standorte von Adelsburgen und Stammsitzen bedeutender Kaiserdynastien. Im Laufe der Jahrhunderte kommen Festungsbauten und prächtige Schlösser dazu. Mit dem Hohenzollern und Lichtenstein wird die Alb schließlich zur weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Region. Dieses kompakte Buch bietet eine reich bebilderte Entdeckungsreise zu 457 Burgen, Schlössern, Festungen, Ruinen und Burgstellen dieser reizvollen, markanten Landschaft und es dokumentiert zum ersten Mal überhaupt sämtliche bekannten Adelssitze mit Geschichte, Besichtigungshinweisen, Übersichtskarten, Anlagenbeschreibungen, Bauphasenerläuterungen und detaillierten Grundrissdarstellungen. Das Buch ist nicht nur ein hilfreicher Reisebegleiter, sondern auch ein sachkundiges Nachschlagewerk.

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Burgen und Wohntürme des deutschen Mittelalters

 Burgen und Wohntürme des deutschen Mittelalters Gebundene Ausgabe – 3. September 2014


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Machtsymbol, Bollwerk und Wohnort das und noch mehr kann die Burg. Noch heute sind die steinernen Wehrbauten Zeugen mittelalterlicher Kultur. Sie faszinieren durch architektonische Vielfalt und ihre exponierten Standorte. Dieser kompakte Band führt fundiert und verständlich in die Burgenkunde ein. Dabei konzentriert er sich auf das mittelalterliche Deutschland von 1000 bis 1500 und widmet sich erstmals auch ausführlich den oft vernachlässigten Wohntürmen. Zahlreiche Skizzen, Grundrisse und Fotografien machen ihn zu einem unverzichtbaren Standardwerk.

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Die Burgen des Deutschen Ritterordens (Burgen & Schlösser)

 Die Burgen des Deutschen Ritterordens (Burgen & Schlösser) Gebundene Ausgabe – 1. Juni 2010


Die Burgen des Deutschen Ritterordens (Burgen & Schlösser) Gebundene Ausgabe – 1. Juni 2010

Am Anfang standen die Kreuzzüge – im Rahmen dieser ganz Europa erfassenden Kreuzzugsbewegung erfolgte die Gründung von Ritterorden, die dem Mönchtum verpflichtet waren. Der Deutsche Ritterorden war neben den Templern und den Johannitern (Malteser) der dritte dreier großer Orden und entstand 1190 als deutsche Hospitalgenossenschaft. Die Ordensbrüder lebten unter strengen Vorschriften, den Gelübden von Armut, Keuschheit und Gehorsam verpflichtet. Doch unterschied sie von einem normalen Mönchsorden die Pflicht zum Kampf. Als der polnische Herzog Konrad von Masowien die sogenannten Deutschherren um Hilfe gegen die heidnischen Prussen bat, ließen sich diese vorher durch Kaiser Friedrich II. alle künftigen Eroberungen vermachen. So verbanden sie Christianisierung mit Kolonialisierung. 1309 wechselte der Hochmeister von Venedig an die Nogat. Er und seine Nachfolger schafften ein für damalige Verhältnisse hochmodernes und effektives Staatswesen und machten die Marienburg (Malbork) als ihre Zentrale zur größten Baustelle des Abendlandes. Die Wehr- und Repräsentationsburgen, die der Orden der Nachwelt hinterließ, sind die markantesten Zeugen jener Zeit. Dieser Bildband berichtet fundiert über die noch heute eindrucksvollen Bauten, aber auch über die mächtigen Ruinen. Zu den absoluten Höhepunkten einer Burgenreise gehören dabei neben der Marienburg u. a. Heilsberg (Lidzbark Warmi ski), Rößel (Reszel), Allenstein (Olsztyn) und die Ordensburg und -dom in Marienwerder (Kwidzy ). Einzelne Kapitel des Buches berichten u. a. über verschwundene Burgen, berühmte Hochmeister, die besondere Architektur, das Leben auf einer Deutschordensburg und die spezielle Geschichte der Marienburg.

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