Der Aufstieg und die Vormachtstellung Preußens

Nach der Niederlage Napoleons wurden aus den zerstückelten Kleinstaaten, die sich im Herzen Europas befanden, ein Bund aus 39 deutschen Staaten. Dominiert wurde der Bund von Österreich, Preußen erlangte in den Jahren zuvor zwar den Status einer Großmacht, konnte seine Interessen in dem Bund jedoch nicht durchsetzen. Dieser Zustand führte über den Umweg eines Krieges mit Dänemark zu einem Krieg mit Österreich, an dessem Ende die Vorherrschaft Preußens über die deutschen Staaten stand und der Weg zu einem vereinigten Deutschland gelegt wurde.

Mitteleuropa von 1815 bis 1866

Mitteleuropa von 1815 bis 1866

 

Der deutsch-dänische Krieg:

Der Ursprung der Spannungen zwischen dem deutschen Bund und Dänemark lag in der Schleswig-Holsteinischen Erhebung, die von 1848 bis 1851 in einem 3-jährigen Krieg endete. Nach dem Londoner Protokoll wurde der dänischen Krone zwar die Hoheit über die Herzogtümer Schleswig (als dänisches Lehen) sowie Holstein und Lauenburg (als Mitgliedsstaaten des Deutschen Bundes) zugesprochen, allerdings unter der Bedingung, dass diese Staaten als selbstständige Einheiten zu behandeln sind.

Einige politische Strömungen in Dänemark forderten allerdings die weitere Integration von Schleswig zu Dänemark, was besonders der Verwaltung zu Gute kommen sollte. So wurde 1863 mit dem „Märzpatent“ des dänischen Königs Friedrich VII. bereits der erste Schritt zu einer Integration vollzogen. Am 30. August folgte eine neue verfassungsrechtlichen Ordnung für Holstein, womit nur eine Personalunion zwischen Dänemark mitsamt Schleswigs auf der einen Seite und Holstein und Lauenburg auf der anderen Seite bestehe. Dieses Vertragswerk war damit ein klarer Bruch des Londoner Protokolls und führte zu erheblichen Protesten des deutschen Bundes sowie der Bevölkerung.

Eine vollständige Trennung von Schleswig und Holstein-Lauenburg wurde am 28. September 1863 mit dem Grundgesetz für die gemeinsamen Angelegenheiten des Königreichs Dänemarks und des Herzogtums Schleswigs vollzogen. Der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck schloss daraufhin mit Österreich ein Bündnis und betrachtete bereits eine militärische Intervention gegen Dänemark.

Im November verstarb der dänische König Friedrich VII., seine Nachfolge trat Christian IX. an. Er unterzeichnete am 18. November 1863 eine neue Verfassung, die als Konsequenz die Besetzung Holsteins und Lauenburgs durch Truppen des deutschen Bundesheeres zur Folge hatte.

Am 16. Januar 1864 wurde von Preußen und Österreich ein 48 Stunden Ultimatum an Dänemark gestellt, dass die November Verfassung rückgängig machen sollte sowie Schleswig zu räumen hatte. Als Dänemark dem Ultimatum nicht nachkam, überschritten am Morgen des 1. Februar 1864 preußische und österreichische Truppen unter der Führung von Generalfeldmarschall Friedrich von Wrangel die Eider bei Rendsburg. Gleichzeitig versuchte eine preußische Einheit die Schlei bei Missunde zu überqueren, wurde jedoch zurück geschlagen. Die Österreicher waren bei der Überquerung der Sorge erfolgreicher und rückten bis auf 10 Kilometer an die Befestigungsanlage Danewerk heran. Der Plan, das Danewerk durch die Österreicher und Preußen in die Zange zu nehmen scheiterte zwar, doch der dänische Kommandant entzog sich der Gefahr und lies seine Truppen in die Düppeler Schanzen bei Flensburg verlegen.

Rückzug der dänischen Truppen aus dem Danewerke am 5. bis zum 6. Februar 1864

Rückzug der dänischen Truppen aus dem Danewerke am 5. bis zum 6. Februar 1864

 

Die Truppen der Österreicher und Preußen rückten weiter nach Norden vor, Pläne zur Stürmung der Düppeler Schanzen wurden zunächst nicht erarbeitet, da dies zu hohe Verluste bedeutet hätte. Doch als der Versuch die Insel Alsen zu besetzen um die dänischen Truppen abzuschneiden misslang, entschieden sich die Österreicher und Preußen nun doch noch, die Schanzen zu stürmen. Dazu wurden ab dem 7. April 1864 die dänischen Stellungen mit Artillerie beschossen. Nach rund einer Woche waren bereits die Hälfte der dänischen Geschütze zerstört und rund ein drittel der Soldaten Tod, Verwundet oder durch Krankheit geschwächt. Der Sturmangriff der Preußen stieß somit am 18. April auf kaum Gegenwehr und die ersten 6 Schanzen konnten innerhalb kurzer Zeit eingenommen werden. Ein Gegenangriff der Dänen scheiterte und so wurden auch die 4 letzten Schanzen geräumt.

Erstürmung der Düppeler Schanzen

Erstürmung der Düppeler Schanzen

 

Ab dem 12. Mai erfolgten die ersten Friedensverhandlungen unter der Vermittlung von England und Frankreich. Da sich die Kriegsparteien jedoch auf keinen Grenzverlauf einigen konnte, entflammte der Krieg Ende Juni erneut.

Preußen gelang es diesmal die Insel Alsen schnell zu besetzen. Am 11. Juli war bereits die gesamte Halbinsel Jütland in der Hand der Preußen und Österreicher. Da nun auch weitere dänische Insel in Gefahr waren, musste Dänemark erneut über einen Waffenstillstand verhandeln. Dieser trat am 20. Juli 1864 in Kraft.

14. August 1865 wurde in dem Vertrag von Gastein festgelegt, dass die Herzogtümer Sachsen-Lauenburg und Schleswig an Preußen fielen, Holstein an Österreich abgetreten wurde. Der Krieg zwischen Österreich, Preußen und Dänemark war damit zwar beendet, doch Österreich akzeptierte die Vorherrschaft Preußens für Norddeutschland nicht, somit bauten sich erneut Spannungen auf, die im deutschen Krieg endeten.

 

Der deutsche Krieg:

Ausgangspunkt für den Krieg Preußens und seiner Verbündeten gegen Österreich und seine Verbündeten, war die Kontrolle über Norddeutschland, die aus dem deutsch-dänischen Krieg hervorging.
In diesem wurden die Herzogtümer Schleswig und Holstein an Preußen und Österreich verteilt, doch im Gegensatz zu Preußen, akzeptierte Österreich die Nebenregierung des Herzogs Friedrich VIII. von Schleswig-Holstein. Preußen sah dies als Bruch des Vertrages von Gastein, der nach dem deutsch-dänischen Krieg ausgehandelt wurde.

Da politisch keine Einigung erzielt werden konnte, marschierten preußische Truppen am 9. Juni 1866 in Holstein ein. Österreich hingegen drängte auf die Mobilmachung des Bundesheeres des deutschen Bundes auf Grundlage einer einer Bundesexekution wegen verbotener Selbsthilfe Preußens. Am 14. Juni erfolgte die Zustimmung und Karl von Bayern wurde zum Bundesfeldherrn ernannt. Preußen sah dies als Bruch der Bundesverfassung und erklärte den deutschen Bund für aufgelöst.

Den Oberbefehl über die preußischen Truppen hatte Helmuth Graf von Moltke, der bereits im deutsch-dänischen Krieg durch seine modernen und auf die jeweilige Situation angepassten Taktiken große Siege erzielte. Nun sah sich Moltke im Südosten 270.000 österreichischen und sächsischen Truppen und im Nordwesten 120.000 Truppen der Hannoveraner und süddeutschen Staaten entgegen. Insgesamt verfügte sein Heer über rund 64.000 Soldaten weniger. Er schickte somit zuerst 278.000 Mann in den Südosten, die restlichen 48.000 gegen die Hannoveraner. In der Schlacht bei Langensalza verloren seine Soldaten zwar gegen die Hannoveraner, doch aufgrund der hohen Verluste dieser, musste Hannover Ende Juni 1866 kapitulieren.

Moltke lies sein Heer gegen die Österreicher und Sachsen in 3 Heere aufteilen. Eine Armee konnte die Sachsen ins österreichische Böhmen zurückdrängen während der Oberbefehlshaber der Österreicher, Ludwig von Benedek, unentschlossen war, welche preußische Armee er nun angreifen soll. Dies nutzten die Preußen gestützt durch ihre besseren und schnelleren Waffen und drängten die Österreicher auf den Höhenzug vor der Festung Königgrätz zurück.

Schlacht bei Königgrätz - Prinz Friedrich Karl Nikolaus von Preußen befehligt preußische Truppen

Schlacht bei Königgrätz – Prinz Friedrich Karl Nikolaus von Preußen befehligt preußische Truppen

 

Moltke ersann den Plan mit 2 seiner Armeen die Österreicher  zu beschäftigen, während seine 3. Armee die Flanke angriff. Am 3. Juli 1866 erfolgte der Angriff, doch aufgrund des schlechten Wetters erreichte die Armee, die den Flankenangriff ausführen sollte, nicht der Befehl dafür. Die ersten beiden Armeen wurden zurückgedrängt, doch Ludwig von Benedek stieß ihnen nicht nach, was den Preußen die Möglichkeit zur Reorganisation gab. Am frühen Nachmittag der Schlacht, erreichte der Befehl zum Angriff doch noch die Flankenarmee. Dieser Angriff zwang die Österreicher zum Rückzug, Königgrätz konnte eingenommen werden und der österreichische Kaiser musste um Waffenstillstand bitten.

Szene aus der kriegsentscheidenden Schlacht bei Königgrätz

Szene aus der kriegsentscheidenden Schlacht bei Königgrätz

 

Mitteleuropa von 1866 bis 1914

Mitteleuropa von 1866 bis 1914

 

 

Folgen des deutschen Krieges:

Am 26. Juli 1866 wurde eine durch den französischen Kaiser Napoléon III. vermittelten Vorfrieden von Nikolsburg geschlossen, nachdem Österreich seinen Rückzug aus der Politik über die deutschen Staaten erklärte. Mit dem Frieden von Prag erfolgte der eigentliche Friedensvertrag.

Preußen setzte seinen Entschluss durch den deutschen Bund aufzulösen. An seine Stelle trat mit den Augustverträgen ein Militärbündnis mit den Norddeutschen Staaten, der im Norddeutschen Bund unter preußischer Vorherrschaft gipfelte. Die Süddeutschen Staaten Königreich Bayern, das Königreich Württemberg, das Großherzogtum Baden und das Großherzogtum Hessen unterzeichneten ein Schutz- und Trutzbündnis mit Preußen und dem Norddeutschen Bund, sodass die jeweiligen Armeen dem Befehl Preußens unterstellt waren.

Flagge des Norddeutschen Bund

Flagge des Norddeutschen Bund

 

Österreich musste Venetien an Italien abgeben, dass mit Preußen im Krieg verbündet war. Zwar unterlagen die italienischen Armee die der Österreicher, doch mit Preußen wurde der Krieg gewonnen. Das Land gründete 1867 zusammen mit Ungarn die Doppelmonarchie, auch kaiserlich und königlich (k.u.k.) genannt.

Der französische Kaiser Napoléon III. konnte seine territorialen Wünsche für das Rheinufer nicht durchsetzen. Die politischen Beziehungen zwischen Frankreich und Preußen verschlechterten sich nach dem Friedensvertrag deutlich.

 

 

 

 

 


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1866: Bismarcks Krieg gegen die Habsburger

1866: Bismarcks Krieg gegen die Habsburger Gebundene Ausgabe – 1. März 2016

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Der Deutsch-Deutsche Krieg 1866 war die Entscheidung im Kampf um die Vorherrschaft zwischen Preußen und Österreich. Höhepunkt des Krieges war der Sieg bei Königgrätz am 3. Juli vor 150 Jahren. Die kühl kalkulierende Realpolitik Bismarcks und das überragende strategische Können Moltkes führten Preußen zum Sieg – so die gängige Sicht.
Tatsächlich war der Sieg in Böhmen nicht zwangsläufig. Preußens Triumph bedeutete faktisch die Aufgabe des Traums von der deutschen Einheit. Er ebnete zwar den Weg zum Deutschen Kaiserreich, doch in seiner kleindeutschen Lösung.
Klaus-Jürgen Bremm schildert alle Aspekte dieses Krieges: Er untersucht die Vorgeschichte ebenso wie den Weg in die Eskalation und den eigentlichen Schlachtenverlauf; die Kriegführung im Zeichen neuester waffentechnischer Errungenschaften wie auch die Kämpfe auf dem italienischen Kriegsschauplatz. Darüber hinaus zeigt er die Rezeption der Ereignisse in den verschiedenen beteiligten Staaten – Österreich, Deutschland, Italien. Es ist ein Krieg, der die weitere Entwicklung Europas entscheidend beeinflusste.

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Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600 – 1947

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Die Geschichte Preußens – ein brillant erzähltes Standardwerk

Christopher Clark schildert den Aufstieg Preußens vom kleinen, an Bodenschätzen armen Territorium um Berlin zur dominierenden Macht auf dem europäischen Kontinent. Seine brillante Darstellung von über 300 Jahren preußischer Historie ist ein Meisterwerk der Geschichtsschreibung.

Die Auflösung Preußens durch ein alliiertes Kontrollratsgesetz am 25. Februar 1947 setzte einen Schlusspunkt unter eine Jahrhunderte alte wechselvolle Geschichte. Der Name Preußen ist untrennbar verbunden mit Aufklärung und Toleranz, verkörpert etwa in Friedrich dem Großen, verbunden aber auch mit Militarismus, Maßlosigkeit und Selbstüberschätzung Wilhelms II. Das Nachdenken über Preußen stand in den letzten Jahrzehnten im Schatten der hitzigen Debatten über die deutsche Geschichte.

Doch die Zeit ist reif für einen distanzierten, sensibel wägenden Blick auf dieses große Kapitel der deutschen und europäischen Vergangenheit. Christopher Clark schildert den Aufstieg Preußens vom kleinen, an Bodenschätzen armen Territorium um Berlin zur dominierenden Macht auf dem europäischen Festland und schließlich die Auflösung nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches. Seine brillante Darstellung von über 300 Jahren preußischer Historie ist ein Meisterwerk angelsächsischer Geschichtsschreibung.

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Preußen: Aufstieg und Fall einer Großmacht

Preußen: Aufstieg und Fall einer Großmacht Gebundene Ausgabe – 1. September 2011

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Die Geschichte Preußens ist eine Geschichte voller Widerspruche. Militarismus und preußische Tugenden stehen im Gegensatz zu der kulturellen Hochburg, dem Liberalismus und Fortschrittsstreben. Die Autoren, Koryphäen der Preußenforschung, liefern einen sehr gut lesbaren Überblick über die preußische Geschichte vom Beginn des 16. Jahrhunderts bis zum dramatischen Ende in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts. Dabei hinterfragen sie die verbreiteten Klischees und Vorurteile, aber auch die vorbehaltlose Bewunderung für den preußischen Staat. Neben der chronologischen Darstellung der Ereignisse gibt es einen umfangreichen Teil zu Staat und Gesellschaft: u.a. über das Dreiklassenwahlrecht, Universitäten und Wissenschaft oder die Entwicklung vom Agrar- zum Industriestaat. Große Persönlichkeiten wie Bismarck, die Moltkes und Gräfin Dönhoff werden in eindrucksvollen Biogrammen portraitiert. Darüber hinaus schildern die Autoren die entscheidenden Schlachten wie z. B. Leuthen und Tannenberg.

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Preußen: Die unbekannte Großmacht

Preußen: Die unbekannte Großmacht Taschenbuch – 13. Juli 2009

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Eine anschaulich und verständlich geschriebene Überblicksdarstellung

Preußen – ein Staat mit zwei Gesichtern. In den Beiträgen von SPIEGEL-Autoren und bekannten Historikern wird die ganze Spannweite der 350-jährigen Geschichte Preußens von der Gründung bis zum Niedergang deutlich: die explosive Mischung aus Aufklärung und Absolutismus, Fortschritt und Rückständigkeit, Zivilisation und Barbarei. Eine lebendige Darstellung von Faszination und Schrecken dieses widersprüchlichen Staates, der Deutschlands Schicksal entscheidend prägte.

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