Der österreichische Erbfolgekrieg

Der österreichische Erbfolgekrieg war die Folge des Todes von Kaiser Karls VI. und der damit endenden Herrschaftslinie des Hauses Habsburg im Mannesstamm. Zwar bestieg seine Tochter Maria Theresia den Thron, doch einige andere europäische Herrscher stellten Erbansprüche was letztendlich zum Krieg führte.

 

Hintergrund:

Die Folgen des spanischen Erbfolgekrieges veranlassten den österreichischen Kaiser Leopold I. für sein Herrschergeschlecht eine Erbreihenfolge festzulegen. Diese wurden mit seinen beiden Söhnen Joseph und Karl im geheimen aufgesetzt und regelte die Vererbung an weibliche Familienmitglieder nur unter dem Aspekt, wenn alle männlichen Linie ausgestorben sind. 1705 verstarb Leopold und sein Sohn Joseph trat die Nachfolge an. Als dieser 1711 ebenfalls verstarb und lediglich zwei unverheiratete Töchter hinterließ, fiel das Erbe an seinen Bruder Karl. Nach seiner Krönung ergänzte er die Erbreihenfolge um die Pragmatische Sanktion. Dieser Zusatz beinhaltete die Vererbung an die Tochter des letzten amtierenden Kaisers, sodass bei seinem Tod das Erbe an seine Tochter ging und nicht an die Töchter seines Bruders.

Die Pragmatische Sanktion wurde von einigen europäischen Ländern wie Brandenburg-Preußen und Großbritannien anerkannt. Als Karl jedoch am 20. Oktober 1740 verstarb, forderten die Ehemänner von Josephs Töchtern Karl Albrecht Kurfürst von Bayern und Friedrich August Kurfürst von Sachsen, dass das Erbe an ihre Ehefrauen ging und erklärten die Pragmatische Sanktion für nichtig. Auch Preußen unter der Führung von Friedrich II. wollte die Sanktion, die sein Vater zur damaligen Zeit anerkannte, nur unter der Bedingung anerkennen, dass Schlesien an Preußen abgetreten wird.

 

Der Erbfolgekrieg:

Nachdem Friedrich II. von Preußen Karls Tochter Maria Theresia am 11. Dezember 1740 ein Ultimatum gestellt hatte, dass er ihren Ehemann Franz von Lothringen nur nach Abtretung von Schlesien als Kaiser anerkennen würde, lies er seine Truppen am 16. Dezember in Schlesien einmarschieren, in der Hoffnung, dass das Gebiet sowieso an Preußen gehen würde. Durch die Heeresreform seines Vaters, die das preußische Heer zu einer der modernsten Armeen Europas gemacht hatte, konnte der Feldzug ohne große Gegenwehr durchgeführt werden. Friedrich spielte zudem der Umstand in die Hände, dass Österreich über kein stehendes Heer verfügte, sondern nur unter der Mobilmachung eine Streitkraft aufstellen konnte und das würde Zeit brauchen. So zogen sich die Österreicher nach Böhmen und Mähren zurück und bis auf die Festungen Glogau, Brieg und Neisse fiel das Gebiet in preußische Hände.

Erzherzogin Maria Theresia

Erzherzogin Maria Theresia

Nach dem Winter konnten die Preußen am 9. März 1741 die Festung Glogau erobern, die Österreicher versuchten zwar mit ihren Truppen Neisse und Brieg aus der Belagerung zu befreien, doch nach der verlorenen Schlacht bei Mollwitz am 10. April bewegten sie sich nur noch in der Defensive um ihr einziges Heer nicht zu verlieren.

Friedrich II. von Brandenburg-Preußen

Friedrich II. von Brandenburg-Preußen

Bereits im Februar schlossen sich Großbritannien, Russland, Sachsen und die Niederlande einem Bündnis gegen Preußen an. Im Sommer 1741 kamen an die preußische Seite Frankreich, Bayern und Spanien. Etwas später wechselte Sachsen auf die preußische Seite, da mit Bayern ein Abkommen zur Aufteilung österreichischer Gebiete geschlossen wurde. Ausserdem erklärte England seine Neutralität, da das Land keinen Krieg mit Frankreich und Spanien wollte.

Zum Ende des Jahres gab es zwischen den Kriegsparteien erste Verhandlungen. So schloss Preußen am 9. Oktober mit Österreich einen Waffenstillstand und erhielt die Festung Neisse sowie Niederschlesien. Karl Albrecht Kurfürst von Bayern hingegen eroberte bis zum November Teile von Oberösterreich. Als Prag am 26. November lies sich Karl am 9. Dezember zum König krönen.

 

Am 24. Januar 1742 wurde Karl in Frankfurt zudem zum Kaiser Karl VII. gewählt und am 12. Februar von seinem Bruder Clemens August, dem Erzbischof von Köln, auch gekrönt. Während der Zeit der Krönung konnten die Österreicher ihre Truppen aus Italien und Ungarn zusammenziehen und Linz sowie München erobern. Karl musste daraufhin Friedrich von Preußen um Hilfe bitten, der wieder in den Krieg eingriff, Brünn eroberte und auf Wien zumarschierte. Als Friedrichs Heer von der Versorgung abzuschneiden drohte, lies er es wieder nach Böhmen marschieren und besiegte das österreichische Heer in der Schlacht bei Chotusitz. Am 11. Juni 1742 verhandelte Friedrich erneut mit Maria Theresia den Präliminarfrieden von Breslau aus, der mit dem Frieden von Berlin 28. Juli 1742 ergänzt wurde und die Gebiete Schlesien und die Grafschaft Glatz an Preußen abgab.

Die nun frei werdenden Truppen nutzten die Österreicher um gegen die Truppen der Franzosen und Bayern vorzugehen. So wurde Prag belagert und die dortigen französischen Truppen mussten sich im Dezember nach Eger zurückziehen.

Währenddessen versuchte Spanien auf dem Gebiet Italiens österreichisches Gebiet zu erobern. Mit den Truppen aus Neapel begann der Feldzug, konnte jedoch schnell zurückgeschlagen werden und Neapel erklärte mit dem Auftauchen einer englischen Flotte seine Neutralität, nachdem England zusammen mit den Niederlanden im Mai auf die österreichische Seite gewechselt sind, um ein Erstarken Frankreichs und Spaniens in Europa zu verhindern.

Bis zum Ende des Jahres konnte die französisch-bayrische Armee noch Bayern zurückerobern, Böhmen und Mähren blieb in österreichischer Hand.

 

1743 versuchten die Spanier erneut in Oberitalien 2 Feldzüge gegen Österreich zu führen, mussten aber erneut Niederlagen einstecken und sich zurück ziehen.
Am 27. Juni wurden die Franzosen bei der Schlacht bei Dettingen von einem britisch-hannoverschen Heer geschlagen und zogen sich, zusammen mit der bayrischen Armee die aus Bayern verdrängt wurden, hinter den Rhein zurück.

 

Zu Beginn des Jahres 1744 stellten die Franzosen ein großes Heer mit rund 80.000 auf und begannen einen Angriff auf die vereinigten Niederlanden. In diesem Feldzug konnten sie Menin, Ypern, Furnes und Knock erobern, mussten ihre Truppen jedoch aufteilen, als Karl von Lothringen mit seinen österreichischen Truppen den Rhein überquerte und ins Elsass einfiel.
Währenddessen befürchtete Friedrich von Preußen, dass Österreich Frankreich schlagen könnte und dann aufgrund der militärischen Macht Schlesien von Preußen zurück fordern würde. Aus diesem Grund erneuerte er das Bündnis mit Frankreich und setzte seine Truppen erneut wieder von Schlesien aus Richtung Böhmen in Marsch. Im September konnte er so nach einer Belagerung Prag einnehmen, musste sich jedoch selbst wieder nach Schlesien zurück ziehen, als die Truppen von Karl von Lothringen und die österreichischen Husaren sein Heer zusehr bedrohten.
Mit dem Abzug seiner Truppen aus dem Elsass konnte Karl von Lothringen nicht zeitgleich gegen die Preußen und die Franzosen kämpfen, die nun wiederum Bayern besetzten.

 

Das Jahr 1745 begann mit dem Zusammenschluss von Großbritannien, Österreich, den Niederlande und Sachsen-Polen zu der Warschauer Quadrupel-Allianz, um gemeinsam gegen Preußen vorzugehen. Als am 20. Januar 1745 Kaiser Karl VII. verstarb und sein Sohn Maximilian III. von Bayern mehrere Niederlagen einstecken musste, schlossen Bayern und Österreich den Frieden von Füssen, was die bayrische Anerkennung von Maria Theresias Ehemann Franz als neuen Kaiser beinhaltete. Nach dem Ausscheiden von Bayern aus den Kampfhandlungen, blieben nur noch Frankreich und Preußen als Gegner übrig, wobei sich die Kämpfe hauptsächlich gegen Preußen richteten.
Diese verhielten sich zunächst defensiv und verteidigen das schlesische Gebiete gegen Angriffe des österreichisch-sächsisches Heeres.
Am 16. August konnte ein Frieden mit Großbritannien-Hannover ausgehandelt werden und unter der Führung von Leopold von Anhalt-Dessau wurde nun das preußische Heer gegen die Hauptstreitmacht der Österreicher und Sachsen auf dem sächsischen Gebiet geführt. Bei der Schlacht bei Kesselsdorf vom 15. Dezember errang Leopold einen entscheidenden Sieg und Dresden fiel in preußische Hände. Dort wurde am 25. Dezember auch der Frieden von Dresden mit Österreich und Sachsen ausgehandelt.

Frankreich konzentrierte sich das Jahr über auf seinen Feldzug in Flandern, wo die Städte Gent, Brügge, Tournai, Nieuport, Dendermonde, Ath und Ostende eingenommen wurden. Auf dem italienischem Gebiet konnte die französisch-spanische Streitmacht bis Jahresende fast die gesamte Lombardei besetzen.

 

Im Jahre 1746 gelang es den Franzosen die österreichischen Niederlande und Luxemburg fast ungehindert zu erobern. Auch 1747 konnten die Franzosen unter der Führung des Marschall von Sachsen weitere Gebiete des Holländisch-Flandern erobern. Am 30. November jedoch schloss Österreich mit Russland ein Abkommen, dass im Jahr 1748 die Entsendung von 37.000 russischen Soldaten an den Rhein zur Unterstützung und zum Kampf gegen Frankreich zusicherte. So kam es, dass 1748 lediglich die Stadt Maastricht von den Franzosen belagert und am 7. Mai eingenommen wurde. Anschließend wurde ein Waffenstillstand ausgehandelt, da die Briten, Holländer und Österreicher auf die russischen Soldaten warteten und die Franzosen diese fürchteten. Somit begannen die Friedensverhandlungen die am 18. Oktober mit dem Frieden von Aachen abgeschlossen wurden.

 

Der Frieden von Aachen:

Mit dem Abschluss des Friedensvertrages wurde die Pragmatische Sanktion von allen bestätigt und die britische Thronfolge für Hannover geregelt. Preußen wurden zudem Schlesien und die Grafschaft Glatz zugesprochen, während Österreich einige Gebiete in Italien bekam. Alle anderen Eroberungen mussten wieder an die jeweiligen Länder zurückgegeben werden.

 

 

Passende Literatur zum Thema findet Ihr hier:

Friedrich der Große und Maria Theresia: In Augenzeugenberichten (Augenzeugenbrichte)

 Friedrich der Große und Maria Theresia: In Augenzeugenberichten (Augenzeugenbrichte) Gebundene Ausgabe – 27. Juni 2012


Friedrich der Große und Maria Theresia: In Augenzeugenberichten (Augenzeugenbrichte) Gebundene Ausgabe – 27. Juni 2012

Eine Reihe, die durch authentische, zeitgenössische Dokumente große Ereignisse, Personen und Epochen der Weltgeschichte in die Gegenwart zurückholt.

Hier klicken!

 

Friedrich der Große und seine Armee (Epochen der Weltgeschichte)

 Friedrich der Große und seine Armee (Epochen der Weltgeschichte) Gebundene Ausgabe – 30. November 2009


Friedrich der Große und seine Armee (Epochen der Weltgeschichte) Gebundene Ausgabe – 30. November 2009

In diesem Band der Reihe zu militärhistorischen Themen wird eine wesentliche Epoche der europäischen Geschichte durch ihre Feldherren und deren Armeen skizziert und von Experten der Militärgeschichte analysiert. Über den »Alten Fritz« ist Vieles geschrieben worden. Dieser Band bietet deutlich mehr: Er ist der Abriss der Epoche im Spiegel seiner Armeen. Der Band stellt – historisch fundiert – die damalige politische Lage, das Zeitalter und seine führenden Köpfe vor, um dann den Fokus auf die jeweilige Armee zu richten. Der Autor analysiert Stärken und Schwächen unterschiedlichster Führungskonzepte und Strategien und präsentiert, auch in eingängigen Abbildungen, Offizierkorps, Soldaten, Waffengattungen und technische Einheiten. In zahlreichen zeitgenössischen Erinnerungen und Tagebuchaufzeichnungen, die ausgesprochen unterhaltsam zu lesen sind, sind Geschichtsbilder über politische Auswirkungen entstanden, die in herkömmlichen Geschichtsbüchern kaum zu finden sind und die bis in unsere Tage reichen.

Hier klicken!

 

Preußen und seine Armee: Von Valmy bis Waterloo (Epochen der Weltgeschichte)

 Preußen und seine Armee: Von Valmy bis Waterloo (Epochen der Weltgeschichte) Gebundene Ausgabe – April 2011


Preußen und seine Armee: Von Valmy bis Waterloo (Epochen der Weltgeschichte) Gebundene Ausgabe – April 2011

Als in Frankreich die Revolution noch jung war, zeigte sich Preußen in Lethargie erstarrt. Zu lange hatte man sich auf den Lorbeeren des Alten Fritz ausgeruht. Die Niederlagen gegen Napoleon 1806 markierten dabei den Tiefpunkt. »Deutschland in seiner tiefsten Erniedrigung« titelte ein Traktat aus jener Zeit und traf damit den Nagel auf den Kopf. Die Stein-Hardenberg´schen Reformen, Gneisenau und der »Turnvater« Jahn – sie alle trugen dazu bei, dass die danach reformierte preußische Armee der napoleonischen Vorherrschaft ein Ende bereiten konnte. Dieses Buch, eine Originalausgabe, ist eine der wenigen Dokumentationen über die Armee jener Zeit.

Hier klicken!

 

Maria Theresia. Regentin zwischen Barock und Aufklärung

 Maria Theresia. Regentin zwischen Barock und Aufklärung Broschiert – Oktober 2007


Maria Theresia. Regentin zwischen Barock und Aufklärung Broschiert – Oktober 2007

Eine Frau auf dem Thron: Im Habsburger Reich wird das Undenkbare 1740 Realität. Kaiser Karl VI. hat schon Jahrzehnte zuvor mangels lebender Söhne mit Pragmatischer Sanktion seine älteste Tochter zur Nachfolgerin bestimmt. Erzherzogin Maria Theresia von Österreich besteigt den Thron, doch Europas Großmächte intervenieren. Zur Kaiserin wird sie nie gekrönt. Dennoch führt sie Habsburgs Geschicke über vier Jahrzehnte mit fester Hand. Maria Theresia verliert zwar in den drei Aggressionskriegen des Preußenkönigs Friedrich II. die von ihr besonders geliebte Provinz Schlesien. Den Bestand ihres Habsburger Reiches kann sie jedoch trotz ständiger, teilweise höchster Gefährdungen erhalten. Staatsreformen fördert sie maßgeblich, führt die Schulpflicht ein, gründet eine Militärakademie und ein Höchstgericht. Im Denken der Barockzeit fest verwurzelt, widersetzt Maria Theresia sich dennoch allen Einflüssen der Aufklärung. Deren Siegeszug kann die Herrscherin nicht aufhalten. Bei ihrem Tod 1780 steht sie bereits sinnbildlich für eine verblassende Epoche.

Hier klicken!

 

Kanoniere Bombardiere Pontoniere: Die Artillerie Friedrichs des Großen

 Kanoniere Bombardiere Pontoniere: Die Artillerie Friedrichs des Großen Gebundene Ausgabe – 29. Juni 2011


Kanoniere Bombardiere Pontoniere: Die Artillerie Friedrichs des Großen Gebundene Ausgabe – 29. Juni 2011

Ohne ihre Hilfe wäre so manches Gefecht ganz anders ausgegangen, dennoch hat sie in der Literatur wenig Beachtung gefunden: die Preußische Artillerie. Martin Guddat berichtet im vorliegenden Buch über das Leben der Artilleristen, ihren Umgang mit der komplizierten Technik und wie sie im Krieg versorgt wurden. Auch über die Produktion der Geschütze, wie sie bedient wurden, welche Reichweiten und Wirkung sie hatten und wie die gewichtigen Waffen bewegt wurden, liefert der Autor wertvolle Informationen. Das Buch soll für den historisch Interessierten das Bild gerade rücken, dem Kenner Kenntnis von dem einen oder anderen Detail vermitteln und insgesamt dazu beitragen, der Königin der Waffen in der friderizianischen Militärgeschichte den Stellenwert zu geben, den sie verdient.

Hier klicken!

 

Noch keine Kommentare bis jetzt.

Einen Kommentar schreiben