Der römische Limes (Grenzwall)

Der ursprüngliche Begriff des Limes leitet sich von den lateinischen Wörtern limus „quer“ und limen „Türschwelle“ ab, die von den frühen Römern für die Abgrenzung ihrer Felder und Acker durch Grenzsteine, Holzpfosten oder natürliche Hindernisse wie Flüsse gekennzeichnet waren.

Durch Gaius Julius Caesar wurde später auch befestigte Wachposten und Marschlager an Heerwegen in Feindesland als Limes bezeichnet. Konnten keine natürlichen Hindernisse wie Flüsse oder Berge eine Grenze zwischen dem römischen Reich und dem Feindesland bilden, wurden von den Legionären Limites (Mehrzahl Limes) aufgebaut und durch Truppen überwacht. Dabei wurden die Limites den örtlichen Umständen angepasst. So bildeten in Nordafrika und im Osten lose Kastelle und Wachtürme die Grenze. Am Rhein, Donau, Euphrat und Tigris wurden die Flüsse als Grenze genutzt und durch Legionärsbesetzte Schiffe patroulliert. Solche Grenzen wurden auch Flusslimes oder nasser Limes bezeichnet. Einige Abschnitte wie der rätische Limes in seiner letzten Ausbaustufe oder der bekannte Hadrianswall bestanden hingegen aus einer durchgehenden Steinmauer mit Wachtürmen. Dieses Konzept wurde jedoch in der Spätantike aufgegeben und durch das Konzept verschieden großer Kastelle abgelöst.

 

Die Entwicklung des Befestigungssystems:

Zu Beginn bestand der „Limes“ lediglich aus Schneisen, die in Waldgebieten geschlagen wurden. Dies sollte es ermöglichen, herannahende Truppen und Feinde frühzeitig zu erkennen und entsprechend mit eigenen Soldaten reagieren zu können.

Später wurde die Grenze durch einen geflochtenen Zaun und Holztürme befestigt. Durch die erhöhte Position in den Wachtürmen, konnten die Soldaten noch früher Feinde ausmachen und Signale zu den dahinter liegenden Kastellen geben, damit eigene Soldaten zur Abwehr geschickt werden konnten. Durch den Bau der Wachtürme in Sichtweite des nächsten Turmes konnte auch eine Kommunikation und Informationsaustausch zwischen den Türmen stattfinden.

Der nächste Ausbauschritt war das Ersetzen des geflochtenen Zaunes durch Holzpalisaden und das Anlegen eines Graben (Pfahlgraben) zwischen den Türmen und der Palisade.

Die letzte Ausbaustufe war das Ersetzen der Holzpalisade durch eine 3-4 Meter Hohe und 1 Meter dicke Steinmauer. Auch die Wachtürme wurden nun zum Teil aus Stein gebaut oder Ersetzt und standen nun direkt an der Mauer.

Eine einheitliche Bauweise für den Limes gab es in der gesamten Zeit jedoch nicht. Mehrere Faktoren spielten im Aufbau eine Rolle z.B. die natürlichen Gegebenheiten, die Feindstärke und die vorhanden Ressourcen. So bestand ein langer Limes wie der Hadrianswall zum Teil aus einer Steinmauer, zum anderen Teil nur aus Erdwällen.

 

Limes Entwicklungsphasen

Limes Entwicklungsphasen

 

Funktion des Limes:

Die Hauptaufgaben des Limes waren zum einen die Abgrenzung des römischen Reiches zu den nicht eroberten Barbaren Gebieten, zum anderen die Regulierung des Waren- und Personenverkehrs mit den dazugehörigen Zöllen.

So dienten die Türme zur Überwachung der Grenze. Bei Bedarf und Notwendigkeit konnte bei Erspähung des Feindes ein Signal an das mehrere Kilometer dahinterliegende Kastell gegeben werden. Dieses konnte dann Fusssoldaten oder Reiterei schicken um dem Feind entgegentreten zu können.

 

Obergermanischer Limes: rekonstruierter Wachturm im Taunus

Obergermanischer Limes: rekonstruierter Wachturm im Taunus von Querido – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons

 

Eine völlige, militärisch kontrollierte Abgrenzung zu den Gebieten ausserhalb des römischen Reiches war aufgrund der immensen Länger der Reichsgrenze schon alleine nicht möglich. Zudem fehlte es im Laufe der Zeit durch zuviele Kriege immer mehr an Soldaten um den Limes dauerhaft besetzen zu können.

Ein nicht zu verachtender Nebeneffekt des Limes bestand in der Wirtschaftskraft , die diese Befestigung mit sich brachte. So wurden im Umland des Limes mit den angrenzenden Kastellen die Infrastruktur durch die Legionäre sowie die Anbautechnik der Lebensmittelproduktion und die hygienischen Standards denen von Rom angepasst. Dies kam der Bevölkerung auf der römischen Seite des Limes zu Gute, wobei auch die Wirtschaft durch die Kaufkraft der Legionäre stark profitierte. Auf der anderen Seite des Limes konnte die Bevölkerung, bis auf wenigen Handel, kaum etwas der römischen Lebensweise aufnehmen. Es Entstand so zwangsläufig eine Abtrennung zwischen einer armen und hochentwickelten und einer primitiven Gesellschaft.

 

Der Untergang des Limes:

Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Unterschiede zwischen der römischen Seite des Limes und den Gebieten auf der anderen Seite ließen im Laufe der Zeit einen gewissen Neid aufkommen. So kam es Anfang des 3. Jahrhunderts verstärkt zu Überfallen der Germanen auf die römische Seite des Limes, wobei viele der germanischen Anführer sogar von der römischen Legion ausgebildet wurden, sich dann aber den germanischen Stämmen anschlossen. So kannten sie die Taktiken und Schwächen des Limes und der Legion. 233 wurden zudem große Teile der römischen Legionen aus dem Donaugebiet abgezogen und in den Krieg gegen die Perser genannt, was zu einer weiteren erheblichen Schwächung der Grenzbefestigung führte. Die Germanen nutzen diesen Umstand und führten ausgedehnte Plünderfeldzüge durch. Sie konnten zwar immer wieder von den Römern zurückgeschlagen werden, die Schäden und der damit verbundene Wiederaufbau von Grenzbefestigungen, Kastellen und Dörfern stagnierte jedoch.

Mitte des 3. Jahrhunderts befand sich das weströmische Reich bereits im Untergang. Ein Herrscher folgte dem anderen, die eigenen Legionen wurden im Bürgerkrieg aufgerieben, angeheuerte Söldner bezahlten sich selbst durch Plünderungen und die Germanen drangen bereits Gallien, Spanien und Italien ein. Die Limes verwahrloste so und wurde zu einem Niemandsland, da die militärischen Ressourcen zur Sicherung nicht mehr vorhanden waren.

274 lies Kaiser Aurelian das Limesgebiet endgültig und vollständig räumen und lies die Grenze auf den Rhein zurückverlegen.
Unter Diokletian´s Herrschaft wurden später grundlegende Reformen eingeführt, mit denen es ihm gelang das römische Reich einigermaßen wieder zu stabilisieren. Ab 290 begann man wieder am Rhein und Donau neue Festungsanlagen zu errichten, auch die Truppenstärke konnte eine Zeitlang wieder erhöht werden.
Mitte des 4. Jahrhunderts ging Rom dazu über mit den Germanen Stämme durch Besiegung, Diplomatie oder Zahlungen verschiedene Verträge auszuhandeln, die den Stämmen Siedlungsgebiete zuwies und diese auch Abschnitte des Limes zur Verteidigung bereitstellte. So konnte bis Ende des Jahrhunderts im gesamten Reichsgebiet ein gewisser Frieden und Ordnung wieder hergestellt werden. Dies änderte sich jedoch bis zum Bürgerkrieg 394 zwischen Eugenius und Theodosius I. in dem die weströmischen Armeen gegeneinander aufgerieben wurden und die Grenzverteidigung kaum mehr möglich war.

Im 5. Jahrhundert zerfiel die Grenzverteidigung zusehens. Durch den klammen finanziellen Stand konnten weder Bauwerke noch Truppen erhalten und bezahlt werden. Für die Germanenstämme stellte der Limes schon lange kein Hindernis mehr da und so konnten sie fast ungehindert umherstreifen.

 

 

 

Passende Literatur zum Thema findet Ihr hier:

Der Limes: Auf den Spuren der Römer

 Der Limes: Auf den Spuren der Römer Gebundene Ausgabe – 1. August 2015


Der Limes: Auf den Spuren der Römer Gebundene Ausgabe – 1. August 2015

Das antike Rom war ein gewaltiger Staat mit einer herausragenden Militärmacht. Bis heute findet man in Nord- und Mitteleuropa noch Zeugnisse dieser Größe: Kastelle, Wachtürme und Palisaden, aber auch Städte, Häfen, Straßen und technische Anlagen. Zu den eindrucksvollsten archäologischen Denkmälern, die die Römer hinterlassen haben, zählt der Limes. Seit seiner Aufnahme zum UNESCO-Welterbe 2005 widmen sich Forschung wie Tourismus gleichermaßen verstärkt den Grenzen des Römischen Reiches. Die Archäologie konnte seitdem zahlreiche wichtige Entdeckungen machen und viele Aspekte des Limes neu bewerten. Die Archäologen Andreas Thiel und Marcus Reuter, ausgewiesene Experten rund um den Limes, beleuchten in diesem prachtvollen Text-Bild-Band die wichtigsten Limesorte zwischen Nordsee und Inn. Übersichtskarten, Glossar, Register und spannende Themenkästen runden den Band ab.

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Der römische Limes in Bayern: Geschichte und Schauplätze entlang des Unesco-Welterbes (Bayerische Geschichte)

 Der römische Limes in Bayern: Geschichte und Schauplätze entlang des Unesco-Welterbes (Bayerische Geschichte) Gebundene Ausgabe – Juni 2008


Der römische Limes in Bayern: Geschichte und Schauplätze entlang des Unesco-Welterbes (Bayerische Geschichte) Gebundene Ausgabe – Juni 2008

Der reich illustrierte Band informiert umfassend und zuverlässig über die Militärgrenzen Roms in Bayern. Vorgestellt werden in einem ersten Teil die Geschichte und Funktion des Limes, die römische Grenzpolitik und die Ausrüstung und Bewaffnung der Limestruppen. Kernstück des Buches ist ein aktueller Wanderführer entlang des raetischen Limes zwischen Wilburgstetten bei Dinkelsbühl bis Eining an der Donau mit einer Beschreibung aller Wachtürme und Kastelle sowie Hinweisen auf Museen und archäologische Parks. Schließlich werden noch weitere 40 Militärplätze in Bayern vorgestellt, die zwar nicht unmittelbar entlang des römischen Grenzwalls liegen, deren Besuch aber besonders zu empfehlen ist.

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Der Limes: Grenze des Imperium Romanum (Geschichte erzählt)

 Der Limes: Grenze des Imperium Romanum (Geschichte erzählt) Gebundene Ausgabe – September 2010


Der Limes: Grenze des Imperium Romanum (Geschichte erzählt) Gebundene Ausgabe – September 2010

Was haben die Römer sich dabei gedacht, als sie zu Beginn des 2. Jahrhunderts n. Chr. ihre Welt buchstäblich mit Brettern vernagelten und die Grenzen ihres Weltreiches, mit Türmen, Palisaden, Gräben und Mauern umfriedeten? War es die Angst vor den wilden, räuberischen Barbarenhorden, eine Beschäftigungstherapie für gelangweilte Soldaten in Friedenszeiten oder eine monumentale Machtdemonstration? Oder war der Limes vielleicht nur der größte Gartenzaun der Welt? Wolfgang Moschek erzählt die Geschichte des römischen Limes aus dem Blickwinkel der Menschen, die ihn erdacht, gebaut, bewacht und schließlich verlassen haben. Dabei erfährt man, was der Limes mit dem Ackerbau zu tun hat, von Geheimdienstberichten über die Barbaren jenseits des Limes, von kilometerlangen Gräben im afrikanischen Wüstensand, den Besuchen römischer Kaiser in Britannien, dem einsamen Dienst auf den Wachttürmen in Germanien und den Überwachungsanlagen gegen die „Räuber“ an der Donau. Kurz, dieses Buch zeichnet ein lebendiges Bild einer gar nicht so starren Grenze.

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Der Limes: 50 Jahre Forschung und Vermittlung (Limesreihe – Schriften des Limesmuseums Aalen)

 Der Limes: 50 Jahre Forschung und Vermittlung (Limesreihe - Schriften des Limesmuseums Aalen) Gebundene Ausgabe – 7. April 2014


Der Limes: 50 Jahre Forschung und Vermittlung (Limesreihe – Schriften des Limesmuseums Aalen) Gebundene Ausgabe – 7. April 2014

Der Limes markierte und sicherte die Grenzen zwischen dem Römischen Reich und den sogenannten Barbaren. Er ist sowohl ein Zeugnis für exzellente antike Baukunst als auch ein Symbol für das Aufeinandertreffen zweier Kulturen, wie sie unterschiedlicher nicht hätten sein können. Seit 50 Jahren präsentiert das Limesmuseum Aalen die Geschichte des vielfältigen Lebens am Limes. Der vorliegende Band hat das Jubiläum zum Anlass genommen, um der Frage nachzugehen, welche Veränderungen in der Limesforschung der letzte fünf Jahrzehnten stattgefunden haben. Abgesehen von einem facettenreichen Überblick über die Forschungen entlang des Limes und den vielfältigen Vermittlungsformen stehen besonders 50 ausgewählte Objekte im Mittelpunkt des Bandes. Sie bieten in ihrer unmittelbaren Authentizität ganz spezifische Einblicke in den Alltag und die kulturellen Bezüge der Zeit am Limes vor rund 1800 Jahren.

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