Der Untergang Napoleons

Nach den Siegen gegen die Preußen, Österreicher und Russen, beherrschte Napoleon Mitteleuropa und konnte seine politischen Zielsetzungen ohne Widerstand durchsetzen. Aus ehemaligen Gegnern Frankrich machte er sich gezwungene Verbündete, so auch mit Russland nach dem Frieden von Tilsit im Juli 1807. Doch Zar Alexander I. empfand es als Schmach nur noch ein zweitrangiger Verbündeter Napoleons zu sein, zudem setzte seinem Land die von Frankreich verhängte Kontinentalsperre zum Einfuhr britischer Waren auf das Festland wirtschaftlich stark zu. Politisch hatte Russland ausserdem mit dem von Napoleon 1807 geschaffenen Herzogtum Warschau zu kämpfen, dass die russischen Interessen in Polen bedrohte.

1811 entschied sich Alexander sich von den Vereinbarungen mit Frankreich zurückzuziehen, Napoleon war nun entschlossen, Russland erneut den Krieg zu erklären und das Land diesmal mit Gewalt seinem Willen zu unterwerfen.

Europa in der Zeit von 1804 bis 1815

Europa in der Zeit von 1804 bis 1815

 

Kriegsvorbereitungen:

Nach der Aufkündigung der russischen Vereinbarungen mit Frankreich begann Napoleon seine Armee für seinen Feldzug aufzubauen. Im Sommer 1812 unterhielt er, für die damaligen Verhältnisse einmalig, rund 600.000 Soldaten. Diese Armee setzte sich zur Häfte aus Franzosen und Soldaten der erst kürzlich annektierten Gebiete sowie aus Soldaten von Satellitenstaaten wie dem deutschen Rheinbund, Italien und Warschau zusammen. Auch die als Zwangsverbündete eingesetzten Österreicher und Preußen mussten Soldaten gegen den ehemaligen Verbündeten Russland stellen. Weiter kamen rund 200.000 Pferde zu den Soldaten hinzu.

Napoleons militärische Taktik, ausgelegt auf die Versorgung seiner Armee durch die besetzten Gebiete war bei einer derartigen Masse an Soldaten nur kurzfristig möglich, so setzte er auf einen schnellen und aggressiven Feldzug gegen Russland um nicht in Versorgungsschwierigkeiten zu gelangen.

 

Der Beginn des Feldzuges:

Im Juni 1812 begann der Russlandfeldzug von Napoleon. Doch das Konzept Napoleons eines kurzen, aber vernichtenden Feldzuges ging nicht auf. Die russische Armeeführung lies seine Truppen immer weiter zurückfallen und vermied die direkte Konfrontation mit den Franzosen. Diese waren nun gezwungen den russischen Truppen in die Weiten des russischen Raumes hinterher zu marschieren. Als es dann im August bei Smolensk zur ersten richtigen Schlacht kam, machte sich bereits das Konzept des geordneten russischen Rückzuges bemerkbar. Die französische Versorgungslinien waren zu lang und die Versorgung der Truppe brach zusammen. Viele tausend Soldaten starben durch Hunger, Erschöpfung oder Krankheiten. Auch die Schlacht brachte für Napoleon nicht den erhofften Durchbruch sondern endete unentschieden und die russischen Truppen begannen sich erneut geordnet zurückzuziehen.

 

Der Angriff auf Moskau:

Nach der Schlacht um Smolensk lies Napoleon ungeachtet der Versorgungsschwierigkeiten seine Truppen weiter nach Osten Richtung Moskau marschieren. Er war in der Annahme, dass die Russen ihre Hauptstadt bis zum letzten Mann verteidigen würden und nach einer Niederlage endlich einem Frieden zustimmen würden.

Doch bereits vor Moskau stellten sich die russischen Truppen Napoleon in den Weg. Unter der Führung von General Kutusow bauten seine Truppen in dem Dorf Borodino starke Verteidigungsanlagen. Am 7. September 1812 lies Napoleon seine Truppen einen Sturmangriff auf die Verteidigungsstellungen durchführen. Unter hohen Verlusten, ca. 70.000 Mann fielen an dem Tag auf beiden Seiten, konnten die Franzosen die Stellungen einnehmen. Doch General Kutusow baute seine Armee schnell wieder auf, die Entscheidung war für Napoleon immer noch nicht gefallen.

Auch nach dem Einmarsch in Moskau konnte Napoleon den Zar Alexander I. nicht zur Kapitulation bewegen. Er sah sich gezwungen, sich aus Russland zurückzuziehen, um seine durch die schlechte Versorgung schon stark dezimierte Armee nicht völlig zu verlieren.

 

Der Rückzug aus Russland:

Mitte Oktober 1812 begann der französische Rückzug aus Russland, der für die Soldaten ein größeres Leiden als die Schlachten an sich dastellen sollte.

Bereits von Hunger, Erschöpfung und Krankheiten gezeichnet, machte den Soldaten auf dem Rückweg der russissche Winter schwer zu schaffen. Die Soldaten brachen zu tausenden auf dem Weg zusammen, blieben liegen und starben. Zudem brachten die ständigen Scharmützel mit den Kosaken, die mit ihren Pferden schnelle Überraschungsangriffe durchführten, den französischen Soldaten weitere Verluste. Verletzte und Verwundete wurden in den Dörfern und Städten zurückgelassen und wurden bei Abzug der Armee durch die Zivilbevölkerung nicht selten getötet, Mißhandelt oder verschleppt.

Der letzte Sieg auf russischem Boden konnten die Franzosen in der Schlacht bei Beresina vom 26. bis 28. November 1812 verzeichnen. Die russischen Truppen versuchten die französischen Truppen beim Überqueren der Beresina einzukesseln und zu vernichten, in einer letzten Schlacht, gelang es den Franzosen noch aus dem Kessel auszubrechen und weiter nach Westen zu marschieren.

Der Rückzug über die Beresina

Der Rückzug über die Beresina

 

Am 8. Dezember 1812 entschied sich Napoleon in Smorgon, seiner Truppe vorrauszueilen und eine neue Armee in Frankreich aufzubauen und diese mit seiner jetzigen in Mitteleuropa zu vereinigen.

Napoleon auf dem Rückzug aus Russland (Gemälde von Adolf Northern)

Napoleon auf dem Rückzug aus Russland (Gemälde von Adolf Northern)

 

Napoleons Versuch den Krieg zu wenden:

Wieder in Frankreich angekommen, baute Napoleon mit französischen Wehrpflichtigen, Polen und Deutschen eine neue Armee auf um gegen Russland und die nun mit ihm wieder verbündeten Preußen, Österreicher und Schweden ins Feld zu ziehen. Der Beginn des neuen Feldzuges lies neue Hoffnung in Napoleon aufkommen, den Krieg doch noch zu seinen Gunsten entscheiden zu können. Doch bei der Völkerschlacht im Oktober 1813 bei Leipzig, wo seine Armee 2 zu 1 der Koalition unterlegen war, musste er sich unter schweren Verlusten erneut zurückziehen und konnte anschließend auch nicht mehr in die Offensive gehen.

 

Die Besetzung Frankreichs:

Im Dezember 1813 einigten sich die Herrscher Preußens, Österreichs und Russland auf die Besetzung von Frankreich und die völlige Niederwerfung von Napoleon. Die Briten trugen ihren Teil durch die Siege in Spanien und dem Vormarsch nach Südfrankreich dazu bei.

In der Zwischenzeit gelang es Napoleon erneut eine neue Armee aufzubauen. Doch aufgrund der nun weit verbreiteten Zweifel der Bevölkerung an dem Krieg, kamen nur noch rund 100.000 Wehrpflichtige zusammen.

Napoleon gelang es zwar noch, den ein oder anderen Sieg zu verbuchen, doch gegen die nun einmarschierende Armee der Koalition hatte er nichts mehr entgegen zu setzen. Im März 1814 wurde Paris besetzt und Napoleon wurde zum Abdanken gezwungen.

Napoleons Abschied von der Kaiserlichen Garde in Fontainebleau (Gemälde von Antoine Alphonse Montfort)

Napoleons Abschied von der Kaiserlichen Garde in Fontainebleau (Gemälde von Antoine Alphonse Montfort)

 

Napoleons Exil und kurze Rückkehr:

Nach der Besetzung Paris war Napoleon bewusst geworden, dass er der Koalition militärisch nicht mehr gewachsen war. Diese wiederrum gewährten ihm einen würdevollen Abgang als Kaiser der Mittelmeerinsel Elba, wo er bis zu seinem Lebensende bleiben sollte.

Da nach der Abdankung Napoleons die gewünschte Wiedereinführung der Monarchie jedoch keine Fortschritte machte, sah sich Napoleon in seiner Annahme bestätigt, dass nur er das Land führen konnte und bereitete seine Rückkehr vor. Von den Soldaten euphorisch gefeiert gelangte er im März 1815 nach Paris und stellte den politischen Status vor seiner Abdankung wieder her. Sogleich begann er auch mit der Aufstellung einer neuen Armee um erneut gegen die Koalition in den Krieg zu ziehen.

Bereits im Juni 1815 erfolgte der Feldzug in Belgien wo er auf das britisch-niederländische Heer von Wellington und ein preußisches Heer unter General Gebhard Leberecht von Blücher stoß. In den Schlachten vom 16. Juni bei Quatre-Bras und Ligny konnte er seiner alten Taktik getreu beide Heere getrennt zurückschlagen. Doch in der Schlacht bei Waterloo konnten sich die Heere vereinigen und gemeinsam gegen Napoleon bestehen.

 

Die Schlacht von Waterloo:

Am 16. Juni 1815 musste sich das britisch-niederländische Heer unter der Führung von Herog von Wellington, nach einem Zusammenstoß mit den französischen Truppen bei Quatre-Bras, auf einen Höhenzug bei Mont St. Jean, südlich von Waterloo zurückziehen. Seine Armee bestand aus rund 68.000 Soldaten, die Französische zwar nur geringfügig stärker mit 72.000 Soldaten, doch die Franzosen waren weitaus kampferprobter und mit deutlich mehr Kanonen ausgestattet.

Wellington lies den größten Teil seiner Armee hinter dem Hügel ausharren, um sie vor den französischen Kanonen zu schützen. Nach dem Artilleriefeuer lies Napoleon seine Infanterie in breiter Linie auf die Gegner marschieren. Das Musketenfeuer und die Konaonen von Wellingtons Soldaten richteten indes ein regelrechtes Blutbad unter den Franzosen an, die unbeirrt weiter auf ihn zu marschierten. Erst als Wellington seine schwere Kavallerie auf die Franzosen zustürmen lies, bliesen diese zum Rückzug. Unglücklicherweise eilte die britische Kavallerie den sich zurückziehenden französischen Soldaten nach und gerieten selbst ins Feuer der gegenerischen Artillerie. Als dann noch die französische Kavallerie zum Gegenangriff ausrückte, mussten die Briten schwere Verluste hinnehmen.

Schlacht bei Waterloo Gemälde von William Sadler (1782–1839)

Schlacht bei Waterloo Gemälde von William Sadler (1782–1839)

 

In der Annahme, dass durch diesen Verlust die Briten nun vor dem Zusammenbruch stünden, lies der französische Marshall Ney seine Reiter einen direkten Angriff durchführen. Dieser konnte jedoch die Defensivtaktik der Briten mit ihren Bajonettbewehrten Karrees nicht durchbrechen und musste nach dem Beschuss durch die Musketen unter schweren Verlusten abgebrochen werden.

Im Laufe der Kampfhandlungen gelang es den Franzosen zwar, die unter dem Hügel gelegenen Bauerhöfe teilweise zu erobern, doch rückte die Unterstützung für Wellington in Form der rund 50.000 Mann starken preußischen Armee immer näher. Eine Vereinigung hätte die Niederlage für Napoleon bedeutet und so versuchte er, die Preußen von den Briten getrennt zu halten und startete mit seiner kaiserlichen Garde einen direkten Angriff auf die Briten. Der Angriff fiel dem Beschuss der britischen Musketen zum Opfer und so löste sich selbst die Garde während der Kampfhandlungen auf.

Die Franzosen mussten den Rückzug antreten und wurden von der preußischen Kavallerie verfolgt, was ebenfalls noch zu schweren Verlusten führte. Insgesamt verlor Napoleon in dieser Schlacht rund 25.000 Soldaten, weitere 8.000 gerieten in Gefangenschaft. Damit war das französische Militär endgültig geschlagen.

 

Napoleons Ende:

Nach dem Sieg bei Waterloo und dem anschließenden Wiener Kongress, wurden die alten monarchistischen Verhältnisse in Frankreich wieder hergestellt und Napoleon, der im Juli 1815 an Bord des englischen Schiffes HMS Bellerophon kapitulierte, wurde nach St. Helena ins Exil verbannt. Dort schrieb er seine Memoiren und verstarb 1821.

Europa nach dem Wiener Kongress 1815

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Napoleon Bonaparte

 Napoleon Bonaparte Gebundene Ausgabe – 1. September 2010


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 Die Schlacht: Waterloo 1815 Gebundene Ausgabe – 18. Februar 2015


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Waterloo ist wohl die berühmteste Schlacht der Weltgeschichte, DAS Synonym für den zweiten Griff nach den Sternen und für das finale Scheitern. Trotz seiner erzwungenen Abdankung im Vorjahr und dem Exil in Elba wollte es der Ex-Kaiser Napoleon noch einmal wissen: Zwei Tage nach den Schlachten von Ligny und Quatre Bras standen sich am 18. Juni 1815, einem Sonntag, etwa 15 km südlich von Brüssel, nahe der kleinen Ortschaft Mont St. Jean, erneut 180.000 deutsche, niederländische, englische und französische Soldaten gegenüber. Der Militärhistoriker Klaus-Jürgen Bremm schildert die dramatische Vorgeschichte dieses Feldzuges und seine Etappen, analysiert das Schlachtgeschehen des Tages detailliert, porträtiert die Akteure, die Armeen und untersucht die Bewaffnung der Soldaten. Und er beschreibt Nachleben und Rezeption wie auch die Möglichkeiten und Grenzen, Kriegsgeschehnisse der Vergangenheit zu rekonstruieren. Eindrucksvoll geschildert entsteht so ein Porträt der dramatischen Schlacht von Waterloo mit all ihren Facetten.

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