Deutsche Infanteriekarren und Heeresfeldwagen im 1. Weltkrieg

Bis zum Aufkommen des Verbrennungsmotors und damit eingehend die schrittweise Motorisierung der Streitkräfte, war das Pferd als Zug- und Transportmittel Hauptbestandteil der deutschen Armee bis zum Ende des 2. Weltkrieges.

Bereits seit den frühen Anfängen militärischer Auseinandersetzungen wurden Tiere, besonders das Pferd, im Militär eingesetzt. Ob als Reittier für Soldaten, Zugtier für Gespanne oder als Lastenträger hatten diese unterschiedliche Aufgaben zu erfüllen.

Im deutschen Kaiserreich begann man bereits vor dem ersten Weltkrieg die Feldwagen auf die jeweilige Truppengattung, den jeweiligen Einsatz und die Ausstattung zu spezialisieren und anzupassen.
Allgemein wurden die Feldfahrzeuge unterschieden in:
– Protzen
– Wagen mit 4 Rädern
– Karren mit 2 Rädern

oder im verwendeten Material:
– stählerne Fahrzeuge
– eiserne Fahrzeuge
– hölzerne Fahrzeuge

auch eine Einteilung nach dem Verwendungszweck wurde gebraucht:
– Patronenwagen
– Vorratswagen
– Lebensmittelwagen
– Futterwagen
– Packwagen
– Feldschmiede
– Feldküche

 

Zur Herstellung wurde überwiegend Weißbuche benutzt. Bei Feldfahrzeugen die eine hohe Last zu tragen hatten wie Protzen oder Munitionswagen wurde mehr Stahl verwendet.

Die Anforderungen an die Feldfahrzeuge richtete sich überwiegend daran, dass diese nicht zwingend an intakte Straßen gebunden sein durften sondern auch in unwegsamen Gelände einsatz- und fahrbereit zu sein hat. So musste nach Möglichkeit das Gewicht des Wagens gering gehalten werden, da bis zu 60% des Leergewichtes als Ladung mitgeführt werden musste. Zudem mussten die Wagen gegen Umschlagen gesichert sein sowie über eine leichte Lenkbarkeit verfügen. So gab es einige Feldfahrzeuge, deren Deichsel von der Mittellinie 80 oder 90 Grad Einlenkungen möglich machten.
Als Faktoren zur Beeinflussung der Geländegängigkeit und Manövrierfähigkeit wurde aufgestellt:
– Die Einrichtung der beweglichen Teile des Feldfahrzeuges wie z.B. die Räder oder Achsen nach der Formel: je größer die Räder desto geringer war die erforderliche Zugkraft zur Bewegung. So wurde die Reifengröße standardisiert und bei der Feldartillerie auf eine Radhöhe von 1400mm, bei der Fußartiller auf 1550mm festgelegt
– Die Möglichkeit zur Beibehaltung der eingeschlagenen Richtung beim Fahren
– Die Lenkmöglichkeiten
– Die Biegsamkeit zwischen Vorder- und Hinterachse
– Die Länge des Feldfahrzeuges
– Die Belastung der Vorder- und Hinterachse
– Die vorhandene Einrichtung zum Anbringen der Pferde

 

Die Spezialisierung der Feldfahrzeuge auf den jeweiligen Einsatz war zwar eine optimale Anpassung an den Verwendungszweck, führte jedoch bereits vor dem ersten Weltkrieg zu einer Fülle von unterschiedlichsten Fahrzeugen, die die Ausbildung von Soldaten erschwerte, sowie hohe Kosten im Unterhalt und der Nutzung stellte. Somit wurde vom Kriegsministerium ein Standardmodell gefordert, auf welchem die jeweiligen Anforderungen aufgebaut werden konnten. Das erste eingeführte Standardmodell wurde kurze Zeit später der Feldwagen c/95.

Während des Kriegsverlauf des ersten Weltkrieges führten auch kriegsbedingter Mangel an Rohstoffen zu der Vereinheitlichung der Feldfahrzeuge, womit im Laufe der kleine Feldwagen 16 und der schwere Feldwagen 05 als Standardfahrzeuge eingeführt wurden.
Als Anstrich wurden vom Ministerium die Farbe „feldgrau“ angeordert, später kam ein Tarnanstrich hinzu.

 

Nach dem Bericht des Kriegsveterinäramt lag die Arbeitsleistung bei Pferden, die als Zugtiere für Feldfahrzeuge eingesetzt wurden, bei täglich zwischen 4 und 8 Stunden und ca. 30Km Marschleistung. Während des ersten Weltkrieges waren rund 1.236.000 Pferde eingesetzt mit einer Verlustrate von geschätzen 68%, was rund 840.480 tote Tiere sind. Weitere 405.101 Pferde wurden verwundet.

 

Proviantwagen vierspännig

 

Vorschriftsmäßige Bespannung mit 6 Pferden

 

Patronenwagen c/87

 

Packwagen 87

 

Sanitätswagen c/87

 

Leichter Feldwagen 95

 

Schwerer Feldwagen 05

 

Leichte Feldküche

 

Feldbäckerei

 

Aufstellung einer Proviantkolonne

 

Feldfahrzeug einer Maschinengewehr Kompanie

 

 

 

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