Die Einigungskriege Italiens

Nach dem Zusammenbruch des weströmischen Reiches zerfiel auch das ehemalige römische Rumpfgebiet auf dem heutigen Italien in viele, oftmals rivalisierende Königreiche und Stadtstaaten. Nicht selten waren diese kleinen Gefilde unter der Herrschaft der größeren europäischen Mächte wie Österreich oder Spanien.

Als Ende des 18. Jahrhunderts Napoleon mit seinen französischen Truppen einmarschierte um die Österreicher zu vertreiben, verleibte er dem französischen Staatsgebiet den Nordwesten und Mittelitalien ein. Ausserdem vereinigte er den Rest in ein nördliches und im Süden in ein sizilianisches Königreich. Nach dessen Niederlagen und Verbannung erfolgte die Zurücksetzung auf die alten Herrschaften und Grenzen, wobei sich Österreich jedoch die Herrschaft über das nördliche Gebiet Lombardei-Venetien und 3 kleinere Gebiete sicherte.

Die daraufhin aufflammenden Aufstände wurden niedergeschlagen, der Wille zur Einigung jedoch nicht gebrochen.

Italien Mitte des 19. Jahrhunderts

Italien Mitte des 19. Jahrhunderts

 

Der erste Krieg:

Die Französische Revolution, die im Februar 1848 ausbrach, verbreitete sich über weite Teile Europas. So auch im März die italienische Gebiete, die sich von der Herrschaft Österreichs lossagen wollten. In Mailand, der Lombardei und Venedig brachen Aufstände aus. Die Zurückhaltung der Österreicher nahm König Karl Albert von Sardinien-Piemont zum Anlass die Österreicher militärisch aus der Lombardei zu vertreiben und erklärte dem Land den Krieg. Kurz darauf erklärte Venedig seine Unabhängigkeit.

Ausrufung der Republik Venedig am 23. März

Ausrufung der Republik Venedig am 23. März

 

Die österreichischen Truppen unter der Führung von Marschall Josef Radetzky zogen sich aus Mailand zurück und warteten in den Festungsstädten Verona, Mantua, Peschiera und Legnano auf die vorrückenden Truppen von Karl Albert. Diese konnten die Stadt Peschiera schnell erobern und wandten sich anschließend der Bergstadt Custoza zu, wurden dort im Juli 1848 jedoch geschlagen. Nun rückten die Österreicher vor und eroberten Mailand zurück und vertrieben anschließend Karl Alberts Truppen aus der Lombardei, sodass dieser einen Waffenstillstand schließend musste.

Bereits im März 1849 brachen die Kämpfe erneut aus. Die Österreicher schlugen Karl Alberts Truppen bei Novara und Belagerten Venedig, dessen Unabhängigkeit im August für beendet erklärt wurde. Zwar brach nun auch in Florenz eine Revolte aus, diese wurde von den Österreichern jedoch schnell niedergeschlagen. König Karl Albert dankte ab um seinem Sohn Viktor Emanuel II. Platz zu machen.

Feldmarschall Radetzky am 23. März 1849 bei Novara

Feldmarschall Radetzky am 23. März 1849 bei Novara

 

Bereits im Februar 1849 wurde im Süden die Republik in Rom ausrufen. Italienische Nationalisten vertrieben Papst Pius IX. und verschanzten sich in der Stadt gegen die nun anrückenden Truppen aus Neapel und Frankreich. Am 30. Juni mussten die Verteidiger kapitulieren und auch im Süden Italiens zerbrach die Hoffnung auf Einigkeit.

 

Der zweite Krieg:

Das Resultat aus dem ersten Einigungskrieg war lediglich eine liberale Verfassung für das Gebiet Piemont. Doch 10 Jahre nach dem ersten Versuch konnte der Premierminister von Piemont Graf Cavour mit dem französischen Kaiser Napoleon III. ein geheimes Abkommen vereinbaren, was die Vertreibung der Österreicher zum Ziel hatte. Nach dem Abschluss provozierte Piemont eine Kriegserklärung Österreichs, Frankreich kam seinen Verpflichtungen bei und entsandte beim ersten militärischen Massentransport per Eisenbahn rund 130.000 Soldaten und ebenso viele Pferde in das Kampfgebiet.

Das erste Aufeinandertreffen der Truppen erfolgte am 4. Juni 1859 bei Magenta. Die französischen Truppen waren dabei auf zweigeteilt, wobei die eine Hälfte über einen Kanal die Österreicher von Westen her Angriff, die andere Hälfte von Norden. Die französischen Truppen im Westen konnten eine Zeitlang aufgehalten werden, da der Vorstoß der aus Norden kommenden Truppen langsamer als erwartet war. Doch am späten Nachmittag des Schlachttages erreichten die nördlichen Truppen schließlich die Stadt und konnten nach einem schweren Häuserkampf die Österreicher vertreiben.

Diese zogen sich anschließend nach Osten zurück während die Franzosen Mailand einnahmen. Am 24. Juni konnten die vorrückenden Franzosen unerwartet die Österreicher bei Solferino einholen. In der blutigen Schlacht konnten die Franzosen durch ihre besseren Geschütze und der Unterstützung ihrer Fremdenlegionäre die Schlacht gewinnen.

Napoleon III. in der Schlacht von Solferino

Napoleon III. in der Schlacht von Solferino

 

Ausgehend von der Heftigkeit der Schlacht von Solferino schlossen Frankreich und Österreich Frieden. Nach diesem musste Österreich die Lombardei an Piemont abtreten, die wiederum als Dank an die Franzosen Nizza und Savoyen im Westen an Frankreich abgaben. Weiter verlor Österreich auch seine 3 mittelitalienischen Gebiete an Piemont.

 

Der Krieg gegen Neapel:

Nach der teilweisen Vereinigung des italienischen Nordens begann der Revolutionsführer Giuseppe Garibaldi mit der Vereinigung des Südens. Hierfür landete er im Mai 1860 aus Genua mit rund 1.000 Soldaten in Sizilien. Dort schlossen sich ihm weitere Freiwillige an und die Truppe marschierte ins Landesinnere. Bei Calatafimi, im Westen Siziliens, konnte zum ersten Mal neapolitanische Truppen geschlagen werden, anschließend konnte Palermo eingenommen werden.

Giuseppe Garibaldi

Giuseppe Garibaldi

 

Unter zu Zuhilfenahme der Royal Navy setzten seine Truppen zum Festland über, und nahmen kurz darauf Neapel ein. Im Oktober 1860 erfolgte der nächste Sieg bei Volturno und bei Gaeta schloss er die feindliche Truppe mit der aus dem Norden heranrückenden Armee von Piemont ein. Diese musste im Februar 1861 kapitulieren und im März konnte Emanuel II. zum König von Italien gekrönt werden.

 

Venedig und das römische Gebiet:

Im März 1861 konnte fast das gesamte Gebiet von Italien zu einem Staat vereinigt werden. Doch noch immer waren Venetien um Venedig herum, sowie das Gebiet um Rom herum noch unabhängig bzw. gehörten zu Österreich.

Im Juni 1866 schloss sich Italien daraufhin Preußen im Krieg gegen Österreich an, um seine Ansprüche auf Venetien geltend zu machen. Zwar konnte Österreich die italienischen Truppen bei Custoza und Lissa schlagen, aber den Krieg gegen Preußen verlor das Land. Nach den Friedensverhandlungen musste Österreich also Venetien an Italien abtreten.

Bei dem deutsch-französischem Krieg von 1870 war Frankreich gezwungen, seine Legion abzuziehen, die das Land für den Schutz des Papstes in Rom stationiert hatte. Italien nutzte die Gelegenheit und eroberte das nun ungeschützte Gebiet und verleibte es dem italienischen Staat ein. Hierbei wurde Rom auch als Hauptstadt ausgerufen.

 

Weitere Annexion Italiens:

Die letzten Gebiete, die dem italienischen Staat zugesprochen wurden, kamen nach dem ersten Weltkrieg hinzu. Nach der Kapitulation des Kaiserreichs Österreich fielen an Italien Südtirol, Triest und Istrien.

 

 

 

 


Passende Literatur zum Thema findet Ihr hier:

Der lange Weg zur Nation: Das italienische Risorgimento

Der lange Weg zur Nation: Das italienische Risorgimento Taschenbuch – 20. Oktober 2011

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Italiens nationalstaatliche Einigung war nicht Ergebnis einer zielgerichteten Entwicklung, sondern stand am Ende eines langen Weges, den zahlreiche Protagonisten mit zum Teil ganz unterschiedlichen Ideen und Aktionen gestaltet haben. Diese Geschichte und ihre Auswirkungen auf die italienische Identität bis heute stellt das Buch überaus anschaulich dar.

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Garibaldis Feldzug in beiden Sizilien

Garibaldis Feldzug in beiden Sizilien Taschenbuch – Januar 2012

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Garibaldi war eine bestimmende Person in den Italienischen Einigungskriegen. 1860 segelte er mit Tausend Mann nach Süden (Zug der Tausend), um Sizilien und Neapel zu befreien und dem Königreich Sardinien zuzuführen. Mit dem Krieg gegen Österreich 1866 wurde die italienische Einigung dann wenige Jahre später nahezu fertiggestellt. Nachdruck des Originals von 1861.

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Garibaldi: Die Geschichte eines Abenteurers, der Italien zur Einheit verhalf (WAT)

Garibaldi: Die Geschichte eines Abenteurers, der Italien zur Einheit verhalf (WAT) Taschenbuch – 1. Februar 2007

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Der Abenteurer, Freiheitskämpfer und Frauenheld Giuseppe Garibaldi (1807-1882) ist bis heute die faszinierendste Gestalt des Risorgimento, der Bewegung für die Einheit Italiens. Friederike Hausmann zeichnet die Biographie eines leidenschaftlichen Abenteurers nach, der es – anders als Politiker wie Mazzini und Cavour – verstand, das gemeine Volk zu begeistern. Garibaldis >Zug der Tausend< nach Sizilien versetzte ganz Europa in fassungsloses Erstaunen. Gegen Ende seines Lebens war Garibaldi offiziell gefeierter Volksheld und gefürchteter Gegner der neuen bürgerlichen Herren. Die Biographie ist durch literarische und dokumentarische Zeugnisse ergänzt und entwirft gleichzeitig ein noch heute vertrautes Bild Italiens: Ein Land, das zur Einheit fand, ohne seine Vielfalt zu verlieren.

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