Die Hugenottenkriege

In Frankreich kam es im 16. Jahrhundert durch die Reformation zum Zerfall der Gesellschaft in 2 religiöse Lager: den Katholiken und den Protestanten (auch Hugenotten bezeichnet. Diese Gegenseitige Intoleranz führte zu einem französischen Bürgerkrieg der sich in der Zeit zwischen 1562 bis 1598 auf 8 Kriege ausweitete.

 

Der erste Krieg (1562-1563)

Am 1. März 1562 versammelten sich die Hugenotten in Wassy (Champagne) in einer Scheune zu einem Gottesdienst. Der anrückende Herzog François de Guise richtete unter den versammelten Menschen ein regelrechtes Blutbad an, bei dem rund 80 Männer und Frauen getötet wurden. Auf dieses Massaker hin rief der Fürst von Condé die Hugenotten zu den Waffen und besetzte am 2. April 1562 Orléans. Der Vorfall in Wassy wurde somit der Auslösegrund für den Bürgerkrieg.

Der Ruf zu den Waffen breitete sich schnell in ganz Frankreich aus. Am 19. Dezember 1562 trafen bei Dreux die beiden Heere unter der Führung von Louis de Condé für die Hugenotten und Anne de Montmorency für die Katholiken aufeinander.
Montmorency konnte den Sieg erringen, was Herzog François de Guise dazu bewog am 5. Februar 1563, das von den Protestanten besetzte Orléans zu belagern. De Guise fiel bei dieser Belagerung einem Mord zum Opfer, der von dem Protestanten Poltrot de Méré durchgeführt wurde.

Die Regentin des jungen Königs Karl IX. Katharina von Medici vermittelte anschließend den Waffenstillstand der als Friedensedikt von Amboise am 19. März 1563 den ersten Krieg beendete.

 

Die religiösen Bekenntnisse in Europa um 1580

Die religiösen Bekenntnisse in Europa um 1580

 

Der zweite Krieg (1567-1568)

Durch den wachsenden Einfluss des Kardinals von Lothringen auf den König Karl IX. befürchteten die Protestanten Repressalien ihnen gegenüber und bereiteten die Entführung des Königs vor. Diese Operation mit dem Namen „Handstreich von Meaux“ , die vom 26. bis 28. September 1567 durchgeführt wurde, erwies sich jedoch als Fehlschlag, da der König gewarnt wurde und mit Hilfe der Schweizergarde nach Paris flüchten konnte.

Fast gleichzeitig nahmen die Protestanten im Süden Frankreichs mehrere Städte ein, wobei es von beiden Seiten zu schrecklichen Gräueltaten kam. Louis de Condé führte seine protestantische Streitmacht weiter, nahm die Stadt Saint-Denis ein und blieb dem katholischen Heer weiter auf den Fersen. Am 10. November 1567 kam es dann bei Saint-Denis zu Schlacht, die mit einem Unentschieden endete und Anne de Montmorency tödlich verletzt wurde.

Am 23. März 1567 wurde nach langen Verhandlungen das Friedenedikt von Longjumeau vereibart, welches lediglich wieder das Friedensedikt von Amboise in Kraft treten lies.

 

Der dritte Krieg (1568-1570)

Der dritte Krieg war hauptsächlich durch die Einmischung und Verbindung beider Konfliktparteien mit dem Ausland geprägt. So kam es in den von Spanien besetzten Niederlanden zu einem Aufstand der „Geusen“ gegen die spanische Herrschaft, die mit einer fürchterlichen Vergeltung des spanischen Königs Philipp II. gegen die protestantischen Wallonen und Flamen bestraft wurden. In Frankreich sorgte dieses Vorgehen für Empörung und Mitgefühl der Protestanten für ihre niederländischen Glaubensbrüder aus, sodass zwischen ihnen ein Beistandspakt geschlossen wurde dem sich auch England mit finanzieller Hilfe anschloss.

Auf der Seite der Katholiken hingegen kam es zu Bündnissen zwischen den katholischen Franzosen, Spanien, dem Papst und dem Herzog der Toscana.

Besonders der Süden Frankreich war nun durch heftige Schlachten gezeichnet, so z.B. in Poitou, Saintonge und Guyenne. In der Schlacht von Jarnac wurde der protestantische Heerführer Louis de Condé am 13. März 1569 getötet. Die katholische Streitmacht unter der Führung von Anjou, dem späteren König Heinrich III., gelang indes einige Siege wie in der Schlacht von Moncontour am 3. Oktober 1569.

Die Heerführung der Protestanten übernahm nun Coligny, der sein Heer Richtung Norden bis nach La Charité-sur-Loire führte und im Juni 1570 einen wichtigen Sieg bei Arnay-le-Duc errang.

Der neu geschlossene Friedensvertrag sicherte diesmal den Protestanten einige Zugeständnisse zu. So erließ König Karl IX. im Edikt von Saint-Germain am 8. August 1570 die religiöse Toleranz und sicherte den Protestanten für 2 Jahre 4 Sicherheitsplätze in La Rochelle, Cognac, La Charité-sur-Loire und Montauban.

 

Für die nächsten 2 Jahre konnte der Frieden eingehalten werden, bis zu der Eheschließung von Heinrich von Navarra und Marguerite von Valois, der Schwester Karls IX., die am 18. August 1572 stattfand. Zu den Feierlichkeiten waren neben dem Adel der Katholiken auch fast die gesamte protestantische Führungsspitze eingeladen. Unter ihnen befand sich auch der Admiral Coligny, auf den am 22. August ein Attentatsversuch durchgeführt wurde, welchen er schwer verletzt überlebte. Der Vorfall verstärkte erneut die Spannungen zwischen den beiden Parteien, sodass in der Nacht vom 23. auf den 24. August der Kronrat zusammentrat um die Auslöschung der Anführer der sich vor Ort befindlichen Protestanten einzuleiten. Daraufhin wurde Admiral Coligny im Krankenbett ermordet und in ganz Paris wurden protestantische Adlige getötet. Die Tötungen gerieten jedoch schnell ausser Kontrolle, sodass in der sogenannten „Bartholomäusnacht“, die mehrere Nächte bis zum 29. August anhielt, rund 4.000 Protestanten alleine in Paris den Tod fanden. Bis in den Oktober hin, weiteten sich die Tötungen um Paris herum aus, in dessen Folge an die 10.000 Protestanten getötet wurden. Heinrich von Navarra und sein Cousin Henri de Condé, beides ebenfalls Protestanten, blieben aufgrund ihres Geblüt verschont, mussten sich jedoch zum Katholizsmus bekehren.

 

Die blutige Bartholomäusnacht des Jahres 1572, gemalt von François Dubois (1529–1584)

Die blutige Bartholomäusnacht des Jahres 1572, gemalt von François Dubois (1529–1584)

 

Der vierte Krieg (1572-1573)

Durch die anhaltende Gewalt sahen sich viele Protestanten gezwungen Frankreich zu verlassen und wanderten in die Schweiz, die Niederlande oder nach England aus. Lediglich im Westen und Süden Frankreichs blieben sie und führten weiter einen erbitterten Krieg gegen die Katholiken.

In Nîmes und in Montauban konnten sie die königlichen Garnisonen vertreiben, ihre Hochburg La Rochelle selbst wurde jedoch im Gegenzug ab Oktober 1572 von königlichen Truppen belagert. Die Stadt musste am 21. Juni 1573 kapitulieren, woraufhin König Karl IX. ein neues Friedensedikt erließ. Das Edikt von Boulogne trat am 11. Juli 1573 in Kraft, beschnitt die Rechte der Protestanten nach dem früheren Edikt von Saint-Germain wieder und erließ ihnen nur noch 3 Sicherheitsplätze wo sie ihren Gottesdienst abhalten durften. Diese Städte waren La Rochelle, Nîmes und Montauban.

 

Der fünfte Krieg (1574-17576)

Der fünfte Krieg war überwiegend von politischen Kämpfen als von richtigen Kämpfen gekennzeichnet. Zwar lieferten sich die Katholiken und die Protestanten noch militärische Auseinandersetzungen wie die Schlacht von Dormans vom 10. Oktober 1575, jedoch konnte sich keine Seite durchsetzen. Zudem verstarb am 30. Mai 1574 der König Karl IX. an einer Lungentuberkulose. Sein Nachfolger war sein Bruder Heinrich III.. Dieser musste sich als König mit der neugegründeten Bewegung der „Unzufriedenen“ auseinandersetzen. Diese Bewegung, dessen Anführer Herzog François d’Alençon der jüngste Sohn des regierenden Königshauses der Valois, war ein Zusammenschluss von Mitgliedern beider Parteien, die eine Lösung des Konflikts nicht im militärischen sondern im politischen Bereich suchten.

König Heinrich III. stimmte deßhalb dem Vorschlag seines Bruders François zu und erließ am 6. Mai 1576 das Edikt von Beaulieu, welches den Protestanten grundsätzliche Kulturfreiheit zugestand (bis auf Ausnahme von Paris), die Anzahl der Sicherheitsplätze auf 8 erhöhte und in jedem der 8 Obersten Provinzialgerichte (Parlements) einen Sondergerichtshof, der zu gleichen Teilen mit protestantischen und katholischen Richtern besetzt war (« halbgeteilte Kammern ») und für alle Prozesse zuständig war, einräumte.

 

Der sechste Krieg (1576-1577)

Das von Heinrich III. erlassende Edikt von Beaulieu stieß besonders bei den Katholiken auf heftige Gegenwehr bis zur völligen Ablehnung. Auch die Generalversammlung, die im Dezember 1576 nach Blois einberufen wurde, sprach sich Einstimmig gegen das Edikt aus und forderten dessen Annullierung.  Diese Gegenwehr ließ den Konflikt erneut aufflammen. Doch aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten beider Seiten musste bereits am 14. September 1577 ein erneuter Friedensvertrag ausgehandelt werden, welcher als Edikt von Poitiers am 17. Oktober 1577 erlassen wurde.

 

Der siebte Krieg (1579-1580)

Ab dem November 1579 kam es erneut zu örtlichen Auseinandersetzung zwischen den Katholiken und den Protestanten. So zog Henri de Condé die Stadt La Fère auf die Seite der Katholiken. Im Gegenzug nahm Heinrich von Navarra die Stadt Cahors für die Protestanten ein. Vom November bis Dezember 1580 wurden Friedensverhandlungen durchgeführt, die von König Heinrich III. am 24. Dezember 1580 als Frieden von Fleix erlassen wurde. Dieser Erlass bestätigte das Edikt von Poitiers, jedoch mussten die Protestanten 6 ihrer 8 Sicherheitsplätze wieder abgegeben.

 

Der achte Krieg (1585-1598)

Der Tod von François d’Alençon am 10. Juni 1584, des jüngsten und letzten Bruders des amtierenden Königs Heinrich III., ließ die Thronfolge des kinderlosen Königs auf Heinrich von Navarra als Erster Prinz von Geblüt übergehen. Der Gedanke unter Umständen demnächst einen protestantischen König zu haben, ließ die katholische Liga zu verzweifelten Mitteln greifen. So zwang ihr Anführer Henri de Guise den König einen Erlass zu unterzeichnen, dass als Vertrag von Nemours vom 7. Juli 1585 die Protestanten vor die Wahl stellte, ihrem Glauben abzuschwören oder das Land innerhalb von 6 Monaten zu verlassen. Die meisten Protestanten wanderten anschließend aus.

Heinrich von Navarra mobilisierte daraufhin seine Truppen und lies sie erneut gegen die Katholiken ziehen. So gewann er am 20. Oktober 1587 die Schlacht von Coutras und beherrschte damit den Süden Frankreichs, der Norden war hingegen fest in der Hand der katholischen Liga.

In Paris entwickelte sich nebenbei eine bürgerliche katholische Liga die am 12. Mai 1588 gegen König Heinrich III. rebellierte. Dieser konnte sich am „Tag der Barrikaden“ nach Blois flüchten, von wo aus er Verhandlungen mit der katholischen Liga aufnahm.
Von der wachsenden Macht des Familienclans der Guises bedroht und einen Staatsstreich fürchtend, lies Heinrich jedoch in den Weihnachtstagen Henri de Guise und seinen Bruder Louis, der Kardinal von Lothringen umbringen. Anschließend wechselte Heinrich die Seiten und zog gemeinsam mit dem protestantischen Heinrich von Navarra und dessen Truppen nach Paris um die dortige bürgerliche Liga aus Paris zu vertreiben.

Am 2. August 1589 wurde Heinrich III. Opfer eines Attentats, dass der Mönch Jacques Clément, Mitglied der bürgerlichen Liga in Paris, auf ihn verübte. Somit ging der Thron doch noch an Heinrich von Navarra, der als Heinrich IV. König von Frankreich wurde.

Im Mai 1593 lies sich Heinrich IV.v zum Katholizismus bekehren und entsprechend unterweisen. Eine Annäherung an die bürgerliche Liga unterließ er jedoch. Trotzdem zog er nach seiner Königsweihe am 22. März 1594 als König in Paris ein. Nun galt es die katholische Liga auszumerzen. Hierfür hatte er bereits 1594 Spanien den Krieg erklärt, da die Truppen Philipps II. in Frankreich die Liga unterstützten.

Mit dem Edikt von Nates, welches der König am 30. April 1598 erließ, beendete er den französischen Bürgerkrieg und ordnete die religiöse Toleranz an. Der reformierte Gottesdienst wurde überall dort erlaubt, wo er 1597 begangen worden war, und die Protestanten erhielten Zugang zu allen Ämtern und Würden.

Am 2. Mai 1598 wurde auch der Krieg mit spanien durch den Frieden von Vervins beendet und mit dem Herzog von Mercœur, der als Militärgouverneur der Bretagne mit den Spaniern paktiert hatte, unterwarf sich auch der letzte Ligist seinem König Heinrich IV.

 

Interessant zu wissen:
Der Ursprung des Wortes Hugenotten ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Die forscher gehen aber davon aus, dass es sich hierbei zunächst um ein Schimpfwort gegenüber den Protestanten handelte.

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