Geschütze / Artillerie

Als Geschütz, umgangssprachlich auch Kanone genannt, wird eine Rohrwaffe bezeichnet, die nicht zum Handgebrauch, sprich von 1 Person zu Halten und zu Gebrauchen ist.

 

Der Ursprung:

Als Ursprung der Geschütze kann man die ballistischen Waffen wie Katapulte oder Ballisten bezeichnen. Die Geschosse (Steine, Pfeile oder schwere Gegenstände) wurden Mittels Schleuder- oder Zukraft verschossen. Militärisch wurden diese Waffen jedoch noch nicht als Geschütze definiert sondern als Wurfgeschütze.

Einen weitern Ursprung haben die Geschütze in der Entwicklung von Archimedes, der im 3. Jahrhundert v. Chr. eine Art Kanone entwickelte, die mithilfe von Wasserdampf ein Geschoss abfeuern konnte.

 

 

Die ersten Waffen mit Schwarzpulver:

Als Erste entwickelten die Chinesen Feuerwaffen, dessen Prinzip zum Abfeuern der Geschosse durch die Zündung von Schwarzpulver beruht. Während der Song Dynastie von 960 bis 1279 wurden Bambusrohre verwendet in denen Schwarzpulver entzündet wurden. Diese verschossen zwar noch keine Geschosse, als sogenannte Fuerlanzen ebneten sie jedoch den Weg für spätere Entwicklungen.

In der darauffolgenden Yuan Dynastie von 1279 bis 1368 gab es die ersten Metallrohre mit einem Durchmesser von bis zu 2,6cm in denen Projektile wie Pfeile, Eisen- oder Stahlsplitter eingeführt wurden und durch das Entzünden von Schwarzpulver zum Abschuss gebracht wurden. Ende des 13. Jahrhunderts kamen dann auch passgenaue Pfeilprojektile hinzu, die die Handhabung vereinfachten.

 

 

Die ersten Geschütze in Europa:

Ende des 14. Jahrhunderts kam das Prinzip der Geschütze über die arabischen Handelswege auch nach Europa. Dort wurden die Geschütze aus Eisen oder Bronze gegossen, auf eine Art Holztisch montiert und konnten Brand oder Eisenpfeile verschießen, bis später Kugeln aus Blei gegossen oder aus Stein geformt wurden und als Projektile dienten.
Von Italien aus breiteten sich diese Waffen dann über Deutschland und das restliche Europa rasch aus und wurden in den Armeen eingesetzt.

 

Rekonstruktion einer frühen europäischen Pfeilbüchse, Anfang 14. Jahrhundert

Rekonstruktion einer frühen europäischen Pfeilbüchse, Anfang 14. Jahrhundert

 

Mit der Entwicklung des Laufes konnte die Reichweite sowie die Zielgenauigkeit verbessert werden. Trotzdem wurden Geschütze vorerst bei Belagerungen eingesetzt um die gewaltigen Verteidigungsanlagen zu zerstören. Hierfür wurden sie in der Regel nahe an das Ziel herangeführt und konnten dann erst das Feuer eröffnen.

Während der Hussitenkriege wurden die ersten Feldgeschütze entwickelt. Hierfür wurden die Geschütze auf ein leichtes Holzgestellt moniert, was mit Räder versehen wurde und als Gespann mit Pferden auch schnell über weite Strecken Transportiert werden konnte. So wurden die Geschütze in den Landstreitkräften in großen Zahlen eingesetzt,

Ebenso wurden im Laufe des 15. Jahrhunderts Geschütze auf Schiffen montiert. Im Zuge der Anfänge des Wettrüstens der Marinestreitkräfte der jeweiligen Herrscherstaaten in Europa, führte dies zu gewaltigen Kriegsschiffen die auf übereinander liegenden Reihen dutzende Geschütze mitgeführt haben.

 

 

Entwicklung während der frühen Neuzeit:

Vom 16. bis 18. Jahrhundert war die Entwicklung der Geschütze hauptsächlich geprägt von der Klassifizierung der Waffe bezogen auf das Geschossgewicht wie z.B. 40-Pfündern oder 24-Pfündern. Weiter wurde Bronze als Werkstoff immer häufiger genutzt, da dessen Stabilität und Gießeigenschaften denen von Eisen deutlich überlegen waren. In Schweden erkannten die militärischen Strategen die Bedeutung von leichten Geschützen mit einem hohen Grad an Mobilität. So wurde die neuen Lederkanonen, dessen Lauf mit Tauen, Blechstreifen, Hanf und Leinen umwickelt war und mit einem darumgelegten Mantel aus dickem Leder verstärkt wurde, im polnischen Krieg 1628 bis 1629 eingesetzt. Das Experiment scheiterte zwar aus militärischer Sicht, beschleunigte jedoch die Entwicklung immer leichterer Feldgeschütze bis das Gewicht auf 116Kg für einen 3-Pfünder reduziert werden konnte.

Bis ins 19. Jahrhundert folgten nur noch kleinere Entwicklungen wie die Höhenrichtschrauben, die das Zielen deutlich vereinfachten und die Höheneinstellungen nach einem Schuss beibehielten. Weiter wurden Steinschlösser für die Zündung verbaut, somit entfiel das ständige Bereithalten einer Lunte zum Entzünden des Schwarzpulvers.

 

 

 

Die Geschütze des Industriezeitalters bis in die Moderne:

Die industrielle Revolution brachte auch im Bereich der Techniken für Geschütze viele Neuerungen. So wurde bei Geschützen mit einem gezogenen Langlauf ab Mitte des 19. Jahrhunderts Langlaufgeschosse eingesetzt, die durch ihre Rotation während des Abschusses eine deutlich stabilere Flugbahn einnahmen und so die Treffergenauigkeit entscheidend verbessert wurde.

Fast zeitgleich entwickelte der schwedische Geschäftsmann Martin von Wahrendorff das Hinterladersystem. Wurden die Geschütze sonst nur von der gleichen Seite geladen wie abgefeuert durch den Umstand, dass es nur 1 Öffnung gab, konnte die Geschütze von nun an im hinteren Bereich geladen werden wie man es heute noch kennt. Weitere Neuerungen waren das Auftauchen von Eisenbahngeschützen, die die Mobilität der aufkommenden Eisenbahn nutzten und die Einführung von Pivotlafetten, was eine bessere Zielführung brachte und den Rückstoß auffangen konnte.

Da Stahl auch immer günstiger wurde und in die Massenproduktion ging, konnten auch Geschütze aus diesem Material hergestellt werden um die Stabilität deutlich zu erhöhen. Ein Pionier in dieser Technik war Alfred Krupps der mit seiner Firma die Verbundenheit zwischen Stahl und Geschützen durch den Begriff „Kruppstahl“ bis in den 2. Weltkrieg hin prägte.

Eine weitere weitreichende Errungenschaft war die Entwicklung von Schnellfeuergeschützen. Wurde vorher beim Abfeuern des Projektils das ganze Geschütz aufgrund des Rückstoßes nach hinten verschoben, konnte dies durch das Entfernen der starren Verbindung und der hydropneumatischen Bremsvorrichtung geändert werden. Jetzt lief beim abfeuern nur noch das Rohr nach hinten, die Lafette blieb stehen. Auch blieben die Zieleinrichtungen bestehen, es war keine Neuausrichtung erforderlich.

Anfang des 20. Jahrhunderts verdrängte das rauchschwache Pulver, was auf Grundlage von Cellulosenitrat bestand, das übliche Schwarzpulver.

Nachdem LKW´s in die Landstreitkräfte eingeführt wurden, wurden diese auch zum Ziehen von Feldgeschützen unterschiedlicher Größe herangezogen. Später begann man, die Geschütze direkt auf die Fahrzeuge zu montieren, sogenannte Selbstfahrlafetten. Besonders im 2. Weltkrieg und der Blitzkrieg Taktik, legte die Heeresführung großen Wert auf die Mobilität der Geschützeinheiten. Große Belagerungsgeschütze wie Eisenbahngeschütze, verloren aufgrund des aufkommenden Bunker und Panzerbrechenden Einsatzes von Flugzeugen immer weiter an Bedeutung. Das gleiche Schicksal teilten Schlachtschiffe mit ihren großen Geschützen die nach und nach von Flugzeugträgern verdrängt wurden.

 

 

Nach dem 2. Weltkrieg machte die Entwicklung der Raketenwaffen so große Fortschritte, dass diese später vorrangig zur Panzerbekämpfung eingesetzt wurden und die Panzerabwehr Geschütze somit ablösten.

 

 

In den modernen Streitkräften sind heutzutage besonders die mobilen Panzerhaubitzen im Einsatz wie die deutsche Panzerhaubitze 2000 oder die US Panzerhaubitze M109.

 

 

 

Typen von Geschütz:

  • Feldgeschütz
    (kleines Geschütz zum mobilen Einsatz im Gelände)
  • Infanteriegeschütz
    (Geschütz, was direkt der Infanterie Einheit zugeteilt war und nicht der Artillerie Einheit. Wurde ab Mitte des 20. Jahrhunderts durch Mörser ersetzt)
  • Panzerabwehrkanone
    (Geschütz was für die direkte Bekämpfung von Panzern und gepanzerten Einheiten konstruiert wurde)
  • Flugabwehrkanone
    (Geschütz was zur Bekämpfung von Flugzeugen genutzt wird. Kann auch im Bodenkampf verwendet werden)
  • Belagerungsgeschütz
    (Geschütz was Großkaliber Munition gegen Befestigungen verschießt)
  • Festungsgeschütz
    (Geschütze die in Festungen oder Bunkern zur Verteidigung eingesetzt werden)
  • Küstengeschütz
    (Geschütze mit großem Kaliber zur Verteidigung von Küstenabschnitten)
  • Schiffsgeschütze
    (Geschütze mit großem Kaliber die auf Kriegsschiffen eingesetzt werden)
  • Gebirgsgeschütz
    (Kleine Geschütze die zerlegt werden können für den Einsatz in bergigem Gelände)

 

 

 

Bildquellen:
– „Arrow fireing cannon1“ von Geni. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons

 

 

Passende Literatur zum Thema findet Ihr hier:

Deutsche Artillerie-Geschütze: Eisenbahngeschütze, Flak und Raketenwerfer 1933-1945 (Typenkompass)

 Deutsche Artillerie-Geschütze: Eisenbahngeschütze, Flak und Raketenwerfer 1933-1945 (Typenkompass) Taschenbuch – 29. Oktober 2010


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 Artillerie-, Panzer- und Luftabwehrsysteme der Bundeswehr: seit 1956 (Typenkompass) Taschenbuch – 30. September 2010


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Das Buch der Artillerie 1939-1945

 Das Buch der Artillerie 1939-1945 Gebundene Ausgabe – 1. März 2004


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Niemals zuvor in der deutschen Militärgeschichte besaß die Deutsche Artillerie Vielfalt und Größe wie in den Jahren 1939 bis 1945. Zwischen Nordkap und Tobruk, Biskaya und Lappland, Den Helder und Kaukasus, standen die weit über 1000 leichten und rund 340 schweren Artillerie-Abteilungen, zu denen dann noch die leichten und schweren Feldhaubitzen-Abteilungen, Sturmgeschütz-Abteilungen, Sturmgeschütz-Brigaden und -Batterien, Beobachtungsabteilungen, Eisenbahn-Batterien, Gebirgsartillerie-Abteilungen, Leichtgeschütz-Abteilungen und Werfer-Regimenter kamen. Die deutsche Artillerie umfasste im Jahre 1943 655000 Mann, das waren 22 Prozent aller Soldaten, die zum Einsatz kamen. 39 deutsche Geschütztypen und 40 Geschütztypen der Kriegsbeute aus zehn verschiedenen europäischen Staaten waren schließlich eingesetzt. Von besonderer Bedeutung wurde die Deutsche Artillerie besonders ab dem Frühjahr 1943, als die Kampfkraft der ausgebluteten Infanterie nachließ und die Panzerwaffe sich mehr und mehr im Kampf gegen die sowjetische Übermacht verschliss. In dieser schweren Zeit wurde die Artillerie immer wieder zum Rückgrat von Widerstand und Abwehr. Dieser Bildband gibt denen, die damals dabei waren, und allen anderen kriegsgeschichtlich Interessierten, einen lebendigen Einblick in die Aufgaben, Einsätze, und den Alltag einer Waffe, deren Merkmal immer handwerkliche Zuverlässigkeit und überraschende, massive Wirkung bei persönlicher Bescheidenheit war.

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