Großer Kreuzer SMS Freya

Der große Kreuzer SMS Freya gehörte zur Victoria-Louise-Klasse die zunächst als Panzerdeckkreuzer die kaiserliche Marine verstärken und dem Aufbau und Ausbau der Hochseeflotte dienen sollte. Durch ihre Kesselprobleme hatte die Freya entscheidenden Anteil an der Vereinheitlichung der Kesselanlagen innerhalb der kaiserlichen Marine.

 

Stapellauf und Bauform:

Anfang der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts wurde im kaiserlichen Marineamt die Ausrichtung der kaiserlichen Marine kontrovers diskutiert. Die bis dahin ausgerichtete Taktik der reinen Küstenverteidigung sollte nunmehr geändert werden und eine offensivere Taktik mit dementsprechenden Schiffen ausgelegt werden. Nach dem Bau des Einzelschiffes SMS Kaiserin Augusta von 1892 wurde die Erweiterung der Flotte um Kreuzer II. Klasse geworben. Dies führte zu der Entwicklung der Victoria-Louise-Klasse die aus insgesamt 5 Kreuzern bestehen sollte.

Der Stapellauf der Freya erfolgte am 27. April 1897. Bereits kurz nach den ersten Probefahrten zeigten sich die Probleme mit den Kesselanlagen. Die von der Berliner Maschinenbau-AG Germania eingebauten Kessel von der französischen Firma Niclausse erfüllten bei Weitem nicht die Anforderungen und mussten Reklamiert werden. In späteren Untersuchungen stellte sich zudem heraus, dass die Maschinenbau-AG selbst grobe Fehler beim Einbau der Maschinen gemacht hatte. Aus diesen Erfahrungen heraus erteilte das Reichsmarineamt den Auftrag zur Produktion eines eigenen Kessels auf Grundlage der Kessel der britischen Firma Thornycroft. Diese sollten als Standartkessel in allen weiteren Schiffen eingesetzt werden unter der Bezeichnung „Marinekessel“.

Als Namensgeber diente die nordische Wanengöttin der Liebe und der Ehe „Freya“

 

Freya nach einem Gemälde von James Doyle Penrose

 

 

 

Werdegang der SMS Freya:

Nach der Beseitigung der Probleme mit der Kesselanlage wurde die Freya als letztes Schiff ihrer Klasse am 20. Oktober 1900 offiziell in Dienst gestellt.

Da zu dieser Zeit die als als Schulschiffe eingesetzten Kreuzerfregatten der Bismarck-Klasse ausgetauscht werden mussten, jedoch für neue Spezialschiffe kein Geld zur Verfügung stand, wurde auf die Schiffe der Victoria-Louise-Klasse zurück gegriffen. Zwar waren diese erst ein paar Jahre alt, aufgrund der schnellen technischen Entwicklung im Bau von Kriegsschiffen schon wieder veraltet. Es wurde daher beschlossen die Freya als Schulschiff einzusetzen.

Der Umbau erfolgte im Laufe des Jahres 1906 wobei unter anderem die Bewaffnung geändert wurde. Am 4. April 1907 war die Freya wieder einsatzfähig.

Bis zum 13. März 1911 diente die Freya der Ausbildung neuer Matrosen und war auf mehreren Auslandsreisen bis sie zunächst in Kiel, anschließend am 28. März Danzig anlief und dort außer Dienst gestellt wurde. Es folgte der Ausbau der älteren Kesselanlage und der Einbau der neuen Marinekessel. Zudem wurde einer der drei Schornsteine entfernt.

 

SMS Freya

 

 

 

Einsatz im Krieg:

Als der erste Weltkrieg ausbrach wurde die SMS Freya wieder in den Dienst der kaiserlichen Marine geholt und der Küstenschutzdivision für den Bereich der Ostsee zugeteilt. Durch eine schwere Beschädigung musste das Schiff jedoch bereits am 11. August 1914 in die Werft zur Reparatur geschleppt werden, wo es bis zum 12. September lag.

Als das Schiff wieder einsatzfähig gemacht wurde, diente es zunächst wieder als Schulschiff zur Ausbildung von Heizern, anschließend ab dem April 1915 wieder als Schulschiff für Matrosen.

Zusammen mit der SMS Grille wurde die Freya im Laufe des Krieges von Kiel nach Flensburg verlegt, wo es bis zum Kriegsende als Schulschiff diente.

 

 

Verbleib:

Nach der Kapitulation des deutschen Kaiserreiches wurde die Freya am 18. Dezember 1918 außer Dienst gestellt, der Polizei Hamburg als Wohnschiff zur Verfügung gestellt und am 25. Januar 1920 aus der Liste der Militärschiffe ganz gestrichen.

1921 erfolgte der Verkauf und die anschließende Verschrottung.

 

 

Kommandanten:

20. Oktober 1900 bis 8. Juni 1901 Kapitän zur See Hugo Westphal
3. Mai 1902 bis 11. Januar 1904 Fregattenkapitän/Kapitän zur See Hermann Jacobsen
4. April 1907 bis März 1908 Kapitän zur See Franz von Holleben
April 1908 bis März 1909 Kapitän zur See Leberecht Maaß
19. März 1909 bis 28. März 1911 Kapitän zur See Carl Schaumann
4. bis 27. August 1914 Kapitän zur See Max Schlicht
12. September 1914 bis März 1915 Korvettenkapitän Eduard Bartels
1. April bis 13. August 1915 Kapitän zur See Ernst-Oldwig von Natzmer
August 1915 bis Juni 1917 Kapitän zur See Wilhelm Goetze
Juni 1917 bis 18. Dezember 1918 Fregattenkapitän Oskar Böcker

 

 

Schiffsdaten:

Name:  

SMS Freya

Land:  

Deutsches Reich

Schiffstyp:  

Großer Kreuzer

Klasse:  

Victoria-Louise-Klasse

Bauwerft:  

Kaiserliche Werft, Danzig

Baukosten:  

11.094.000 Mark

Stapellauf:  

27. April 1897

Indienststellung:  

20. Oktober 1900

Verbleib:  

1921 verkauft und in Hamburg-Harburg verschrottet worden

Länge:  

110,6 Meter

Breite:  

17,4 Meter

Tiefgang:  

Max. 6,77 Meter

Verdrängung:  

Max. 6.491 Tonnen

Besatzung:  

477 Mann

Antrieb:  

12 Niclausse-Dampfkessel
3 stehende 4-Zyl.-Verbundmaschinen

Leistung:  

10.355 PS (7.616 kW)

Höchstgeschwindigkeit:  

18,4 kn (34 km/h)

Bewaffnung:  

2 × Schnellfeuergeschütz 21,0 cm L/40 (116 Schuss)

8 × Sk 15,0 cm L/40 (960 Schuss)

10 × Sk 8,8 cm L/30 (2.500 Schuss)

10 × Revolverkanone 3,7 cm

3 × Torpedorohr ∅ 45 cm (2 Seiten, 1 Bug, unter Wasser, 8 Schuss)

 

 

Panzerung:

 

Deck: 40 mm
Böschungen: 100 mm
Turmfronten: 100 mm
Turmdecken: 30 mm
Kasematten: 100 mm
Leitstand: 150 mm

 

 

 

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