Großlinienschiff SMS Kaiserin

Das Großlinienschiff SMS Kaiserin gehörte zu der Kaiser-Klasse und bedeutete einen großen technischen Schritt im Bau und der Entwicklung von Großlinienschiffen, bei denen erstmals in der kaiserlichen Marine Großkampfschiffe mit einem Turbinenantrieb ausgestattet wurden. Die Schiffe der Kaiser-Klasse gehörten damit zu den modernsten Kriegsschiffen der kaiserlichen Marine, die jedoch ihre Schlagkraft nie einsetzen konnten.

 

Stapellauf und Bauform:

Die Kaiser-Klasse war eine Weiterentwicklung der Helgoland-Klasse, hatte jedoch deutliche Veränderungen in der Antriebsanlage sowie in der Bewaffnung. Statt des bisherigen Kolbenmaschinenantriebes wurde nun ein Turbinenantrieb mit Ölzusatzfeuerung eingebaut, was zu einer deutlichen Leistungssteigerung führte.

Bei der Anordnung der Geschütze wurde zwar die Anzahl von 6 auf 5 reduziert, die Geschütztürme jedoch so platziert, dass diese in beide Richtungen feuern konnten.

Durch die Verringerung der Geschütztürme konnte nun auch das eingesparte Gewicht in eine stärkere Panzerung investiert werden, womit die Gürtelpanzerung auf 350 mm angehoben wurde. Erstmals wurden auch in Teilen der Panzerung der neue Nickelstahl verwendet.

Der Stapellauf der SMS Kaiserin erfolgte am 11. November 1911, die Indienststellung am 14. Mai 1913.

 

Stapellauf der SMS Kaiserin

 

SMS Kaiserin

 

 

 

Werdegang der SMS Kaiserin:

Nach der Indienststellung erfolgten die üblichen Erprobungsfahrten, bei denen mehrere Maschinenschäden eintraten die das Schiff zu einem mehrmonatigem Werftaufenthalt zwangen. Erst am 13. Dezember waren die Schäden beseitigt und das Schiff konnte die Erprobungsfahrten abschließen und anschließend dem III. Geschwader zugeteilt zu werden.

Die ersten Monate des Jahres 1914 wurden noch einige Einzelmanöver sowie Flottenmanöver durchgeführt, bis die SMS Kaiserin am 7. Juli 1914 zu einer Norwegenreise auslief. Am 22. Juli wurde das Schiff wieder zurückbeordert, da durch das Attentat auf den Österreich-Ungarischen Thronfolger in Sarajevo die diplomatischen Spannungen in Europa zunahmen und ein Krieg der Großmächte immer wahrscheinlicher wurde.

Die SMS Kaiserin sollte hierfür als erstes Großkampfschiff den, kurz vor der Fertigstellung befindlichen Kaiser-Wilhelm-Kanal in Schleswig-Holstein befahren um zu testen, ob kaiserliche Schiffe diesen auch tatsächlich durchfahren können. Am 25. Juli erfolgte die Probefahrt durch den Kanal, der erfolgreich verfiel. Am 31. Juli erfolgte die Verlegung des Geschwaders von der Ost- in die Nordsee durch den Kanal.

 

Seitenriß und obere Ansicht der Kaiser-Schiffe

 

SMS Kaiserin

 

SMS Kaiserin

 

SMS Kaiserin

 

 

 

Einsatz im Krieg:

Mit Ausbruch des ersten Weltkrieges erging auch der Mobilmachungsbefehl an das III. Geschwader, welches zu dieser Zeit in Friesland vor Anker lag. Anfang November und Mitte Dezember stieß die Hochseeflotte mehrmals in die Nordsee vor, wobei es zu keiner Feindberührung kam. Die übrige Zeit war die SMS Kaiserin mit Sicherungsaufgaben versehen.

Vom 31. Januar bis 20. Februar 1915 lag das Schiff in der Kaiserlichen Werft Wilhelmshaven um dort Überholungsarbeiten durchführen zu lassen. Bis zum Jahresende nahm die Kaiserin an mehreren Vorstößen in der Nordsee und an mehreren Übungen an der Ostsee teil.

In der Nacht vom 31. Mai bis 1. Juni 1916 kam es Seeschlacht vor dem Skagerrak an der auch die Kaiserin beteiligt war. Obwohl das III. Geschwader die Spitze des Vorstoßes bildete, blieb das Schiff unbeschädigt, konnte selber jedoch das britische Schlachtschiff HMS Warspite durch mehrere Treffer beschädigen. Von August bis November 1916 wurden erneut Vorstöße in der Nordsee und Übungen in der Ostsee durchgeführt bis das Geschwader am 1. Dezember umstrukturiert wurde und die SMS Kaiserin und die anderen Schiffen des III. Geschwaders nun in dem neu aufgestelltem IV. Geschwader eingesetzt wurden.

Bei einer Durchfahrt durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal kam es am 14. März 1917 zu einer Beschädigung des Rumpfes als sich das Schiff festfuhr. Nach einer 3-tägigen Reparatur konnte die Kaiserin am 30. März wieder ihren Dienst in der Nordsee durchfuhren. Im Juni und Juli erfolgten weitere Übungen in der Ostsee, bevor die Kaiserin dem Unternehmen Albion zugeteilt wurde um die baltischen Inseln zu erobern. Während dieser Operation beschoss das Schiff im Oktober 1917 die Batterie Hundsort und Zerel um die dort an Land gegangen Marineinfanteristen zu unterstützen. Am 24. Oktober 1917 traf das Schiff wieder in der Nordsee ein, wo es am 17. November an der zweiten Helgoland Schlacht teilnahm und den britischen leichten Kreuzer HMS Calypso durch einen Treffer beschädigen konnte.

Vom 22. Dezember bis zum 5. Februar 1918 lag die SMS Kaiserin in Kiel in der Werft für dringende Instandsetzungsarbeiten. Anschließend war das Schiff für die am 24. April 1918 angelegte große Operation in der Nordsee vorgesehen, die durch den Antriebsschaden des großen Kreuzers SMS Moltke jedoch abgebrochen werden musste. In den folgenden Monaten erfolgten noch einige Übungen in der Ostsee. Zum Ende des Krieges war die Kaiserin Teil der Schiffe, die mit dem Flottenbefehl vom 24. Oktober 1918 zur entscheidenen Schlacht gegen die britische Marine auslaufen sollte. Durch die Meuterei auf den Großlinienschiffen SMS Thüringen und SMS Helgoland wurde die Operation abgebrochen.

 

 

Verbleib:

Nach den Bestimmungen des Waffenstillstandvertrages gehörte die SMS Kaiserin zu den Schiffen der kaiserlichen Marine, die an die Siegermächte ausgeliefert und in Scapa Flow interniert werden sollten. Die Überfahrt mit den meisten anderen Schiffen erfolgte von Wilhelmshaven aus am 19. November 1918.

Da zum Ende der Friedensgespräche und dem Abschluss des Versailler Vertrages abzusehen war, dass die Schiffe nicht mehr an Deutschland zurückgegeben werden, erging am 21. Juni 1919 vom Konteradmiral Ludwig von Reuter der Befehl zur Selbstversenkung der Flotte. Nach dem Öffnen der Seeventile versank die Kaiserin gegen 14:00 Uhr.

Ab dem 14. Mai 1936 begann ein britisches Unternehmen mit der Bergung des Wracks, welches dann nach Rosyth geschleppt und anschließend verschrottet wurde.

 

Untergangspositionen der kaiserlichen Schiffe in Scapa Flow

 

 

 

Kommandanten:

14. Mai 1913 bis 25. Juli 1917 Kapitän zur See Karl Sievers
26. Juli 1917 bis 5. Januar 1918 Kapitän zur See Kurt Graßhoff
6. bis 24. Januar 1918 Kapitän zur See Walter Hildebrand
25. Januar bis 8. November 1918 Kapitän zur See Wilhelm Adelung
November 1918 bis 21. Juni 1919 Korvettenkapitän Arthur Viertel

 

 

Schiffsdaten:

Name:  

SMS Kaiserin

Land:  

Deutsches Reich

Schiffstyp:  

Großlinienschiff

Klasse:  

Kaiser-Klasse

Bauwerft:  

Howaldtswerke, Kiel

Baukosten:  

45.173.000 Mark

Stapellauf:  

11. November 1911

Indienststellung:  

14. Mai 1913

Verbleib:  

Am 21. Juni 1919 in Scapa Flow selbstversenkt, 1936 gehoben und verschrottet

Länge:  

172,4 Meter

Breite:  

29 Meter

Tiefgang:  

Max. 9,1 Meter

Verdrängung:  

Max. 27.000 Tonnen

Besatzung:  

1.084 bis 1.095 Mann

Antrieb:  

16 Marinekessel
3 Parsons-Turbinen

Leistung:  

41.533 PS (30.547 kW)

Höchstgeschwindigkeit:  

22,1 kn (41 km/h)

Bewaffnung:  

10 × 30,5 cm L/50 Schnellfeuergeschütz (860 Schuss)

14 × 15 cm L/45 Schnellfeuergeschütz (2.240 Schuss)

12 × 8,8 cm L/45 Sk (davon 4 Flak, 2.800 Schuss)

5 Torpedorohre ∅ 50 cm (4 Seiten, 1 Bug, unter Wasser, 19 Schuss)

 

Panzerung:  

Wasserlinie: 120–350 mm
Deck: 60–100 mm
Torpedoschott: 40 mm
Türme: 110–300 mm
Kasematten: 170 mm
vorderer Leitstand: 150–400 mm
achterer Leitstand: 50–200 mm

 

 

 

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