Großlinienschiff SMS Markgraf

Das Großlinienschiff SMS Markgraf gehörte der König-Klasse an, die zu den modernsten Schiffen der kaiserlichen Marine gehörten und erst kurz vor dem ersten Weltkrieg in Dienst gestellt wurden. Wie jedoch auch die meisten anderen modernen Schiffe, teilte auch die Markgraf das Schicksal der Selbstversenkung in Scapa Flow.

 

Stapellauf und Bauform:

Die Schiffe der Königs-Klasse gingen aus den Erfahrungen der Kaiser-Klasse hervor. Die größte Änderung gab es in der Anordnung der schweren Geschütze, die erstmal in der Schiffsmittellinie aufgestellt wurden. Bereits im April 1910 wurde vom Allgemeinen Marine-Departement ein derartiges Konzept vorgelegt um die Bauweise der üblichen Flügeltürme abzulegen. Zwar lehnte der Staatssekretär im Reichsmarineamt Admiral Tirpitz diesen Entwurf zunächst ab, genehmigte ihn später trotzdem. Ein Wechsel auf ein größeres Kaliber der schweren Geschütze von 30,5-cm auf 38-cm unterblieb jedoch, da dies zu deutlich höheren Kosten geführt hätte.

Durch die Umverteilung der schweren Geschütze konnte weiter die Fläche reduziert werden die gepanzert werden musste. Diese Einsparung des Gewichtes nutzen die Entwickler um die Dicke der Panzerung zu erhöhen.

Der Stapellauf der SMS Markgraf erfolgte am 4. Juni 1913, die Indienststellung am 1. Oktober 1914.

 

Stapellauf der SMS Markgraf

 

SMS Markgraf beim Ausrüsten

 

SMS Markgraf beim Ausrüsten

 

SMS Markgraf kurz vor der Fertigstellung

 

 

 

Einsatz im Krieg:

Während des ersten Weltkrieges kam die SMS Markgraf erstmals während der Skagerrakschlacht vom 31. Mai bis zum 1. Juni 1916 zum Einsatz. Während des Gefechtes bildete das Schiff die Spitze der deutschen Flotte und musste dementsprechend viele Treffer einstecken. 11 Besatzungsmitglieder starben während des Gefechtes. Bis zum 20. Juli 1916 dauerten die Reparaturarbeiten in der AG. Vulcan Werft in Hamburg.

Während der Operation zur Besetzung der baltischen Inseln vom 11. bis 19. Oktober 1917 war die Markgraf zusammen mit den Schwesterschiffen der König-Klasse beteiligt. Auf dem Rückweg in die Nordsee erhielt das Schiff am 29. Oktober 1917 einen Minentreffer und musste bis zum 23. November 1917 in der Kaiserlichen Werft Wilhelmshaven repariert werden.

Bis in den Oktober 1918 lag die Markgraf, zusammen mit den meisten anderen Großkampfschiffen der kaiserlichen Marine, überwiegend in Wilhelmshaven vor Anker.

Mit dem Flottenbefehl vom 24. Oktober 1918 erging an die kaiserliche Marine der Befehl, zu einer letzten Schlacht gegen die britische Royal Navy auszulaufen, um ggf. für die anstehenden Friedensverhandlungen eine günstigere Ausgangsposition festsetzen zu können. Dieser als geheim eingestufte Befehl machte jedoch schnell auch unter den Besatzungen die Runde und so kam es, dass in der Nacht vom 29. zum 30. Oktober 1918 die Schiffsbesatzungen der SMS König, SMS Markgraf und SMS Großer Kurfürst die Befehle verweigerten den Anker zu lichten. Erst als U-Boote und Torpedoboote ihre Waffen auf die sich beteiligten Schiffe SMS Thüringen und SMS Helgoland richteten, konnte der Aufstand beendet werden. Im Anschluss wurde das III. Geschwader der SMS Markgraf nach Kiel beordert, wo sich die Besatzung am Kieler Matrosenaufstand beteiligte.

 

SMS Markgraf

 

SMS Markgraf

 

SMS Markgraf

 

Die SMS Markgraf während der Internierung in Scapa Flow

 

 

 

Verbleib:

Mit den Bestimmungen des Waffenstillstandes gehörte die SMS Markgraf zu den Schiffen der kaiserlichen Marine, die in Scapa Flow interniert werden mussten.
Als zum Ende der Friedensgespräche bekannt wurde, dass die Schiffe nicht mehr an Deutschland zurück gegeben werden, erteilte Konteradmiral Ludwig von Reuter am 21. Juni 1919 den Befehl zur Selbstversenkung der Schiffe.

Die Markgraf begann erst gegen 17:00 Uhr als letztes deutsches Großkampfschiff zu versinken. Die in der Zwischenzeit schon längst alarmierten britischen Marinesoldaten versuchten mit allen Mittel die deutschen Besatzungen von der Versenkung der Schiffe abzuhalten. Auf der Markgraf beschossen die britischen Soldaten die unbewaffneten deutschen Besatzungsmitglieder, wobei Korvettenkapitän Walter Schumann und Oberbootsmannsmaat Hermann Dittmann starben. Das Sinken des Schiffes konnten die Briten dennoch nicht verhindern.

Ab 1962 wurden Teile des in 47 Metern Tiefe liegenden Schiffes gehoben und verschrottet.

 

 

Kommandanten:

Oktober 1914 bis August 1915 Kapitän zur See Hermann Nordmann
August 1915 bis Oktober 1916 Kapitän zur See Karl Seifering
Oktober 1916 bis August 1917 Kapitän zur See Friedrich Behncke
August 1917 bis November 1918 Kapitän zur See Hermann Mörseberger
November 1918 bis Juni 1919 Korvettenkapitän Walter Schumann

 

 

Schiffsdaten:

Name:  

SMS Markgraf

Land:  

Deutsches Reich

Schiffstyp:  

Großlinienschiff

Klasse:  

König-Klasse

Bauwerft:  

AG Weser, Bremen

Baukosten:  

45.000.000 Mark

Stapellauf:  

4. Juni 1913

Indienststellung:  

1. Oktober 1914

Verbleib:  

Am 21. Juni 1919 in Scapa Flow selbstversenkt

Länge:  

175,4 Meter

Breite:  

29,5 Meter

Tiefgang:  

Max. 9,19 Meter

Verdrängung:  

Max. 28.600 Tonnen

Besatzung:  

1.136 Mann

Antrieb:  

15 Marinekessel
3 Satz Dampfturbinen

Leistung:  

41.400 PS (30.450 kW)

Höchstgeschwindigkeit:  

21,0 kn (39 km/h)

Bewaffnung:  

10 × Schnellfeuergeschütz 30,5 cm L/50 (900 Schuss)

14 × Schnellfeuergeschütz 15 cm L/45 (2.240 Schuss)

6 × Schnellfeuergeschütz 8,8 cm L/45

4 × Flak 8,8 cm L/45 (insgesamt 2.500 Schuss)

5 × Torpedorohr ⌀ 50 cm (4 Seiten, 1 Bug, unter Wasser, 16 Schuss)

 

Panzerung:  

Gürtel: 120–350 mm
Zitadelle: 120–180 mm
Panzerdeck: 60–100 mm
Oberdeck: 30 mm
Panzerquerschotten: 170–200 mm
Torpedoschotten: 40 mm
Barbetten: 300 mm
Turm: 110–300 mm
Kasematten: 170 mm
vorderer Kommandoturm: 150–300 mm
achterer Kommandoturm: 200 mm

 

 

 

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