Handrohr / Handbüchse

Das Handrohr kann man als erste Handfeuerwaffe bezeichnen, die von einem Mann getragen und eingesetzt werden konnte. Sie gilt als Vorläufer für alle nachfolgenden Schusswaffen wie Gewehre und Pistolen.
Die Entstehung war zeitlich in etwa der wie die ersten Feldgeschütze um das Jahr 1300 rum.

 

Wer das Handrohr erfunden hat kann bis heute nicht geklärt werden, da keine Überlieferungen erhalten blieben. Vermutlich gelangte es über die Handelswege von Italien nach Mitteleuropa und über flämische Söldner nach England. Die ersten wirklich datierten Handrohre stammen aus den Burgen Otepää in Estland von 1396 und Tannenberg von 1399. In Europa wurden diese Waffen bis Anfang des 16. Jahrhunderts verwendet und nach und nach durch die höher entwickelte Arkebuse ersetzt. In Asien und dort besonders in China blieb die Waffe allerdings noch bis ins 19. Jahrhundert im Gebrauch.

 

Westeuropäisches Handrohr um 1390–1400, Musée de l'Armée in Paris

Westeuropäisches Handrohr um 1390–1400, Musée de l’Armée in Paris

 

Tannenbergbüchse: älteste deutsche Handfeuerwaffe, gefunden im Brunnen der 1399 zerstörten Burg Tannenberg

Tannenbergbüchse: älteste deutsche Handfeuerwaffe, gefunden im Brunnen der 1399 zerstörten Burg Tannenberg

 

Der Aufbau des Handrohres:

Die Handrohre hatte in der Regel eine Länge von 19 bis 60cm, einen Durchmesser (Kaliber) von 12 bis 36mm und waren zu Beginn aus Bronze gegossen. Mit Aufkommen des Stahls wurden diese später auch aus Eisen gegossen, wobei das Kaliber bei den späteren Modellen sich bei 35mm hielt.
Durch den 2-geteilten Aufbau konnte im hinteren Teil des Handrohres das Schießpulver lagern, im vorderen Teil mit dem größeren Kaliber das Geschoss. Je nach Gewicht, welches zwischen 1,5 und 15Kg bei schweren Belagerungsvarianten variieren konnte, wurde die Waffe meistens wie eine Lanze unter den Arm geklemmt und abgefeuert. Die schweren Waffen lagen auf Dreibeinen oder Mauern auf, auf dem Schlachtfeld war es auch möglich die Waffe auf der Schulter tragend abzufeuern.

 

Die Einsatzmöglichkeiten:

Die Handrohre hatten eine Reichweite von etwa 300m. Die größte Effektivität erreichten sie jedoch im Nahkampf auf etwa 50 bis 100m, da das Zielen mit diesen Waffen schwieriger war als Vergleichsweise mit Armbrüsten oder Bögen. Auch war die Feuerrate mit 1 Schuss pro Minute im Vergleich zur Armbrust 2 Schuss pro Minute und Langbogen 12 Schuss pro Minute eher gering. Zudem war die Waffe wegen des Schießpulvers anfälliger für Witterungseinflüsse.

Die Vorteile der Waffe lagen jedoch in den geringen Herstellungskosten die nur das Zwanzigstel einer Armbrust betrugen, die schnelle Herstellung von 1 Tag und die schnelle Ausbildung an dieser Waffe. So konnten innerhalb kürzester Zeit viele Soldaten aufgestellt und eingesetzt werden.

 

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