Helmuth Karl Bernhard Graf von Moltke

Helmuth Karl Bernhard Graf von Moltke war Berufssoldat und diente in der dänischen und der preußischen Armee. Durch seine Entwicklung der Auftragstaktik reformierte er nicht nur das preußische Militär sondern setzte Grundsteine die noch in den heutigen Streitkräften zum Tragen kommen.

 

Herkunft und Jugendjahre:

Geboren wurde Helmuth Karl Bernhard Graf von Moltke am 26. Oktober 1800 in Parchim als Sohn des mecklenburgischen Adelsgeschlecht. Sein Vater Friedrich Philipp Victor von Moltke trat 1806 in das dänische Militär ein und diente neben Helmut auch 2 seiner Brüder als späteres militärisches Vorbild.

 

Molkes Dienst im dänischen Militär:

Durch die guten Kontakte ihres Vaters, traten Helmuth und 2 seiner Brüder 1811 als Kadetten dem dänischen Militär in der Kadettenakademie in Kopenhagen bei.

Seinen Dienst versah er nach seiner Beförderung am 20. Januar 1818 zum Sekondeleutnant im dänischen Infanterieregiment Oldenburg in Rendsburg, wo er durch sein Talent und seinen Ehrgeiz auf sich aufmerksam machte.

Helmuth Karl Bernhard Graf von Moltke

Helmuth Karl Bernhard Graf von Moltke

 

Der Wechsel in das preußische Militär:

Um nicht nur den Militärdienst der dänischen Armee zu kennen, bat Helmuth den dänischen König Frederik VI. selbst um eine Versetzung in das preußische Militär. Mit den Worten: „Möge es mir irgendwann in der Zukunft vergönnt sein, die Befähigungen, die ich zu erwerben trachte, zum Nutzen des Königs und Dänemarks einzusetzen“ unterstrich er seine Bitte.

Im Januar 1822 wurden seinem Ersuchen nachgegeben und er wurde freigestellt, in der Annahme, dass er in der preußischen Armee Erfahrungen sammeln könnte, die er später im dänischen Militär wieder einbringen kann.

Seinen Dienst in der preußischen Armee trat er als Sekondeleutnant im 8. Infanterie-Regiment in Frankfurt an der Oder an. Von 1823 bis 1826 besuchte er zudem die Allgemeine Kriegsschule, 1833 bekam er die Ehre in den Großen Generalstab berufen zu werden, wo unter anderem Carl von Clausewitz einer seiner Mentoren waren.

 

Moltkes Reise im osmanischen Reich:

1835 wurde Moltke ein Urlaub zur Weiterbildung im Südosten Europas bewilligt. Dort wurde der osmanische Sultan auf ihn aufmerksam, der das preußische Militär bat, ihm Moltke als Instrukteur für sein eigenes Militär auszuleihen. So begleitete Moltke von 1836 bis 1839 das osmanische Militär und bereiste Konstantinopel, die Schwarzmeerküste, das Taurusgebirge und die Wüste von Mesopotamien. Zudem nahm er 1838 an einem Feldzug gegen die Kurden teil.

1837 reiste Moltke zusammen mit dem Sultan die Donauprovinzen des osmanischen Reiches. Dort sollte er die Planung für die Festungsanlagen von Silistra, Warna, Schumen und Rustschuk übernehmen und umsetzen, die als Bollwerke gegen die Russen dienen sollten.

Weiter begleitete er den osmanischen Feldzug gegen die Ägypter, bis zu der Niederlage am 24. Juni 1839 in der Schlacht von Nizip.

In seinem abschließenden Reisebericht, formte er den Satz:
„Es ist lange die Aufgabe der abendländischen Heere gewesen, der osmanischen Macht Schranken zu setzen. Heute scheint es die Sorge der europäischen Politik zu sein, ihr das Dasein zu fristen“

 

Moltkes Dienst im Generalstab der preußischen Armee:

Nach seiner Rückkehr nach Preußen wurde Moltke zum Major befördert, 1846 Adjutant des Prinzen Karl Heinrich von Preußen in Rom, und ab 1856 Adjutant von Kronprinz Friedrich Wilhelm.

Am 29. Oktober 1857 wurde er zum Generalmajor befördert und erhielt ab 1862 den Auftrag, einen Krieg gegen Dänemark zu planen, als sich die politische Situation zuspitzte.

Am 2. Juni 1866 erfolgte durch König Wilhelm I. mit der Kabinettsorder, die Schaffung einer Zentrale für die politischen und militärischen Einflüsse in Form des Umstrukturierten Generalstabs. Moltke wurde zum General befördert und dem Generalstab vorgesetzt, was ihn ermächtigte, ohne Rücksprache mit dem Kriegsministers Befehle an die Front zu geben.

Durch seine Reformen der Auftragstaktik trug er maßgeblich an den Erfolgen in den Kriegen gegen Dänemark, Österreich und Frankreich bei. Für seine Siege im deutsch-dänischen Krieg wurde er zudem mit dem Grafen Titel ausgezeichnet.

Helmuth Karl Bernhard Graf von Moltke

Helmuth Karl Bernhard Graf von Moltke

 

 

Moltkes Auftragstaktik:

Moltke wurde früh bewusst, dass sich die militärische Planung mit der festen Umsetzung lediglich einer Option als völlig unzureichend erweist. Nach seinen gesammelten Erfahrungen kann eine konstante Planung lediglich bis zum ersten Aufeinander treffen der Armeen dienen, danach hängt der weitere Verlauf an zu vielen Variablen.

Nach seinem Verständnis war es also notwendig, sich in der militärischen Planung nicht strikt an nur einen Plan zu halten sondern jegliche Möglichkeiten in Betracht zu ziehen. Auch sollen die Untergebenen mehr Handlungsfreiheit erhalten, um selbstständig ihre Taktiken der jeweiligen Situation schnell anzupassen ohne erstmal Rücksprache mit den Vorgesetzten zu halten.

Diese Taktik wird auch noch heute in der Bundeswehr verwendet.

Bismarck, Roon und Moltke

Bismarck, Roon und Moltke

 

 

Das Lebensende von Moltke:

Am 20. April 1842 heiratete Moltke Marie Burt und Erwarb in Schlesien das Gut Kreisau als Alterssitz. Nach dem frühen Tod seiner Frau 1868 lies er dort ein Mausoleum bauen.

Moltke selbst verstarb am 24. April 1891 in seiner Dienstwohnung in Berlin. Er wurde ebenfalls in dem Mausoleum auf Gut Kreisau neben seiner Frau bestattet.

Am Ende des zweiten Weltkrieges gingen jedoch seine Gebeine verloren.

Andenken an Helmuth Karl Bernhard Graf von Moltke

Andenken an Helmuth Karl Bernhard Graf von Moltke

 

Auszeichnungen:

Durch Preußen:

– Preußische Dienstauszeichnung
– Rettungsmedaille am Band
– Großkomturkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Stern und Schwertern in Brillanten am 26. Oktober 1875
– Großkreuz des Eisernen Kreuzes am 22. März 1871
– Großkreuz des Roten Adlerordens mit Eichenlaub und Schwertern
– Kronenorden I. Klasse mit Schwertern am Emailleband des Roten Adlerordens und mit Eichenlaub
– Pour le Mérite, Großkreuz mit Stern, mit Eichenlaub, mit der Krone mit Brillanten
– Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste
– Ehrenkommendator des Johanniterordens
– Schwarzer Adlerorden mit der Kette und Brillanten

Durch deutsche Staaten:

Anhalt
– Großkreuz des Hausordens Albrechts des Bären am 24. Juni 1871

Baden
– Hausorden der Treue am 27. April 1871
– Großkreuz des Militär-Karl-Friedrich-Verdienstordens am 2. Juli 1868

Bayern
– Großkreuz des Militär-Max-Joseph-Ordens am 7. November 1870

Braunschweig
– Großkreuz mit Schwertern des Ordens Heinrichs des Löwen am 11. April 1871

Hessen
– Großkreuz des Ludwigsordens am 8. April 1871
– Hessisches Militär-Verdienstkreuz am 27. April 1871

Lippe
– Militär-Verdienstmedaille

Mecklenburg
– Schwerter zum Großkreuz mit Krone in Gold des Hausordens der Wendischen Krone am 11. April 1871
– Militärverdienstkreuz I. Klasse am 24. Juni 1871
– Kreuz für Auszeichnung im Kriege

Oldenburg
– Ehrengroßkreuz mit goldener Krone und Schwertern des Oldenburgischen Haus- und Verdienstordens des Herzogs Peter Friedrich Ludwig am 9. Januar 1871

Sachsen
– Hausorden der Rautenkrone
– Großkreuz des Militär-St.-Heinrichs-Ordens am 26. Oktober 1870
– Großkreuz mit Schwertern des Hausordens vom Weißen Falken am 9. Januar 1871
– Großkreuz des Herzoglich Sachsen-Ernestinischen Hausordens am 29. Oktober 1861

Württemberg
– Großkreuz des Württembergischen Militärverdienstordens am 20. Januar 1871
– Großkreuz des Ordens der Württembergischen Krone am 23. März 1869

Durch andere Staaten:

Österreich-Ungarn
– Großkreuz des St. Stephans-Ordens
– Großkreuz des Leopold-Ordens mit der Kriegsdekoration am 21. August 1864

Russland
– Orden des Heiligen Andreas des Erstberufenen am 30. Dezember 1871
– Alexander-Newski-Orden mit Brillanten am 25. Juni 1867
– Orden vom Weißen Adler
– Russischer Orden des Heiligen Georg II. Klasse am 26. Oktober 1870
– Russischer Orden der Heiligen Anna I. Klasse

Osmanisches Reich
– Nishan-i Imtiyaz-Orden mit Brillanten
– Medjidie-Orden I. Klasse
– Ehrensäbel

Sonstige
– Großkreuz des Belgischen Leopoldsordens am 30. April 1867
– Großkreuz der Ehrenlegion am 20. Juni 1867
– Annunziaten-Orden
– Großkreuz des Militärordens von Savoyen am 4. Juli 1867
– Großkreuz des Turm- und Schwertordens mit Kette
– Königlicher Seraphinenorden
– Großkreuz des Weißen Elefantenordens

 

Ehrungen:
– Ehrenmitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften (1860)
– Erhebung in den erblichen preußischen Grafenstand (28. Oktober 1870)
– Ehrenmitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg (1871)
– Moltke (Mondkrater) (1935)
– In vielen anderen Städten sind Straßen, Plätze und Brücken nach ihm benannt worden, wobei diese Bezeichnungen teilweise auch wieder rückgängig gemacht wurden, z. B. in Wien zu Dunantgasse.
– Guinea gab am 10. Dezember 2012 eine Briefmarke heraus, die Moltke und eine preußische Bahn G 12 zeigen

 

 

 

 

 


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Moltke

Moltke Gebundene Ausgabe

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Zusammen mit Bismarck gilt der geniale Militärstratege Moltke als Vater der deutschen Reichsregierung von 1871. In Auszügen aus seinen Briefen, Schriften und Reden entsteht ein lebendiges und facettenreiches Bild dieses bedeutenden und weltoffenen preußischen Offiziers, der sich zeit seines Lebens dem Primat der Politik unterordnete.

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Mythos und Wirklichkeit. Die Geschichte des operativen Denkens im deutschen Heer von Moltke d. Ä. bis Heusinger (Zeitalter der Weltkriege)

Mythos und Wirklichkeit. Die Geschichte des operativen Denkens im deutschen Heer von Moltke d. Ä. bis Heusinger (Zeitalter der Weltkriege) Gebundene Ausgabe – 4. Oktober 2012

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Moltke, Schlieffen, Seeckt, Manstein, Heusinger: Sie stehen beispielhaft für die Entwicklung des operativen Denkens im deutschen Heer von der Mitte des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts von den deutschen Einigungskriegen über das Zeitalter der Weltkriege bis zum Kalten Krieg, von der Armee Preußens bis zur Bundeswehr. In einem souveränen Überblick, wie es ihn bisher nicht gab, führt der Potsdamer Militärhistoriker Gerhard P. Groß durch Kontinuität und Wandel des operativen Denkens in fünf deutschen Armeen. Er beschränkt sich nicht auf die rein militärische Perspektive, sondern stellt die Vorstellungen und Planungen seiner Protagonisten überzeugend in das politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Umfeld ihrer Zeit. Und er rückt lieb gewordene Mythen der deutschen Generalität und des deutschen Generalstabs in ein neues, kritisches Licht. Ein Buch, das eine große Lücke schließt.

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Briefe über Zustände und Begebenheiten in der Türkei aus den Jahren 1835 bis 1839

Briefe über Zustände und Begebenheiten in der Türkei aus den Jahren 1835 bis 1839 Taschenbuch – 25. Mai 2001

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Der Genius des Krieges: Das deutsche Heer und der Generalstab 1807-1945

Der Genius des Krieges: Das deutsche Heer und der Generalstab 1807-1945 Gebundene Ausgabe – 1. Februar 2011

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Geschichte des deutschen Generalstabs
In seinem Buch „Der kriegerische Genius“ gelingt dem renommierten amerikanischen Militärhistoriker Trevor N. Dupuy die kompakte Darstellung der Geschichte eines der erfolgreichsten und meistkopierten Phänomene der Militärgeschichte: des preußisch-deutschen Generalstabs.
Aufgrund der Siege Napoleons über seine Gegner in Europa war Preußen aus seiner Niederlage heraus gezwungen, ein politisches und militärisches Reformwerk zu beginnen. Diese Reformen stellten sich schon bald als Grundlage für den beeindruckenden Wiederaufstieg Preußens im 19. Jahrhundert heraus. Das betraf nicht nur seine Stellung in Wissenschaft und Wirtschaft, sondern gerade auch seine militärische Organisation. Sein Generalstab wurde zum bewunderten und gefürchteten Vorbild – sogar über Europa hinaus. Trevor N. Dupuy untersucht nicht nur die Geschichte des preußisch-deutschen Generalstabs bis zu seiner Auflösung am Ende des Zweiten Weltkriegs, sondern auch die Gründe für seine langandauernde militärische Überlegenheit.
Das US-Verteidigungsministerium ließ eine Studie über das vorliegende Werk von Dupuy anfertigen, die der bekannte israelische Militärhistoriker Martin van Creveld erstellte. Auch van Creveld kam zu einem ähnlichen Schluss wie Dupuy – die deutschen Heere waren auch dem Heer der USA überlegen – und veröffentlichte seine Erkenntnisse in seinem Standardwerk „Kampfkraft“, das bereits im ARES Verlag erschienen ist.
Dupuys grundlegendes Werk, das nun erstmals in deutscher Sprache vorliegt, ist in den USA mittlerweile ein Standardwerk der Militärgeschichte, das bis heute bereits in mehreren Auflagen erschienen ist. Dupuy entwirft darin ein großes Panorama preußisch-deutscher Militärgeschichte. Er zeigt, wie Preußen und später Deutschland aus einer totalen Niederlage gegen Napoleon im Geist der preußischen Reformer Clausewitz, Gneisenau und Scharnhorst das Heer aufbauten und der Generalstab zu einer der schlagkräftigsten militärischen Organisationen der Welt wurde. Und er zeigt die Strukturen, die dazu führten, dass das Werk dieser Reformer über eineinhalb Jahrhunderte anhielt und sich lückenlos bis zur deutschen Wehrmacht fortsetzte. Der dem Buch den Titel gebende Begriff „Der kriegerische Genius“ stammt von dem preußischen Militärtheoretiker Carl von Clausewitz und drückt nichts anderes aus als der gegenwärtige Begriff „militärische Führungskraft“.

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