Indiens Eroberung durch die Mogulns

In den Jahren 1379 bis 1405 erschuf Timur Lenk nach seinem Vorbild Dschingis Khan ein Reich auf dem Gebiet der heutigen Türkei, Irans und Afghanistans. Nach seinem Tod zerfiel das Reich zwar genauso schnell wie es entstand, doch einer seiner Nachkommen sollte bei der Eroberung Indiens und der Gründung der Moguln Dynastie auf dem Subkontinent eine entscheidende Rolle spielen.

Timur Lenks Nachkomme Babur wurde, wie viele andere, im Jahre 1494 aus seiner Heimatstadt Samarkand von den Usbeken mit 12 Jahren vertrieben. 3 Jahre später kam er mit Soldaten zurück und belagerte die Stadt, musste jedoch ohne Erfolg wieder abziehen. Anschließend führte er seine Streitmacht nach Afghanistan und eroberte Kabul, wo er seine Stammsitz für seine weiteren Feldzüge einrichtete. Diese führten ihn mehrfach nach Pandschab, südöstlich von Kabul. Nach dem Hilfegesuch der lokalen Adligen zur Befreiung von dem afghanischem Regime unter Ibrahim Lodhis, rüstete Babur seine Armee mit den modernen Feuerwaffen und Kanonen aus. Im Jahre 1525 führte er die ersehnte Invasion nach Hindustan, wo seine Armee am 12. April 1526 mit 10.000 Mann auf die  von Sultan Lodhis traf, dessen Größe auf ca. 100.000 Mann und rund 1.000 Kriegselefanten geschätzt wird. Trotz dieser zahlenmäßigen Unterlegenheit ersann Babur eine geniale Taktik. Er lies seine 700 Wagen eingraben und einen Erdwall aufschichten um seine Kanonen und Soldaten zu schützen. Mit weiteren Barrieren durch Gräben und Baumstämme mit kleinen Lücken für seine Kavallerie, konnte er Ausfallangriffe durchführen. Am 21. April griff der Sultan mit seiner Streitmacht an, konnte jedoch trotz seiner zahlenmäßigen Überlegenheit, nicht an den Schutzwall heran kommen. Die Kavallerie von Babur hingegen umfasste den Feind von den Seiten und hinten, sodass die Armee des Sultans eingeschlossen und den Kanonen und Feuerwaffen schutzlos ausgeliefert war. An die 16.000 Soldaten fielen, darunter auch Sultan Lodhis. Babur übernahm nun die Herrschaft und zog mit seinem Heer weiter südlich auf dem indischen Subkontinent Richtung Delhi und Agra, welche er später auch einnahm.

 

Ausdehnung des Delhi-Sultanats zu Beginn des Jahres 1526 und Baburs Indien-Feldzug

Ausdehnung des Delhi-Sultanats zu Beginn des Jahres 1526 und Baburs Indien-Feldzug

 

Nach dem Tod Baburs im Jahre 1556 folgte sein Enkel Akbar der Große auf den Thron. Durch geschickte Diplomatie verbündete er sich mit den Hindu Fürsten der Rajputen im Nordwesten Indiens und übernahm auch Teile deren Militärtaktiken, so die Aufnahme von Kriegselefanten oder von Tigerklauen als Nahkampfwaffe, bei denen an einem Panzerhandschuh scharfe Klingen angebracht waren und im Nahkampf schwere bis tödliche Verletzungen austeilen konnten. Während seiner Herrschaftszeit von 1556 bis 1598 führte Akbar mehrere Feldzüge. So eroberte er im Osten Orissa und Bengalen, im Norden dehnte weitete er sein Gebiet über fast den gesamten Nordindischen Bereich aus. Seine Nachfolger Jahangir und Shah Jahan waren mehr mit der Sicherung der eroberten Gebiete beschäftigt als weitere Feldzüge durchzuführen.

 

Ausdehnung des Mogulreiches beim Tode Akbars (1605)

Ausdehnung des Mogulreiches beim Tode Akbars (1605)

 

Erst mit der Herrschaft von Aurangseb ab dem Jahre 1658 weitete sich das Territorium wieder aus. Aurangseb drang weiter in den Süden vor und eroberte fast den gesamten Südteil Indiens. Zu seiner Zeit erreichte das Herrschaftsgebiet der Moguln die größte Ausdehnung. Die kommenden Herrschaftsgenerationen wurden jedoch vor allem durch innere Unruhen geschwächt und durch die Angriffe im Norden durch den iranischen Herrscher Nadir Schah 1739 militärisch besiegt. 1764 versuchte zudem die englische Ostindien Kompanie Fuß zu fassen und erteilte der Moguln Dynastie im selben Jahr eine weitere militärische Niederlage. Die Dynastie war damit im Untergang und wurde durch englische Ansprüche abgelöst bis der indische Subkontinent nur noch eine englische Kolonie war.

 

Das Mogulreich um 1700 unter Aurangzeb

Das Mogulreich um 1700 unter Aurangzeb

 

 

 

Bildquellen:
– „Baburs Invasion 1526“ von Stefan Bollmann – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY 2.5 über Wikimedia Commons
– „Mogulreich Akbar“ von Jungpionier – Kartenvorlage: Image:BlankMap-World-large.png Grenzen eingezeichnet nach der Karte Indien unter dem Mogulkaiser Akbar in Johnson, Gordon: Weltatlas der alten Kulturen. Indien. Christian Verlag, München 1995. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons
– „Mogulreich um 1700“. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons

 

 

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Die Moguln

 Die Moguln Gebundene Ausgabe – 1990


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Von 1369 bis 1857 dauerten die märchenhaften Reiche der indischen Moguln. Was immer sie taten, es geriet zum Superlativ, sie waren verantwortlich für das wüsteste Blutbad damaliger Zeit aber auch für den modernsten Staat. Schufen größten Luxus und erfanden die übelsten Grausamkeiten. Die Grenze zwischen Kultur und Barbarei war fliessend. Die rund 500 Jahre währende Zeitspanne dieses Buches vermittelt dem Leser ein schillerndes Kaleidoskop der Mogul-Dynastie: von Timor dem Eroberer bis zum Beginn der britischen Kolonialherrschaft.

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