Kanonenboot SMS Luchs

Die SMS Luchs gehörte der Iltis-Klasse an, welche Ende des 19. Jahrhunderts ausschließlich für den Dienst in den deutschen Kolonien konzipiert und gebaut wurden. Hierfür waren die Schiffe besonders seetüchtig und mit einem großen Aktionsradius ausgestattet. Neben dem Dampfantrieb hatten alle Schiffe zudem noch Segeltakelage, um bei längeren Fahrten Brennstoff sparen zu können.

 

Stapellauf und Bauform:

Von der Iltis-Klasse wurden insgesamt 6 Schiffe gebaut, die alle ausschließlich für die deutschen Kolonien bestimmt waren. Aus diesem Grund wurden bei den Schiffen zusätzlich noch eine Segeltakelage verbaut, was bei allen anderen Kriegsschiffen der kaiserlichen Marine nicht mehr der Fall war. Die Segel sollten es den Schiffen ermöglichen, auf ihren langen Fahrten Brennstoff zu sparen, da die Ziele sowohl in Ost-Mittelamerika, Afrika sowie in Asien lagen und das Deutsche Reich zu diesem Zeitpunkt über kaum Stationen in Übersee verfügte, die als Stützpunkt gedient hätten.

Für die Verteidigung der Schiffe dienten lediglich zwei 10,5cm Schnellladekanonen und sechs 3,7cm Revolverkanonen. Größere oder mehr Geschütze waren aufgrund der kompakten Bauweise nicht möglich.

Der Stapellauf der SMS Luchs erfolgte am 18. Oktober 1899, die Indienststellung am 15. Mai 1900.

 

SMS Luchs

 

 

 

Werdegang der SMS Luchs:

Nach der Indienststellung war die SMS Luchs zunächst für die deutschen Ostamerika Stützpunkte gedacht. Während der Erprobungsfahrten kam es jedoch in Peking zum Boxeraufstand, sodass die Erprobung abgebrochen und das Schiff nach Asien verlegt wurde. Am 7. Juli 1900 verließ das Schiff den Hafen in Kiel, es war der letzte Aufenthalt im Kaiserreich.

Zusammen mit den Linienschiffen der Brandenburg-Klasse und dem kleinen Kreuzer SMS Bussard sollte die Fahrt nach Asien angetreten werden. Doch da bereits nach kurzer Zeit sowohl die Luchs als auch die Bussard wegen eines Maschinenschadens zur Reparatur nach Aden mussten, fuhren die Linienschiffe ohne die beiden anderen weiter. Nach der erfolgreichen Reparatur trafen dann auch die letzten beiden Schiffe am 7. September 1900 in Hongkong ein. Die Luchs wurde umgehend in den Perlfluss geschickt um dort den Schiffsverkehr zu überwachen und zu kontrollieren. Nach Abschluss des Einsatzes wurde das Schiff schließlich auch offiziell dem Ostasiengeschwader zugeteilt.

In den folgenden Jahren versah die SMS Luchs überwiegend Sicherungsaufgaben der kaiserlichen Interessen sowie einige Auslandsfahrten in die anliegenden Länder.

 

SMS Luchs

 

 

 

Einsatz im Krieg:

Als der erste Weltkrieg ausbrach befand sich die SMS Luchs noch in der Werft von Shanghai. Es kam der Befehl, unverzüglich in das deutsche Schutzgebiet Kiautschou zu fahren und dort zusammen mit der SMS Jaguar und dem Torpedoboot SMS S90 das Gebiet zu sichern.

Einige Tage nach dem Ausbruch traf in dem Gebiet der deutsche Reichspostdampfer Prinz Eitel Friedrich des Norddeutschen Lloyd, der zu einem Hilfskreuzer umgerüstet werden sollte. Hierfür gaben sowohl die Luchs als auch die Jaguar ihre Geschütze sowie den größten Teil ihrer Mannschaft ab. Auch der Kapitän der Luchs, Korvettenkapitän Thierichens wechselte auf den Hilfskreuzer.

 

 

Verbleib:

Als die japanischen Truppen immer weiter vorrückten und die deutsche Kolonie drohte überrannt zu werden, entschied sich die Besatzung der Luchs, sowohl ihr Schiff als auch die Schwesterschiffe Iltis und Tiger selbst zu sprengen, damit die Schiffe nicht den japanischen Truppen in die Hände fielen. In der Nacht vom 28. auf den 29. September 1914 wurden die Schiffe gesprengt und versanken.

 

 

Kommandanten:

Mai 1900 bis Oktober 1901 Korvettenkapitän Harald Dähnhardt
Oktober bis November 1901 Kapitänleutnant Ernst-Oldwig von Natzmer
November 1901 bis Januar 1903 Korvettenkapitän Georg Wuthmann
Januar bis März 1903 Kapitänleutnant Ernst Ewers
März 1903 bis November 1904 Korvettenkapitän Emil Kröncke
November 1904 bis November 1906 Kapitänleutnant / Korvettenkapitän Johannes Hartog
November 1906 bis November 1908 Korvettenkapitän Siegfried Bölken
November 1908 bis November 1910 Korvettenkapitän Karl von Hornhardt
November 1910 bis November 1912 Kapitänleutnant / Korvettenkapitän Hermann Bendemann
November 1912 bis August 1914 Korvettenkapitän Max Thierichens

 

 

Schiffsdaten:

Name:  

SMS Luchs

Land:  

Deutsches Reich

Schiffstyp:  

Kanonenboot

Klasse:  

Iltis-Klasse

Bauwerft:  

Kaiserliche Werft in Danzig

Baukosten:  

1.622.000 Mark

Stapellauf:  

18. Oktober 1899

Indienststellung:  

15. Mai 1900

Verbleib:  

Vom 28. auf den 29. September 1914 selbstversenkt

Länge:  

65,2 Meter

Breite:  

12,2 Meter

Tiefgang:  

Max. 9,1 Meter

Verdrängung:  

Max. 1.108 Tonnen

Besatzung:  

130 Mann

Antrieb:  

2 stehende 3-Zylinder-Dreifachexpansions-Dampfmaschinen

Leistung:  

1.345 PS

Höchstgeschwindigkeit:  

13,9 kn

 

Bewaffnung:

 

2 x Schnellfeuergeschütz  10,5 cm L/40
482 Schuss

6 × 3,7 cm Revolverkanone
9000 Schuss

Panzerung:  

unbekannt

 

 

 

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