Kleiner Kreuzer SMS Magdeburg

Der kleiner Kreuzer SMS Magdeburg gehörte der gleichnamigen Kreuzer-Klasse an, die die Schiffe der Bussard-Klasse ersetzen sollten. Durch die Kalibersteigerung der Kriegsschiffe anderer Länder, wurde in der Magdeburg-Klasse erstmals ein Seitenpanzer in der Wasserlinie eingeführt, wodurch die Konstruktion der Schiffe völlig neu geplant werden musste. Die SMS Magdeburg ging bereits kurz nach Ausbruch des ersten Weltkrieges verloren und Russland fielen die kaiserlichen Signalbücher für die Entschlüsselung der Funksprüche in die Hände.

 

Stapellauf und Bauform:

Die Entwürfe für die Schiffe der Magdeburg-Klasse entstanden ab 1908. Die 4 kleinen Kreuzer sollten die völlig veralteten Schiffe der Bussard-Klasse ablösen. Da die Kriegsschiffe der anderen Seemächte bereits zu größeren Kalibern ihrer Geschütze übergegangen waren, stellte der Marineoberbaurat Hans Bürckner die Anforderung nach einer Seitenpanzerung in der Wasserlinie, da die übliche Ausführung eines gewölbten Panzerdecks mit Korkdämmen nicht mehr ausreichend war.

Um das Gewicht der neuen Schiffe verhältnismäßig ausgeglichen beizubehalten, musste von dem gemischten Quer- und Längsspantsystem abgesehen werden und ein Längsspantsystem entwickelt werden, wo die Außenhaut selbst zum Träger der Schiffsfestigkeit wurde.

Eine weitere Neuerung war die Konstruktion eines Kreuzerbug mit einem geraden Steven, dieser löste den Rammbug ab.

Wie bereits in der Kolberg-Klasse waren auch alle Schiffe der Magdeburg-Klasse mit unterschiedlichen Turbinenanlagen ausgerüstet. Bei der SMS Magdeburg führte dies zu einer deutlichen Reduzierung des Platzes in den Maschinenräumen für Wartungsarbeiten. Bei hohen Geschwindigkeiten traten zudem starke Vibrationen auf, was die Fahrleistung weiter einschränkte.

Der Stapellauf der SMS Magdeburg erfolgte am 13. Mai 1911, die Indienststellung am 20. August 1912.

 

SMS Magdeburg

 

 

 

Einsatz im Krieg:

Durch die Probleme mit der Antriebsanlage konnte die SMS Magdeburg nicht wie die anderen Schiffe der Klasse für den ursprünglich geplanten Dienst in der kaiserlichen Marine eingesetzt werden. Stattdessen diente das Schiff als Torpedoversuchsschiff, wobei die beiden vorderen Geschütze durch Torpedorohre ersetzt wurden.

Mit Ausbruch des ersten Weltkrieges wurde die Magdeburg in die Ostsee verlegt und dort mit der Verlegung von Minensperren sowie dem Beschuss der lettischen Küste betraut.

Bei einer Operation vom 25. auf den 26. August 1914 befuhr das Schiff den Finnischen Meerbusen als es am frühen Morgen bei starkem Nebel in der Nähe der Insel Odensholm auf Grund lief. Versuche der Mannschaft sowie der herbeigeholten Torpedoboot V26 und dem kleine Kreuzer Amazone die Magdeburg wieder vom Grund zu lösen schlugen fehl. Als die russischen Kreuzer Bogatyr und Pallada in Sichtweite kamen, entschloss sich die Besatzung das Schiff selbst zu sprengen. 15 Besatzungmitglieder starben dabei, Korvettenkapitän Habenicht, und sein Adjutant ließen sich von den anrückenden Russen gefangen nehmen.

Bei der Durchsuchung des Schiffes fielen den Russen 2 der 3 Signalbücher in die Hand, das dritte konnte durch einen russischen Taucher geborgen werden, da das Buch mit Blei beschwert über Bord geworfen wurde. Eines der Bücher übergaben die Russen Großbritannien, die damit den verschlüsselten Funkverkehr der deutschen Marine entschlüsseln konnten und somit einen enormen strategischen Vorteil besaßen.

 

Die gestrandete SMS Magdeburg

 

 

 

Verbleib:

Die russische Marine baute aus dem Wrack der SMS Magdeburg die verbliebenen Geschütze aus um damit einige ihrer eigenen Schiffe auszurüsten. Im Laufe des Winter von 1914 auf 1915 sprengten die Russen das Wrack.

 

 

Kommandanten:

August bis September 1912 Fregattenkapitän Heinrich Rohardt
September 1912 bis Februar 1913 Fregattenkapitän Wilhelm Most
Februar 1913 bis März 1914 Fregattenkapitän / Kapitän zur See Gustav-Julius Maerker
März bis August 1914 Korvettenkapitän Richard Habenicht

 

 

Schiffsdaten:

Name:  

SMS Magdeburg

Land:  

Deutsches Reich

Schiffstyp:  

Kleiner Kreuzer

Klasse:  

Magdeburg-Klasse

Bauwerft:  

AG Weser, Bremen

Baukosten:  

8.058.000 Mark

Stapellauf:  

13. Mai 1911

Indienststellung:  

20. August 1912

Verbleib:  

Am 26. August 1914 gestrandet und gesprengt

Länge:  

138,7 Meter

Breite:  

13,5 Meter

Tiefgang:  

Max. 5,16 Meter

Verdrängung:  

Max. 4.570 Tonnen

Besatzung:  

354 bis 377 Mann

Antrieb:  

16 Marinekessel
3 Satz Dampfturbinen

Leistung:  

29.904 PS (21.994 kW)

Höchstgeschwindigkeit:  

27,6 kn (51 km/h)

Bewaffnung:  

12 × Schnellfeuergeschütz 10,5 cm L/45 (1.800 Schuss)

2 × Torpedorohr ⌀ 50,0 cm (5 Schuss)

120 Seeminen

 

Panzerung:  

Gürtel: 18–60 mm
Deck: 20–60 mm
Kollisionsschott: 40 mm
Sülle: 20 mm
Kommandoturm: 20–100 mm
Schilde: 50 mm

 

 

 

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