Küstenpanzerschiff SMS Heimdall

Die SMS Heimdall war als Küstenpanzerschiff Teil der von Leo von Caprivis anvisierten reinen Küstenverteidigung ausgeprägten kaiserlichen Marinetaktik zum Ende des 19. Jahrhunderts, die lediglich den Schutz der deutschen Küsten und besonders des Kaiser-Wilhelm-Kanals vorsahen.

 

Stapellauf und Bauform:

Die Schiffe der Siegfried-Klasse gingen aus dem Marinekonzept von Generalleutnant Leo von Caprivi als Chef der Kaiserlichen Admiralität aus dem Jahre 1883 hervor. Das Konzept sah den Schwerpunkt der Kriegsführung noch in den Landstreitkräften, die Marine sollte lediglich zum Schutz der deutschen Küstengewässer und des Kaiser-Wilhelm-Kanals, dessen Bau bereits beschlossen war, dienen. Zu diesem Zweck wurden die Küstenpanzerschiffe konstruiert, dessen Hauptaugenmerk auf dem geringen Tiefgang, einer starken Panzerung und ausreichender Feuerkraft lagen, wobei eine direkte Auseinandersetzung mit feindlichen Schiffen nicht vorgesehen war. Für Angriffe sollten überwiegend die mit in dem Konzept eingeplanten Torpedoboote dienen.

Der erste Entwurf für die Schiffsklasse wurde 1885 angefertigt.  1887 sowie 1889 erfolgten leichte Änderungen. Im Jahr 1888 erfolgte die Kiellegung des ersten Schiffes. Die SMS Heimdall wurde als 4. Schiff dieser Klasse auf Kiel gelegt.

Der Stapellauf erfolgte am 27. Juli 1892, die Indienststellung am 7. April 1894.

Als Namensgeber diente aus der nordischen Mythologie der Wächter der Götter der die Brücke Bifröst (den Regenbogen) von Midgard nach Asgard bewacht.

 

Heimdall mit seinem Horn Gjallarhorn

 

 

 

Werdegang der SMS Heimdall:

Bereits nach den ersten Probefahrten zeigten sich die gravierenden Mängel an der Antriebsanlage des Schiffes. Hierfür musste die Heimdall wieder in die Werft um die Mängel zu beseitigen. Ab dem 1. November 1894 konnten dann die Probefahrten weiter durchgeführt werden. Mitte Dezember erfolgte dann die Verlegung nach Kiel, wo das Schiff der Ostsee Reserve Division zugeteilt wurde. Am 20. Juni 1895 nahm das Schiff an der Eröffnung des Kaiser-Wilhelm-Kanals teil, bevor es am 5. Juli außer Dienst gestellt wurde um die dringend auf anderen Schiffen benötigte Besatzung zu verteilen.

Am 8. August 1897 erfolgte die Reaktivierung um an dem Herbstmanöver teilzunehmen. Bis 1900 wurde das Schiff das Jahr über wieder außer Dienst gestellt und erst zum Herbstmanöver wieder bemannt.

Von 1901 bis 1902 erfolgten größere Umbaumaßnahmen an den Schiffen der Siegfried-Klasse. Die Schiffe wurden dabei teilweise um über 8 Meter mittig verlängert, die neuen Marinekessel verbaut sowie die Bewaffnung verstärkt.

Bis ins Jahr 1909 erfolgte erneut die außer Dienststellung und die Reaktivierung zum Herbstmanöver. Anschließend wurde die Heimdall bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges nicht mehr genutzt.

 

SMS Heimdall

 

SMS Heimdall und SMS Siegfried in der Elbmündung

 

 

 

Einsatz im Krieg:

Am 12. August 1914 wurde die Heimdall wieder in den aktiven Dienst gerufen um mit ihren Schwesterschiffen im neu gebildeten VI. Geschwader den Schutz der Jade- und Wesermündung zu übernehmen. Am 15. Juni 1915 erfolgte die Verlegung auf die Ems, wo das VI. Geschwader am 31. August 1915 aufgelöst und als Küstenschutzdivision der Ems bezeichnet wurde. Aufgrund des wachsenden Personalmangels der Marine, wurde die Heimdall am 24. Februar 1916 aus der Division abgezogen und am  2. März 1916 außer Dienst gestellt.

 

SMS Heimdall

 

 

 

Verbleib:

Nach dem Ausbau der Bewaffnung diente die Heimdall als Wohnschiff der IV. Unterseebootsflottille. später der Vorpostenflottille der Ems. Am 17. Juni 1919 wurde es aus der Liste der Kriegsschiffe gestrichen und ab 1921 verschrottet.

 

 

Kommandanten:

7. April bis 4. Juni 1894 Korvettenkapitän Max Ehrlich
1. November bis Dezember 1894 Kapitän zur See Lavaud
Dezember 1894 bis April 1895 Kapitänleutnant Konrad Henkel
April bis Mai 1895 Leutnant zur See Carl Schaumann
Mai bis 5. Juli 1895 Korvettenkapitän Adolf Goetz
8. August bis 24. September 1897 Korvettenkapitän mit Oberstleutnantsrang Truppel
26. Juli bis 29. September 1898 Korvettenkapitän Hermann Lilie
24. Juli bis 22. September 1900 Korvettenkapitän Malte von Schimmelmann
15. Juli bis 29. September 1902 Korvettenkapitän von Dassel
30. Juli bis 17. September 1903 Korvettenkapitän Paul Schlieper
22. Juli bis 17. September 1909 Fregattenkapitän Carl Hollweg
12. August 1914 bis September 1915 Kapitän zur See Rudolf Bartels
September 1915 Korvettenkapitän Otto Boland
September 1915 bis 2. März 1916 Kapitän zur See Ernst Ewers

 

 

Schiffsdaten:

Name:  

SMS Heimdall

Land:  

Deutsches Reich

Schiffstyp:  

Küstenpanzerschiff

Klasse:  

Siegfried-Klasse

Bauwerft:  

Kaiserliche Werft, Wilhelmshaven

Baukosten:  

6.110.000 Mark

Stapellauf:  

27. Juli 1892

Indienststellung:  

7. April 1894

Verbleib:  

Ab 1921 verschrottet

Länge:  

79 Meter

Breite:  

14,9 Meter

Tiefgang:  

Max. 5,74 Meter

Verdrängung:  

Max. 3.741 Tonnen

Besatzung:  

276 Mann

Antrieb:  

4 Dampflokomotivkessel
2 stehende 3-Zyl.-Verbundmaschinen

Leistung:  

4.453 PS (3.275 kW)

Höchstgeschwindigkeit:  

14,6 kn (27 km/h)

Bewaffnung:  

3 × Ringkanone 24,0 cm L/35 (204 Schuss)

8 × Schnellfeuergeschütz 8,8 cm L/30 (1.500 Schuss)

6 × Maschinenkanone 3,7 cm

4 × Torpedorohr ø 35 cm (1 Heck, 2 Seiten über Wasser, 1 Bug unter Wasser, 10 Schuss)

 

Panzerung:  

Wasserlinie: 100–240 mm
Deck: 30 mm
Türme: 30 mm
Barbetten: 200 mm
Kommandoturm: 30–80 mm

 

 

 

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