Küstenpanzerschiff SMS Odin

Die SMS Odin war als Küstenpanzerschiff Teil der von Leo von Caprivis anvisierten reinen Küstenverteidigung ausgeprägten kaiserlichen Marinetaktik zum Ende des 19. Jahrhunderts, die lediglich den Schutz der deutschen Küsten und besonders des Kaiser-Wilhelm-Kanals vorsahen.

 

Stapellauf und Bauform:

Die Schiffe der Siegfried-Klasse gingen aus dem Marinekonzept von Generalleutnant Leo von Caprivi als Chef der Kaiserlichen Admiralität aus dem Jahre 1883 hervor. Das Konzept sah den Schwerpunkt der Kriegsführung noch in den Landstreitkräften, die Marine sollte lediglich zum Schutz der deutschen Küstengewässer und des Kaiser-Wilhelm-Kanals, dessen Bau bereits beschlossen war, dienen. Zu diesem Zweck wurden die Küstenpanzerschiffe konstruiert, dessen Hauptaugenmerk auf dem geringen Tiefgang, einer starken Panzerung und ausreichender Feuerkraft lagen, wobei eine direkte Auseinandersetzung mit feindlichen Schiffen nicht vorgesehen war. Für Angriffe sollten überwiegend die mit in dem Konzept eingeplanten Torpedoboote dienen.

Der erste Entwurf für die Schiffsklasse wurde 1885 angefertigt.  1887 sowie 1889 erfolgten leichte Änderungen. Im Jahr 1888 erfolgte die Kiellegung des ersten Schiffes. Die SMS Odin wurde als letztes Schiff dieser Klasse auf Kiel gelegt.

Der Stapellauf erfolgte am 3. November 1894, die Indienststellung am 22. September 1896.

Als Namensgeber diente aus der nordischen Mythologie der Göttervater, Kriegs- und Totengott Odin.

 

Odin, Namensgeber des Schiffes

 

 

 

Werdegang des SMS Odin:

Nach der Indienststellung und dem erfolgreichen Abschluss der Probefahrten wurde das Schiff am 14. Oktober 1896 wieder außer Dienst gestellt und der Reserve Flotte Ostsee zugeteilt.

Am 26. Juli 1898 erfolgte die Reaktivierung und die Zuteilung zum II. Geschwader. In den folgenden Jahren nahm das Schiff an einigen Manövern und Auslandsreisen teil.

In der Zeit vom 21. September 1901 bis zum 2. Oktober 1903 wurde das Schiff erneut außer Dienst gestellt und wie bei den anderen Schiffen der Siegfried-Klasse wurde auch die Odin modernisiert. Dabei wurde unter anderem auch eine neue Mittelsektion mit einer Länge von 8,4 Metern eingebaut um den Kohlevorrat und damit die Reichweite zu vergrößern. Nach der Modernisierung wurde das Schiff wieder dem II. Geschwader zugeteilt.

Am 10. Oktober 1904 wurde die Odin durch die SMS Braunschweig ersetzt und dem Reservegeschwader zugeteilt.

 

SMS Odin

 

SMS Odin

 

SMS Odin

 

 

 

Einsatz im Krieg:

Mit Ausbruch des ersten Weltkrieges wurden alle Schiffe der Siegfried-Klasse wieder reaktiviert und dem neu gebildeten VI. Geschwader zugeteilt. Die Schiffe verrichteten Vorpostendienste auf der Jade-, Weser- und Elbmündung bis das Geschwader am 31. August 1915 wieder aufgelöst wurde.

Da die Schiffe der Siegfried-Klasse bereits als völlig veraltet galten, wurden diese im Laufe des Januars 1916 außer Dienst gestellt. Bis zum Rest des Krieges diente die SMS Odin der I. Ubootsflottille und III. Ubootsflottille als Wohnschiff in Wilhelmshaven.

Nach Ende des Krieges wurde die Odin vom 28. März bis zum 9. Oktober 1919 noch von der IV. Nordsee-Minensuchflottille als Wohnschiff genutzt bis das Schiff am 6. Dezember 1919 aus der Liste der Kriegsschiffe gestrichen wurde.

 

SMS Odin im ersten Weltkrieg

 

 

 

Verbleib:

Nach der Streichung aus der Liste der Kriegsschiffe wurde die Odin an die Reederei Arnold Bernstein verkauft und dort ab 1922 als Motorfrachtschiff umgebaut und genutzt.

1935 erfolgte dann die Verschrottung des Schiffes.

 

 

Kommandanten:

 

22. September bis 14. Oktober 1896 Korvettenkapitän Johannes Wallmann
26. Juli bis September 1898 Korvettenkapitän Eduard Gercke
September 1898 bis Februar 1900 Korvettenkapitän Paul Walther
Februar bis März 1900 Kapitänleutnant Wilhelm Souchon
März bis Mai 1900 Korvettenkapitän Wilde
Mai bis Juni 1900 Korvettenkapitän Malte von Schimmelmann
Juni bis September 1900 Korvettenkapitän Wilde
Oktober 1900 bis April 1901 Korvettenkapitän Schwartzkopf
April bis Mai 1901 Korvettenkapitän von Witzleben
Mai bis September 1901 Korvettenkapitän / Fregattenkapitän Schwartzkopf
2. Oktober 1903 bis 10. Oktober 1904 Korvettenkapitän / Fregattenkapitän Henkel
22. Juli bis 15. September 1909 Korvettenkapitän / Fregattenkapitän Ernst Goette
August 1914 Kapitänleutnant Friedrich Schmid
August 1914 bis September 1915 Fregattenkapitän Otto Rössler
September 1915 bis Januar 1916 Fregattenkapitän Mysing

 

 

Schiffsdaten:

Name:  

SMS Odin

Land:  

Deutsches Reich

Schiffstyp:  

Küstenpanzerschiff

Klasse:  

Siegfried-Klasse

Bauwerft:  

Kaiserliche Werft, Danzig

Baukosten:  

6.539.000 Mark

Stapellauf:  

3. November 1894

Indienststellung:  

22. September 1896

Verbleib:  

Ab 1922 als Motorfrachtschiff genutzt und 1935 verschrottet

Länge:  

79 Meter

Breite:  

15,2 Meter

Tiefgang:  

Max. 5,61 Meter

Verdrängung:  

Max. 3.754 Tonnen

Besatzung:  

276 Mann

Antrieb:  

4 Dampflokomotivkessel
2 stehende 3-Zyl.-Verbundmaschinen

Leistung:  

4.650 PS (3.420 kW)

Höchstgeschwindigkeit:  

14,4 kn (27 km/h)

 

 

Bewaffnung:

 

3 × Ringkanone 24,0 cm L/35 (174 Schuss)

10 × Schnellfeuergeschütz 8,8 cm L/30 (2.500 Schuss)

3 × Torpedorohr ∅ 45 cm (2 Seiten über Wasser, 1 Bug unter Wasser, 8 Schuss)

 

Panzerung:  

Wasserlinie: 120–220 mm
Deck: 50–70 mm
Türme: 200 mm
Barbetten: 200 mm
Kommandoturm: 30–120 mm

 

 

 

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