Linienschiff SMS Kaiser Barbarossa

Die SMS Kaiser Barbarossa war das letzte Schiff der Kaiser-Friedrich-III.-Klasse Schiffe die noch als Einheitslinienschiffe gebaut und Indienst gestellt wurden. Erstmals wurden deutsche Kriegsschiffe mit den neuen Schnell-Ladekanonen als Hauptbewaffnung ausgerüstet und auch die mittlere Artillerie begann an Bedeutung zu gewinnen.

 

Stapellauf und Bauform:

Die Schiffe der Kaiser-Friedrich-III.-Klasse entstanden aus den Erfahrungen der vorhergehenden Brandenburg-Klasse. Der überwiegende Unterschied lag in der Bewaffnung, die erstmals aus Schnell-Ladekanonen bestand und die bis dahin verbauten Mantelringkanonen ersetzten. Zwar wurde das Kaliber von 28cm auf 24cm verringert, durch die bessere Schießleistungen in Kadenz, Reichweite und Durchschlagskraft konnte die Rückstufung jedoch mehr als Ausgeglichen werden. Auch die mittlere Artillerie wurde deutlich verstärkt, da das Marineamt erkannte, welchen Nutzen diese beim Beschuss der weniger gepanzerten Bereiche feindlicher Schiffe hatte. Hierfür sollte das Feuer der mittleren Artillerie besonders auf die Brücke und andere weniger gepanzerte Aufbauten konzentriert werden.

Weitere Verbesserungen war das integrieren von durchgehenden Munitionsaufzügen der neuen Türme der schweren Artillerie, wobei die ersten beiden Schiffe der Kaiser-Friedrich-III.-Klasse noch über die alten Geschütztürme C/1897 verfügten und erst später die neuen C/1898 Türme verbaut wurden. So konnte die Schussfolge von 2 auf 5 pro Minute erhöht werden.

Zudem wurde auch der verbesserte KC-Stahl (Krupp cemented) mit einer Tiefe von bis zu 300mm verwendet um die Panzerung zu erhöhen.

Der Stapellauf der SMS Kaiser Barbarossa erfolgte am 21. April 1900, die Indienststellung am 10. Juni 1901.

Namensgeber Kaiser Friedrich I., genannt Barbarossa

 

 

 

Werdegang der SMS Kaiser Barbarossa:

Nach der Indienststellung und den Erprobungsfahrten wurde das Schiff dem I. Geschwader zugeteilt. Bereits vom 22. August bis zum 21. September 1901 nahm das Schiff am alljährlichen Herbstmanöver teil.

Vom Dezember an bis Mitte 1903 erfolgten einige Fahrten um die britischen Inseln und nach Spanien, wo das Schiff einen Schaden am Rudersteven erlitt und 3 Wochen in Kiel provisorisch Repariert werden musste um anschließend am Herbstmanöver teilnehmen zu können. Vom 15. Dezember 1903 bis zum Januar 1904 wurde die Kaiser Barbarossa außer Dienst gestellt und die provisorisch reparierten Schäden gründlich überholt.

Während der Dauer der Reparationsarbeiten wurde vom Marineamt eine Modernisierungsmaßnahme für die Schiffe der Kaiser-Friedrich-III.-Klasse beschlossen. Die Kaiser Barbarossa war das erste Schiff der Klasse die nach den Reparationsarbeiten gleich modernisiert wurde. Hierfür wurde der Fockmast durch einen Stengenmast ersetzt und 4 der vier der 15-cm Geschütze sowie das Torpedorohr am Heck entfernt. Am 1. Oktober 1907 waren die Umbaumaßnahmen beendet und das Schiff wurde wieder dem I. Geschwader zugeteilt.

Nach mehreren Manövern und Rundreisen begann das Marineamt ab September 1909 mit dem Tausch der Schiffe der Kaiser-Friedrich-III.-Klasse im I. Geschwader durch die neuen Schiffe der Nassau-Klasse. Am 17. September 1909 erfolgte das Ausscheiden für die Kaiser Barbarossa die anschließend der Reserve Formation der Ostsee zugeteilt wurde.

Am 13. Oktober 1910 wurde das Schiff außer Dienst gestellt, da erneut Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt werden sollten. Zwar waren die Schiffe der Kaiser-Friedrich-III.-Klasse zu diesem Zeitpunkt bereits völlig veraltet, Geld für neue Schiffe fehlte dem Marineamt allerdings. Bis zum 31. Juli 1911 dauerten die Umbaumaßnahmen an, wobei allerdings weder die Schlagkraft noch andere militärisch bedeutende Steigerungen durchgeführt werden konnten. Bis zum 15. September 1911 war das Schiff wieder dem aktiven Dienst zugeteilt bis es schließlich wieder der Reserve zugeteilt wurde und bis zum Krieg nicht mehr aktiv eingesetzt wurde.

 

SMS Kaiser Barbarossa

 

 

 

Einsatz im Krieg:

Mit Ausbruch des ersten Weltkrieges wurden auch die Schiffe der Reserve wieder dem aktiven Dienst zugeteilt. Die veralteten Schiffe der Kaiser-Friedrich-III.-Klasse verblieben jedoch mit Sicherungsaufgaben betraut im neu aufgestelltem V. Geschwader in der Nordsee. Lediglich vom 19. bis 26. September und vom 26. bis zum 30. Dezember 1914 war die Kaiser Barbarossa an Operationen in der Ostsee beteiligt.

Im Februar 1915 erfolgte vom Marineamt die Anweisung, die Schiffe der Kaiser-Friedrich-III.-Klasse nur noch für Sicherungsaufgaben einzusetzen, da diese durch ihren geringen Kampfwert nicht mehr für Seegefechte einsetzbar waren. Teilweise wurde anschließend auch auf einigen Schiffe Teile der Besatzung abgezogen, um diese auf moderneren Schiffe einsetzen zu können. Von März bis April 1915 war davon auch die Kaiser Barbarossa betroffen. Zwar wurde am 11. April wieder die Sollstärke erreicht, das Schiff diente anschließend jedoch der Torpedo-Inspektion nur noch als Zielschiff in der Ostsee.

Am 19. November 1915 erfolgte dann die endgültige außer Dienststellung.

 

 

Verbleib:

1916 wurde mit dem Ausbau der Bewaffnung an der Kaiser Barbarossa begonnen, wobei die Geschütze der schweren und mittleren Artillerie überwiegend an der Westfront Verwendung fanden. Bis zum Kriegsende verblieb das Schiff in Wilhelmshaven und wurde als Wohnschiff für Kriegsgefangene genutzt.

Da da Schiff nach der Kapitulation aufgrund des Alters und der Desarmierung für die Siegermächte uninteressant war, verblieb es in Deutschland, wurde am 6. Dezember 1919 aus der Liste der Kriegsschiffe gestrichen und 1920 in Rüstringen verschrottet.

 

 

Kommandanten:

10. Juni bis Oktober 1901 Kapitän zur See Hugo Westphal
Oktober 1901 bis Oktober 1902 Kapitän zur See Leopold Koellner
Oktober 1902 bis 15. Dezember 1903 Kapitän zur See Carl Franz
1. Oktober 1907 bis September 1909 Fregattenkapitän / Kapitän zur See Felix Funke
September 1909 bis August 1910 Kapitän zur See Wigand Bossart
August bis September 1910 Kapitän zur See Friedrich Boedicker
September bis 13. Oktober 1910 Kapitän zur See Richard Lange
31. Juli bis 15. September 1911 Kapitän zur See Gottfried Freiherr von Dalwigk zu Lichtenfels
5. August 1914 bis März 1915 Kapitän zur See Ernst-Oldwig von Natzmer
März bis 19. November 1915 Kapitän zur See Max Schlicht

 

 

Schiffsdaten:

Name:  

SMS Kaiser Barbarossa

Land:  

Deutsches Reich

Schiffstyp:  

Linienschiff

Klasse:  

Kaiser-Friedrich-III.-Klasse

Bauwerft:  

Ferdinand Schichau, Danzig

Baukosten:  

20.301.000 Mark

Stapellauf:  

21. April 1900

Indienststellung:  

10. Juni 1901

Verbleib:  

Am 6. Dezember 1919 als Kriegsschiff gestrichen und 1920 verschrottet

Länge:  

125,3 Meter

Breite:  

20,4 Meter

Tiefgang:  

Max. 8,25 Meter

Verdrängung:  

Max. 11.785 Tonnen

Besatzung:  

628 bis 681 Mann

Antrieb:  

4 Thornycroft-Wasserrohrkessel
6 Zylinderkessel
3 stehende 3-Zyl.-Verbundmaschinen

Leistung:  

13.949 PS (10.259 kW)

Höchstgeschwindigkeit:  

17,8 kn (33 km/h)

Bewaffnung:  

4 × Schnellfeuergeschütz 24,0 cm L/40 (300 Schuss)

18 × Sk 15,0 cm L/40 (2.160 Schuss)

12 × Sk 8,8 cm L/30 (3.000 Schuss)

12 × Revolverkanone 3,7 cm

6 × Torpedorohr ∅ 45 cm (4 Seiten, 1 Bug, unter Wasser, 1 Heck über Wasser, 16 Schuss)

 

Panzerung:  

Wasserlinie: 100–300 mm auf 250 mm Teak
Deck: 65 mm
Schwere Artillerie:
Turmfronten: 250 mm
Turmdecken: 50 mm
Mittelartillerie:
Türme: 150 mm
Schilde: 70 mm
Kasematten: 150 mm
vorderer Leitstand: 250 mm
achterer Leitstand: 150 mm

 

 

 

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