Linienschiff SMS Kaiser Karl der Große

Die SMS Kaiser Karl der Große war das 4. von 5 Schiff der Kaiser-Friedrich-III.-Klasse Schiffe die noch als Einheitslinienschiffe gebaut und Indienst gestellt wurden. Erstmals wurden deutsche Kriegsschiffe mit den neuen Schnell-Ladekanonen als Hauptbewaffnung ausgerüstet und auch die mittlere Artillerie begann an Bedeutung zu gewinnen.

 

Stapellauf und Bauform:

Die Schiffe der Kaiser-Friedrich-III.-Klasse entstanden aus den Erfahrungen der vorhergehenden Brandenburg-Klasse. Der überwiegende Unterschied lag in der Bewaffnung, die erstmals aus Schnell-Ladekanonen bestand und die bis dahin verbauten Mantelringkanonen ersetzten. Zwar wurde das Kaliber von 28cm auf 24cm verringert, durch die bessere Schießleistungen in Kadenz, Reichweite und Durchschlagskraft konnte die Rückstufung jedoch mehr als Ausgeglichen werden. Auch die mittlere Artillerie wurde deutlich verstärkt, da das Marineamt erkannte, welchen Nutzen diese beim Beschuss der weniger gepanzerten Bereiche feindlicher Schiffe hatte. Hierfür sollte das Feuer der mittleren Artillerie besonders auf die Brücke und andere weniger gepanzerte Aufbauten konzentriert werden.

Weitere Verbesserungen war das integrieren von durchgehenden Munitionsaufzügen der neuen Türme der schweren Artillerie, wobei die ersten beiden Schiffe der Kaiser-Friedrich-III.-Klasse noch über die alten Geschütztürme C/1897 verfügten und erst später die neuen C/1898 Türme verbaut wurden. So konnte die Schussfolge von 2 auf 5 pro Minute erhöht werden.

Zudem wurde auch der verbesserte KC-Stahl (Krupp cemented) mit einer Tiefe von bis zu 300mm verwendet um die Panzerung zu erhöhen.

Die Kaiser Karl der Große war für die Hamburger Werft Blohm & Voss der erste Auftrag eines Schiffes dieser Größe. Durch die zügigen Arbeiten konnte das Schiff ein halbes Jahr vor der früher auf Kiel gelegten SMS Kaiser Barbarossa vom Stapel gelassen werden. Durch Streiks der Werftarbeiter im Herbst 1900 verschoben sich dann jedoch die Arbeiten und das Schiff wurde als letztes seiner Klasse Fertiggestellt.

Der Stapellauf der SMS Kaiser Karl der Große erfolgte am 18. Oktober 1899, die Indienststellung am 4. Februar 1902.

 

Namensgeber Kaiser Karl der Große

 

 

 

Werdegang der SMS Kaiser Karl der Große:

Nach der Indienststellung wurde das Schiff zusammen mit 3 weiteren der Kaiser-Friedrich-III.-Klasse und den 4 Schiffen der Brandenburg-Klasse dem I. Geschwader zugeteilt.

Bis ins Jahr 1905 nahm die Kaiser Karl der Große an mehreren Manövern und Ausbildungsfahrten teil. Als einziges Schiff des Geschwaders lief die Karl der Große am 18. Juli 1905 in Antwerpen ein um während der Feierlichkeiten zum 75-jährigen Bestehen des Königreiches Belgien die kaiserliche Marine zu vertreten.

Am 18. September 1909 wurde das Schiff der Reserve Formation der Ostsee zugeteilt. Zu dieser Zeit waren vom Marineamt bereits Modernisierungsmaßnahmen für die Schiffe der Kaiser-Friedrich-III.-Klasse beschlossen worde. Die SMS Kaiser Karl der Große war das einzige Schiff der Klasse, für das keine Modernisierung vorgesehen war sondern lediglich eine Grundüberholung, die im Jahre 1911 durchgeführt wurde.

 

SMS Kaiser Karl der Große

 

 

 

Einsatz im Krieg:

Mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges wurden die Schiffe der Kaiser-Friedrich-III.-Klasse wieder dem aktiven Dienst in dem neu gegründetem V. Geschwader zugeteilt und mit Sicherungsaufgaben in der Nordsee betraut.

Da das Schiff, ebenso wie die 4 anderen der Schiffsklasse, bereits zu Beginn des Krieges völlig veraltet waren, begann die Marineführung ab März 1915 mit dem teilweisen Abzug der Besatzungen der Schiffe um diese auf den moderneren Schiffen einsetzen zu können. Die SMS Kaiser Karl der Große schied dementsprechend ebenso aus dem Geschwader aus und diente anschließend dem Chef der Marinestation der Nordsee als Exerzier- und Maschinenschulschiff bis das Schiff am 19. November 1915 endgültig außer Dienst gestellt wurde.

1916 wurde die Kaiser Karl der Große nach Wilhelmshaven geschleppt um die Bewaffnung des Schiffes auszubauen und als Artillerie überwiegend an der Westfront einzusetzen. Bis zum Kriegsende wurde der Rest des Schiffes als Wohnschiff für Kriegsgefangene genutzt.

 

SMS Kaiser Karl der Große

 

 

 

Verbleib:

Da da Schiff nach der Kapitulation aufgrund des Alters und der Desarmierung für die Siegermächte uninteressant war, verblieb es in Deutschland, wurde am 6. Dezember 1919 aus der Liste der Kriegsschiffe gestrichen und 1920 in Rönnebeck verschrottet.

Die Schiffsglocke konnte jedoch bewahrt werden und ist heute im Museum Schloss Schönebeck in Bremen ausgestellt.

 

 

Kommandanten:

4. Februar bis September 1902 Kapitän zur See August von Heeringen
September 1902 bis September 1903 Kapitän zur See Adolf Poschmann
September bis Dezember 1903 Kapitän zur See Alfred Ehrlich
Dezember 1903 bis September 1904 Kapitän zur See Carl Franz
Oktober 1904 bis September 1905 Kapitän zur See Erich Gühler
September 1905 bis September 1907 Kapitän zur See Hans von Dambrowski
Oktober 1907 bis September 1908 Kapitän zur See Friedrich Gädeke
September 1908 bis 18. September 1909 Kapitän zur See Karl Wilbrandt
7. August 1914 bis März 1915 Kapitän zur See Friedrich Behncke
März bis September 1915 Korvettenkapitän Friedrich Knipping (reduzierte Besatzung)
September bis 19. November 1915 Korvettenkapitän / Fregattenkapitän Max Leonhardi (reduzierte Besatzung)

 

 

Schiffsdaten:

Name:  

SMS Kaiser Karl der Große

Land:  

Deutsches Reich

Schiffstyp:  

Linienschiff

Klasse:  

Kaiser-Friedrich-III.-Klasse

Bauwerft:  

Blohm & Voss, Hamburg

Baukosten:  

20.385.000 Mark

Stapellauf:  

18. Oktober 1899

Indienststellung:  

4. Februar 1902

Verbleib:  

Am 6. Dezember 1919 als Kriegsschiff gestrichen und 1920 verschrottet

Länge:  

125,3 Meter

Breite:  

20,4 Meter

Tiefgang:  

Max. 8,25 Meter

Verdrängung:  

Max. 11.785 Tonnen

Besatzung:  

667 bis 681 Mann

Antrieb:  

4 Marinekessel
6 querstehende Zylinderkessel
3 stehende 3-Zyl.-Verbundmaschinen

Leistung:  

13.874 PS (10.204 kW)

Höchstgeschwindigkeit:  

17,8 kn (33 km/h)

Bewaffnung:  

4 × Schnellfeuergeschütz 24,0 cm L/40 (300 Schuss)

18 × Schnellfeuergeschütz 15,0 cm L/40 (2.160 Schuss)

12 × Sk 8,8 cm L/30 (3.000 Schuss)

12 × Revolverkanone 3,7-cm

6 × Torpedorohr ∅ 45 cm (4 Seiten, 1 Bug, unter Wasser, 1 Heck über Wasser, 16 Schuss)

 

Panzerung:  

Wasserlinie: 100–300 mm auf 250 mm Teak
Deck: 65 mm
Schwere Artillerie:
Turmfronten: 250 mm
Turmdecken: 50 mm
Mittelartillerie:
Türme: 150 mm
Schilde: 70 mm
Kasematten: 150 mm
vorderer Leitstand: 250 mm
achterer Leitstand: 150 mm

 

 

 

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