Linienschiff

Der Schiffstyp Linienschiff entwickelte sich Mitte bis Ende des 16. Jahrhunderts durch technische Neuerungen im Schiffsbau und in der Bewaffnung. Anfang des 16. Jahrhunderts wurde es durch die Erfindung der Stückpforte möglich, Öffnungen tiefer im Schiffsrumpf für Geschütze einzusetzen, die nur für das Abfeuern der Kanonen geöffnet wurden und ansonsten geschlossen blieben damit kein Wasser eintreten konnte.

Neben den Stückpforten entwickelten sich auch die Schiffskanonen weiter und es entstanden nicht nur größere Kaliber sondern auch schwerere Kanonen, die nun auf den untersten Kanonendecks installiert werden konnten ohne die Stabilität des Schiffes zu gefährden.

Durch diese technischen Neuerungen wurde auch die Seekriegsführung den Gegebenheiten angepasst. Wurden Seegefechte im Mittelalter häufig noch durch Enterungen und / oder Rammen geführt, verlagerte sich die Taktik zum Ende hin mehr auf die Geschütze und dessen Einsätze. Im Zuge dessen wurden die neuen Schiffstypen nach der Formation in der sie sich bewegten benannt, da die Linienschiffe sich im Gefecht hintereinander in Kiellinie befanden und somit in der Lage waren, gleichzeitig ihre Breitseiten an Geschützen auf den Feind abzufeuern.

 

Segellinienschiffe:

Die ersten Segellinienschiffe bestanden aus Holz und waren mit Segeln ausgestattet.
Im Laufe des 17. Jahrhunderts wurde auch die Taktik der Kiellinien Formation eingeführt, die den Schiffen auch letztendlich den Namen gaben.

Die Bewaffnung der Schiffe bestand in der Regel aus 50 bis 130 Kanonen. Diese waren auf den Decks verteilt, wobei die Schiffe später auch nach der Anzahl der Kanonendecks in Zweidecker, Dreidecker oder Vierdecker eingeteilt wurden.
Auf dem untersten Deck befanden sich die größten und schwersten Kanonen mit einem Kaliber von 32-Pfünder bis 42-Pfünder, auf dem Mittel. und Oberdeck lagen die 24-Pfünder und 12-Pfünder.

Trotz der hohen Anzahl der Geschütze waren die Kaliber der Kanonen in der Regel nicht ausreichend genug, um gegnerischen Schiffen tatsächlich großen Schaden zuzufügen. In Seegefechten kam es deßwegen oft zu einer Pattsituation, wenn sich die Schiffe Kiellinie gegen Kiellinie bekämpften und es wurde teilweise noch auf anschließende Enterungen zurückgegriffen.

Erst mit der Entwicklung und dem Aufkommen des Dampfantriebes und größerer Kaliber, änderte sich die Taktik.

 

Die HMS Victory um 1900 in Portsmouth

Die HMS Victory um 1900 in Portsmouth

 

Schraubenlinienschiffe:

Mit der Entwicklung des Dampfantriebes begann man vorhandene Segelschiffe mit diesem Antrieb nachzurüsten, um nicht generell auf den Wind angewiesen zu sein und um die Schiffe manövrierfähiger zu machen. Da jedoch kurz darauf neu gebaute Schiffe bereits mit dem neuen Antrieb von vornherein ausgestattet waren und dementsprechend konstruiert wurden, verschwanden die Schraubenlinienschiffe wieder schnell aus den Seestreitkräften.

 

Gepanzerte Stahllinienschiffe:

Neben dem Dampfantrieb führte auch die Entwicklung der Stahlproduktion ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem Wandel in der Schiffskonstruktion. Die Linienschiffe wurden nun als gepanzerte Schiffe mit Dampfantrieb hergestellt, die nun über eine deutlich besser Manövrierfähigkeit, Geschwindigkeit, Reichweite und Panzerung verfügten. Zudem wurden auch die Geschütze weiterentwickelt und die Unterbringung erfolgte nun auf dem Deck in drehbaren Türmen und nicht mehr in dutzenden Reihen an der Schiffsseite. So wurden die neuen Linienschiffe auch nach ihrer Geschützaufstellung sowie ihrer Panzerung klassifiziert:

  • Batterieschiff / Breitseitschiff
    Dieser Schiffstyp hatte seine Geschütze noch nach alter Bauweise an der Seite auf mehreren Batteriedecks
  • Zentralbatterieschiff
    Die Bauart des Zentralbatterieschiff ähnelte ebenfalls noch der der hölzernen Linienschiffe, nur das durch die Umstellung der Geschütze von Vorder- auf Hinterlader und die dadurch größeren Geschütze, wurde die Anzahl drastisch reduziert. Aufgestellt waren die Geschütze weiterhin in einer Geschützbatterie und schossen seitlich des Schiffes
  • Kasemattschiff
    Kasemattenschiffe hatten ihre mittlere Artillerie in gepanzerten Kästen seitlich aufgereiht. Diese Geschütze waren auf drehenden Lafetten befestigt
  • Turmschiff
    Die Geschütze der Turmschiffe waren in einfachen zylindrischen Räumen aufgestellt, ähnlich der der später moderneren Version der Geschütztürme
  • Barbettschiff / Redouitschiff
    Bei diesem Schiffstyp waren Vorder- und Achterdeck gepanzerte Brustwehren angebracht, die kreis- oder birnenförmig waren und in denen die Geschütze standen

 

HMS Hood, das letzte Turmschiff

HMS Hood, das letzte Turmschiff

 

Einheits-Linienschiffe:

Die Einheits-Linienschiffe bildeten sich aus den Barbettschiffen heraus, wobei die 2 Geschütze auf Back und Schanz verteilt wurden. Ende des 19. Jahrhunderts stellten die in Deutschland gebauten Schiffe der Brandenburg-Klasse mit ihren 3 Zwillings Geschütztürmen die Grundlage für spätere Kriegsschiffe.

Zudem wurden nun auch die Kasematten der einzelnen Geschütztürme durch Querschotten getrennt, um bei einem Treffen andere Schiffbereiche nicht zu gefährden.

 

Das Einheits-Linienschiff HMS Caesar

Das Einheits-Linienschiff HMS Caesar

 

Großlinienschiffe:

Anfang des 20. Jahrhunderts begannen die Staaten USA und England mit der Fertigung größerer Linienschiffen, die als Dreadnought bekannt wurden. Hierbei handelte es sich um Linienschiffe, bei denen größerer Wert auf die Hauptgeschütze gelegt wurde und diese auf 4, teilweise auch auf 5, Geschütztürme aufgestockt wurde sowie auch das Kaliber deutlich größer wurde. Die Bezeichnung Großlinienschiff wurde in Deutschland für diese Schiffstypen benutzt und nach dem 1. Weltkrieg wurde allgemein die Bezeichnung Schlachtschiff verwendet.

USS Texas (1919), ein „Super-Dreadnought“

USS Texas (1919), ein „Super-Dreadnought“

Zeitgenössische Ansichtskarte der SMS Thüringen

Zeitgenössische Ansichtskarte der SMS Thüringen

 

Nach dem 2. Weltkrieg und dem erfolgreichen Einbringen von Flugzeugträgern als größte Kriegsschiffe, verschwanden die Linienschiffe / Schlachtschiffe aus den Marinestreitkräften und wurden durch Kreuzer und Fregatten ersetzt.

 

 

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