Paul von Hindenburg

Paul von Hindenburg ist eine der bedeutendsten und bekanntesten Personen der deutschen Geschichte. Von Hindenburg erlebte den Deutsch-Französischen Krieg, die Ausrufung des Deutschen Kaiserreiches im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles und führte die deutsche Armee im ersten Weltkrieg.

Zu Lebzeiten ein Berufssoldat und Anhänger der Monarchie endete seine letzte Amtshandlung als Reichspräsident der Weimarer Republik in der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler und ebnete damit unbewusst den Weg der Nationalsozialisten zur Macht.

 

Herkunft und Jugendjahre:

Geboren wurde Paul als Paul Ludwig Hans Anton von Beneckendorff und von Hindenburg am 2. Oktober 1847 in Posen als Sohn von Hans Robert Ludwig von Beneckendorff und von Hindenburg und Luise Schwickart. Bereits durch die Linie seines Vaters wurde Paul in ein altpreußisches Adelsgeschlecht hineingeboren, dessen Vater preußischer Offizier und Gutsbesitzer war.

Er besuchte von 1855 bis 1857 die Bürgerschule und anschließend bis 1859 das evangelischen Gymnasium in Posen.

 

 

Militärische Laufbahn:

Paul trat 1859 in den Militärdienst und besuchte zunächst bis 1863 die Kadettenanstalt in Wahlstatt in Schlesien und dann für 2 Jahre die Hauptkadettenanstalt in Berlin. Von 1865 wurde er für 1 Jahr der Königin Elisabeth, der Witwe des verstorbenen preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. als Leibpage zugeteilt bevor er im April 1866 als Leutnant in das 3. Garderegiment zu Fuß aufgenommen wurde.

Mit dieser Einheit beteiligte sich Paul von Hindenburg auch an der Schlacht von Königgrätz, die am 3. Juli 1866 während des Krieges zwischen Preußen und Österreich und Sachsen stattfand.

Schlacht von Königgrätz (Gemälde von Georg Bleibtreu)

Schlacht von Königgrätz (Gemälde von Georg Bleibtreu)

Ebenfalls am Deutsch-Französischem Krieg von 1870 bis 1871 beteiligte sich Hindenburg, nach dessen Ende im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles das Deutsche Reich ausgerufen wurde und Hindenburg als Repräsentant seines Garderegiment daran teilnahm.

 

Die Proklamierung des deutschen Kaiserreiches (18. Januar 1871) im Spiegelsaal von Schloss Versailles, Historiengemälde von Anton von Werner aus den 1880er-Jahren

Die Proklamierung des deutschen Kaiserreiches (18. Januar 1871) im Spiegelsaal von Schloss Versailles, Historiengemälde von Anton von Werner aus den 1880er-Jahren

 

Nach dem Krieg besuchte Hindenburg von 1873 bis 1876 die Kriegsakademie in Berlin um dort seine Qualifikation für den Generalstab zu erlangen. Nach seiner erfolgreichen Prüfung wurde er anschließend in den großen Generalstab versetzt und 1877 zum Hauptmann befördert. 1881 erfolgte die Beförderung zum Major während Hindenburg im Generalstab der 1. Division diente.

1890 leitete er die II. Abteilung im Kriegsministerium, 1891 erfolgte die Beförderung zum Oberstleutnant womit er 1893 das Kommando über das Oldenburgische Infanterieregiment Nr. 91 übernahm und bereits 1894 zum Oberst befördert wurde.

 

Fahne des IV. Bataillons des Oldenburgischen Infanterieregimentes Nr. 91

Fahne des IV. Bataillons des Oldenburgischen Infanterieregimentes Nr. 91

Uniformen des Oldenburgischen Infanterieregimentes Nr. 91

Uniformen des Oldenburgischen Infanterieregimentes Nr. 91

 

Weitere Beförderungen und Leitungen:
– 15. August 1896 Chef des Generalstabes des VIII. Armee-Korps in Koblenz
– 22. März 1897 Beförderung zum Generalmajor
– 9. Juli 1900 Beförderung zum Generalleutnant sowie Kommandeur der 28. Division in Karlsruhe
– 27. Januar 1903 Beförderung zum Kommandierenden General des IV. Armee-Korps in Magdeburg
– 22. Juni 1905 Beförderung zum General der Infanterie

Hindenburg wurde im März 1911 der schwarze Adlerorden verliehen und in den Ruhestand geschickt. Hindenburg zog daraufhin mit seiner Frau nach Hannover in die Villa Köhler.

 

Bruststern schwarzer Adlerorden

Bruststern schwarzer Adlerorden

Damalige Neubauten Am Holzgraben, vorne rechts die Villa Köhler

Damalige Neubauten Am Holzgraben, vorne rechts die Villa Köhler

 

 

Paul von Hindenburg im ersten Weltkrieg:

Mit Ausbruch des ersten Weltkrieges wurde Hindenburg am 22. August 1914 für den Militärdienst reaktiviert und übernahm den Oberbefehl über die 8. Armee in Ostpreußen. Dort sollte er die eingefallenen russischen Truppen zurückschlagen, was Hindenburg in der Schlacht bei Tannenberg vom 26. August bis 30. August gelang.

Paul von Hindenburg und sein engerer Stab in der Schlacht bei Tannenberg am 29. August 1914

Paul von Hindenburg und sein engerer Stab in der Schlacht bei Tannenberg am 29. August 1914

 

Sein weiterer Verlauf im Krieg:
– während der Schlacht bei Tannenberg zum Generaloberst befördert
– 2. September 1914 Verleihung des Pour le Mérite Ordens
– 6. bis 14. September Schlacht an den Masurischen Seen
– 1. November 1914 Ernennung zum Oberbefehlshaber Ost
– 27. November 1914 Beförderung zum Generalfeldmarschall
– 23. Februar 1915 Verleihung des Eichenlaub zum Pour le Mérite
– 29. August 1916 Ernennung zum Chef des Generalstabes des Feldheeres
– 9. Dezember 1916 Verleihung des Großkreuz des Eisernen Kreuzes
– 25. März 1918 Verleihung der Sonderstufe zum Großkreuz des Eisernen Kreuzes, dem sogenannten Hindenburgstern

Nach der Kapitulation des deutschen Reiches und der Abdankung des Kaisers, bemühte sich Hindenburg in Zusammenarbeit mit der neuen republikanischen Regierung, Unruhen im deutschen Heer zu beruhigen und eine Revolte zu unterbinden.

Am 25. Juni 1919 trat Hindenburg von seinem Posten als Chef des Generalstabes des Heeres zurück und verließ seinen letzten Dienstort Kolberg, nachdem er vor der Weimarer Nationalversammlung die berühmte „Dolchstoßlegende“ öffentlich machte, nach derer Meinung das deutsche Heer auf dem Schlachtfeld ungeschlagen sei, aber durch die rote Novemberrevolution von hinten erdolcht wurde.

 

 

Der politische Weg:

Nach der Ablegung seiner militärischen Ämter zog es Hindenburg zurück nach Hannover in das Zooviertel, wo er eine Villa bezog die ihm von der Stadt zur Verfügung gestellt wurde. In den folgenden Jahren unternahm er viele Reisen durch Deutschland, besonders durch Ostpreußen, wo er sich nach dem Sieg in der Schlacht bei Tannenberg großer Beliebtheit freute.

In der Zwischenzeit herrschte in der Weimarer Republik ein politisches Chaos. Dies betraf auch den Posten des Reichspräsidenten, dessen Wahl im März 1925 keine Mehrheit für einen der Kandidaten hervorbrachte. Auf Drängen der politisch rechten Parteien, lies sich Hindenburg nach anfänglichem Zögern, dazu verleiten, sich als Kandidat für die Wahl des Reichspräsidenten aufstellen zu lassen. Diese konnte er am 26. April 1925 gewinnen und trat damit die Nachfolge von Friedrich Ebert an.

Die politische Zerstrittenheit indes hielt jedoch an und nachdem die letzte große Koalition zerbrochen war, setzte Hindenburg am 29. März 1930 Heinrich Brüning von der Zentrum Partei als Reichskanzler eines Minderheitskabinetts ein ohne Vorher das Parlament zu benachrichtigen. Damit begann das sogenannte Präsidialkabinett, dessen Ziel die Ausschaltung des Parlaments war, dies Hindenburg jedoch nie gelang.
Zwar setzte Hindenburg zu Beginn einige Notverordnungen durch, diese wurden jedoch Juni 1930 vom Parlament aufgehoben, sodass Hindenburg dieses Auflöste.

1932 konnte Hindenburg die Wahl zum Reichspräsidenten erneut gewinnen, musste sich zu dieser Zeit jedoch den beiden starken Parteien KPD und NSDAP gegenübersehen. Diese konnten in den letzten Wahlen große Erfolge erzielen und setzten damit die Regierung deutlich unter Druck.

 

 

Hindenburg und der Aufstieg Adolf Hitler:

Am 2. Dezember 1932 ernannte Hindenburg Kurt von Schleicher zum neuen Reichskanzler. Dieser versuchte gleich zu Beginn, Teile der NSDAP von Hitler zu entfernen, als dies jedoch misslang, schlug er Hindenburg vor den Reichstag aufzulösen und vorerst keinen neuen Wählen zu lassen. Da dieser Schritt einen Bruch der Reichsverfassung dargestellt hatte, entzog Hindenburg von Schleicher seine Unterstützung.

Am 30. Januar 1933 erfolgte die Ernennung Adolf Hitlers zum neuen Reichskanzler. Mit ihm waren zudem Wilhelm Frick und Hermann Göring von der NSDAP im Kabinett vertreten. Zwar distanzierte sich Hindenburg zunächst von Hitler, doch im Laufe der Zeit geriet er immer weiter unter dessen Einfluss. Somit konnte Hitler auch mit der Unterstützung Hindenburg am 1. Februar 1933 den Reichstag auflösen und mehrere Notstandsgesetze erlassen, die faktisch die Grundrechte außer Kraft gesetzt haben.

Seit Juni 1934 zog sich Hindenburg mehr und mehr aus dem politischem Geschehen in Berlin zurück und reiste nach Ostpreußen auf seinen Gutshof.

 

 

Das Lebensende:

Bereits ab Mitte 1934 verschlechterte sich der Gesundheitszustand von Hindenburg aufgrund eines Blasenleidens. Am Morgen des 2. August 1934 um 9 Uhr verstarb Hindenburg auf seinem Gutshof Gut Neudeck.

Bereits 1 Tag vor dem Tod Hindenburg, löste Hitler bereits das Kabinett auf und lies das Amt des Reichskanzlers mit dem des Reichspräsidenten zusammen auf seine Person legen.

Hindenburgs Wunsch nach dessen Bestattung auf dem Gut Neudeck kam Hitler nicht entgegen. Dieser lies den Leichnam am Denkmal der Schlacht bei Tannenberg beisetzen, da diese Schlacht unverkennbar mit Hindenburg zusammenhängt.

Zum Ende des zweiten Weltkrieges und dem Vorrücken der roten Armee in Preußen, lies Hitler die Särge von Hindenburg, seiner Frau sowie der preußischen Könige Friedrich II. und Friedrich Wilhelm I. vom Denkmal in ein thüringisches Salzbergwerk umlagern, wo diese später von der US Army aufgegriffen und nach Marburg verlegt wurden. Dort wurden Hindenburg und seine Frau anschließend in der Nordturmkapelle der Elisabethkirche endgültig beigesetzt.

 

 

Familie:

  • 24. September 1879 Hochzeit mit Gertrud von Sperling

 

  • Tochter Irmengard Pauline Louise Gertrud
  • Sohn Oskar Wilhelm Robert Paul Ludwig Hellmuth von Beneckendorff und von Hindenburg geboren am 31. Januar 1883
  • Tochter Margarete von Beneckendorff und von Hindenburg geboren am 20. September 1897

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Passende Literatur zum Thema findet Ihr hier:

Hindenburg: Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler

Hindenburg: Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler Taschenbuch – 2. März 2009

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Paul von Hindenburg ist eine der zentralen historischen Figuren in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Der als Held verehrte »Sieger von Tannenberg« war maßgeblich an entscheidenden Wendepunkten der deutschen Geschichte beteiligt. Mit Wolfram Pytas Buch liegt die erste umfassende Biografie Hindenburgs und seiner Zeit vor.

Als politischer Akteur wirkte Hindenburg (1847–1934) zu einer Zeit, in der sich die Ereignisse in Deutschland und in Europa überschlugen: Kriegsniederlage und Revolution führten das Reich in eine tiefe Krise, Inflation und Weltwirtschaftskrise stürzten die Weimarer Republik in heftige Turbulenzen. Die Welt war aus den Fugen, und Hindenburg bestimmte an entscheidender Stelle die Geschicke Deutschlands mit, so etwa beim Sturz der Monarchie im November 1918, oder im Januar 1933, als er Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte. Hindenburg war eine Herrscherpersönlichkeit, die in drei politischen Systemen Entscheidungen von welthistorischer Dimension traf.
Wolfram Pyta, der beste Kenner Hindenburgs, erzählt in seinem Buch die Geschichte einer atemberaubenden politischen Karriere, die im Kaiserreich begann, die Republik überdauerte und während der Diktatur endete. Thesenfreudig und umfassend, originell und anschaulich: Eine historische Biographie, die Standards setzt; ein Muss für jeden historisch interessierten Leser

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Paul von Hindenburg: Aus meinem Leben

Paul von Hindenburg: Aus meinem Leben Gebundene Ausgabe – 1. Mai 2013

Paul von Hindenburg: Aus meinem Leben Gebundene Ausgabe – 1. Mai 2013

In der Geschichte des 20. Jahrhunderts nimmt Paul von Hindenburg eine zentrale Rolle ein. Der als Held verehrte „Sieger von Tannenberg“ sollte das Schicksal der Völker in ganz Europa entscheidend beeinflussen.
Dies sind die Erinnerungen des Generals: In ihnen bietet er einen faszinierenden Einblick in seinen Charakter und seine Entscheidungen. Reizvoll und irritierend zugleich wirkt der erzählende Ton, mit dem er sein militärisches Leben darlegt: Kriegsführungen im Osten und Westen des Ersten Weltkrieges, das Zusammenspiel mit den Bundesgenossen und schließlich seinen Aufstieg zur Obersten Heeresleitung.
Als Mensch habe ich gedacht, gehandelt und geirrt. Maßgebend in meinem Leben und Tun war für mich nicht der Beifall der Welt, sondern die eigene Überzeugung, die Pflicht und das Gewissen.

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Der Held von Tannenberg: Genese und Funktion des Hindenburg-Mythos (1914-1934) (Stuttgarter Historische Forschungen)

Der Held von Tannenberg: Genese und Funktion des Hindenburg-Mythos (1914-1934) (Stuttgarter Historische Forschungen) Gebundene Ausgabe – 1. Juni 2007

Der Held von Tannenberg: Genese und Funktion des Hindenburg-Mythos (1914-1934) (Stuttgarter Historische Forschungen) Gebundene Ausgabe – 1. Juni 2007

Nichts deutete auf die spätere Bedeutung Paul von Hindenburgs (1847–1934) hin, als er 1911 seine militärische Laufbahn als preußischer General beendete. Doch mit seiner Reaktivierung kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges begann seine zweite Karriere. Die ‚Schlacht von Tannenberg‘ und damit die Rettung Ostpreußens vor einer russischen Besetzung im August 1914 bildete das Fundament eines Mythos, welcher innerhalb weniger Wochen um den in der Öffentlichkeit bis dahin unbekannten Sieger entstand. Als ‚Held von Tannenberg‘ galt Hindenburg den Deutschen fortan als Retter aus einer Krise; er wurde zur nationalen Symbol- und Identifikationsfigur. Das Bedürfnis in der deutschen Gesellschaft nach Integration und Stabilität ließ den Hindenburg-Mythos die Kriegsniederlage und die Revolution überdauern. Der Mythos wurde zu einem entscheidenden Faktor im politischen Kräftefeld der Weimarer Republik. Eine systemstabilisierende Wirkung entfaltete er im ‚Dritten Reich‘ als Schutzschild der nationalsozialistischen Gleichschaltungspraxis.
Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass der Mythos kein Produkt einer staatlich gelenkten Propaganda war, sondern aus Dankbarkeit gegenüber dem ‚Befreier Ostpreußens‘ in der Bevölkerung entstand. Er deutet den Hindenburg-Mythos als Spiegel der Befindlichkeit der deutschen Gesellschaft, ihrer Werte, Vorstellungen und Sehnsüchte.

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Paul von Hindenburg. Vom Kadetten zum Reichspräsidenten

Paul von Hindenburg. Vom Kadetten zum Reichspräsidenten. Gebundene Ausgabe – 1932

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Hindenburg: Das Leben eines Deutschen

Hindenburg: Das Leben eines Deutschen Taschenbuch – 13. Mai 2013

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