Siebenjähriger Krieg in Nordamerika (French and Indian War)

Während der Kolonialzeit gab es nicht nur Kriege zwischen den europäischen Großmächten sondern diese Konflikte wurden auch unter den Kolonien der jeweiligen Mutterländer geführt. Besonders Nordamerika war Schauplatz vieler Konflikte zwischen den französischen Kolonien und den englischen.

 

Hintergrund:

Der erste Konfliktherd bildete das Gebiet um das Ohiotal. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das Gebiet zwar von Frankreich beansprucht, blieb von der Besiedlung allerdings verschont. Erst ab 1745 begannen englische Kaufleute mit den dort lebenden Indianervölkern Handel zu treiben und Siedlungspatente zu vergeben.
1749 begannen die Franzosen eine Expedition auszurüsten die zum einen das Land vermessen sollten zum anderen um die Indianerstämme gegen die Engländer aufzustacheln und ihnen den Handel mit ihnen zu untersagen. So wurde auch der wirtschaftlich stärkste Handelposten der Engländer in dem Dorf Pickawillany vernichtet.

Koloniale Entwicklung Nordamerikas

Koloniale Entwicklung Nordamerikas

Ungeachtet dessen setzte die englische Ohio Company ihre Anstrengungen fort und begann das Fort Cumberland als befestigten Handelsposten zu errichten. Später folgte ein weiteres Fort am Oberlauf des Monongahela River. 1752 traf als neuer Gouverneur Neufrankreichs Michel-Ange Duquesne de Menneville ein, der die unmissverständliche Order hatte, die Engländer aus dem Ohiotal zu vertreiben. Daraufhin wurden 4 französische Forts errichtet und ein weiteres der Ohio Company.

 

Den zweiten Konfliktherd bildete die die kanadische Provinz Akadien die nach dem Frieden von Utrecht 1713 von Frankreich an England abgetreten werden musste. Zwar behielt das Gebiet eine gewisse Autonomie, trotzdem begannen die Franzosen heimlich die dort lebende Bevölkerung, besonders die Indianerstämme, gegen die Engländer aufzuhetzen und eine Revolte zu beginnen. Ab 1750 kam es immer öfters zu Übergriffen auf englische Siedler, Händler und Soldaten, so dass sich 1754 der britische Gouverneur von Akadien gezwungen sah, alle gegen England aufbegehrenden Menschen als Kriminelle einzustufen.

 

Der Beginn des Krieges:

Das Errichten der französischen Forts in dem Ohiotal blieb dem englischen Gouverneur Robert Dinwiddie aus Virginia nicht verborgen und so schickte er einen jungen Offizier mit Namen George Washington (dem späteren ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika) mit einer schriftlichen Aufforderung das Gebiet zu verlassen zu den Franzosen. Dieser Aufforderung kamen die Franzosen nicht nach. Auf dem Rückweg entdeckte Washington eine geeignete Stelle für ein Fort und auf dessen Empfehlung wurde kurze Zeit später auch mit dem Bau begonnen. Die Franzosen entsendeten eine Militäreinheit, die die Bauarbeiter gewaltlos vertrieben und an der gleichen Stelle ein eigenes Fort (Fort Duquesne) setzten.

Washington hielt sich später mit seinen Soldaten in der Nähe des französischen Fort Duquesne auf, als er die Nachricht bekam, dass in der Nähe französische Truppen lagerten. Da er einen Überfall fürchtete setzte er seine Soldaten in Marsch und griff die Franzosen an, was als Jumonville-Zwischenfall (benannt nach dem getöteten französischen Offizier) in die Geschichte einging. Sofort schickte das Fort Duquesne eigene Truppen und schloss die sich zurückziehenden Engländer in ihrem Fort Necessity ein. Am 3. Juli 1754 kapitulierten die englischen Soldaten nach der Absicherung für freies Geleit. Der Krieg hatte damit offiziell begonnen.

 

Der Kriegsverlauf:

Nach der Niederlage vom 3. Juli 1754 bat der Gouverneur Robert Dinwiddie von Virginia in seiner Heimat um militärisch Unterstützung. Diese wurde ihm mit 2 Regimentern unter der Führung von Generalmajor Edward Braddock gewährt. Zusammen mit Washington marschierte Braddock am 9. Juli 1755 auf das französische Fort Duquesne zu. Am Fluss Monongahela geriet die Streitmacht jedoch in einen Hinterhalt und verlor neben Braddock auch rund 500 Mann.

Erfolgreicher waren die Engländer weiter im Norden in Kanada unter der Führung von Sir William Johnson, der mit seinen Militztruppen das wichtige Fort Edward anlegte und die Franzosen am 8. September 1755 in der Schlacht am Lake George besiegen konnte. Ebenfalls in der Region Akadien erfolgreich war der Brigadegeneral Robert Monckton, der mit seinen Truppen am 16. Juni 1755 das französische Forts Beauséjour einnehmen und damit eine wichtige Bresche in den Verteidigungsgürtel brechen konnte. Damit lag die akadische Halbinsel in englischer Hand.

Der akadischen Bevölkerung wurden nun das Ultimatum gestellt, der englischen Krone den Treueeid zu leisten oder die Konsequenzen zu tragen. Nachdem die Mehrheit der Bevölkerung den Treueeid verweigerte, begannen die Engländer ab dem 5. September mit der Deportation von rund 6.000 Männer, Frauen und Kindern in die englische Kolonie Neuengland. Somit sicherten sich die Engländer endgültig die Kontrolle über das Gebiet, auch wenn die Franzosen noch einige Jahre einen erfolglosen Guerillakrieg führten.

Am 17. Mai 1756 erfolgte die offizielle Kriegserklärung Englands an Frankreich, da sich in Europa parallel wieder ein Krieg abzeichnete. So kam es, dass die Engländer frische Truppen in ihre Kolonien entsendeten und die französischen Heimathäfen mit ihren Kriegsschiffen blockierten und den Nachschub abschnitten.

Ab dem sommer 1758 machte sich die englische Übermacht bemerkbar. Im Sommer starteten sie eine Großoffensive und griffen gleichzeitig Louisbourg, Fort Ticonderoga am Lake Champlain und Fort Frontenac am Ostende des Ontariosees an.

Im Juli 1759 fiel auch das französische Fort Duquesne, nachdem die Engländer mit den mit Frankreich verbündeten Indianern Frieden geschlossen haben. Auf dem Rückzug zerstörten die Franzosen das Fort, wurde von den Engländern aber neu Aufgebaut unter dem Namen Fort Pitt (dem heutigen Pittsburgh). Weitere Erfolge konnten die Engländer mit der Einnahme von Fort Crown Point und der zugefügten Niederlage der Franzosen am 24. Juli in der Schlacht bei La Belle Famille verbuchen.

Im Norden belagerte Zeitgleich eine englische Streitmacht Quebec, die am 18. September kapitulierte, nachdem am 13. September bei der Schlacht auf der Abraham-Ebene die Franzosen geschlagen wurden.

 

Schlacht auf der Abraham-Ebene: Tod von General James Wolfe. Gemälde von Benjamin West, 1770

Schlacht auf der Abraham-Ebene: Tod von General James Wolfe. Gemälde von Benjamin West, 1770

 

1760 versuchten die Franzosen vergeblich ihr Gebiet des heutigen Kanadas gegen die Engländer die verteidigen. Nachdem die Verstärkung, die für Montréal gedacht war, am 8. Juli 1760 in dem Gefecht auf dem Restigouche-Fluss zerschlagen wurde, konnten die Engländer ungehindert die restlichen französischen Gebiete erobern.

1762 erfolgte der letzte Versuch der Franzosen, ihre verlorenen Gebiete zurück zu erobern. Hierfür brach aus Frankreich eine Flotte mit 750 Soldaten auf, die die englische Blockade durchbrachen und die Soldaten am 24. Juni in St. John’s auf Neufundland absetzte. Die schwachen englischen Verteidiger ergaben sich, doch von Halifax wurden umgehend Kriegsschiffe und Soldaten gegen die Franzosen geschickt. Die französische Flotte zog sich schnell zurück und die zurückgebliebenen Soldaten mussten sich den überlegenden englischen Truppen am 18. September ergeben.

Mit dem Frieden von Paris vom 10. Februar 1763 trat Frankreich Akadien, Cape Breton, Kanada und die Inseln im St. Lorenz, alles Gebiet östlich des Mississippi (Missouri-Tal) einschließlich Mobile, aber ohne New Orleans an England ab. Auch Spanien musste Florida an England abtreten. Damit beherrschte England fast das gesamte Nordamerikanische Gebiet.

 

 

Passende Literatur zum Thema findet Ihr hier:

„The French and Indian War“ aus der Sicht Großbritanniens

 "The French and Indian War" aus der Sicht Großbritanniens Taschenbuch – 1. Oktober 2013


„The French and Indian War“ aus der Sicht Großbritanniens Taschenbuch – 1. Oktober 2013

Der French and Indian War , welcher auch Britisch-Französischer Krieg, oder Seven Years War bezeichnet wird, fand von 1754 bis 1763 in Nordamerika statt. Dies ist der Letzte der vier Kriege in Nordamerika, die zwischen England und Frankreich ausgetragen wurden.
Im Allgemeinen, ging es um die Vormachtstellung in der Neuen Welt. Dieser Krieg ist außerdem eng mit dem Siebenjährigen Krieg in Europa verbunden und dem letzten der drei Karnataka-Kriege in Indien.

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Soldiers – Amerikanische Militärgeschichte 1754-1916

 Soldiers - Amerikanische Militärgeschichte 1754-1916 Broschiert – 2013


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Im Laufe von 10 Jahren schrieb,Dietmar Kuegler, der beste deutsche Kenner der amerikanischen Pionierzeit, zahlreiche Essays über einige der markantesten Ereignisse der amerikanischen Militärgeschichte. Diese Beiträge erschienen in der militärwissenschaftlichen Zeitschrift „Pallasch“ in Österreich und fanden weltweit Beachtung. Sie präsentieren ein Spektrum der amerikanischen Geschichte vom 18. bis zum 20. Jh. aus militärischer Sicht. Wissenschaftlich sorgfältig dokumentiert, detailliert und so umfassend, wie diese Themen in deutscher Sprache selten bearbeitet worden sind. Der ÖSTERREICHISCHE MILIZVERLAG hat hier die wichtigsten dieser Beiträge in einem Sonderband herausgebracht. Ein Standardwerk. Inhalt: 1. Die Welt in Flammen – Der Beginn des French & Indian War 2. Remember the Alamo – Der Freiheitskampf von Texas 3. Bull Run – Die erste Schlacht von Manassas 4. Der blutigste Tag – Die Schlacht von Antietam 5. Beecher Island 6. Little Big Horn 1876 – Der Untergang der 7. US-Kavallerie 7. Ich bin des Kämpfens müde – Der Nez Perce Feldzug 1877 8. Viva Mexico! – Der letzte Feldzug der US-Kavallerie 1916 9. Blauröcke – Die US-Armee in den Indianerkriegen ab 1866 Einer der prominentesten amerikanischen Historiker, Andrew Masich, u.a. Co-Autor der Bücher „Cheyenne Dog Soldiers“ und „Halfbreed-The Life of George Bent“, hat ein Geleitwort für dieses Buch verfasst. Kuegler hat die Beiträge überarbeitet und mit einem umfangreichen Nachwort versehen.

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Der blutige Ohio: Nordamerikas Indianerkämpfer im Kampf um das Ohiobecken 1763-1795

 Der blutige Ohio: Nordamerikas Indianerkämpfer im Kampf um das Ohiobecken 1763-1795 Broschiert – 23. Februar 2012


Der blutige Ohio: Nordamerikas Indianerkämpfer im Kampf um das Ohiobecken 1763-1795 Broschiert – 23. Februar 2012

Die Dark and Bloody Grounds, das dicht bewaldete Ohio-Tal, war im 18. Jh. die Grenze zwischen Zivilisation und Wildnis in Nordamerikas. Jene Männer, die die Wege durch die Wildnis nach Westen bahnten, lange bevor die großen Planwagentrecks die weiten Prärien durchquerten und die Rocky Mountains überwanden,gehören zu den unsterblichen Legenden der amerikanischen Geschichte. Waldläufer wie Daniel Boone schufen das Bild vom Eroberer und Pfadfinder. Unter den Grenzlandbewohnern ragte diese kleine Elite von Männern hervor, die als interkulturelle Akteure den Verlauf der Besiedelungsgeschichte Nordamerikas maßgeblich prägten. Inhalt: Konflikte im Ohio-Grenzland – Indianerkämpfer – Daniel Boone – Simon Kenton -Simon Girty -Samuel Brady -Ludwig Wetzel Dr. Stephan Maninger, Universitätsdozent und Konfliktforscher, hat in prägnanter Weise einen populären Aspekt der amerikanischen Besiedelungsgeschichte aufgegriffen und analysiert.

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