21-cm Kanone L/162 (Paris-Geschütz)

Bereits im Herbst 1914 forderte die deutsche Heeresführung nach dem Einmarsch in Belgien von der Marine Geschütze, die in der Lage sein sollten von der belgischen Küste aus die britischen Küstenstädte beschießen zu können. Diese Anforderung ging auf die Tatsache zurück, dass die deutsche Hochseeflotte zum einen Entlastet werden sollte, zum anderen bestand bereits zu Beginn des Krieges die Befürchtung, dass die britische Royal Navy eine Sperrung der Nordsee durchführen würde.

Die Marineführung leitete den Auftrag an die Firma Krupp weiter, die umgehend mit der Entwicklung einer weitreichenden Kanone sowie der passenden Munition begann. Ab Juli 1917 konnten die ersten Versuche mit der neu entwickelten Kanone durchgeführt werden. Diese wurden zunächst auf dem Übungsgelände in der Nähe von Meppen durchgeführt, da das Gelände allerdings zu klein war, wurde die Kanone auf den Schießplatz Altenwalde bei Cuxhafen gebracht. Dort konnte das Geschütz auf die offene Nordsee schießen.

Anfang 1918 standen 2 der Kanonen für den Einsatz bereit. Aufgrund ihrer Erfahrung mit großen Geschützen bestand die Bedienmannschaft fast ausschließlich aus Marine Soldaten. Mit der deutschen Frühjahrsoffensive vom 3. März 1918 wurden diese aus ihrer Stellung in Saint-Gobain bei Crépy-en-Laonnois zum ersten mal benutzt. Aufgrund des hohen Gewichtes mussten die Kanonen auf ein zuvor mit Beton gegossenes Fundament aufgebaut werden.

 

21-cm Kanone L/162

 

Modell in der Wehrtechnischen Studiensammlung in Koblenz

 

 

Durch die enorme Abschussenergie und den hohen Gasdruck, die für den Abschuss der schweren Granaten notwendig waren, war der Verschleiß des Rohres entsprechend hoch. Die Einsatzdauer reichte aus diesem Grund lediglich für rund 65 Schuss pro Rohr. Insgesamt wurden 3 der schweren Kanonen hergestellt sowie 7 passende Rohre, die nach rund 65 Schuss aufgebohrt werden mussten.

 

Ein Einsatz an der belgischen Küste wurde nicht mehr durchgeführt. Stattdessen beschränkte sich der Einsatz auf die Beschießung von Paris. Insgesamt wurden 367 Einschläge in der Altstadt und den umliegenden Randbezirken gezählt. Einen militärischen Wert hatte der Beschuss nicht. Zwar lösten die Einschläge zunächst in der Bevölkerung Panik aus, doch diese war nur von kurzer Dauer als ersichtlich wurde, dass die Geschütze nicht präzise genug schießen konnten.

 

Einschlag in der St. Gervais Kirche in Paris vom 29. März 1918

 

 

Am 25. März 1918 kam es bei einer der drei Kanonen zu einer Explosion die 17 Männer der Bedienmannschaft tötete. Zum Ende des Krieges wurden die beiden anderen Geschütze demontiert, nach Deutschland gebracht und dort verschrottet. Damit die Konstruktionspläne nicht den Siegermächten in die Hände fallen, wurden diese nach dem Krieg entweder versteckt oder vernichtet.

 

 

Datenblatt:

Bezeichnung: 21-cm Kanone L/162
Herstellerland: Deutsches Reich
Hersteller Firmen: Krupp
Einführungsjahr: 1918
Stückzahl: 3
Kaliber: 209,3 bis 232mm da die Rohre mehrfach aufgebohrt werden mussten
Rohrlänge: 33.910mm
Feuergeschwindigkeit: 1 Schuss / 2 Minuten
Gewicht: 1.490.000Kg

 

 

 

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