Canon de 155 C modèle 1915 St. Chamond

Die Canon de 155 C modèle 1915 St. Chamond war ein französisches Geschütz, welches bereits vor dem ersten Weltkrieg entwickelt, jedoch erst Mitte des Krieges gebaut wurde.

Die Compagnie des Forges et Aciéries de la Marine et d'Homécourt (FAMH) in Saint-Chamond produzierte bereits einige Jahre vor dem ersten Weltkrieg Artillerie Geschütze für die mexikanische Armee, darunter ein 75 mm Feldgeschütz. 1911 begann die Entwicklung eines 150 mm Geschützes, welches als mittelschwere Artillerie die Bewaffnung der mexikanischen Armee verstärken sollte. Ende des Jahres wurde der Prototyp der mexikanischen Militärführung vorgestellt, diese zeigte jedoch kein Interesse und vergab dementsprechend keinen Auftrag zum Bau der Geschütze.

Bis 1913 wurde der Prototyp noch in einigen Punkten überarbeitet, sodass auch das Kaliber auf 155 mm gestiegen war. In diesem Zustand wurde das Geschütz 1913 der französischen Armee vorgestellt, doch auch diese Armee lehnte einen Auftrag ab, da bereits die Canon de 155 C Mle 1904 TR Rimailho den Anforderungen entsprach und eingesetzt wurde.

 

Erst als der erste Weltkrieg ausgebrochen war und in einen Stellungskrieg überging, zeigte sich, dass die eingesetzten französischen Geschütze der neuen Aufgabe nicht mehr gerecht wurde. Besonders nach der zweiten Schlacht bei Artois im Mai 1915, wo die Artillerie vor dem Sturmangriff stundenlang auf die deutschen Stellungen feuerte, kamen die französischen Geschütze an ihre Grenzen. Die militärische Führung forderte daher die Einführung von mittelschwerer Artillerie, die zum einen ein langes Dauerfeuer aufrecht erhalten konnte und die über eine ausreichende Reichweite verfügte die außerhalb der deutschen Artillerie lag.

So kam es, dass die französische Armee nun doch noch auf die Canon de 155 C modèle 1915 St. Chamond zurück griff und im Juni 1915 einen Auftrag von 400 Geschützen erteilte.

Der große Vorteil des Geschützes war das moderne Hydro Spring Rückstoßsystem und der Gleitblockverschluss mit dem die Patronenhülsen nach dem Schuss automatisch ausgeworfen wurde. Ungewöhnlich war zudem die Anbringung des Schutzschildes direkt am Lauf, wobei sich dieser beim Schießen mit dem Lauf zusammen nach hinten bewegte. Dadurch musste der Schild im Gegensatz zu anderen Geschützen kleiner ausfallen um Gewicht zu reduzieren.

Aufgrund von Produktionsverzögerungen begann die Serienfertigung des Geschützes erst im Herbst 1916. 50 Geschütze konnten dann jeden Monat gebaut werden, bis die bestellten 400 Stück fertig waren und die Produktion auf die Canon de 155 C Modell 1917 Schneider umgestellt werden musste.

 

 

Canon de 155 C modèle 1915 St. Chamond

 

Canon de 155 C modèle 1915 St. Chamond

 

Canon de 155 C modèle 1915 St. Chamond

 

 

Entgegen der Erwartung der französischen Armee erwies sich die Reichweite des Geschützes bei der Einführung als zu gering. So verblieb das Geschütz überwiegend hinter der Front zur Absicherung der Reserve Gräben und wurde für die Ausbildung genutzt.

Nach dem ersten Weltkrieg behielt die französische Armee den größten Teil der Geschütze und lies diese als Reserve in Depot abstellen. Mit Beginn des zweiten Weltkrieges wurden diese wieder reaktiviert und gegen die deutsche Wehrmacht 1940 eingesetzt. Nach der Kapitulation Frankreichs konnten die Deutschen 200 dieser Geschütze erbeuten und setzte sie für den Schutz der Küsten ein.

Neben der französischen erhielt auch die serbische Armee zum Ende des ersten Weltkrieges einige der Geschütze. Diese verblieben in der Armee und wurden von der später gegründeten jugoslawischen Armee übernommen und in den nächsten Jahren modernisiert. Nachdem die deutsche Wehrmacht im zweiten Weltkrieg den Balkan eroberte, konnte diese auch dort mehrere der Geschütze erbeuten und setzte sie, wie auch die französischen Geschütze zum Schutz der Küstenregionen ein.

Als die Sowjetunion 1939 Finnland überfiel, kaufte das Land aus Frankreich 24 der 155 mm Geschütze. Diese trafen jedoch erst Anfang März 1940 ein nachdem der Krieg bereits beendet war. Erst als Finnland zusammen mit Deutschland gegen die Sowjetunion kämpfte kamen die Geschütze wieder zum Einsatz. Nach dem zweiten Weltkrieg verblieben noch einige bis in die 60er Jahre in der finnischen Armee.

 

 

Finnische Soldaten mit ihrem 155 mm Geschütz während des Krieges gegen die Sowjetunion

 

Eine erhaltende Canon de 155 C modèle 1915 St. Chamond im Artillerie Museum in Finnland

 

 

 

Datenblatt:

Bezeichnung: Canon de 155 C modèle 1915 St. Chamond
Herstellerland: Frankreich
Einführungsjahr: 1916
Stückzahl: 400 Stück
Kaliber: 155 mm
Rohrlänge: 2,517 Meter
Reichweite: Max. 9.300 Meter
Gewicht: 3,04 Tonnen

 

 

 

 

 

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