Flugzeugmutterschiff HMS Engadine

Die HMS Engadine war ursprünglich ein Postdampfer für den Ärmelkanal, der kurz nach Beginn des ersten Weltkrieges von der Royal Navy in ein Flugzeugmutterschiff umgebaut und eingesetzt wurde.

 

Stapellauf und Bauform:

Um ein schnelles Postschiff zwischen den Städten Folkestone und Boulogne zu bekommen, lies die Firma South East and Chatham Railway auf der Werft William Denny and Brothers im schottischen Dumbarton die moderne Engadine bauen.

Der 98,5 Meter lange Dampfer konnte ein Gesamtvolumen von 1676 Bruttoregistertonnen aufnehmen und erreichte mit seinen drei Dampfturbinen eine Höchstgeschwindigkeit von 21,5 Knoten.

Der Stapellauf der Engadine erfolgte am 23. September 1911, die Indienststellung Ende 1911.

 

 

 

Umbau zum Flugzeugmutterschiff:

Kurz nachdem der erste Weltkrieg ausgebrochen war, wurde das Schiff am 11. August 1914 beschlagnahmt und in den Dienst der Royal Navy gestellt, zu dieser Zeit bekam das Schiff auch den Zusatz HMS.

Auf der Werft Chatham Dockyard wurde umgehend mit dem notdürftigen Umbau begonnen. Dabei wurden drei Hangars aus Segeltuch montiert. Da die Montage eines Flugdecks erst den Abbau der Aufbauten und umfangreiche Änderungen an der Konstruktion des Schiffes und damit viel Zeit in Anspruch genommen hätten, wurde die Engadine als Träger für Wasserflugzeuge genutzt. Dazu wurden neue Derrickkräne montiert um die drei Flugzeuge Aufzunehmen oder zu Wasser zu lassen.

Die Umbauten waren am 1. September 1914 abgeschlossen und das Schiff einsatzfähig.

 

 

HMS Engadine

 

HMS Engadine

 

 

 

Einsatz im Krieg:

Die HMS Engadine wurde zusammen mit den Wasserflugzeugtendern HMS Empress und HMS Riviera der Harwich Force zugeteilt.

Der erste Einsatz erfolgte am 25. Dezember 1914 bei dem die Zeppelin Hangars in Cuxhaven angegriffen werden sollten. Insgesamt starteten sieben Flugzeuge, die an den Werken lediglich geringen Schaden anrichten konnten. Auf dem Rückweg mussten vier Flugzeuge notwassern und deren Besatzung von britischen U-Booten und einem niederländischen Trawler gerettet werden.

Im Februar 1915 wurde das Schiff an die britische Admiralität verkauft, die es bis zum 23. März 1915 umrüsten lies. Dabei wurden die Hangars aus Segeltuch entfernt und ein größerer und stabilerer Hangar für nunmehr vier Flugzeuge gebaut. Zudem wurden vier Schnellfeuerkanonen QF 12 pounder 12 cwt naval gun und zwei QF 3-pounder Flugabwehrkanonen zur Verteidigung montiert.

Nach dem erneuten Umbau wurde das Schiff wieder der Harwich Force zugeteilt.

Am 3. Juli 1915 sollte mit drei Flugzeugen an der Ems Aufklärung geflogen werden, um so eines der deutschen Luftschiffes zu ködern und angreifen zu können. Jedoch wurden zwei der Flugzeuge beim Start zerstört und das dritte schwer beschädigt, so dass der Flug und Angriff abgebrochen werden musste.

Im Oktober 1915 erfolgte die Verlegung in das 1. Schlachtkreuzergeschwader unter dem Kommando von Vizeadmiral David Beattys. Mit diesem Verband nahm das Schiff auch vom 31. Mai auf den 1. Juni 1916 an der Skagerrakschlacht teil. Dabei bildete die HMS Engadine die Vorhut und gehörte zu den ersten Schiffen, die die deutsche Vorhut sichteten. Anschließend wurde das Schiff gestoppt und zwei Short Type 184 Flugzeuge gestartet um Aufklärungsflüge in diesem Gebiet durchzuführen. Dabei konnte eines der Flugzeuge drei deutsche Schlachtkreuzer und fünf Zerstörer ausmachen und dies der Engadine melden. Da das Schiff während des Gefechtes die Nachhut bildete und hinter den anderen britischen Kriegsschiffen fuhr, konnte mit dem Träger der manövrierunfähige Panzerkreuzer HMS Warrior abgeschleppt werden. Während der Rückfahrt wurden die Wassereinbrüche auf der Warrior so stark, dass das Schiff aufgegeben werden musste. Die Engadine übernahm die vollständige Besatzung.

Bis Anfang 1918 verblieb das Schiff in der Grand Fleet, wobei keine weiteren Einsätze mehr durchgeführt wurden. Anschließend wurde die Engadine in das Mittelmeer verlegt und operierte bis zum Kriegsende von Malta aus gegen feindliche U-Boote.

 

 

 

Einsatz nach dem Krieg:

Nach dem ersten Weltkrieg wurde die HMS Engadine von ihrem ursprünglichen Eigentümer der Firma South Eastern and Chatham Railway zurück gekauft.

Die Firma brachte das Schiff wieder in den Zustand eines Postdampfers, lies es überholen und reparieren und setzte es wieder für Transportfahrten im Ärmelkanal ein.

1933 wurde das Schiff an die Firma Fernandez Hermanos, Inc. auf den Philippinen verkauft, welche es unter dem Namen Corregidor in Betrieb nahmen.

 

 

 

Verbleib:

Nachdem Japan am 8. Dezember 1941 mit der Invasion der Philippinen begonnen hatte, wurden am 16. Dezember am späten Abend Flüchtlinge, Soldaten und einige Abgeordnete auf die Corregidor gebracht, die zu dieser Zeit im Hafen von Manila in Norden des Landes lag.

Bei der Durchfahrt der seit Juli verminten Einfahrt der Manilabucht, lief das Schiff auf eine der Seeminen. Die Explosion beschädigte das Schiff so schwer, dass es innerhalb kürzester Zeit versunken war.

Drei heraneilende PT-Schnellboote der US Navy konnten von den geschätzten 1.200 bis 1.500 Personen an Bord nur noch zwischen 282 bis 296 retten.

 

 

 

Schiffsdaten:

Name:  

HMS Engadine

Land:  

Großbritannien

Schiffstyp:  

Postschiff

Vom 1. September 1914 bis 1920:
Flugzeugmutterschiff

Klasse:  

Einzelschiff

Bauwerft:  

William Denny and Brothers in Dumbarton (Schottland)

Baukosten:  

unbekannt

Stapellauf:  

23. September 1911

Indienststellung:  

Ende 1911

Verbleib:  

Am 17. Dezember 1941 durch einen Minentreffer gesunken

Länge:  

98,5 Meter

Breite:  

12,5 Meter

Tiefgang:  

Max. 4,2 Meter

Verdrängung:  

Max. 2.590 Tonnen

Besatzung:  

197 Mann

Antrieb:  

6 Wasserrohrkessel

3 Dampfturbinen

Leistung:  

13.800 PS (10.150 kW)

Höchstgeschwindigkeit:  

21,5 kn (40 km/h)

 

Bewaffnung:

 

4 x QF 12 pounder 12 cwt Marine Geschütz

2 x Ordnance QF 3 pounder Vickers Flugabwehrgeschütze

3 - 4 Wasserflugzeuge

Panzerung:  

keine

 

 

 

 

 

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