Küstenpanzerschiff SMS Siegfried

Die SMS Siegfried war als Küstenpanzerschiff Teil der von Leo von Caprivis anvisierten reinen Küstenverteidigung ausgeprägten kaiserlichen Marinetaktik zum Ende des 19. Jahrhunderts, die lediglich den Schutz der deutschen Küsten und besonders des Kaiser-Wilhelm-Kanals vorsahen.

 

Stapellauf und Bauform:

Die Schiffe der Siegfried-Klasse gingen aus dem Marinekonzept von Generalleutnant Leo von Caprivi als Chef der Kaiserlichen Admiralität aus dem Jahre 1883 hervor. Das Konzept sah den Schwerpunkt der Kriegsführung noch in den Landstreitkräften, die Marine sollte lediglich zum Schutz der deutschen Küstengewässer und des Kaiser-Wilhelm-Kanals, dessen Bau bereits beschlossen war, dienen. Zu diesem Zweck wurden die Küstenpanzerschiffe konstruiert, dessen Hauptaugenmerk auf dem geringen Tiefgang, einer starken Panzerung und ausreichender Feuerkraft lagen, wobei eine direkte Auseinandersetzung mit feindlichen Schiffen nicht vorgesehen war. Für Angriffe sollten überwiegend die mit in dem Konzept eingeplanten Torpedoboote dienen.

Der erste Entwurf für die Schiffsklasse wurde 1885 angefertigt.  1887 sowie 1889 erfolgten leichte Änderungen. Im Jahr 1888 erfolgte die Kiellegung des ersten Schiffes. Die SMS Odin wurde als letztes Schiff dieser Klasse auf Kiel gelegt.

Der Stapellauf erfolgte am 10. August 1889, die Indienststellung am 29. April 1890.

Als Namensgeber diente aus der germanischer Sage Siegfried der Drachentöter, der besonders aus der Nibelungensage bekannt war.

 

Siegfried in dem Ring des Nibelungen, Akt der Götterdämmerung

 

 

 

Werdegang des SMS Siegfried:

Nach der Indienststellung erfolgten zunächst einige Erprobungsfahrten bis das Schiff am 3. Oktober 1890 wieder außer Dienst gestellt wurde. Die Erprobung wurde dann ab dem 16. April 1891 wieder durchgeführt.

Nach einem großen Manöver wurde die Siegfried in Wilhelmshaven als Wachtschiff eingesetzt, als am 18. März 1892 das Hauptdampfrohr platzte, 5 Besatzungsmitglieder starben und das Schiff bis Mitte Juni in die Reparatur musste.

Bis zur erneuten außer Dienststellung am 23. Februar 1893 wurden noch einige Manöver sowie Auslandsfahrten durchgeführt. Anschließend erfolgten einige Modernisierungsmaßnahmen wobei die Antriebsanlage auf Öl Befeuerung umgestellt wurde.

Ab dem Frühjahr 1895 wurde die SMS Siegfried der Reserve Division zugeteilt mit der sie erneut an einige Manövern teilnahm, die bis in das Jahr 1902 reichten. Zu diesem Zeitpunkt wurden alle Schiffe der Siegfried-Klasse umfassenden Modernisierungen unterworfen, wobei die Schiffe unter anderem um 8 Meter verlängert wurden. Da der Antrieb mit der Öl Befeuerung deutlich teurer war als mit Kohle, wurde auch wieder ein Kohleantrieb eingebaut. Im Herbst 1903 waren die Umbaumaßnahmen beendet und das Schiff wurde wieder der Reserve zugeteilt.

1909 erfolgte die letzte Inbetriebnahme zu einem Manöver mit der anschließenden außer Dienststellung.

 

SMS Siegfried

 

Seitenriss des deutschen Panzerschiffes SMS Siegfried im Zustand von 1890 von steuerbord

 

SMS Siegfried

 

SMS Siegfried

 

Das deutsche Küstenpanzerschiff SMS Siegfried im Schwimmdock der Kaiserlichen Werft Danzig

 

 

 

 

Einsatz im Krieg:

Mit Ausbruch des ersten Weltkrieges wurden auch die Schiffe der Siegfried-Klasse aus dem Reserve Status in den aktiven Dienst geholt und in dem VI. Geschwader zusammen gefasst.

Nach einigen Übungen wurde das Geschwader in die Nordsee verlegt um dort Sicherungsaufgaben durchzuführen.

Am 31. August 1915 wurde das Geschwader wieder aufgelöst, da die kaiserliche Marine das Personal der Schiffe auf den moderneren Schiffe brauchte und die Siegfried-Klasse bereits als völlig veraltet galt.

Zunächst der Materialreserve zugeteilt, wurde die Siegfried ab dem 1. Januar 1917 von der II. Matrosen Division als Wohnschiff genutzt. Im November 1917 wurde das Schiff nach Emden verlegt um dort als Reserveschiff für die SMS Heimdall zu dienen, die als Beischiff der IV. Unterseebootsflottille gebraucht wurde.

Die letzten Monate des Krieges diente die Siegfried noch als Beischiff der Vorpostenflottille der Ems.

 

 

 

 

Verbleib:

Nach der Kapitulation des deutschen Reiches musste die SMS Siegfried nicht an die Siegermächte ausgeliefert werden. Es wurde am 17. Juni 1919 aus der Liste der Kriegsschiffe gestrichen und 1920 in Kiel verschrottet.

 

 

 

Kommandanten:

29. April bis 3. Oktober 1890 Kapitän zur See Paul Hoffmann
16. April bis Oktober 1891 Kapitän zur See Alfred Herz
Oktober 1891 bis März 1892 Korvettenkapitän Louis Riedel
März 1892 bis 23. Februar 1893 Korvettenkapitän August Gruner
Juli 1895 Korvettenkapitän Karl Ascher
Juli bis September 1895 Korvettenkapitän Louis Fischer
September 1895 bis März 1896 Kapitänleutnant Leopold Schliebner
April 1896 Korvettenkapitän Eugen Kalau vom Hofe
Mai 1896 Korvettenkapitän Carl Derzewski
Juni 1896 Korvettenkapitän August von Dassel
Juli 1896 Kapitänleutnant Leopold Schliebner
August bis September 1896 Korvettenkapitän Eugen Kalau vom Hofe
September bis Oktober 1896 Kapitänleutnant Leopold Schliebner
Oktober 1896 bis Mai 1897 Korvettenkapitän Carl Derzewski
Mai bis Juli 1897 Korvettenkapitän mit Oberstleutantsrang Alfred Brinkmann
Juli bis 29. September 1897 Korvettenkapitän Carl Derzewski
26. Juli bis 22. September 1899 Fregattenkapitän August von Heeringen
24. Juli bis 22. September 1900 Fregattenkapitän Oskar Wentzel
31. Juli bis 18. September 1901 Korvettenkapitän Job von Witzleben
22. Juli bis 22. September 1909 Fregattenkapitän Maximilian Rogge
12. August 1914 bis 14. Januar 1916 Kapitän zur See Hans Bene

 

 

 

Schiffsdaten:

Name:  

SMS Siegfried

Land:  

Deutsches Reich

Schiffstyp:  

Küstenpanzerschiff

Klasse:  

Siegfried-Klasse

Bauwerft:  

Germaniawerft, Kiel

Baukosten:  

4.770.000 Mark

Stapellauf:  

10. August 1889

Indienststellung:  

29. April 1890

Verbleib:  

1920 in Kiel verschrottet

Länge:  

79 Meter

Breite:  

14,9 Meter

Tiefgang:  

Max. 5,74 Meter

Verdrängung:  

Max. 3.741 Tonnen

Besatzung:  

276 Mann

Antrieb:  

4 Dampflokomotivkessel
2 stehende 3-Zyl.-Verbundmaschinen

Ab 1903:
8 Marinekessel
2 stehende 3-Zyl.-Verbundmaschinen

Leistung:  

5.022 PS (3.694 kW)

Höchstgeschwindigkeit:  

14,9 kn (28 km/h)

Bewaffnung:  

3 × Ringkanone 24,0 cm L/35 (204 Schuss)

6 × Schnellfeuergeschütz 8,8 cm L/30 (1.500 Schuss)

6 × Maschinen Kanone 3,7 cm

4 × Torpedorohr ⌀ 35 cm (1 Heck, 2 Seiten über Wasser, 1 Bug unter Wasser, 10 Schuss)

Ab 1903:
3 × Ringkanone 24,0 cm L/35 (204 Schuss)

10 × Schnellfeuergeschütz 8,8 cm L/30 (2.500 Schuss)

3 × Torpedorohr ⌀ 45 cm (1 Heck über Wasser, 2 Seiten unter Wasser, 8 Schuss)

1 × Torpedorohr ⌀ 35 cm (Bug, unter Wasser, 3 Schuss)

 

Panzerung:  

Wasserlinie: 100–240 mm
Deck: 30 mm
Türme: 30 mm
Barbetten: 200 mm
Kommandoturm: 30–80 mm

 

 

 

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