Der hundertjährige Krieg

Ausschlaggebend für die hundertjährige Auseinandersetzung zwischen Frankreich und England war die politische Doppelrolle, die englische Könige aufgrund ihrer Position und Besitztümer bekleideten und diplomatisch nicht geklärt werden konnten.

 

Ursprung:

Im 11. Jahrhundert hatte der normannische Herzog Wilhelm I. England erobert und sich dort selbst zum König ausgerufen. Neben ihm kamen auch viele Aristokraten aus Frankreich auf die Insel, die nicht nur eine neue Aristokraten Schicht in England aufbauten sondern durch ihre Besitztümer in Frankreich auch an dieses Land gebunden waren. Auch der englische König hatte neben seinem eigenen Königreich noch weitreichenden Grundbesitz in Frankreich, war aber dort als Herzog oder Graf, je nach Besitztum, dem französischen König untergeben. Ende des 12. Jahrhunderts stellten solche Besitztümer die in englischer Hand waren mehr als die Hälfte des französischen Staates.

 

Die Lehen der englischen Könige (rot) in Frankreich auf dem Höhepunkt ihrer territorialen Ausbreitung (um 1173).

Die Lehen der englischen Könige (rot) in Frankreich auf dem Höhepunkt ihrer territorialen Ausbreitung (um 1173).

 

So kam es, dass das französische Königsgeschlecht der Kapetinger anfing die englischen Vasallen auf dem französischen Territorium zu schwächen, entweder durch Diplomatie oder durch militärische Interventionen. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts kam es zu einem offenen Krieg zwischen dem französischen König Philipp II. und seinem englischen Vasall Johann Ohneland in dessem Verlauf 1202 die Grafschaften Touraine und Anjou, 1204 das Herzogtum Normandie sowie 1205 die Grafschaft Maine an die französische Krone verloren gingen. 1213 folgte die Grafschaft Bretagne mehr oder weniger freiwillig und distanzierte sich von der englischen Krone.

Es folgten englische Versuche die verlorenen Gebiete zurückzuerobern, diese Feldzüge schlugen jedoch alle fehl, sodass der englische König Heinrich III. 1259 die Verluste offiziell in dem Vertrag von Paris anerkennen musste. Die verbliebenen englischen Gebiete Aquitaniens wurden mit der Gascogne zum neuen Herzogtum Guyenne zusammengefasst.

In den folgenden Jahrzehnten unterblieben weitere Feldzüge und Annektierungen bis die alte Feindschaft zwischen dem englischen König Eduard II. und den französischen Königen Ludwig X., Philipp V. und schließlich Karl IV. ab 1307 wieder neu auflebten, da Eduard II. die Huldigung als Graf und Herzog der französischen Gebiete dem französischen König als Demütigung empfand und diese ablehnte.

 

Edward II.

Edward II.

 

Blieben die nächsten Jahre trotz der diplomatischen Feindseligkeiten noch friedlich, führte die Allianz zwischen Frankreich und dem sich der englischen Besatzung widerstrebenden Schottland zu einem weiteren Schritt Richtung offenem Krieg beider Länder. So kam es, dass Frankreich 1337 die Mobilmachung anordnete und die Kriegserklärung aus England folgte.

 

Die erste Phase des Krieges:

1340 ernannte sich Eduard III. selbst zum König von Frankreich, setzte mit seinem Heer über den Ärmelkanal und landete in Calais. Die Hafenstadt lies er zuerst links liegen und lies sein Heer plündern nach Süden marschieren, wo sie dann bei Crécy auf das französische Heer trafen. Dieses war den Engländern zahlenmäßig zwar weit überlegen, doch durch den taktisch geschickten Einsatz seiner Langbogen und der katastrophalen Führung der französischen Soldaten endete die Schlacht mit einer schweren Niederlage für Frankreich. Nach dem Sieg entschied sich Eduard doch noch Calais einzunehmen, was aufgrund der schweren Befestigungen zu einer fast 1-jährigen Belagerung mündete.

 

Edward III.

Edward III.

 

Englische Langbogen Schützen

Englische Langbogen Schützen

 

Ab 1347 wütete in den meisten Gebieten Europas die Pest, sodass militärische Feldzüge fast vollständig zum erliegen kamen. Erst 1355 kam wieder Bewegung in den Krieg als Edward of Woodstock, der älteste Sohn vom englischen König Eduard III., bei Bordeaux mit seinem Heer landete und im September 1356 in der Schlacht bei Maupertuis in der Nähe von Poitiers nicht nur einen Sieg erringen konnten, sondern auch den französischen König Johann II., der 1350 Philipp VI. als König folgte, gefangen nehmen konnten. Durch dieses Druckmittel konnte 1360 der Friede von Brétigny ausgehandelt werden. Hierbei musste Frankreich ein hohes Lösegeld für ihren König zahlen sowie die Gebiete Guyenne, Gascogne, Poitou und Limousin abtreten.

Ab 1369 begannen unter dem französischen König Karl V., dem Weisen erneut Feldzüge gegen die Engländer um die verlorenen Gebiete wieder zurückzuerobern. So besiegte er 1372 mit Hilfe der Kastilier die englische Flotte bei La Rochelle, eroberte große Gebiete von Gascogne zurück und konnte aus der Normandie und der Bretagne die Engländer verdrängen. 1376 verstarben der englische König Eduard III. und sein Thronfolger Edward of Woodstock, sodass die englischen Feldzüge vorerst ausgesetzt wurden. Frankreich nutzte die Zeit und den Umstand, dass der folgende englische König Richard II. mit 10 Jahren noch nicht regierungsfähig ist, um weitere Gebiete wieder zurückzuerobern bis 1386 die Feldzüge eingestellt wurden und 1396 ein Friedensvertrag unterzeichnet wurde.

 

Die zweite Phase des Krieges:

1413 bestieg der Urenkel Eduards III. Heinrich V. den Thron von England. Durch die zu dieser Zeit herrschende Uneinigkeit um die Thronnachfolge in Frankreich nach dem Tod von Dauphins Ludwig nutzte Heinrich die Gelegenheit und landete 1415 mit seinem Heer in der Normandie. Zu seinem Unglück verlor er jedoch bereits nach wenigen Wochen die Hälfte seiner Soldaten durch die Pest und sah sich gezwungen sein Heer nach Calais zurückzuziehen. Auf dem Weg dorthin bei Azincourt versperrte ihm jedoch das französische Heer den Weg. Doch durch die schlechten Wetterverhältnisse waren zum einen die Sehnen der französischen Armbrustschützen nicht mehr zu nutzen und das Schlachtfeld bestand hauptsächlich aus Matsch, sodass die französische Kavallerie nicht wie geplant die englischen Langbogenschützen ausschalten konnte. Auch hier hatten die Franzosen hohe Verluste zu beklagen und mussten eine Niederlage einstecken.

 

Der Agincourt Feldzug

Der Agincourt Feldzug

 

1417 setzte Heinrich seinen Feldzug fort und konnte große Gebiete im Norden Frankreichs unter seine Kontrolle bringen. Die Kriegswirren nutzten die Burgunder, dessen Gebiet südöstlich von Paris lag, und nahmen die Stadt ein. Ihnen fielen dabei auch der französische König Karl VI. und seine Gattin Isabeau 1418 in die Hände, deren Sohn und spätere Thronerbe Karl VII. konnte jedoch entkommen. Ab 1420 folgten dann politische Machtspiele um das Thronerbe, nachdem Isabeau ihren Sohn Karl VII. als illegitim titulierte und damit vom Erbe ausschloss.

 

 

Ungeachtet des politischen Machtkampfes der französischen Krone führten die Engländer 1428 ihren Feldzug weiter Richtung Süden auf die Stadt Orléans zu, dessen Einnahme den Sprung auf die südlich davon liegende Stadt Bourges bedeutet hätte, wo sich der als illegitim titulierte Thronerbe Karl VII. befand. Während der Belagerung der Stadt Orléans trat auf französischer Seite mit Johanna von Orléans eine junge Frau auf, die nach ihrer Aussage den göttlichen Auftrag hatte die Engländer zu besiegen. Mit dem Segen von Karl VII. gelang es ihr die Belagerung aufzubrechen und einige Siege für die Franzosen herbei zu führen. 1429 wurde Karl VII. in Reims schließlich doch noch zum König von Frankreich gekrönt und führte auf Drängen der Friedenspartei Verhandlungen mit Philipp dem Guten von Burgund um den Konflikt zwischen Frankreich und den Burgundern beizulegen. Dieser nutzte die Verhandlungen jedoch um seine Truppen in Paris zu verstärken und einen Angriff der Franzosen so zurückzuschlagen.

 

Frankreich 1429 bis 1453

Frankreich 1429 bis 1453

 

Um die weiteren Verhandlungen mit den Burgundern nicht zu gefährden, ordnete Karl an, auf weitere militärische Angriffe zu verzichten. Diese Aufforderung war besonders an Johanna von Orléans gerichtet, da diese auf weitere Angriffe ihrerseits drängte. Karl entschied sich schließlich Johanna an die Burgunder zu verraten, diese nahmen die junge Frau gefangen und verkauften sie an die Engländer. Mit der Anklage der Ketzerei und der damit eingehenden Verurteilung wurde Johanna von Orléans am 30. Mai 1431 in Rouen auf einem Scheiterhaufen verbrannt.

 

Johanna von Orleans bei der Krönung Karls VII. (Historiengemälde von Dominique Ingres, 1854)

Johanna von Orleans bei der Krönung Karls VII. (Historiengemälde von Dominique Ingres, 1854)

 

Durch die spätere Vermittlung von Papst Eugen IV. und dem Konzil von Basel konnte der Vertrag von Arras zwischen den Franzosen und den Burgundern ausgehandelt werden, der die formelle Zugehörigkeit von Burgund zu Frankreich bestätigt, das Gebiet jedoch von der Lehnspflicht und Huldigung entbindet.

 

Die letzte Phase des Krieges:

Ab dem Jahre 1435 setzte Frankreich seine Feldzüge gegen die Engländer fort. Der seit 1436 mündige englische König Heinrich VI. konnte mit seinem Heer den Franzosen kaum entgegentreten. So verlor er 1437 Paris und bis 1441 den Rest des Gebietes Île-de-France. 1442 fielen die Gebiete in südwest Frankreich, 1443 stießen die Franzosen in die Normandie, die 1444 einen Waffenstillstand und 1449/1450 die Übergabe an Frankreich erzwingen konnten. Von 1451 bis 1453 sorgten zudem politische Unruhen innerhalb Englands für eine weitere Destabilisierung, als dann 1453 bei Castillon der englische Heerführer John Talbot bei einer letzten Gegenoffensive starb und sich Bordeaux Frankreich angliederte, fielen auch die übrigen englischen Gebiete wieder in französische Hand. Die Hafenstadt Calais wurde erst 1559 an Frankreich übergeben und war der letzte englische Posten auf dem Festland.

 

Frankreich nach dem Ende des Hundertjährigen Krieges

Frankreich nach dem Ende des Hundertjährigen Krieges

 

 

Bildquellen:
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– „Frankreich-1429 1-800×600“ von Wolpertinger – de.wikipedia.org. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons
– „Map France 1477-de“ von Map_France_1477-fr.svg: Zigeunerderivative work: Furfur (talk) – Map_France_1477-fr.svg. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons

 

 

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Im Jahr 1328 fand die Dynastie der Kapetinger ihr Ende. Dies war der Auslöser für den Hundertjährigen Krieg, in welchem die englischen Könige mit Waffengewalt ihren Anspruch auf den französischen Thron geltend machen wollten. Herbe Niederlagen auf den Schlachtfeldern von Crécy und Poitiers erschütterten das französische Königsreich. Zwar trat unter Betrand du Guesclin eine Phase der Ruhe ein, bald darauf aber rüsteten sich die Engländer unter Heinrich V zu einem noch vernichtenderen Angriff. Als der König 1422 starb, wurde er von dem damals neun Monate alten Heinrich VI abgelöst. Zwanzig weitere Jahre sollten ins Land ziehen, bevor die englische Armee aus Frankreich vertrieben wurde. Der Zerfall des Reiches dauerte bis 1429 an. Dieses Werk beschäftigt sich sowohl mit der Rolle der englischen als auch der französischen Armee, beleuchtet detailliert und anhand zahlreicher, teilweise farbiger Illustrationen Aufbau und Organisation, Ausstattung und Waffen. Auch die langsame Regenerierung Frankreichs bis hin zur Erhebung des Reiches zur wichtigsten Kriegsmacht Europas wird beschrieben, ausgelöst unter anderem durch die junge Visionärin Jeanne d’Arc.

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Seine militärische Vorherrschaft, die von der Mitte des 14. Jahrhunderts bis zum frühen 15. Jahrhundert andauerte, verdankte England den Abwehrtaktiken durch den Langbogen. Diese Waffe, die allein von den englischen Truppen verwendet wurde, war wohl die effektivste Wurfgeschoss-Waffe des späten Mittelalters: Der Bogen hatte die gleiche Kraft wie eine moderne Gewehrkugel, und die Frequenz, in der geschossen werden konnte, blieb lange unerreicht von anderen Waffen der englischen Truppen. Darüber hinaus beschreibt dieses Buch alle Aspekte des Lebens der englischen Ritter des 15. Jahrhunderts, einschließlich des Trainings im Burghof und der harten Herausforderungen der Turniere. Der Alltag der Ritter wird ebenso geschildert wie die Rolle von Söldnern, das Geschehen auf dem Schlachtfeld und der Einfluss von ritterlicher Tugend.

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Agincourt der 25. Oktober 1415: Ein kleines, erschöpftes und von Hunger und Ruhr geplagtes englisches Heer steht einer sechsfachen französischen Übermacht gegenüber. Und erringt einen überragenden Sieg. Wie kam es zu dieser Schlacht? Wer waren die Männer, die König Henry V. nach Frankreich führte? Wie konnte es ihnen gelingen, die Blüte des französischen Rittertums, bestens ausgerüstet und hervorragend ausgebildet, vernichtend zu schlagen? Welchen Anteil hatten die Bogenschützen daran, und was berichtet uns Shakespeare darüber? Dieses Buch stellt den Leser zwischen die Männer, die sich in dieser Schlacht gegenüberstanden, lässt ihn miterleben, was sie fühlten und erdulden mussten. Und er erfährt, wie aus den ursprünglich missachteten bäuerlichen Bogenschützen eine hoch angesehene Waffengattung wurde. Hier wird den historischen Fakten Farbe und Leben geben, denn seit Shakespeare ist über diese berühmte Schlacht nicht mehr so lebendig und anschaulich geschrieben worden.

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Der Hundertjährige Krieg

 Der Hundertjährige Krieg Gebundene Ausgabe – September 2012


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1429 gelang es Jeanne d’Arc, den englischen Belagerungsring um Orléans, dem Schlüssel zu Südfrankreich, zu sprengen. Damit begann die Wende im Hundertjährigen Krieg (1337–1453), in dem zeitweise halb Frankreich von den Engländern besetzt war. Nach dem Tod Karls IV. erhob der englische König Ansprüche auf den französischen Thron. Dies führte zu dem dramatischsten kriegerischen Großereignis des Spätmittelalters. Anne Curry gelingt es, die wechselvollen Auseinandersetzungen zwischen dem Haus Valois, den englischen Königen und den verbündeten Burgundern sowie den Bürgerkrieg zwischen den Armagnacs und Bourguignons klar und verständlich nachzuzeichnen. Gleichzeitig macht sie deutlich, wie sich die Kriegsführung über die Jahre veränderte: die Infanterie wurde immer wichtiger, während Ritter an Bedeutung verloren, das Schießpulver kam mehr und mehr auf und gab dem Krieg ein neues Gesicht. Und auch die Menschen, die in den Krieg verwickelt waren, veränderten sich – mit jeder neuen Generation.

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