Erich Ludendorff

Erich Ludendorff war einer der bekanntesten deutschen Generäle im ersten Weltkrieg, diente als Stellvertreter Paul von Hindenburg in der obersten Heeresleitung und war maßgeblich an der gescheiterten Frühjahrsoffensive der Deutschen 1918 beteiligt.

Nach dem Krieg war Ludendorff politisch in mehreren völkischen Gruppen tätig, war Reichstagsabgeordneter der Deutschvölkischen Freiheitspartei und ebenso am Hitler-Putsch von 1923 beteiligt.

 

 

Herkunft und Jugendjahre:

Erich Friedrich Wilhelm Ludendorff wurde am 9. April 1865 in Kruszewnia bei Schwersenz in der Provinz Posen als Sohn eines Rittergutsbesitzers und Reserveoffiziers geboren. Seine Mutter entstammte der preußischen Adelsfamilie von Tempelhoff, somit wuchs Erich bereits von klein auf in wohlhabenden Verhältnissen auf.

 

 

Militärische Laufbahn:

Bereits mit 12 Jahren besuchte Erich von 1877 bis 1882 die Schulen des Kadettenvorkorps Plön und der Hauptkadettenanstalt in Groß-Lichterfelde. Anschließend wechselte er mit dem Rang eines Leutnant zum Infanterie-Regiment Herzog Ferdinand von Braunschweig (8. Westfälisches) Nr. 57 nach Wesel bevor er 1887 in dem Seebataillon der Kaiserlichen Marine unter anderem mit den Schiffen SMS Niobe, SMS Baden und SMS Kaiser zur See fuhr.

Leutnant Erich Ludendorff 1882 in Wesel

 

1890 begann er seine dreijährige Generalstabsausbildung zur Kriegsakademie in Berlin. In dieser Zeit besuchte er in seinem 3 monatigem Sonderurlaub die russischen Städte Sankt Petersburg und Moskau und wurde nach seiner Beförderung zum Generalstabsoffizier der 1. (russischen) Abteilung des Großen Generalstabs zugeteilt. Im März 1895 erfolgte die Beförderung zum Hauptmann.

1896 wechselte Ludendorff in den Generalstab des IV. Armeekorps in Magdeburg wo er als Zweiter Generalstabsoffizier tätig war. 1898 folgte die Ernennung  zum Kompaniechef im Infanterieregiment Nr. 61 (8. Pommersches) bevor er 1901 als Erster Generalstabsoffizier (Ia) in den Stab der 9. Division nach Glogau versetzt wurde.

1904 wurde Ludendorff, seinem Wunsch entsprechend, in den großen Generalstab versetzt. Im Laufe der nächsten Jahre arbeitete er unter anderem auch an den Grundzügen des Schlieffen-Plans mit, der im Falle eines Krieges mit Frankreich bereits zu dieser Zeit ausgearbeitet wurde. Weiter war er entscheidender Befürworter der um 1913 hin vorgestellten deutlichen Aufstockung und Aufrüstungspläne für das Militär.
In dieser Zeit erfolgten folgende Beförderungen:
– 1908 Beförderung zum Oberstleutnant
– 1911 Beförderung zum Oberst

1913 erfolgte die Versetzung und Ernennung zum Kommandeur des Füsilier-Regiments Nr. 39 in Düsseldorf, mm 22. April 1914 die Beförderung zum Generalmajor und zum Kommandeur der 85. Infanteriebrigade in Straßburg.

 

Erich Ludendorff

 

 

Erich Ludendorff im ersten Weltkrieg:

Mit Beginn des ersten Weltkrieges wurde Ludendorff zum Oberquartiermeister der 2. Armee ernannt und war an der Durchführung der Eroberung der Festungen bei der belgischen Stadt Lüttich beteiligt, nachdem der kommandierende Offizier verstarb. Für die Eroberung wurde er anschließend mit dem Pour le Mérite Orden ausgezeichnet.

Ludendorff mit seinem Mitarbeiter Oberst Max Hoffmann, ca. 1915/16

 

Bereits am 22. August 1914 erfolgte jedoch die Versetzung Ludendorffs von der West- an die Ostfront, da die russische Armee in Ostpreußen eingefallen war und Ludendorff zusammen mit Paul von Hindenburg an der Stabilisierung der Front und dem Zurückdrängen der Russen beauftragt wurde. In dieser Zeit gab es zwischen Ludendorff und dem Chef der 2. Obersten Heeresleitung Erich von Falkenhayn zunehmend Auseinandersetzungen über die Planung des Krieges. Als die deutschen Truppen in den Schlachten um Verdun keinen Durchbruch erzielen konnten, wurde Falkenhayn abgesetzt und Ludendorff zum General der Infanterie und als Erster Generalquartiermeister ernannt und war damit Stellvertreter Hindenburgs mit dem er die 3. Oberste Heeresleitung bis zum Kriegsende bildete.

Hindenburg und Ludendorff im Großen Hauptquartier in Bad Kreuznach 1917

 

Trotz seiner Siege zu Beginn des Krieges an der Ostfront, gelang es weder Ludendorff noch Hindenburg eine Entscheidung an der Westfront herbei zu führen. Als die Frühjahrs Offensiven 1918 ebenfalls keinen Durchbruch erzielen konnten musste Ludendorff einsehen, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen war.

 

 

Das Kriegsende:

Nachdem 1918 die Frühjahrs Offensiven gescheitert waren, ein Durchbruch der Alliierten durch die deutsche Siegfried Stellung drohte und auch Bulgarien bereits über einen Waffenstillstand mit den Alliierten verhandelte, trat Ludendorff am 29. September 1918 auf einer Besprechung der Heeresleitung für ein Waffenstillstandsangebot des amerikanischen Präsidenten und der Umwandlung der Monarchie in eine parlamentarische Monarchie ein um eine gewisse Schadensbegrenzung noch durchführen zu können. Ludendorff verfolgte mit diesen Schritten die Verschiebung der Schuldfrage für eine Niederlage den Sozialdemokraten und den Revolutionären zuzuschieben und nicht dem Militär zu überlassen.

Nachdem im Oktober 1918 Maximilian von Baden die Regierung übernommen hatte, setzte dieser Ludendorff mit seinen eigenen Vorschlägen unter Druck um eine Kapitulation einzuleiten. Ludendorff versuchte dies mit allen Mitteln zu verhindern und wurde in Folge seines Aufrufes zu dem Weiterführen des Krieges am 26. Oktober 1918 aus dem Dienst entlassen.

Nach einigem Umherreisen entschied sich Ludendorff schließlich unter falschem Namen (Ernst Lindström) mit einem finnischen Diplomatenpass über Kopenhagen nach Schweden auszureisen um sich seiner Verantwortung zu entziehen.

 

 

Ludendorff in der Weimarer Republik und dem 3. Reich:

Nach der Kapitulation des deutschen Reiches kehrte Ludendorff einige Zeit später in die Weimarer Republik zurück. Dort war er von Beginn an bei republikfeindlichen und nationalistischen Vereinigungen tätig. In dieser Zeit lernte Ludendorff auch Adolf Hitler kennen, von dem er jedoch von Beginn an wenig hielt, da Hitler während des ersten Weltkrieges lediglich den Dienstgrad eines Gefreiten trug. Von Ludendorff kam dementsprechend auch die abfällige Bezeichnung über Hitler, der ihn als „Böhmischen Gefreiten“ titulierte.

Erich Ludendorff und Adolf Hitler

 

Im Zuge der politischen Instabilität und Radikalisierung der politischen Kräfte der jungen Weimarer Republik, beteiligte sich Ludendorff auch an dem Kapp-Putsch vom 13. März 1920, der durch Reichswehrangehörige und ehemaligen Soldaten den Umsturz der Republik durch Gewalt herbei führen sollte. Der Putsch scheiterte, hielt Ludendorff jedoch nicht davon ab, am 8. und 9. November 1923 zusammen mit Adolf Hitler in Münschen erneut einen Putsch zu versuchen und mit einem „Marsch auf Berlin“ erneut die Republik zu stürzen.

Im Laufe der nächsten Jahre verschlechterte sich das Verhältnis zwischen Ludendorff, Adolf Hitler und der NSDAP zusehens. Gegenseitige Beschuldigungen und Unterstellung für Kontakte zu Kommunisten und Juden wurden immer lauter.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten erlangte die Auseinandersetzung zwischen Hitler und Ludendorff seinen Höhepunkt, als die Ludendorff-Buchhandlungen angegriffen und teilweise zerstört wurden, nachdem kritische Texte veröffentlicht wurden. Aufgrund des Bekanntheitsgrades Ludendorff in Verbindung mit dem ersten Weltkrieg, blieben Angriffe auf ihn und seine Frau jedoch untersagt. Im Laufe der nächsten Jahre konnte eine gewisse Versöhnung herbeigeführt werden, als Hitler Ludendorff gestattete den Bund für Deutsche Gotterkenntnis wieder auszuführen und als Religionsgemeinschaft staatlich zuzulassen.

 

 

Das Lebensende:

Erich Ludendorff verstarb am 20. Dezember 1937 in Folge von Leberkrebs im Münchner Josephinum-Krankenhaus. Entgegen dem Wunsch von Ludendorff und seiner Frau, lies Hitler am 22. Dezember 1937 in München einen Staatsakt zur Beisetzung ausführen, als der Leichnam auf dem Neuen Friedhof in Tutzing beigesetzt wurde.

Grabmal von General Erich Ludendorff in Tutzing

 

 

Familie:

  • 1909 Hochzeit mit Margarethe Pernet
  • 1926 Hochzeit mit Mathilde Friederike Karoline Spieß

Margarethe Ludendorff, erste Ehefrau, 1915

 

 

 

 

 

 

 

Passende Literatur zum Thema findet Ihr hier:

Ludendorff: Diktator im Ersten Weltkrieg

Ludendorff: Diktator im Ersten Weltkrieg Gebundene Ausgabe – 11. April 2011

Erich Ludendorff (1865–1937) war eine der Schlüsselfiguren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Als gefeierter Generalissimus des Ersten Weltkriegs und Erfinder des »totalen Kriegs«, als Ikone der völkischen Bewegung und ideologischer Wegbereiter des Nationalsozialismus.

Kein anderer deutscher Militär hat eine Machtfülle besessen wie General Ludendorff im Ersten Weltkrieg. Das Kriegsrecht ermöglichte ihm die Einflussnahme auf alle Bereiche des öffentlichen Lebens, auf Wirtschaft, Propaganda und Besatzungspolitik. Sein innenpolitisches Ziel für die Zeit nach dem »Endsieg« war eine Militärdiktatur. In der Außenpolitik träumte er von einem »Imperium Germaniae«, seine völkischen Motive verband er – lange vor den verbrecherischen Plänen der Nationalsozialisten – mit der radikalen Vorstellung eines »totalen Kriegs«.

So war es nur folgerichtig, dass Ludendorff nach dem Ersten Weltkrieg eine führende Rolle in republikfeindlichen und chauvinistischen Kreisen spielte und aktiv am Hitler-Putsch beteiligt war. Die von ihm zu verantwortenden strategischen und politischen Fehlentscheidungen, seine Umdeutung der Kriegsniederlage Deutschlands in die sogenannte »Dolchstoßlegende« – all das macht Ludendorff neben Hindenburg und Hitler zu einer der deutschen Verhängnisgestalten des 20. Jahrhunderts.

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ERICH LUDENDORFF: Soldat – Feldherr – Revolutionär

ERICH LUDENDORFF: Soldat – Feldherr – Revolutionär Gebundene Ausgabe – 2. Oktober 2013

Wer könnte berufener sein, eine Ludendorff-Biographie zu schreiben, als der Autor, der sich als Generalleutnant a.D., Historiker und militärpolitischer Publizist wie kaum ein anderer in die Lebenswelt und Mentalität eines hohen preußischen Offiziers einfühlen kann. Wenn von deutschen Feldherren die Rede ist, fällt schnell der Name Ludendorff, mit dem sich untrennbar der Sieg in der Schlacht von Tannenberg 1914 und der Marsch auf die Feldherrenhalle 1923 verbindet. Zusammen mit Paul von Hindenburg führte er das Reich von 1916 an mit kaum beschränkter Macht. Der Verfasser zeichnet den Lebensweg des späteren „Diktators“ über die Stationen Herkunft und Elternhaus, preußischer Kadett, erste Verwendungen bis hin zum Generalstab gründlich und quellenfundiert nach.

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Der Genius des Krieges: Das deutsche Heer und der Generalstab 1807-1945

Der Genius des Krieges: Das deutsche Heer und der Generalstab 1807-1945 Gebundene Ausgabe – 1. Februar 2011

Geschichte des deutschen Generalstabs

In seinem Buch „Der kriegerische Genius“ gelingt dem renommierten amerikanischen Militärhistoriker Trevor N. Dupuy die kompakte Darstellung der Geschichte eines der erfolgreichsten und meistkopierten Phänomene der Militärgeschichte: des preußisch-deutschen Generalstabs.

Aufgrund der Siege Napoleons über seine Gegner in Europa war Preußen aus seiner Niederlage heraus gezwungen, ein politisches und militärisches Reformwerk zu beginnen. Diese Reformen stellten sich schon bald als Grundlage für den beeindruckenden Wiederaufstieg Preußens im 19. Jahrhundert heraus. Das betraf nicht nur seine Stellung in Wissenschaft und Wirtschaft, sondern gerade auch seine militärische Organisation. Sein Generalstab wurde zum bewunderten und gefürchteten Vorbild – sogar über Europa hinaus. Trevor N. Dupuy untersucht nicht nur die Geschichte des preußisch-deutschen Generalstabs bis zu seiner Auflösung am Ende des Zweiten Weltkriegs, sondern auch die Gründe für seine langandauernde militärische Überlegenheit.

Das US-Verteidigungsministerium ließ eine Studie über das vorliegende Werk von Dupuy anfertigen, die der bekannte israelische Militärhistoriker Martin van Creveld erstellte. Auch van Creveld kam zu einem ähnlichen Schluss wie Dupuy – die deutschen Heere waren auch dem Heer der USA überlegen – und veröffentlichte seine Erkenntnisse in seinem Standardwerk „Kampfkraft“, das bereits im ARES Verlag erschienen ist.

Dupuys grundlegendes Werk, das nun erstmals in deutscher Sprache vorliegt, ist in den USA mittlerweile ein Standardwerk der Militärgeschichte, das bis heute bereits in mehreren Auflagen erschienen ist. Dupuy entwirft darin ein großes Panorama preußisch-deutscher Militärgeschichte. Er zeigt, wie Preußen und später Deutschland aus einer totalen Niederlage gegen Napoleon im Geist der preußischen Reformer Clausewitz, Gneisenau und Scharnhorst das Heer aufbauten und der Generalstab zu einer der schlagkräftigsten militärischen Organisationen der Welt wurde. Und er zeigt die Strukturen, die dazu führten, dass das Werk dieser Reformer über eineinhalb Jahrhunderte anhielt und sich lückenlos bis zur deutschen Wehrmacht fortsetzte. Der dem Buch den Titel gebende Begriff „Der kriegerische Genius“ stammt von dem preußischen Militärtheoretiker Carl von Clausewitz und drückt nichts anderes aus als der gegenwärtige Begriff „militärische Führungskraft“.

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Erich Ludendorff. Meine Kriegserinnerungen 1914-1918

Erich Ludendorff. Meine Kriegserinnerungen 1914-1918 Taschenbuch – 5. November 2011

Meine Kriegserinnerungen 1914-1918

Erich Ludendorff

E.S. Mittler, 1921

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Geschlecht, Religion und völkischer Nationalismus: Die Ärztin und Antisemitin Mathilde von Kemnitz-Ludendorff (1877-1966) (Geschichte und Geschlechter)

Geschlecht, Religion und völkischer Nationalismus: Die Ärztin und Antisemitin Mathilde von Kemnitz-Ludendorff (1877-1966) (Geschichte und Geschlechter) Taschenbuch – 7. November 2013

Die Ärztin, Frauenrechtlerin und antisemitische Theoretikerin Mathilde von Kemnitz-Ludendorff war eine der umstrittensten Figuren der Weimarer Republik. Gemeinsam mit ihrem dritten Ehemann, dem General und Politiker Erich Ludendorff, führte sie den nationalistischen „Tannenbergbund“ und gründete den völkisch-religiösen Verein „Deutschvolk“, von dem noch heute Nachfolgeorganisationen bestehen. Die Autorin analysiert die komplexen Kommunikationszusammenhänge, in denen Mathilde von Kemnitz-Ludendorff ihre radikalen Erneuerungs- und Erlösungskonzepte bis in die frühen 1930er- Jahre entwickelte. Dabei werden sowohl der medizinhistorische Kontext als auch die Bezüge zur Frauenbewegung in einer kultur- und geschlechtergeschichtlichen Zusammenschau berücksichtigt.

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