Der Aufstieg des osmanischen Reiches

Im 15. Jahrhundert beherrschten die türkischen Osmanen bereits weite Teile der heutigen Türkei, des Balkans und des Nordens von Griechenland. Am 29. Mai 1453 konnten sie Konstantinopel erobern und damit das byzantinische Reich auslöschen. Anfang des 16. Jahrhunderts begann das osmanische Reich mit einer unglaublichen Schnelligkeit und Effizienz sein Gebiet innerhalb eines Jahrhunderts mehr als zu verdoppeln und sogar bis vor Wien zu gelangen.

Die Schlagkraft der osmanischen Streitmacht lag vor allem an seiner großen Anzahl von Soldaten, Kanonen und seiner ausgeklügelten Logistik. So konnte die Armee nach dem Fall von Konstantinopels im Jahre 1453 sich auffrischen und neu formieren bevor sie Anfang des 16. Jahrhunderts weiter nach Norden auf das Gebiet der Ungarn marschierte. Dort kam es am 29. August 1526 bei Mohács zum Aufeinandertreffen mit der Streitmacht des ungarischen Jagellone Ludwig II. dessen Armee mit knappen 35.000 Mann nur halb so groß wie die von Süleiman I. war. Zudem hatten die Ungarn mit 80 Kanonen weniger als die Hälfte als ihr Gegenüber aufzubieten. Die fehlende Disziplin und der zahlenmäßige Überlegenheit sicherten Sülaiman den Sieg und er konnte seinen Weg Richtung Norden fortsetzen wo er 1529 vor den Toren Wiens stand und anfing, die Stadt zu belagern. Hier jedoch zeigte die sonst so effektive Logistik ihr Grenzen und der Heerführer musste die Belagerung nach einigen Monaten aufgeben und sich zurück ziehen.

Zeitgleich setzten das osmanische Reich seine Ausdehnung nicht nur in nördlicher Richtung fort sondern auch nach Osten und in den Süden hin. So konnten weite Gebiete des nahen Ostens und der arabischen Halbinsel eingenommen werden. Zum Ende des 16. Jahrhunderts weitete sich das Gebiet auch über Nordafrika aus, wobei die Invasionen der Mittelmeer Insel zum Größtenteil abgewehrt werden konnten. So mussten die Osmanen 1565 eine Niederlage bei der Invasion von Malta einstecken, 1571 ebenso auf Lepanto. Erst 1669 konnten sie mit der Eroberung von Kreta eine Insel erobern.

 

Expansion und größte Ausdehnung des Osmanischen Reichs zwischen 1481 und 1681

Expansion und größte Ausdehnung des Osmanischen Reichs zwischen 1481 und 1681

 

Ende des 17. Jahrhunderts wurden auch wieder Versuche unternommen weiter nördlich auf Mitteleuropa vorzudringen. So wurde Wien 1683 ein zweites Mal belagert. Nach 59 Tagen Belagerung jedoch konnte diesmal eine Allianz der europäischen Mächte vereint in der heiligen Liga einen Sieg erringen und den Osmanen bei Kahlenberg eine schwere Niederlage zufügen. Angestachelt von diesem Erfolg stieß das Heer der Europäer den Osmanen nach, konnte weitere Siege in Ungarn für sich erlangen und die Osmanen 1697 bei Senta die entscheidende Niederlage zufügen. Der Ansturm auf Europa war damit abgewendet.

Trotz der Niederlage bei dem Versuch zur Eroberung Mitteleuropas blieb das osmanische Reich auf dem Gebiet des östlichen Mittelmeer Raumes die stärkste Kraft. Doch langsam fing auch dieses Reich an zu Zerfallen. Waren es zuerst noch der Verlust der Handelszentren im indischen Ozean und im persischen Golf an die Portugiesen, strebten in Nordafrika die Länder Ägypten und Algerien nach mehr Autonomie. Auch die osmanische Elitetruppe der Janitscharen strebte nach mehr politischer Macht. Dieses Streben ging soweit, dass sich der Sultan Anfang des 19. Jahrhunderts in seiner Position bedroht fühlte und die Einheit gewaltsam im Jahre 1826 auflösen lies. Damit entledigte er sich zwar seiner Konkurrenz, entzog dem Militär jedoch die erfolgreichste und gefährlichste Einheit.
Dies sollte sich in den kommenden Kriegen als verheerend erweisen, als das osmanische Reich Ende des 18. Jahrhunderts im Krieg gegen Russland unter Katharina II. eine schwere Niederlage einstecken musste und anschließend gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen der Griechen nichts mehr entgegen zu setzen hatte.

 

Das osmanische Reich um 1900

Das osmanische Reich um 1900

 

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges und der damit hergehenden Niederlage an der Seite Deutschlands und Österreich-Ungarns, zerfiel das osmanische Reich endgültig und entwickelte sich zur heutigen Türkei.

 

 

 

Bildquellen:
– „Ottoman empire de“ von Ottoman_empire.svg: André Koehnederivative work: Furfur – Diese Datei wurde von diesem Werk abgeleitet  Ottoman empire.svg:. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons

 

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