Großer Kreuzer (Schlachtkreuzer) SMS Von der Tann

Die SMS Von der Tann war eine Reaktion der kaiserlichen Marine auf den Stapellauf des britischen Schlachtkreuzers HMS Dreadnought vom 10. Februar 1906. Zunächst als Großer Kreuzer klassifiziert, wurde die Von der Tann später bei Abschluss der Planung als erster deutscher Schlachtkreuzer ausgezeichnet. Im Gegensatz zu den britischen Schiffen, wurde auf deutscher Seite der Panzerung und dem Unterwasser Schutz mehr Aufmerksamkeit geschenkt als einer schwereren Bewaffnung.

 

Stapellauf und Bauform:

Nachdem am 10. Februar 1906 in Großbritannien die HMS Dreadnought vom Stapel lief, begannen auf deutscher Seite die Überlegungen nach einem ebenbürtigem Schiff. Die Meinungen über den neuen Schiffstyp lagen zwischen dem Staatssekretär des Reichsmarineamts Admiral Tirpitz und dem Kaiser weit auseinander. Während Tirpitz größere und schlagkräftigere Kaliber als Hauptwaffe forderte, lag dem Kaiser die Panzerung und der Schutz der Schiffe höher.

Die Entscheidungen dauerten bis Mitte 1907 an, bis sich das Marineamt auf die Kaliber Größe der schweren Artillerie, die Panzerung und weitere Merkmale einigen konnte.

Die Hauptbewaffnung für das Schiff sollte aus den hydraulisch angetriebenen 28cm Doppeltürmen Drh LC/1907 bestehen, die auch in den letzten beiden Schiffen der Nassau-Klasse verbaut wurden. Diese hatten zwar einen kleineren Kaliber als die der neuen britischen Schiffe, die deutschen Geschütze hatten jedoch eine größere Durchschlagskraft und eine schnellere Kadenz.

Als Namensgeber wurde der bayerische General Ludwig von der Tann-Rathsamhausen gewählt, der sich im Deutsch-Französischen Krieg sowie im ersten Krieg von Schleswig-Holstein hervor getan hat.

 

Ludwig von der Tann-Rathsamhausen

 

Der Stapellauf der SMS Von der Tann erfolgte am 20. März 1909, die Indienststellung am 19. Februar 1911.

 

SMS Von der Tann

 

Die SMS Von der Tann als Motiv einer zeitgenössischen Ansichtskarte

 

 

 

Werdegang der SMS Von der Tann:

Nach der Indienststellung und den anschließenden Erprobungsfahrten lief die Von der Tann am 20. Februar 1911 zu einer Reise nach Südamerika wo es am 14. März 1911 in Rio de Janeiro eintraf.

Das Schiff lag dort im Hafen bis zum 23. März und wurde unter anderem von dem brasilianischen Staatspräsidenten, Marschall Hermes Rodrigues da Fonseca besichtigt, der eine engere Zusammenarbeit zwischen seiner Marine und der kaiserlichen Marine anstrebte. Anschließend lief das Schiff noch Itajahy und Mar del Plata in Argentinien an, bis es sich auf den Weg zurück nach Deutschland machte, wo es am 6. Mai 1911 in Wilhelmshaven eintraf und den Aufklärungsstreitkräften der Hochseeflotte zugeteilt wurde.

Bis 1914 nahm das Schiff an den jährlichen Manövern teil, die lediglich mit dem Besuch in Großbritannien unterbrochen wurden, als im Juni 1911 die Feierlichkeiten des neuen britischen Königs Georg V. stattfanden und die SMS Von der Tann das deutsche Kronprinzenpaar brachte.

 

Die SMS Von der Tann von 1911

 

Zeichnung im Bauzustand vom Sommer 1916 der SMS Von der Tann

 

 

 

Einsatz im Krieg:

Zu Beginn des ersten Weltkrieges war die SMS Von der Tann mit der Beschießung von britischen Küstenstädte beauftragt. Dabei wurden unter anderem Yarmouth, Scarborough und Whitby beschossen, während begleitende kleine Kreuzer Minensperren legten.

Nach einer längeren Werftliegezeit Anfang 1915 wurde die Von der Tann in die Ostsee verlegt um an dem Vorstoß in die Rigaer Bucht teilzunehmen. Während dieser Operation beschoss das Schiff vor Utö mehrere Küstenziele sowie den russischen Kreuzer Gromoboi.

In der Nacht vom 31. Mai auf den 1. Juni 1916 war die Von der Tann an der Skagerrakschlacht beteiligt, wo es dem Schiff gelang den britischen Schlachtkreuzer HMS Indefatigable mit 2 Treffern zu versenken. Während des weiteren Gefechtes mit den Schiffen HMS Tiger, HMS Barham und der HMS Revenge erhielt das Schiff mehrere schwere Treffer und hatte 11 Tote zu beklagen. Im Anschluss lief das Schiff nach Wilhelmshaven wo es bis zum 29. Juli 1916 repariert wurde.

Ende 1916 und Mitte 1917 kam es zu Schäden an der Turbinenanlage, weswegen das Schiff jeweils für rund 2 Monate in die Werft musste.

 

 

 

Verbleib:

Nach den Bestimmungen des Waffenstillstand Vertrages gehörte die SMS Von der Tann zu den Schiffen die im britischen Scapa Flow interniert werden musste.

Als zum Ende der Gespräche über den Versailler Vertrag abzusehen war, dass die internierten Kriegsschiffe nicht mehr an Deutschland zurück gegeben werden, erteilte Konteradmiral Ludwig von Reuter am 21. Juni 1919 den Befehl die Seeventile der Schiffe zu öffnen und sie damit selbst zu versenken, damit diese nicht in britische Hände fallen.

Das Wrack wurde ab dem 7. Dezember 1930 gehoben und von 1931 - 1934 in Rosyth verschrottet.

 

 

 

Kommandanten:

1. September 1910 bis 21. September 1912 Kapitän zur See Robert Mischke
21. September 1912 bis 5. Februar 1916 Kapitän zur See Max Hahn
5. Februar 1916 bis 27. April 1917 Kapitän zur See Hans Zenker
27. April 1917 bis 13. Juli 1918 Kapitän zur See Konrad Mommsen
13. Juli bis 15. Dezember 1918 Kapitän zur See Carl Feldmann
15. Dezember 1918 bis 21. Juni 1919 Kapitänleutnant Karl-Friedrich Wollanke

 

 

 

Schiffsdaten:

Name:  

SMS Von der Tann

Land:  

Deutsches Reich

Schiffstyp:  

Großer Kreuzer
(Schlachtkreuzer)

Klasse:  

Einzelschiff

Bauwerft:  

Blohm & Voss, Hamburg

Baukosten:  

36.523.000 Mark

Stapellauf:  

20. März 1909

Indienststellung:  

19. Februar 1911

Verbleib:  

Am 21. Juni 1919 in Scapa Flow selbst versenkt

Länge:  

171,7 Meter

Breite:  

26,6 Meter

Tiefgang:  

Max. 9,17 Meter

Verdrängung:  

Max. 21.300 Tonnen

Besatzung:  

923 Mann

Antrieb:  

18 Dampfkessel
4 Parsons-Turbinen

Leistung:  

79.007 PS (58.110 kW)

Höchstgeschwindigkeit:  

27,4 kn (51 km/h)

 

Bewaffnung:

 

8 × Schnellfeuergeschütz 28,0 cm L/45 (660 Schuss)

10 × Schnellfeuergeschütz 15,0 cm L/45 (1.500 Schuss)

16 × Schnellfeuergeschütz 8,8 cm L/45 (3.200 Schuss)

4 × Torpedorohr ⌀ 45 cm (1 Heck, 2 Seiten, 1 Bug, unter Wasser, 11 Schuss)

Panzerung:  

Gürtel: 250 mm
Seiten: 75 mm
Barbetten: 230 mm
Türme: 230 mm
Deck: 25–50 mm

 

 

 

 

 

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