BL 9,2-Zoll Haubitze

Die BL 9,2-Zoll Haubitze war eine britische Entwicklung einer schweren Belagerungsartillerie, die aus den Erfahrungen aus einer gekauften Skoda 9,45-Zoll Haubitze hervor ging.

Im Jahr 1900 kaufte die britische Armee von Österreich-Ungarn eine Skoda 9,45-Zoll Haubitze, da Großbritannien ein Gegenstück zu dem schweren deutschen 21-cm Geschütz benötigte. Die Skoda Haubitze wurden von britischen Soldaten in Südafrika ausgiebig getestet und die ersten Erfahrungen gesammelt. Nach dem Abschluss wurde das Geschütz als zu sperrig und zu groß empfunden und es wurde vom Oberkommando die Entwicklung eines eigenen Geschützes in Auftrag gegeben. Vom Skoda Geschütz wurde jedoch die Transporttechnik übernommen. Mit dieser konnte das Geschütz in mehrere Teile zerlegt werden und auf drei Transportkarren verteilt werden, die entweder durch Pferde oder durch Schlepper gezogen wurde. Diese Technik sollte trotz der Größe eine gewisse Mobilität ermöglichen.

Mitte 1913 wurde der Prototyp der britischen Armee vorgestellt und im Winter in Woolwich und Shoeburyness die ersten Schüsse abgegeben. Im Juli 1914 wurden in Rhayader die ersten Soldaten ausgebildet und 16 Geschütze bestellt, im Oktober 1914 folgte eine weitere Bestellung über 16 Stück.

Um beim Abfeuern die Stabilität beizubehalten, wurden extra für diese Haubitze eine Plattform entwickelt, die wie das Geschütz selbst transportiert werden konnte. Dabei handelte es sich um eine Plattform aus Stahlprofilen, die mit Erde in einem dafür vorgesehenen Kasten gefüllt werden konnte. Bei der ersten Serie an Geschützen, der MK 1 waren dies bis zu 9.100 Kg Erde, bei der MK 2 bis zu 11.200 Kg.

Mit dem Ausbruch des ersten Weltkrieges wurden die Haubitzen ab Oktober 1914 an das britische Expeditionskorps nach Nordfrankreich ausgeliefert. Im Juni 1916 kam vom Oberbefehlshaber des britischen Expeditionskorps Major General Birch die Aufforderung, die Reichweite der Haubitzen müsste dringend erhöht werden. Daraufhin wurde die Version MK 2 entwickelt, dessen Reichweite zwar nun auf 12.742 Meter erhöht wurde, der Verschleiß an Rohren dafür zunahm und jetzt nur noch halb so lang hielten wie die Rohre der MK 1 Version.

Insgesamt waren rund 36 britische, zwei kanadische und eine australische Batterie mit jeweils zwischen vier und sechs Geschützen eingesetzt. Nach dem Kriegseintritt der USA wurden die Konstruktionspläne auch an die amerikanische Firma Bethlehem Steel weitergegeben, damit diese für die US Streitkräfte die Haubitzen bauen konnte. Da sich die Produktion jedoch ständig verzögerte, wurde die US Armee von britischen Geschützen ausgestattet.

Nach dem ersten Weltkrieg wurden die meisten Geschütze verschrottet, einige verblieben jedoch beim Expeditionskorps. Im zweiten Weltkrieg waren davon auch noch einige in Frankreich gegen die deutsche Wehrmacht im Einsatz, der größte Teil jedoch diente in Großbritannien zur Verteidigung im Falle einer Invasion.

 

Australische Batterie von 9,2 Zoll Haubitzen MK 1 in Aktion während der Schlacht an der Somme

 

Zwei Haubitzen MK 1 der australischen Truppen nahe Corbie, Mai 1918

 

Australische Kanoniere der 55. Belagerungs-Artillerie-Batterie, die eine 9,2-Zoll-Haubitze MK 1 laden, Westfront Juli 1916

 

 

 

 

Datenblatt:

 

Bezeichnung: BL 9,2-Zoll Haubitze MK 1
Herstellerland: Großbritannien
Einführungsjahr: 1914
Stückzahl: 632 (MK1 und MK 2 Version zusammen)
Kaliber: 233,7 mm
Rohrlänge: 3 Meter
Reichweite: Max. 9.200 Meter
Gewicht: 5.000 Kg

 

 

 

Bezeichnung: BL 9,2-Zoll Haubitze MK 2
Herstellerland: Großbritannien
Einführungsjahr: 1917
Stückzahl: 632 (MK1 und MK 2 Version zusammen)
Kaliber: 233,7 mm
Rohrlänge: 4 Meter
Reichweite: Max. 12.742 Meter
Gewicht: 5.000 Kg

 

 

 

BL 9,2-Zoll Haubitze bereit zum Transport

 

Gunners des 56. Heavy Regiment mit einer Haubitze MK 2, Mai 1940

 

 

 

 

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