Hilfskreuzer Kronprinz Wilhelm

Die Kronprinz Wilhelm war ein Passagierschiff des Norddeutschen Lloyds (NDL), welches die Atlantikroute zwischen Bremerhaven und New York bediente. Mit Ausbruch des ersten Weltkrieges wurde das Schiff als Hilfskreuzer gegen Handelsschiffe eingesetzt, bis es beim Kriegseintritt der USA beschlagnahmt wurde und für die US Navy als Truppentransporter diente.

 

Stapellauf und Bauform:

Die Entwicklung der Kronprinz Wilhelm war angelehnt an die Kaiser Wilhelm der Große, ein Passagierschiff welches bereits seit einigen Jahren im Dient des Norddeutschen Lloyds fuhr. Im Gegensatz zu der Wilhelm der Große war die Kronprinz Wilhelm jedoch noch größer und hatte eine deutlich pompösere Ausstattung um den Zeitgeist der gut betuchten Passagiere zu befriedigen. Doch ebenso wie die Kaiser Wilhelm stand auch dieses Schiff unter der Aufsicht der kaiserlichen Marine, die einige Konstruktionspunkte einbrachte um das Schiff im Bedarfsfall mit Geschützen ausrüsten zu können und als Hilfskreuzer einsetzen zu können.

Der Stapellauf der Kronprinz Wilhelm erfolgte am 30. März 1901, die Indienststellung im September 1901.

 

Plan der Passagierdecks I. und II. Klasse aus dem Jahr 1908

 

Blick vom Vorschiff zur Brücke der Kronprinz Wilhelm

 

Blick von Höhe der Brücke auf das Sonnendeck der Kronprinz Wilhelm

 

 

 

Werdegang der Kronprinz Wilhelm:

Beim Stapellauf zählte das Schiff zu den modernsten Passagierschiffen der Welt. Neu war der Einbau einer Telefonanlage die mit allen Stationen verbunden war und somit eine schnelle Kommunikation ermöglichte. Auch eine Station für die drahtlose Telegraphie war erstmalig verbaut worden.

Die erste Reise lief vom 7. bis 11. September über die Städte Bergen, der Stabkirche Fantoft, Edinburgh mit dem Königssitz Holyrood Palace und der Forth Bridge. Am 17. September 1901 begann die Kronprinz Wilhelm den regulären Betrieb der Route Bremerhaven – Southampton – Cherbourg – New York – Plymouth – Cherbourg – Bremerhaven. Der letzte Stopp in New York erfolgte am 29. Juli 1914 als sich in Europa bereits ein Krieg abzeichnete.

 

Kronprinz Wilhelm

 

Kronprinz Wilhelm

 

 

 

Einsatz im Krieg:

Vom 22. Juli 1914 an lag das Schiff in New York im Hafen und bereitete sich bereits auf die Rückreise nach Deutschland vor als am 3. August die Nachricht vom Kriegszustand mit Großbritannien und Frankreich eintraf. Am 4. August kam von der Marineleitung der Befehl, alle Buchungen zu stornieren, möglichst viel Kohle zu bunkern und das Auslaufen vorzubereiten. Nach dem Auslaufen traf das Schiff am 6. August den kleinen Kreuzer SMS Karlsruhe um von diesem Geschütze, Munition und Bedienmannschaft in Empfang zu nehmen. Während der Übergabe wurden jedoch die deutschen Schiffe von dem britischen Panzerkreuzer HMS Suffolk gesichtet und liefen umgehend in verschiedene Richtungen.

Die Kronprinz Wilhelm operierte entlang der Ostküste Südamerikas und konnte in den folgenden 8 Monaten 16 Schiffe aufbringen:
- Russischer Fischer Schoner Pittan
- Britischer Handelsdampfer Indian Prince am 4. September 1914
- Britischer Dampfer La Correntina am 7. Oktober 1914
- Französischer Viermastbark Union am 28. Oktober 1914
- Französischer Bark Anne de Bretagne am 21. November 1914
- Britischer Handelsdampfer Bellevue am 4. Dezember 1914
- Französischer Handelsdampfer Mont Agel am 4. Dezember 1914
- Britischer Handelsdampfer Hemisphere am 28. Dezember 1914
- Britischer Handelsdampfer Potaro am 10. Januar 1915
- Britischer Liniendampfer Highland Brae am 14. Januar 1915
- Britischer Dreimastschoner Wilfred M. am 30. Januar 1915
- Norwegischer Bark Semantha am 5. Februar 1915
- Britischer Handelsdampfer Chasehill am 22. Februar 1915
- Französischer Handelsdampfer Guadeloupe am 22. Februar 1915
- Britischer Passagierdampfer Tamar am 24. März 1915
- Britischer Handelsdampfer Coleby am 27. März 1915

Im Laufe des bereits seit 8 Monaten laufendem Einsatzes zeigten sich zum Schluss hin immer größere Probleme in der Versorgung mit Kohle. Zudem machte der Gesundheitszustand der Mannschaft durch die einseitige Ernährung zu schaffen, da teilweise rund 25% der Mannschaft nicht einsatzbereit waren. Auch die Maschinenanlage benötigte eine dringende Überholung was den Kommandanten Kapitänleutnant Paul Wolfgang Thierfelder dazu bewog, nach Newport News in Virginia zu fahren und die Mannschaft sowie das Schiff dort internieren zu lassen, da zu diesem Zeitpunkt die USA, zumindest offiziell noch neutral waren.

Nach dem Einlaufen in den Hafen wurde die Kronprinz Wilhelm in Philadelphia eingemottet. Erst mit der Kriegserklärung der USA an das deutsche Kaiserreich am 6. April 1917 gelangte das Schiff wieder in den Fokus der US Navy. Es wurde noch am gleichen Tag beschlagnahmt und vom 22. Mai bis zum 9. Juni 1917 umgebaut und in USS Von Steuben umbenannt.

Als Truppentransporter eingesetzt, pendelte die Von Steuben zwischen New York und Brest und verschiffte US Soldaten auf den europäischen Kriegsschauplatz. Zu einem Zwischenfall kam es am Morgen des 9. November 1917 als die Steuben mit ihrem, ebenfalls von den USA beschlagnahmten Schwesterschiff Kaiser Wilhelm II. zusammen gestoßen war. Vom 14. bis 28. November dauerten in Brest die Reparaturarbeiten.

Bis zum 13. Oktober 1919 war die Steuben mit dem Transport der Soldaten beauftragt.

 

Der internierte Kronprinz Wilhelm mit einem grauen Kriegsanstrich im Jahr 1915 noch unter deutscher Flagge. Gut zu erkennen sind die beiden Heckgeschütze

 

Kronprinz Wilhelm während der Internierung 1916

Die Von Steuben am 28. Juni 1918 mit Sichtschutzanstrich an der Pier des Norddeutschen Lloyd in Hoboken

Der Truppentransporter Von Steuben nun wieder ohne Sichtschutzanstrich am 1. September 1919 in New York

 

 

 

Verbleib:

Nach der letzten Überfahrt von Europa wurde das Schiff am 14. Oktober 1919 aus der Liste der Kriegsschiffe gestrichen und in Baron von Steuben umbenannt. Am 7. Juli 1920 wurde das Schiff an den New Yorker Fred Eggena und die Foreign Trade Development Cruise versteigert. Der neue Eigentümer wollte die Steuben umbauen lassen und damit US Firmen auf einer Weltrundreise präsentieren. Der Umbau fand jedoch nicht mehr statt, dafür wurde es 1921 wieder in Von Steuben umbenannt, 1923 verkauft und 1924 verschrottet.

 

 

 

Kommandanten:

17. September 1901 bis Dezember 1901 Bernhard Friedrich Adolph Ludwig Störmer
Februar 1902 bis August 1907 August Richter
September 1907 bis November 1912 Richard Nierich
April 1913 bis Juni 1914 Burghard Wilhelmi
Juli 1914 bis 6. August 1914 Kurt Grahn
6. August 1914 bis 11. April 1915 Kapitänleutnant Paul Wolfgang Thierfelder
bis 9. Juni 1917 Lieutenant Charles Herbert Bullock
9. Juni 1917 bis September 1918 Lieutenant Commander Stanford E. Moses
September 1918 bis 17. Mai 1919 Kapitän Cyrus R. Miller
17. Mai 1919 bis 13. Oktober 1919 Kapitän Frederick Joseph Horne

 

 

 

Schiffsdaten:

Name:  

Kronprinz Wilhelm

Ab 9. Juni 1917 USS Von Steuben

Land:  

Deutsches Reich

Ab 6. April 1917 USA

 

Schiffstyp:

 

Passagierschiff

Ab 6. August 1914 Hilfsskreuzer

Ab 9. Juni 1917 Truppentransporter

Klasse:  

Passagierschiff

Bauwerft:  

AG Vulcan Stettin

Baukosten:  

unbekannt

Stapellauf:  

30. März 1901

Indienststellung:  

September 1901

Verbleib:  

1924 verschrottet

Länge:  

202,17 Meter

Breite:  

20,1 Meter

Tiefgang:  

Max. 8,3 Meter

Verdrängung:  

Max. 14.908 Tonnen

Besatzung:  

522 Mann

Antrieb:  

4 Vierfachexpansions-
Dampfmaschinen

Leistung:  

33.000 PS (24271 kW)

Höchstgeschwindigkeit:  

23,53 kn (44 km/h)

Bewaffnung:  

2 x 8,8 cm Geschütze

2 x 12 cm Geschütze

Panzerung:  

keine

 

 

 

 

 

Passende Literatur zum Thema findet Ihr hier:

Die kaiserliche Marine im Ersten Weltkrieg: Von Wilhelmshaven nach Scapa Flow

Die kaiserliche Marine im Ersten Weltkrieg: Von Wilhelmshaven nach Scapa Flow Gebundenes Buch – 16. Oktober 2013

Begünstigt durch die imperialen Bestrebungen von Wilhelm II. entwickelte sich die Kaiserliche Marine ab 1900 zu einer der modernsten Kriegsflotten weltweit. 1914 wähnte sie sich mit der britischen Royal Navy auf Augenhöhe. Dieser Text-Bildband analysiert Stärken und Schwächen der kaiserlichen Flotte und ihrer Gegner im Ersten Weltkrieg. Mit exklusiven Schwarz-Weiß-Fotos und farbigen Darstellungen ausgewählter Memorabilien.

Hier klicken!

 

 

Deutsche Kriegsschiffe: Die Kaiserliche Hochseeflotte 1914-1918 (Typenkompass)

Deutsche Kriegsschiffe: Die Kaiserliche Hochseeflotte 1914-1918 (Typenkompass) Taschenbuch – 24. September 2015

In diesem Typenkompass wird die deutsche Kriegsmarine der Kaiserzeit hervorragend und systematisch vorgestellt. Deutsche Großkampfschiffe und Kreuzer während des Ersten Weltkriegs und Dickschiffe der kaiserlichen Marine porträtiert Robert Rosentreter mit Namen, Typen, Bewaffnungen, technischen Daten, Werdegang und Verbleib.

Hier klicken!

 

 

Deutsche Kriegsschiffe: Die Torpedoboote der kaiserlichen Marine (Typenkompass)

Deutsche Kriegsschiffe: Die Torpedoboote der kaiserlichen Marine (Typenkompass) Taschenbuch – 31. Mai 2018

Passend zu ihrer ursprünglichen Aufgabe des deutschen Küstenschutzes verfügte die kaiserliche Marine u. a. über Schnell- und Torpedoboote. Die Aufgabe der deutschen Schnellboote bestand vor allem darin, britische Monitore - das waren Kriegsschiffe in seichten Küstengewässern und auf Flüssen - anzugreifen. Torpedoboote wiederum galten dank ihrer Torpedobewaffnung auch als wirkungsvolle und verhältnismäßig preiswerte Methode gegen große Linienschiffe. Eckhard Klien stellt in diesem Typenkompass alle Schnell- und Torpedoboote vor, die zwischen 1872 und 1918 in der kaiserlichen deutschen Marine zum Einsatz kamen.

Hier klicken!

 

 

Deutsche Kriegsschiffe: Das kaiserliche Ostasiengeschwader (Typenkompass)

Deutsche Kriegsschiffe: Das kaiserliche Ostasiengeschwader (Typenkompass) Taschenbuch – 24. Januar 2019

Nach der von Großbritannien und den USA erzwungenen Öffnung der Häfen Chinas für den Handel mit ausländischen Mächten wollten auch deutsche Kaufleute sich ein Stück vom Kuchen abschneiden. Durchsetzen ließen sich solche Interessen nur mit einer starken Marine im Rücken. Deshalb entstand ab 1859 in mehreren Schüben das deutsche Ostasiengeschwader. Volker A. Behr skizziert alle wichtigen Kriegsschiffe, die im kaiserlichen Ostasiengeschwader von 1886 bis in den Ersten Weltkrieg hinein Dienst taten, mit ihrer Einsatzgeschichte, ihrer Ausrüstung und Bewaffnung sowie ihren technischen Besonderheiten.

Hier klicken!

 

 

Die Deutsche Marine in ihrer neuesten Uniformierung (Militaria, Kaiserreich, Uniformen, Abzeichen, Kaiserliche Marine, 1. Weltkrieg, History Edition)

Die Deutsche Marine in ihrer neuesten Uniformierung (Militaria, Kaiserreich, Uniformen, Abzeichen, Kaiserliche Marine, 1. Weltkrieg, History Edition) Gebundenes Buch – 3. August 2011

Das Original "Die Deutsche Marine in ihrer neuesten Uniformierung" erschien erstmals im Jahre 1910 im Verlag Moritz Ruhl. Dieser Band beinhaltet neben der detaillierten 70-seitigen Beschreibung, 18 farbige Uniformtafeln der Kaiserlichen Marine. Ein klassisches Nachschlagewerk für die Uniformkunde! Format A5, 92 Seiten gebunden, farbige Tafeln. History Edition Band 7.

Hier klicken!

 

 

 

 

 

This post is also available in: enEnglish (Englisch) frFrançais (Französisch) itItaliano (Italienisch) zh-hans简体中文 (Vereinfachtes Chinesisch) ruРусский (Russisch)


Kommentare sind deaktiviert.

error: Content is protected !!