Linienschiff SMS Kaiser Wilhelm II.

Die SMS Kaiser Wilhelm II. war ein Linienschiff der Kaiser-Friedrich-III.-Klasse die noch als Einheitslinienschiffe gebaut und Indienst gestellt wurden. Erstmals wurden deutsche Kriegsschiffe mit den neuen Schnell-Ladekanonen als Hauptbewaffnung ausgerüstet und auch die mittlere Artillerie begann an Bedeutung zu gewinnen.

 

Stapellauf und Bauform:

Die Schiffe der Kaiser-Friedrich-III.-Klasse entstanden aus den Erfahrungen der vorhergehenden Brandenburg-Klasse. Der überwiegende Unterschied lag in der Bewaffnung, die erstmals aus Schnell-Ladekanonen bestand und die bis dahin verbauten Mantelringkanonen ersetzten. Zwar wurde das Kaliber von 28cm auf 24cm verringert, durch die bessere Schießleistungen in Kadenz, Reichweite und Durchschlagskraft konnte die Rückstufung jedoch mehr als Ausgeglichen werden. Auch die mittlere Artillerie wurde deutlich verstärkt, da das Marineamt erkannte, welchen Nutzen diese beim Beschuss der weniger gepanzerten Bereiche feindlicher Schiffe hatte. Hierfür sollte das Feuer der mittleren Artillerie besonders auf die Brücke und andere weniger gepanzerte Aufbauten konzentriert werden.

Weitere Verbesserungen war das integrieren von durchgehenden Munitionsaufzügen der neuen Türme der schweren Artillerie, wobei die ersten beiden Schiffe der Kaiser-Friedrich-III.-Klasse noch über die alten Geschütztürme C/1897 verfügten und erst später die neuen C/1898 Türme verbaut wurden. So konnte die Schussfolge von 2 auf 5 pro Minute erhöht werden.

Zudem wurde auch der verbesserte KC-Stahl (Krupp cemented) mit einer Tiefe von bis zu 300mm verwendet um die Panzerung zu erhöhen.

Der Stapellauf der SMS Kaiser Wilhelm II. erfolgte am 14. September 1897, die Indienststellung am 13. Februar 1900.

Namensgeber war der herrschende deutsche Kaiser Wilhelm II., dessen Bruder Prinz Heinrich von Preußen die Schiffstaufe vollzog.

 

Namensgeber Kaiser Wilhelm II.

 

 

 

Werdegang der SMS Kaiser Wilhelm II.:

Nach der Indienststellung und den Erprobungsfahrten wurde das Schiff als Flottenflaggschiff dem I. Geschwader zugeteilt. Bis zur Ablöse als Flottenflaggschiff 1906 führte die Kaiser Wilhelm II. überwiegend Auslandsreisen und repräsentative Aufgaben durch.

Nach der Ablöse als Flottenflaggschiff versah das Schiff bis 1908 Dienst im I. Geschwader als Geschwader Flaggschiff. Anschließend erfolgte die außer Dienststellung und umfangreiche Umbau und Modernisierungsmaßnahmen die bis 1910 andauerten. Nach dem Umbau wurde das Schiff, wie die anderen Schiffe der Kaiser-Friedrich-III.-Klasse der Reserve Division Ostsee zugeteilt.

 

SMS Kaiser Wilhelm II.

 

 

 

Einsatz im Krieg:

Mit Ausbruch des ersten Weltkrieges wurden die Schiffe der Reserve Division Ostsee wieder reaktiviert und für Sicherungsaufgaben in dem neu gegründeten V. Geschwader in der Nordsee eingesetzt. Im Laufe des Jahres 1914 erfolgten auch 2 Operationen in der Ostsee an denen sich die Schiffe beteiligten.

Ab März 1915 begann die Marineführung einen Teil der Besatzungen der Kaiser-Friedrich-III.-Klasse abzuziehen und diese auf moderneneren Schiffen einzusetzen. Die SMS Kaiser Wilhelm II. wurde zu diesem Zweck am 5. März nach Wilhelmshaven verlegt, wo sie mit der Rumpfbesatzung ab dem 26. April die Funktion als Stabsschiff des Kommandos der Hochseeflotte bis zum Kriegsende übernahm.

 

 

 

Verbleib:

Die SMS Kaiser Wilhelm II. war das einzige Schiff der Kaiser-Friedrich-III.-Klasse welches während des Krieges nicht demilitarisiert wurde. Jedoch waren die Schiffe dieses Schiffstypes bereits zu Beginn des Krieges völlig veraltet und nach der Kapitulation hatten diese auch die Siegermächte kein Interesse an einer Auslieferung, sodass die Kaiser Wilhelm II. in Deutschland verblieb.

Es erfolgte die endgültige außer Dienststellung am 10. September 1920, die Streichung als Kriegsschiff erfolgte später am 17. März 1921.

Die Verschrottung wurde anschließend auf der Köhlbrandwerft in Hamburg-Altenwerder bis 1922 durchgeführt.Die Schiffsglocke der Kaiser Wilhelm II. kann heute im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden angeschaut werden.

 

 

 

Schiffsdaten:

Name:  

SMS Kaiser Wilhelm II.

Land:  

Deutsches Reich

Schiffstyp:  

Linienschiff

Klasse:  

Kaiser-Friedrich-III.-Klasse

Bauwerft:  

Kaiserliche Werft, Wilhelmshaven

Baukosten:  

20.387.000 Mark

Stapellauf:  

14. September 1897

Indienststellung:  

13. Februar 1900

Verbleib:  

Am 17. März 1921 als Kriegsschiff gestrichen und bis 1922 verschrottet

Länge:  

125,3 Meter

Breite:  

20,4 Meter

Tiefgang:  

Max. 7,83 Meter

Verdrängung:  

Max. 11.785 Tonnen

Besatzung:  

726 Mann

 

Antrieb:

 

4 Marinekessel
8 querstehende Zylinderkessel
3 stehende 3-Zyl.-Verbundmaschinen

Leistung:  

13.874 PS (10.204 kW)

Höchstgeschwindigkeit:  

17,5 kn (30 km/h)

Bewaffnung:  

4 × Schnellfeuergeschütz 24,0 cm L/40 (300 Schuss)

18 × Schnellfeuergeschütz 15,0 cm L/40 (2.160 Schuss)

12 × Schnellfeuergeschütz 8,8 cm L/30 (3.000 Schuss)

12 × Revolverkanone 3,7-cm

6 × Torpedorohr ∅ 45 cm (4 Seiten, 1 Bug, unter Wasser, 1 Heck über Wasser, 16 Schuss)

 

Panzerung:  

Wasserlinie: 100–300 mm auf 250 mm Teak
Deck: 65 mm
Schwere Artillerie:
Turmfronten: 250 mm
Turmdecken: 50 mm
Mittelartillerie:
Türme: 150 mm
Schilde: 70 mm
Kasematten: 150 mm
vorderer Leitstand: 250 mm
achterer Leitstand: 150 mm

 

 

 

 

 

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