Canon de 32 modèle 1870/93

Die Canon de 32 modèle 1870/93 war ein ehemaliges Geschütz zur Küstenverteidigung, dass während des ersten Weltkrieges zu einem Eisenbahngeschütz umgebaut und an der Westfront eingesetzt wurde.

Bereits vor dem Deutsch-Französischem Krieg von 1870 bis 1871 wurden zum Schutz der französischen Küsten schwere Geschütze eingesetzt. Hierzu zählten auch die Canon de 32C modèle 1870/84 M Küstenverteidigungskanonen. Wie zu dieser Zeit üblich hatten die Geschütze einen geriffelten Lauf und mehrere Lagen Eisenverstärkungsreifen. Durch den unterbrochenen Verschluss wurden separate Ladungen und Geschosse abgefeuert. Nach dem verlorenen Krieg behielt die französische Armee weiterhin diese Geschütze.

Nach dem Ausbruch des ersten Weltkrieges und 1915 dem Beginn des Stellungskrieges an der Westfront, zeichnete sich ab, dass die eingesetzten leichten französischen Feldgeschütze nicht mehr ausreichten um die immer stärker befestigten deutschen Stellungen zu beschädigen oder zu zerstören. Daher entschied sich das Oberkommando die schweren Geschütze aus den Festungen an die Front zu bringen. Auch die Küstengeschütze fielen unter diese Anordnung, wobei viele zu Eisenbahngeschützen umfunktioniert wurden, da diese mobiler waren und die Geschütze oftmals zu schwer für einen ständigen Transport waren.

Auch die verbliebenen 6 Canon de 32C modèle 1870/84 M Küstenverteidigungskanonen wurden von der Firma Schneider ausgewählt zu Eisenbahngeschützen umgebaut zu werden. 1915 wurden damit begonnen zwei 5-achsige Eisenbahnwaggons mit einem Stahlgerüst zu verbinden worauf das Geschütz montiert wurde. Da es selbst über keine Drehscheibe verfügte musste die gesamte Konstruktion zum Zielen auf bereits voreingestellte Gleise gestellt werden. Anschließend wurden neben und auf die Gleise Holzbalken gelegt um die Stützen abstellen zu können.

Für den Rückstoß nutzten die Geschütze ein gleitendes Rückstoßsystem, wobei die Waffe nach dem Abfeuern einige Meter zurück rutschte um anschließend wieder in seine ursprüngliche Position zu fahren. Insgesamt erwiesen sich diese Eisenbahngeschütze nach den ersten Tests als stabil, effektiv und verhältnismäßig kostengünstig. Spätere Eisenbahngeschütze der Firma Schneider hatten jedoch ein verbessertes Rückstoßsystem und Zieleinrichtungen.

 

 

Eine Canon de 32 modèle 1870/93 beim Abfeuern

 

 

Bereits Ende 1915 wurden die ersten der insgesamt 6 Eisenbahngeschütze unter der Bezeichnung Canon de 32 modèle 1870/93 an die französische Armee ausgeliefert und umgehend an der Westfront eingesetzt. Dort verblieben die Geschütze auch bis zum Kriegsende.

 

 

Canon de 32 modèle 1870/93

 

Eine Canon de 32 modèle 1870/93 im September 1917 in Belgien

 

Mehrere Canon de 32 modèle 1870/93 beim Beschuss deutscher Stellungen an der Westfront

 

Canon de 32 modèle 1870/93

 

 

Nach dem ersten Weltkrieg wurden die 6 Eisenbahngeschütze in Depots gebracht und dort als Reserve geführt. Als der zweite Weltkrieg begann wurden diese Geschütze wieder reaktiviert, ob sie gegen die deutsche Wehrmacht eingesetzt wurden ist nicht bekannt.

Nach der Kapitulation Frankreichs 1940 wurden die Geschütze von der Wehrmacht erbeutet und als 32 (K) 65 (f) oder 32 cm (E) 657 (f) in den Dienst gestellt. Ein Geschütz konnte 1945 in einer Fabrik der Firma Krupp von dem RAF Bomber Command entdeckt werden.

 

 

RAF Bomber Command untersuchen eine gefundene Canon de 32 modèle 1870/93 in einer Krupp Fabrik in Essen nach der Kapitulation Deutschlands

 

 

 

Datenblatt:

Bezeichnung: Canon de 32 modèle 1870/93
Herstellerland: Frankreich
Einführungsjahr: 1870
1915 Umbau zum Eisenbahngeschütz
Stückzahl: 6 Stück
Kaliber: 320 mm
Rohrlänge: 10,4 Meter
Reichweite: Max. 24.800 Meter
Gewicht: 162 Tonnen

 

 

 

 

 

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