Charron model 1905

Das Charron model 1905 galt als der erste moderne Panzerwagen. Obwohl nur wenige Stückzahlen gebaut wurden, diente das Fahrzeug als Vorgänger für weitere Entwicklungen.

1901 schlossen sich die drei ehemaligen Radsportler Charron, Girardot und Voigt zusammen und gründeten die Firma CGV. Zunächst sollte sich die Ausrichtung der Firma nur auf den Bau ziviler Fahrzeuge beschränken, doch schon 1902 begann die Entwicklung eines gepanzerten Fahrzeuges für das französische Militär.

Der erste Prototyp verfügte über eine offene Fahrerkabine mit Platz für zwei Personen. Dahinter war eine mit 3 mm dickem Stahl gepanzerte Wanne montiert. Als Bewaffnung wurde ein 7,7 mm Hotchkiss M1902 Maschinengewehr ausgewählt. Da bereits an dem Maschinengewehr ein Schild montiert war, verzichtete die Firma auf den Bau eines Turmes zum Schutz des Schützen.

1903 wurde der Prototyp zum ersten Mal dem französischen Militär vorgestellt. Dieses befand das Fahrzeug jedoch als unzureichend und lehnte einen Kauf ab.

Mit Hilfe eines russischen Konstrukteurs wurden im Anschluss zwei weitere und verbesserte Prototypen hergestellt und 1904 ebenfalls vorgestellt. Dieses mal fielen die Ergebnisse etwas positiver aus und eines der Fahrzeuge wurde vom Militär gekauft und nach Marokko geschickt. Das zweite Fahrzeug wurde von dem ursprünglichen russischen Kunden gekauft und in St. Petersburg gegen Aufständische eingesetzt.

 

 

Charron model 1904

 

Charron model 1904

 

 

1905 begann der georgische Ingenieur und Offizier Nakashidze mit der Entwicklung eines eigenen Panzerwagen für die russische Armee. Dabei orientierte er sich fast vollständig an dem französischen Modell. Im Gegensatz zu diesem wurde sein Modell fast vollständig von Stahlplatten umschlossen. Die Platten hatten eine Stärke von 4 bis 8 mm womit das Gewicht des Fahrzeuges auf 2,7 Tonnen anstieg. Trotz des Gewichtes schaffte es eine Höchstgeschwindigkeit von fast 50 Kilometern pro Stunde. Nach der Vorstellung des Prototyps, war das russische Verteidigungsministerium zwar gewillt solche Fahrzeuge zu kaufen, jedoch gab es in Russland keine Fabrik, die diese hätte produzieren können.

 

 

Der russische Entwurf von 1905

 

Der russische Entwurf von 1905

 

 

Nachdem sich keine passende Firma in Russland finden lies, wurde das Konzept an die französische Firma Charron abgegeben. Das Prinzip der vollständigen Panzerung wurde beibehalten, allerdings wurde als Fahrzeug 15 CV Tourenwagen von 1906 verwendet. Sowohl der Motor, als auch die Fahrerkabine und die Ladefläche waren nun durchgehend gepanzert. Zur besseren Bedienung des Maschinengewehres wurde ein Turm auf den Aufbau gesetzt, damit konnte der Schütze eine 360 Grad Drehung durchführen und in alle Richtungen schießen.

Um einen Verlust des Fahrzeuges durch einen Treffer in den Reifen zu verhindern, waren diese mit einer Flüssigkeit gefüllt die es dem Fahrer ermöglichten, weitere 10 Minuten zu fahren auch wenn der Reifen getroffen wurde.

Eine weitere Neuerung gab es bei dem Starten des Motors. Musste dies bis dahin durch eine Kurbel am Motor durchgeführt werden, konnte dieser nun aus dem Inneren des Fahrzeuges gestartet werden.

Während des Herbstmanövers 1906 wurde der Prototyp dem französischen Militär vorgestellt. Dieses entschied sich für den Kauf mehrerer Fahrzeuge. Russland ließ ebenfalls 12 Stück bauen, die 1908 ausgeliefert werden sollten. Auf dem Weg nach Russland verschwanden allerdings zwei der Fahrzeuge beim Durchqueren des Deutschen Reiches. Es wurde angenommen, dass das deutsche Militär diese für Testzwecke erbeutete.

 

 

Ein vermutlich durch Deutschland erbeutetes Charron model 1906

 

 

1912 wurden 4 Fahrzeuge an das osmanische Reich geliefert. Rebellen konnten diese jedoch stehlen und später nutzte Griechenland diese Fahrzeuge im Krieg gegen das zerfallene osmanische Reich.

 

 

Charron model 1906 als Exportversion für das osmanische Reich

 

 

Zu Beginn des ersten Weltkrieges verfügte die französische Armee noch über 4 Fahrzeuge. Diese wurden für die Jagd auf deutsche Aufklärungsballons eingesetzt. Zum Testen wurde auf eines der Fahrzeuge eine 75 mm Flugabwehr Kanone montiert.

Insgesamt waren die Fahrzeuge jedoch zu leistungsschwach um effektiv im Krieg eingesetzt zu werden. Zudem hatte die Firma bereits die Produktion eingestellt und wieder auf zivile Fahrzeuge umgestellt. Trotz der eingestellten Produktion diente das Fahrzeug anderen Herstellern wie Renault und Peugeot als Grundlage für die Entwicklung modernerer gepanzerter Fahrzeuge.

 

 

Charron model 1906 im Jahre 1914

 

 

 

Datenblatt:

Bezeichnung: Charron model 1905
Herstellerland: Frankreich
Einführungsjahr: 1902 bis 1906
Stückzahl: 20 Stück
Bewaffnung: 1 x 7,7 mm Hotchkiss M1902 Maschinengewehr
Höchstgeschwindigkeit: ca. 45 Km/h
Motor: 4 Zylinder CGV Motor mit 35 PS (26 kW)
Gewicht: 3 Tonnen

 

 

 

 

 

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