Großlinienschiff SMS Großer Kurfürst

Das Großlinienschiff SMS Großer Kurfürst gehörte zu der König-Klasse, die zu den modernsten Schiffen der kaiserlichen Marine gehörten und erst kurz vor dem ersten Weltkrieg in Dienst gestellt wurden. Wie jedoch auch die meisten anderen modernen Schiffe, teilte auch die Großer Kurfürst das Schicksal der Selbstversenkung in Scapa Flow.

 

Stapellauf und Bauform:

Die Schiffe der Königs-Klasse gingen aus den Erfahrungen der Kaiser-Klasse hervor. Die größte Änderung gab es in der Anordnung der schweren Geschütze, die erstmal in der Schiffsmittellinie aufgestellt wurden. Bereits im April 1910 wurde vom Allgemeinen Marine-Departement ein derartiges Konzept vorgelegt um die Bauweise der üblichen Flügeltürme abzulegen. Zwar lehnte der Staatssekretär im Reichsmarineamt Admiral Tirpitz diesen Entwurf zunächst ab, genehmigte ihn später trotzdem. Ein Wechsel auf ein größeres Kaliber der schweren Geschütze von 30,5-cm auf 38-cm unterblieb jedoch, da dies zu deutlich höheren Kosten geführt hätte.

Durch die Umverteilung der schweren Geschütze konnte weiter die Fläche reduziert werden die gepanzert werden musste. Diese Einsparung des Gewichtes nutzen die Entwickler um die Dicke der Panzerung zu erhöhen.

Der Stapellauf erfolgte am 5. Mai 1913, die Indienststellung am 30. Juli 1914.

 

Stapellauf SMS Großer Kurfürst

 

Stapellauf SMS Großer Kurfürst

 

SMS Großer Kurfürst

 

 

 

Einsatz im Krieg:

Nach den üblichen Erprobungsfahrten wurde das Schiff der 5. Division des III. Geschwaders zugeteilt. Mit diesem nahm es auch vom 31. Mai bis 1. Juni 1916 an der Skagerrakschlacht teil, wo es mehrere Treffer bekam und 15 Besatzungsmitglieder starben. Die Reparatur dauerte vom 6. Juni bis 16. Juli 1916 und wurde in Hamburg durchgeführt.

Auf einer Fahrt vor der dänischen Küste wurde die Großer Kurfürst von dem britischen U-Boot HMS J1 torpediert und beschädigt, konnte jedoch aus eigener Kraft nach Hamburg zurück kehren wo die anschließenden Reparaturarbeiten bis zum 9. Februar 1917 andauerten.

Am 5. März 1917 kam es bei einer Übung zu einem Zusammenstoß mit dem Schwesterschiff SMS Kronprinz, wobei die Großer Kurfürst starke Beschädigungen am Bug zu verzeichnen hatte. diese wurden in der Kaiserlichen Werft Wilhelmshaven notdürftig repariert womit das Schiff bereits am 22. April 1917 wieder einsatzfähig war.

Am 12. Oktober 1917 beschädigte eine russische Mine in der Ost erneut das Schiff. Vom 18. Oktober bis zum 1. Dezember 1917 lag es somit erneut in Wilhelmshaven zur Reparatur.

Den letzten Gefechtseinsatz hatte das Schiff am 23. April 1918 vor der Westküste Norwegens.

In den Zeiten vom 2. Juni bis 9. Juni und vom 21. Juni bis zum 31. Juli 1918 lag das Schiff erneut in Wilhelmshaven in der Werft.

Mit dem Ausbruch des Matrosenaufstandes in Kiel am 4. November 1918 beteiligte sich auch die Besatzung der Großer Kurfürst und meuterten an Bord des Schiffes.

 

SMS Großer Kurfürst

 

SMS Großer Kurfürst

 

SMS Großer Kurfürst

 

Die SMS Großer Kurfürst beim Unternehmen Albion im Herbst 1917

 

 

 

Verbleib:

Mit den Bestimmungen des Waffenstillstandes gehörte die Großer Kurfürst zu den Kriegsschiffen die in Scapa Flow interniert werden mussten. Als im Laufe der Friedensverhandlungen absehbar wurde, dass die Schiffe dem deutschen Reich nicht wieder zurück gegeben werden sollten, erteilte Konteradmiral Ludwig von Reuter am 21. Juni 1919 den Befehl zur Selbstversenkung.

Das Wrack des Schiffes wurde 1938 gehoben und in Rosyth verschrottet. Die Schiffsglocke wurde zuvor von einem Privatmann gekauft und im März 2014 vom National Museum of the Royal Navy in Portsmouth ersteigert, die diese dort ausstellt.

 

 

 

Kommandanten:

Juli 1914 bis November 1917 Kapitän zur See Ernst Goette
November 1917 Korvettenkapitän Ludwig Klehe (in Vertretung)
November 1917 bis Dezember 1918 Kapitän zur See Werner Siemens
Dezember 1918 bis Juni 1919 Kapitänleutnant Robert Beer

 

 

 

Schiffsdaten:

Name:  

SMS Großer Kurfürst

Land:  

Deutsches Reich

Schiffstyp:  

Großlinienschiff

Klasse:  

König-Klasse

Bauwerft:  

AG Vulcan, Hamburg

Baukosten:  

45.000.000 Mark

Stapellauf:  

5. Mai 1913

Indienststellung:  

30. Juli 1914

Verbleib:  

Am 21. Juni 1919 in Scapa Flow selbstversenkt

Länge:  

175,4 Meter

Breite:  

29,5 Meter

Tiefgang:  

Max. 9,19 Meter

Verdrängung:  

Max. 28.600 Tonnen

Besatzung:  

1.200 Mann

 

Antrieb:

 

12 kohlegefeuerte und
3 ölgefeuerte Dampfkessel
3 Satz Parson-Dampfturbinen

Leistung:  

45.100 PSw

Höchstgeschwindigkeit:  

21,2 kn (40 km/h)

Bewaffnung:  

10 × 30,5-cm L/50

14 × 15 cm L/45

6 × 8,8 cm L/45 (bis 1915)

4 × 8,8 cm L/45 Flak (ab 1915 nur 2)

5 × Torpedorohr ø 50 cm

 

 

Panzerung:

 

Gürtel: 350 mm
Deck: 60 mm
Türme: 110–300 mm
Kasematten: 170 mm
Leitstand vorn: 150–300 mm
Leitstand achtern: 50–200 mm

 

 

 

 

 

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