Kleiner Kreuzer SMS Amazone (1900)

Der kleine Kreuzer SMS Amazone war ein Schiff der Gazelle-Klasse, welches als einige der wenigen Schiffe nach dem Krieg der deutschen Marine blieb und weiter Dienst in der Reichsmarine leisten konnte.

 

Stapellauf und Bauform:

Der Baubeginn der Amazone erfolgte im Dezember 1899, der Stapellauf am 6. Oktober 1900. Es war das 3. Schiff der Gazelle-Klasse, welche aufgrund des Flottengesetzes von 1898 als Vermehrungsbauten die ersten modernen kleinen Kreuzer bildeten.

Die Konstruktion lehnte an die Avisos der Meteor-Klassen sowie das Einzelschiff SMS Hela an. Da die Gazelle-Klasse keine Vorgänger Modelle hatte, wurden die Schiffe dementsprechend neu erstellt.

 

 

 

Werdegang der SMS Amazone:

Die Indienststellung erfolgte am 18. Mai 1901. Nach einigen Probefahrten wurde das Schiff am 21. Dezember 1901 als Aufklärungskreuzer der kaiserlichen Marine offiziell übergeben.

Bereits bei der ersten Verbandsfahrt wurde die Amazone vom Linienschiff SMS Kaiser Wilhelm II. gerammt und musste bis Juli 1902 zur Reparatur ins Dock. Im Nachfolgendem Herbstmanöver im September wurde die amazone erneut beschädigt, als diese ein Bord an Bord Manöver mit Hilfslazarettschiff Hansa übte.

Am 2. Juni 1903 erfolgte der nächste Unfall des Schiffes, als dieses in Brest (Frankreich) auf Grund lief.

Am 12. August 1904 wurde die Amazone erneut Beschädigt, als in der Kieler Förde die russische Bark Anna das Schiff rammte. Der letzte Unfall ereignete sich am 3. März 1905, als die Amazone mit dem Torpedoboot D 6 kollidierte.

Die außer Dienststellung erfolgte am 28. September 1905, als die Amazone durch den kleinen Kreuzer SMS Berlin ersetzt und der Reserve zugeteilt wurde.

 

SMS Amazone

 

 

 

Einsatz im Krieg:

Mit Kriegsbeginn wurde die Amazone am 2. August 1914 wieder reaktiviert und der Küstenschutzdivision Ostsee unterstellt. Dort führte sie überwiegend Abschlepp und Rettungseinsätze durch. Durch ihre geringe Geschwindigkeit konnte das Schiff den schnelleren Schiffen nicht folgen und wurde schließlich Ende 1914 in die westliche Ostsee zum Küstenschutz eingeteilt.

Ab März 1916 wurde die Amazone aus der Ostsee abgezogen und diente der U-Boot Schule aus Zielobjekt für die Ausbildung. Im August 1916 erfolgte der Tausch der schweren 10,5-cm-Geschütze gegen 8,8-cm-Schnellfeuergeschütze. Anschließend verblieb das Schiff als Wohnschiff im Kieler Hafen.

 

 

 

Einsatz in der Reichsmarine:

Nach Kriegsende war die Amazone eines der wenigen Schiffe, die der Weimarer Republik von den Siegermächten noch überlassen wurde.

Das Schiff wurde von 1921 bis 1923 von der Marinewerft in Wilhelmshaven modernisiert, wobei unter anderem ein moderner Kreuzerbug und ein neuer Fockmast installiert wurden. Vom 1. Dezember 1923 an bis 1925 versah das Schiff ihren Dienst in der Reichsmarine bis es ab 1925 überwiegend für Auslandsfahrten genutzt wurde.

1929 erfolgte die letzte Auslandsfahrt nach Göteborg bevor das Schiff am 15. Januar 1930 endgültig außer Dienst gestellt und durch den leichten Kreuzer Köln ersetzt wurde.

 

 

 

Verbleib:

Die Streichung aus der Liste der Kriegsschiffe erfolgte am 31. März 1931 womit sie anschließend als Wohnschiff bei der U-Boot-Abnahmekommission in Kiel eingesetzt wurde.

Ab 6. Oktober 1939 diente sie der Kommission zudem als Beischiff für das Erprobungskommando für Kriegsschiffneubauten.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Schiff in Bremen erneut als Wohnschiff genutzt um die vielen obdachlosen Zivilisten aufzunehmen, die durch die alliierten Bombenangriffe auf Bremen ihr zu Hause verloren hatten. Eine Idee das Schiff zu einer Jugendherberge umzubauen wurde nicht realisiert. Die Verschrottung erfolgte dann 1954 in Hamburg.

 

 

 

Kommandanten:

15. November 1901 bis September 1902 Korvettenkapitän/Fregattenkapitän Ludwig Bruch
Oktober 1902 bis April 1904 Korvettenkapitän/Fregattenkapitän Gerhard Gerdes
April 1904 bis Mai 1904 Korvettenkapitän Leberecht Maaß
Mai 1904 bis April 1905 Korvettenkapitän/Fregattenkapitän Rudolf Berger
April bis Mai 1905 Korvettenkapitän Leberecht Maaß
Mai bis 28. September 1905 Fregattenkapitän Rudolf Berger
2. August 1914 bis Oktober 1914 Korvettenkapitän Johannes Horn
Oktober 1914 bis 14. März 1917 Korvettenkapitän/Fregattenkapitän Max Lutter
1. Dezember 1923 bis 23. März 1925 Kapitän zur See Walter Gladisch
24. März 1925 bis 23. September 1926 Kapitän zur See Eduard Eichel
24. September 1926 bis 27. September 1927 Fregattenkapitän Alfred Saalwächter
28. September 1927 bis 11. Oktober 1929 Fregattenkapitän/Kapitän zur See Albrecht Meißner
12. Oktober 1929 bis 15. Januar 1930 Fregattenkapitän Ludwig von Schröder

 

 

 

Schiffsdaten:

Name:  

SMS Amazone

Land:  

Deutsches Reich

Schiffstyp:  

Kleiner Kreuzer

Klasse:  

Gazelle-Klasse

Bauwerft:  

Germaniawerft, Kiel

Baukosten:  

4.858.000 Mark

Stapellauf:  

6. Oktober 1900

Indienststellung:  

18. Mai 1901

Verbleib:  

1954 in Hamburg verschrottet

Länge:  

104,8 Meter

Breite:  

12,2 Meter

Tiefgang:  

Max. 5,39 Meter

Verdrängung:  

Max. 3.082 Tonnen

Besatzung:  

257 Mann

Antrieb:  

9 Marinekessel
2 3-Zyl.-Verbundmaschinen

Leistung:  

9.018 PS (6.633 kW)

Höchstgeschwindigkeit:  

21,3 kn (39 km/h)

Bewaffnung:  

10 × Schnellfeuerkanonen 10,5 cm L/40 (1.000 Schuss)

2 × Torpedorohr ∅ 45 cm (unter Wasser, 5 Schuss)

 

 

Panzerung:

 

Deck: 20–50 mm
Sülle: 80 mm
Kommandoturm: 20–80 mm
Schilde: 50 mm

 

 

 

 

 

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