Linienschiff SMS Schleswig-Holstein

Die SMS Schleswig-Holstein gehörte zu der Deutschland-Schiffsklasse, die als letzte Einheitsschiffstypen im deutschen Kaisereich gebaut wurden. Bereits mit Beginn des ersten Weltkrieges war das Schiff veraltet, wurde jedoch durch den Beschuss der Westerplatte als Beginn des zweiten Weltkrieges zu einem der bekanntesten deutschen Schiffe überhaupt.

 

Stapellauf und Bauform:

Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Konzepte erarbeitet um die kaiserliche Marine weiter aufzurüsten. Das Konzept der Deutschland-Klasse wurde ähnlich der bereits kurz vorher aufgesetzten Braunschweig-Klasse gehalten. Diese bekamen erstmals die von der Firma Krupp entwickelten 28-cm SK L/40-Geschütze ebenso wie die Schiffe der Deutschland-Klasse. Die Panzerung fiel jedoch gegenüber der Braunschweig-Klasse etwas stärker aus. Mit einer Maximalverdrängung von rund 14.000 Tonnen waren die Schiffe jedoch deutlich kleiner als die der anderen Seemächte. Mit der in Großbritannien neu entwickelten und zu dem Zeitpunkt im Bau befindlichen Dreadnought-Klasse, waren die Schiffe der Deutschland-Klasse bereits vor dem Stapellauf veraltet und waren den neuen Schiffen der Briten deutlich unterlegen.

Der Stapellauf erfolgte trotzdem am 17. Dezember 1906 ohne Modernisierungsmaßnahmen, was in der Politik scharf kritisiert wurde. Für Änderungen an den Schiffen fehlte jedoch vermutlich zu diesem Zeitpunkt das Geld, ausserdem war der erst eingeweihte Kaiser-Wilhelm-Kanal in Schleswig-Holstein nicht für größere Schiffe ausgelegt.

 

 

SMS Schleswig-Holstein

 

 

SMS Schleswig-Holstein

 

 

SMS Schleswig-Holstein

 

 

SMS Schleswig-Holstein

 

 

 

 

Werdegang der SMS Schleswig-Holstein:

Nach der Indienststellung und den Erprobungsfahrten wurde das Schiff am 21. September 1908 dem II. Geschwader zugeteilt.

Im Juli 1909 beteiligte sich die Schleswig-Holstein an einer Atlantikreise, wo es unter anderem vom 18. bis 26. Juli 1909 Ferrol in Spanien anlief.

Bis ins Jahr 1914 nahm das Schiff an den jährlichen Manövern und auch einigen Auslandsreisen teil. Kurz vor der Mobilmachung im deutschen Reich lief das Schiff in Kiel ein.

 

 

 

Einsatz im Krieg:

Mit Ausbruch des ersten Weltkrieges wurde das II. Geschwader in die Elbemündung verlegt. Beim ersten Seegefecht bei Helgoland kamen die Schiffe jedoch zu spät, auch ein Einsatz in der Ostsee gegen den lettischen Hafen Libau wurde untersagt, da es Befürchtungen von feindlichen U-Booten gab und die Schiffe keinen ausreichenden Schutz gegen Angriffe hatten.

Bis ins Jahr 1916 nahm das Geschwader an einigen Einsätzen teil, hatte jedoch nie Feindkontakt. Erst in der Nacht vom 31. Mai auf den 1. Juni 1916 während der Skagerrakschlacht wurden die Schiffe gegen britische Schiffe eingesetzt. Die SMS Schleswig-Holstein erhielt einen Treffer und hatte 3 Tote zu beklagen.

Nach der Skagerrakschlacht wurden die Schiffe des II. Geschwaders aufgrund ihres Alters nur noch für Sicherungsaufgaben eingesetzt und nach und nach die schwere Artillerie ausgebaut und die Schiffe außer Dienst gestellt.

Anfang Mai 1917 wurde dann auch die Schleswig-Holstein außer Dienst gestellt und diente bis zum Rest des Krieges der 5. U-Boot-Flottille in Bremerhaven als Wohnschiff.

 

 

 

Einsatz in der Reichsmarine:

Nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages gehörte die Schleswig-Holstein nicht zu den Schiffen, die an die Siegermächte ausgeliefert werden mussten.

Das Schiff wurde in den Jahren 1925 und 1926 Modernisiert und anschließend am 1. Februar 1926 als Flottenflaggschiff der Reichsmarine übergeben.

Bis 1927 erfolgten einige Auslandsreisen bis das Schiff weiter Modernisiert wurde und bis 1933 wieder überwiegend Auslandsreisen durch führte.

 

 

 

Einsatz in der Kriegsmarine und dem zweiten Weltkrieg:

1933 wurde aus der Weimarer Republik das 3. Reich. Die Reichsmarine wurde im Laufe der Jahre von der Kriegsmarine übernommen und die Schleswig-Holstein am 2. Mai 1935 zum Flottenflaggschiff der Kriegsmarine ernannt.

Am 22. September 1935 wurde das Schiff nach Wilhelmshaven verlegt, erhielt erneut einige Modernisierungsmaßnahmen und diente anschließend als Kadettenschulschiff zur Ausbildung, wobei in den folgenden Jahren auch einige Auslandsreisen unternommen wurden. 

Vom 25. August 1939 an lag die Schleswig-Holstein in der Danziger Bucht zu einem Freundschaftsbesuch, um die stärker werdenden diplomatischen Spannungen zwischen dem 3. Reich und Polen zu besänftigen. Als auf politischem Weg keine Einigung über die Streitfrage über Danzig erfolgte, eröffnete das Schiff am 1. September 1939 um 4:45 Uhr das Feuer auf die Westerplatte, um die dortigen, nicht mit dem Völkerbund vereinbarten militärischen Befestigungen und bewaffneten Stellungen der polnischen Soldaten zu vernichten. Kurz darauf setzt der im Schiff befindliche Marinestoßtrupp „Hennigsen“ über.

Im Jahr 1940 beteiligte sich die Schleswig-Holstein an dem Unternehmen Weserübung, wo es an einigen dänischen Hafenstädten deutsche Marineinfanterie absetzte.

1941 bis 1944 wurde die Schleswig-Holstein wieder als Schulschiff eingesetzt, bis es am 29. Oktober 1944 im Gotenhafen für umfassende Modernisierungsmaßnahmen einlief. Während eines Bombenangriffes am 18. Dezember 1944 wurde das Schiff durch mehrere Treffer schwer beschädigt und versank zum Teil. Zwar wurde versucht das Schiff zu heben, die Beschädigungen waren jedoch zu groß. Zudem brach 2 Tage später ein Brand aus, der die aus dem Wasser ragenden Aufbauten fast völlig zerstörte.

Als die rote Armee weiter auf den Gotenhafen marschierte, wurden die Reste des Schiffes am 21. März 1945 gesprengt.

 

SMS Schleswig-Holsteim beim Beschuss der Westerplatte

 

SMS Schleswig-Holsteim beim Beschuss der Westerplatte

 

 

 

 

Verbleib:

Nach dem Krieg stellte die Sowjetunion Ansprüche auf das Schiff als Kriegsbeute. Ab 1946 begannen die Arbeiten um das Schiff zu heben. Nach der Hebung wurde es nach Reval geschleppt, in Borodino umbenannt und baute es zu einem Zielschiff um. Vor der Insel Odinsholm lag die Schleswig-Holstein bis 1966 bis die Übungen eingestellt wurden.

Noch heute liegen dort die Überreste des Schiffes.

 

 

 

Kommandanten:

6. Juli 1908 bis September 1910 Kapitän zur See Franz von Holleben
15. September 1910 bis 30. September 1913 Kapitän zur See Friedrich Boedicker
1. Oktober 1913 bis Januar 1916 Kapitän zur See Hans Uthemann
Januar 1916 bis 2. Mai 1917 Kapitän zur See Eduard Varrentrapp
1. Februar bis 30. September 1926 Kapitän zur See Gottfried Hansen
1. Oktober 1926 bis 28. September 1928 Kapitän zur See Wilhelm Rümann
29. September 1928 bis 25. Februar 1930 Kapitän zur See Siegfried Maßmann
26. Februar 1930 bis 29. September 1931 Kapitän zur See Reinhold Knobloch
5. Oktober 1931 bis 26. September 1933 Kapitän zur See Friedrich Götting
27. September 1933 bis 28. Februar 1935 Kapitän zur See Karlgeorg Schuster
28. Februar bis 6. Oktober 1935 Kapitän zur See Conrad Patzig
7. Oktober 1935 bis 2. Mai 1937 Kapitän zur See Günther Krause
15. Mai 1937 bis 7. Juni 1938 Kapitän zur See Hans Feldbausch
8. Juni 1938 bis 25. April 1939 Kapitän zur See Gustav Kieseritzky
26. April 1939 bis 28. August 1940 Kapitän zur See Gustav Kleikamp
29. August bis 20. September 1940 Korvettenkapitän Guido Zaubzer
20. Januar bis April 1941 Fregattenkapitän Alfred Roegglen
April bis Mai 1941 Korvettenkapitän Guido Zaubzer
Mai 1941 Korvettenkapitän Hanns Rigauer
Mai bis Oktober 1941 Kapitän zur See Walter Hennecke
Oktober bis November 1941 Korvettenkapitän Hanns Rigauer
November 1941 bis Mai 1942 Korvettenkapitän Helmut von Oechelhaeuser
Mai 1942 Fregattenkapitän Joachim Asmus
November Mai 1942 bis 31. März 1943 Korvettenkapitän Helmut von Oechelhaeuser
Februar 1944 Korvettenkapitän Walter Bach
Februar 1944 bis 25. Januar 1945 Fregattenkapitän Reinhold Bürklen

 

 

 

Schiffsdaten:

Name:  

SMS Schleswig-Holstein

Land:  

Deutsches Reich
3. Reich
Sowjetunion

Schiffstyp:  

Linienschiff

Klasse:  

Deutschland-Klasse

Bauwerft:  

Germaniawerft, Kiel

Baukosten:  

24.972.000 Mark

Stapellauf:  

17. Dezember 1906

Indienststellung:  

6. Juli 1908

Verbleib:  

Bis 1966 als Zielschiff verwendet

Länge:  

127,6 Meter

Breite:  

22,2 Meter

Tiefgang:  

Max. 8,25 Meter

Verdrängung:  

Max. 14.218 Tonnen

Besatzung:  

749 bis 771 Mann

Antrieb:  

12 Marinekessel
3 3-Zyl.-Verbundmaschinen

Leistung:  

19.330 PS (14.217 kW)

Höchstgeschwindigkeit:  

19,1 kn (35 km/h)

 

 

Bewaffnung:

 

4 × Schnellfeuergeschütz 28,0 cm L/40 (340 Schuss)

14 × Schnellfeuergeschütz 17,0 cm L/40 (1.820 Schuss)

20 × Sk 8,8 cm L/35 (2.800 Schuss)

6 × Torpedorohr ⌀ 45,0 cm (unter Wasser, 16 Schuss)

1939:

4 × Schnellfeuergeschütz 28,0 cm L/40

6 × Flak 10,5 cm (1.800 Schuss)

4 × Flak 3,7 cm

4 × Flak 2,0 cm

1944:

4 × Schnellfeuergeschütz 28 cm L/40

6 × Schnellfeuergeschütz 10,5 cm L/45

10 × Flak 4,0 cm L/60 Bofors

4 × Flak 3,7 cm L/83

26 × Flak 2,0 cm L/65

Panzerung:  

Gürtel: 100–240 mm auf 80 mm Teak
Zitadelle: 170 mm
Panzerdeck: 40–97 mm
Kommandoturm: 30–300 mm
Türme: 50–280 mm
Kasematten: 170 mm
Schilde: 70 mm

 

 

 

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