Renault FT

Der Renault FT war ein französischer, leichter Panzer der zu den revolutionärsten und einflussreichsten Panzerkonstruktionen der Geschichte gehörte und dessen Grundstruktur bis heute verwendet wird.

Bereits einige Jahre vor dem ersten Weltkrieg begannen einige Offiziere der Armeen in Europa mit der Entwicklung von gepanzerten Fahrzeugen, die auf Gleisketten fahren. Als einer der Ersten begann der Österreich-Ungarische Offizier Gunther Burstyn mit dem Bau eines Prototypen, den er unter der Bezeichnung Burstyn-Panzer 1911 patentieren lies. Jedoch zeigten sich zu dieser Zeit weder die militärische Führung von Österreich-Ungarn noch vom Deutschen Reich interessiert, sodass das für die damalige Zeit sehr fortschrittliche Modell nie weiter produziert wurde.

 

 

Modell eines Burstyn-Panzers aus den 30er Jahren

 

 

Mit einem ähnlichem Konzept arbeitete der französische Artillerieoffizier Jean Baptiste Eugène Estienne, der ebenfalls noch vor dem ersten Weltkrieg die kommende Bedeutung von Panzern erkannte und entsprechende Konzepte ausarbeitete. Nachdem der Krieg in Europa ausgebrochen war, unterbreitete Estienne zunächst dem Firmenchef Louis Renault der gleichnamigen Firma den Vorschlag zum Bau von Panzerfahrzeugen. Renault lehnte den Vorschlag jedoch ab, mit der Begründung, dass bereits Kriegsgüter produziert werden würden und die Firma keine Erfahrung mit dem Bau von Panzern hätte.

Im Anschluss versuchte es Estienne bei der Firma Schneider. Diese nahm seinen Entwurf auf Grundlage des Holt-Raupentraktor an und begann mit der Entwicklung des Schneider CA Panzers.

 

 

Schneider CA1

 

 

Die Firma Renault beobachtete inzwischen die Entwicklung bei der Firma Schneider und entschied sich Mitte 1916 doch noch für die eigene Entwicklung eines Panzers. Zudem zeigten sich bereits viele Schwächen an dem Schneider CA1 Modell. So war das Fahrzeug sehr langsam, konnte nur bedingt Gräben überwinden und die Technik war sehr Störanfällig.

So setzte Louis Renault persönlich gewisse Voraussetzungen an den firmeneigenen Panzer:
- Das Gesamtgewicht durfte 7 Tonnen nicht überschreiten
- Die Kette musste ständig unter Spannung stehen um nicht abzurollen
- Die Ketten waren an der Front abgerundet um Gräben besser durchfahren zu können
- Die Besatzung musste vor den Abgasen geschützt werden

So wurde unter der Leitung von Rodolphe Ernst-Metzmaier mit dem Bau des ersten Prototypen begonnen. Dieser hatte eine selbsttragende Wanne und ein mit Schrauben und Blattfedern gefederten Kettenlaufwerk, welches ungeschützt an den Seiten angebracht war und nach vorne hin abgerundet war. Die Panzerung bestand aus 6 bis 16 mm dicken Platten die mit einander vernietet waren. Auf der Wanne wurde der um 360 Grad zu drehende Turm angebracht der mit zwei Luken ausgestattet war, damit die Soldaten im Notfall aus dem Panzer klettern konnten oder ihre Handfeuerwaffen daraus benutzen konnten. Da der Turm recht weit vorne angebracht war, lag das Gewicht dementsprechend auch kopflastig. Das führte dazu, dass sich bei den ersten Fahrten der Panzer öfters vorne im Matsch eingrub und festfuhr oder Gräben nicht richtig durchfahren konnte. Dieses Problem wurde mit der Anbringung eines Auslegers nach Hinten gelöst, der je nach Bedarf mit Gewichten beschwert werden konnte.

Der Motor, das Getriebe und der Tank lagen geschützt im hinteren Teil des Panzers. Die Luft zur Kühlung des Motors wurde vom Raum der Besatzung abgezogen und die Abgase nach hinten raus abgeleitet. Der dabei entstandene Mangel an den Kühlerlüftungsriemen konnte bis zum Kriegsende nicht behoben werden.

 

 

Zeichnung eines Renault FT in der Maschinengewehr Ausführung

 

Ansicht auf den Fahrer und Schützen bei geöffneten Luken

 

 

Nachdem die britische Armee am 5. September 1916 während der Schlacht an der Somme zum ersten Mal schwere Panzer einsetzte, zeigte sich, dass das Konzept noch nicht ausgereift war. Im Anschluss begann die Führung der französischen Armee mit der Abwägung, ob viele leichte Panzer wenige schwere Panzer ersetzen können. Am 27. November 1916 wurde von Estienne ein dringendes Gesuch an den französischen Oberbefehlshaber geschickt, mit der Bitte, die Serienproduktion von leichten Panzern des Renault Typ voran zu bringen.

So wurden Ende 1916 die ersten Prototypen des Renault FT dem französischem Militär vorgestellt. Zwar zeigte das Militär Interesse, jedoch musste die Produktion erstmal verschoben werden, da die Produktion von Artillerie Traktoren Vorrang hatte und kriegswichtiger eingestuft wurde.

Schließlich wurden dann im April und Juni 1917 3.500 Renault FT Panzer bestellt. Da diese Menge von mehreren Firmen gebaut werden musste, unterschieden sich die Panzer später leicht, besonders bei der Ausführung des Turmes. Von den bestellten Panzern wurden insgesamt 3.177 gefertigt, davon 2.697 noch während des ersten Weltkrieges.

 

 

Ein Renault FT Panzer in der Nähe von Saint Michel in Frankreich während des ersten Weltkrieges

 

Eine Parade von Renault FT Panzern

 

Ein Renault FT der frühen Produktion

 

 

Nachdem die USA am 6. April 1917 dem Deutschen Reich den Krieg erklärt hatten, erhielt die American Expeditionary Forces 144 Renault FT Panzer aus französischer Produktion zugeteilt, da die amerikanische Armee zu diesem Zeitpunkt über fast keine eigenen Panzer verfügte.

3 Firmen in den USA erhielten jedoch die Lizenz für den Bau solcher Panzer die als Panzer M1917 klassifiziert wurden. Insgesamt waren zunächst 4.400 Stück geplant, bis Oktober 1918 konnten jedoch nur einige wenige gebaut werden, sodass diese nicht mehr im Krieg eingesetzt werden konnten. Von den geplanten 4.400 Stück wurden schließlich noch 952 gebaut.

 

 

Amerikanische Soldaten mit ihren Renault FT Panzern

 

 

Die verschiedenen Varianten:

  • FT Char mitrailleur: Mit einem Hotchkiss M1914 Maschinengewehr ausgerüstet
  • FT Char canon: Mit einer Puteaux 37 mm Kurzrohrkanone ausgerüstet
  • FT BS: Mit einem 75 mm Geschütz ausgerüstet Sturmgeschütz Variante
  • FT TSF: Mit einem Funkgerät ausgerüstete Führungspanzer Variante
  • Tank M1917: Die in den USA gebaute Renault FT Variante
  • Fiat 3000: Die nach dem Krieg in Italien gebaute Variante
  • Russki Reno: Die nach dem Krieg in Russland gebaute Variante
  • Kō-gata Sensha: Von Japan gekaufte Renault FT Panzer
  • Gepanzerte Draisine R: Von Polen gekaufte Renault FT Panzer die als Eisenbahn-Draisinen umgebaut wurden
  • FT modifié 31: Eine 1931 auf ein 7,5 mm Reibel Maschinengewehr umgerüstete Variante

 

 

Renault FT Char canon Panzer

 

Renault FT BS Panzer

 

Renault FT TSF Panzer

 

Fiat 3000 Panzer

 

Gepanzerte Draisine R

 

 

Nach dem ersten Weltkrieg verkaufte die französische Armee vieler ihrer Renault FT Panzer unter anderem an Polen, die Niederlande und Japan. Einige wurden auch in die französischen Kolonien gebracht und dort mit der Sicherung beauftragt.

Während des polnisch-sowjetischen Krieges von 1920 setzte Polen zu Beginn die meisten ihrer FT Panzer ein. Da dieser Krieg, im Gegensatz zum ersten Weltkrieg jedoch ein Bewegungskrieg blieb, zeigte sich schnell, dass die Panzer zu langsam waren. Die polnische Armee lies daraufhin viele Panzer zu gepanzerten Draisinen umbauen.

In den 30er Jahren begann Frankreich rund 1.580 ihrer Renault FT Panzer zu modernisieren und die Bewaffnung gegen 7,5 mm Reibel Maschinengewehre zu tauschen. Zu Beginn des zweiten Weltkrieges und dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht verfügte Frankreich noch über 2.700 der FT Panzer in den unterschiedlichsten Varianten. Dabei waren jedoch nur 534 bei den kämpfenden Einheiten an der Front, der Rest diente zur Ausbildung oder war in Depots eingelagert. Somit erbeutete die Wehrmacht nach der Niederlage Frankreichs 1.704 der FT Panzer. Ungefähr 650 wurden überholt und dienten in Einheiten der Wehrmacht und der Waffen SS in den besetzten Gebieten zur Unterstützung und für Sicherungsaufgaben. Rund 100 Panzer wurden der Luftwaffe übergeben und sicherten Flugplätze. Die restlichen Panzer dienten als Ersatzteil Spender oder der Turm wurde für Verteidigungsanlagen genutzt.

 

 

Polnische Renault FT Panzer während der Schlacht um Warschau 1920

 

Ein japanischer Renault FT Panzer 1932 bei der Besetzung der Mandschurei

 

Von Deutschland erbeutete Renault FT bei der Sicherung in Serbien

 

Ein zerstörter Renault FT Panzer in Jugoslawien 1941

 

 

 

Technische Daten:

Bezeichnung: Renault FT Panzer
Land: Frankreich
Länge: 8,05 Meter
Breite: 4,1 Meter
5 Meter mit Ausleger
Höhe: 2,14 Meter
Gewicht: 6,5 Tonnen (Maschinengewehr Version)
6,7 Tonnen (37 mm Geschütz Version)
7 Tonnen (Sturmgeschütz Version und Führungspanzer)
Höchstgeschwindigkeit: 8 km/h
Panzerung: 8 bis 16 mm
Hauptbewaffnung: 1 x Hotchkiss M1914 Maschinengewehr
Weitere Waffen: 1 x 37 mm Puteaux Kurzrohrkanone
1 x 75 mm Geschütz
Antrieb: Renault 4 Zylinder Motor mit 39 PS (24 kW)
Reichweite: 40 Kilometer
Besatzung: 2 Mann

 

 

 

 

 

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