Schlachtkreuzer HMS Tiger

Der Schlachtkreuzer HMS Tiger war ursprünglich als weiteres Schiff der Lion-Klasse gedacht, wegen dem Bau des japanischen Schlachtkreuzers Kongō und dessen Überlegenheit, musste die Konstruktion jedoch geändert werden und die Tiger entstand.

 

Stapellauf und Bauform:

Ende 1909 wurde mit dem Bau von vier Schiffen der Lion-Klasse begonnen, die ab 1912 in den Dienst der Royal Navy gestellt werden sollten. Ab dem 17. Januar 1911 wurde jedoch bei der Firma Vickers ein neuer Schlachtkreuzer für die japanische Marine gebaut, die Kongō. Diese war in ihren Eigenschaften den Schiffen der Lion-Klasse deutlich überlegen, sodass die britische Marineleitung von weiteren Bestellungen von Schiffen der Lion-Klasse absah. Der Bau der HMS Lion, der HMS Princess Royal und der HMS Queen Mary waren auch schon zu weit fortgeschritten, als das noch Änderungen hätten vorgenommen werden können. Lediglich die HMS Tiger war in einem Status, der noch größere Veränderungen zugelassen hat.

Die Hauptbewaffnung von acht 13,5-Zoll 343-mm Geschützen wurde beibehalten, jedoch wurde einer der Türme nicht mehr vor dem letzten Schornstein sondern dahinter eingebaut. Diese Position ermöglichte ein deutlich verbessertes Schussfeld für das Geschütz, was nun nicht mehr durch einen Schornstein eingeschränkt war.

Die Mittelartillerie hingegen wurde komplett ausgetauscht. Anstatt der üblichen 102-mm Geschütze wurden nun zwölf 6-Zoll 152-mm Geschütze in Kasematten montiert, was zu einer größeren Schlagkraft führte. Auch die Panzerung wurde gegenüber den Schiffen der Lion-Klasse verstärkt.

Der Stapellauf der HMS Tiger erfolgte am 15. Dezember 1913, die Indienststellung am 3. Oktober 1914.

 

 

HMS Tiger

 

HMS Tiger

 

 

 

 

 

Einsatz im Krieg:

Nach der Indienststellung wurden verkürzte Erprobungsfahrten durchgeführt, um die Besatzung schnellstmöglich einsatzfähig zu machen. Hintergrund war die weitläufige Verteilung der britischen Kriegsschiffe, unter anderem im Atlantik auf der Suche nach dem deutschen Ostasiengeschwader oder im Mittelmeer, wo sich ebenfalls deutsche Kriegsschiffe befanden.

Zusammen mit den Schiffen der Lion-Klasse wurde dann die HMS Tiger dem 1. Schlachtkreuzergeschwader unter Leitung von Rear Admiral David Beatty zugeteilt.

Mit diesem Geschwader nahm das Schiff auch am 24. Januar 1915 am Gefecht auf der Doggerbank teil. Angesichts der 355 verschossenen Granaten konnte die HMS Tiger lediglich zwei Treffer auf der SMS Seydlitz oder auf der SMS Derfflinger erzielen. Auch die SMS Blücher erhielt nur wenige Treffer. Selbst erhielt das Schiff sechs Treffer, wobei ein Treffer eines der Hauptgeschütze zerstörte und 10 Besatzungsmitglieder starben. Die notwendigen Reparaturarbeiten waren nach dem Gefecht am 8. Februar 1915 abgeschlossen.

Vom 31. Mai auf den 1. Juni 1916 beteiligte sich die HMS Tiger ebenfalls an der Skagerrakschlacht. Obwohl das Schiff als letztes des Geschwaders in Richtung der deutschen Schiffe fuhr, erhielt es bereits kurz nach Beginn des Gefechtes sechs Treffer durch die SMS Moltke, wobei zwei der Hauptgeschütze einige Zeit ausfielen. Ein weiteres Hauptgeschütz fiel nach 27 abgegebenen Schüssen wegen technischer Probleme aus, konnte jedoch nach kurzer Zeit wieder einsatzfähig gemacht werden. Insgesamt erhielt die HMS Tiger während des Gefechtes 18 Treffer und hatte 24 tote und 46 verwundete Besatzungsmitglieder. Neben einem Treffer auf der SMS Moltke und zwei auf der SMS Von der Tann gab es noch unbestätigte Treffer auf dem kleinen Kreuzer SMS Wiesbaden. Wie bereits bei dem Gefecht auf der Doggerbank erfüllte auch in diesem Gefecht die Feuerleistung des Schiffes nicht die Erwartungen, zumal auch erst zum Ende des Gefechtes festgestellt wurde, dass die Zieleinrichtung falsch eingestellt war.

Die Schäden des Schiffes waren bis zum 2. Juli 1916 wieder beseitigt, sodass es vom 19. Juli bis Dezember 1916 als Flaggschiff des Geschwaders dienen konnte.

Am 17. November 1917 erfolgte noch die Teilnahme an dem zweiten Seegefecht bei Helgoland, wobei die HMS Tiger lediglich zu den britischen Deckungsstreitkräften gehörte und somit nicht an dem eigentlichen Gefecht teilnahm.

Bis zum Ende des Krieges wurden zwar noch einige Vorstöße in die Nordsee unternommen, zu einem Feindkontakt kam es jedoch nicht mehr.

 

 

Beschädigungen auf der HMS Tiger nach der Skagerrakschlacht

 

Beschädigungen auf der HMS Tiger nach der Skagerrakschlacht

 

HMS Tiger im Trockendock

 

 

 

 

 

Einsatz nach dem Krieg:

Nach dem ersten Weltkrieg verblieb die HMS Tiger in der Home Fleet, trotz der Verkleinerung der Royal Navy.

1922 wurde das Schiff aus dem Geschwader abgezogen und diente für die Ausbildung. Lediglich 1929 wurde es noch einmal dem Geschwader zugeteilt, als die HMS Hood in die Werft für eine Überholung musste.

 

 

 

Verbleib:

Durch die Bestimmungen der Londoner Flottenkonferenz vom 22. Januar 1930 wurde erneut eine Höchstzahl an Schlachtschiffen und Schlachtkreuzern festgelegt.

Aus diesem Grund wurde die HMS Tiger schließlich am 30. März 1931 außer Dienst gestellt, verkauft und 1932 verschrottet.

 

 

 

 

Schiffsdaten:

Name:  

HMS Tiger

Land:  

Großbritannien

Schiffstyp:  

Schlachtkreuzer

Klasse:  

Einzelschiff

Bauwerft:  

John Brown & Company, Clydebank, Schottland

Baukosten:  

2.593.100 Pfund Sterling

Stapellauf:  

15. Dezember 1913

Indienststellung:  

3. Oktober 1914

Verbleib:  

Im Februar 1932 verkauft und verschrottet

Länge:  

214,6 Meter

Breite:  

27,6 Meter

Tiefgang:  

Max. 9,9 Meter

Verdrängung:  

Max. 35.000 Tonnen

Besatzung:  

1112 – 1459 Mann

Antrieb:  

39 Babcock & Wilcox-Kessel

Brown-Curtis-Dampfturbinen

Leistung:  

85000 PS

Höchstgeschwindigkeit:  

28 kn

 

Bewaffnung:

 

8 x 13,5″ 343-mm L/45-Mk.V(H) Geschütze

12 x 6″ 152-mm L/50-Mk.VII Geschütze

2 x 3″ 76,2-mm Mk.I-Flugabwehrkanonen

4 x 3pdr 47-mm Vickers Geschütze

4 x 21″ 533-mm Torpedorohre (Unterwasser)

 

ab 1918 zusätzlich:

2 x 4″ 102-mm Flugabwehrkanonen

Panzerung:  

Gürtelpanzer 229 mm

Panzerdeck 76 mm

Türme 229 mm

Kommandoturm 229 mm

Panzerschotten 127 mm

 

 

 

 

 

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