Zerstörer HMS Viking

Der Zerstörer HMS Viking gehörte zu der Tribal-Klasse, die aus insgesamt 12 Schiffen bestand und die ersten Zerstörer der Royal Navy waren die mit Turbinenantrieb und Ölfeuerung ausgestattet waren.

 

Stapellauf und Bauform:

1903 wurde in der Royal Navy die Zerstörer der River-Klasse eingeführt. Diese hatten eine Höchstgeschwindigkeit von 25,5 Knoten und waren von zwei kohlegefeuerten Dreifach-Expansionsmaschinen angetrieben.

Auf Drängen des Ersten Seelord John Fisher wurden im November 1904 neue Anforderungen an die nächste Zerstörer Klasse gestellt. Diese sollten nun eine Höchstgeschwindigkeit von 33 Knoten laufen können. Um diese Geschwindigkeit erreichen zu können, sollten erstmals in Zerstörern ölbefeuerte Dampfturbinen eingebaut werden, da diese die angeforderte Leistung bringen konnten. Zuvor waren lediglich die Schiffe HMS Viper, HMS Cobra, HMS Velox sowie die HMS Eden zu Versuchszwecken mit einem derartigen Antrieb ausgerüstet worden.

Da der Einbau des neuen Antriebes die Schiffe entsprechend verlängert hätte, gingen die Konstruktionen an die damals machbaren Grenzen der Technik. Um den Antrieb kompensieren zu können, mussten einige Bereiche entsprechend geändert werden, sodass die Seetüchtigkeit der Schiffe insgesamt schlechter wurden als bei der Vorgängerklasse. Zudem konnten die Schiffe lediglich bis zu 216 Tonnen Treibstoff mit sich führen und durch den hohen Verbrauch war die Reichweite der Schiffe ebenfalls deutlich geringer als bei den Schiffen der River-Klasse.

Bei den ersten fünf Schiffen der Tribal-Klasse wurden fünf 3 Zoll Geschütze montiert, was eine Steigerung von einem Geschütz bedeutete. Ab dem sechsten Schiff wurden die Geschütze durch zwei 4 Zoll Geschütze ersetzt, die am Bug und Heck jeweils etwas erhöht standen.

An dem Bau der insgesamt 12 Schiffe der Klasse waren sieben Werften beteiligt. Da die Konstrukteure der Werften viele Freiheiten beim Aufbau der Schiffe besaßen, kam es dazu, dass sich die einzelnen Schiffe der Klasse teilweise deutlich von einander unterschieden. So gab es Schiffe mit drei Schornsteinen und auch welche mit fünf oder sechs, wobei die HMS Viking das einzige Schiff mit sechs Schornsteinen war.

Der Stapellauf der HMS Viking erfolgte am 14. September 1909, die Indienststellung am 13. Juni 1910.

 

 

HMS Viking

 

 

 

 

Werdegang der HMS Viking:

Nach der Indienststellung und den Erprobungsfahrten wurde das Schiff zusammen mit allen anderen der Klasse der 1st Destroyer Flotilla zugeteilt.

Nach dem Tod König Eduards VII. am 6. Mai 1910 übernahm sein Sohn Georg V. die Krone Großbritanniens. An der Krönungszeremonie am 22. Juni 1911 in Westminster Abbey nahm auch die HMS Viking bei der zugehörigen Flottenparade teil.

Ab 1911 begannen die neuen Zerstörer der Beagle-Klasse ältere Zerstörer abzulösen. die Schiffe der Tribal-Klasse wechselten daher 1912 in die 4th Destroyer Flotilla. Durch eine Reform erhielten diese Schiffe im Oktober 1912 die Kennzeichnung F, da diese Schiffs-Klasse offiziell umbenannt wurde.

Wegen der geringen Reichweite der Schiffe konnten diese mit den neuen Schiffen der Home Fleet nicht mehr mithalten und wurde aus diesem Grund im Februar 1914 der 6th Destroyer Flotilla zugeteilt und nach Dover verlegt.

 

 

 

Einsatz im Krieg:

Als der erste Weltkrieg ausgebrochen war, wurden die Schiffe der 6th Destroyer Flotilla zur Sicherung des Ärmelkanals eingesetzt um das Eindringen der deutschen Schiffe zu verhindern und um Handelsschiffe zu kontrollieren.

Im Oktober wurden die Schiffe des Geschwaders an die belgische Küste verlegt um die deutschen Truppen zu beschießen. Dabei kam es am 20. Oktober zu einem Unfall auf der HMS Viking, als das Geschütz am Bug des Schiffes explodierte und zwei Besatzungsmitglieder schwer verletzt wurden. Der Einsatz musste abgebrochen werden und das Schiff zur Reparation in die Werft wobei das Geschütz durch eine stärkere 152 mm Mk.VII Kanone ersetzt wurde. Im Anschluss wurden wieder Sicherungsaufgaben im Ärmelkanal durchgeführt.

Bei einer der Patrouillen entdeckte das Schiff am 4. März 1915 in der Straße von Dover ein aufgetauchtes deutsches U-Boot. Nachdem die Viking das Feuer eröffnete, tauchte das U-Boot unter. Erst als weitere Zerstörer eintrafen und mit über den Meeresboden geschleppten Sprengkörpern das U-Boot zum Auftauchen zwangen, konnte die Besatzung gefangen genommen und das U-Boot versenkt werden.

Als das Schiff am 29. Januar 1916 von einer weiteren Patrouille auf dem Rückweg nach Großbritannien war, lief es bei Boulogne auf eine Seemine und wurde schwer beschädigt. Die Explosion ereignete sich auf Höhe der Offiziersmesse wo die Offiziere des Schiffes zu dem Zeitpunkt beim Lunch zusammen saßen. Unter den 10 Toten befand sich somit auch der Kommandant des Schiffes. Dem Schwesterschiff HMS Zulu gelang es, die in Brand geratene HMS Viking aus dem Geschwader herauszuziehen, wobei das eindringende Seewasser die meisten Feuer löschte. Die HMS Ure konnte danach die Besatzung aufnehmen, als kurz darauf das Schleppseil riss und die Viking abdriftete. Erst als der Schlepper Lady Brassey aus Dover eintraf, konnte die Viking wieder in Schlepp genommen werden. Die HMS Tartar unterstütze dabei, sodass das Schiff am Abend in Dover in das Dock gebracht werden konnte.

Nach der Reparatur der Schäden übernahm die HMS Viking wieder Sicherungsaufgaben im Ärmelkanal. Als deutsche Torpedoboote in der Nacht vom 26. auf den 27. Oktober 1916 die Dover-Sperre angriffen, nahm die Viking als Führungsboot der sechs Alarmzerstörer die Verfolgung auf. Bereits nach dem ersten Schuss des Geschützes am Bug fiel dieses durch technische Probleme aus, somit konnte das Schiff die deutschen Schiffe nicht weiter bekämpfen und musste sich zurück ziehen.

Bei einer Patrouille vor Folkestone im Südosten von England, kam es am 3. Februar 1918 zu einer Kollision mit einem anderen Zerstörer, wobei die Viking erneut beschädigt wurde.

 

 

Die Schäden der HMS Viking nach dem Minentreffer

 

 

 

 

Verbleib:

Nach dem ersten Weltkrieg wurde die HMS Viking zusammen mit den Zerstörern der Tribal-Klasse HMS Afridi, HMS Cossack, HMS Saracen und HMS Zubian im Februar 1919 der 7th Destroyer Flotilla zugeteilt.

Bereits einen Monat später, im März 1919 wurden die Schiffe außer Dienst gestellt und zum Verkauf angeboten.

Die Viking wurde schließlich im Dezember 1919 verkauft und anschließend verschrottet.

 

 

 

 

Schiffsdaten:

Name:  

HMS Viking

Land:  

Großbritannien

Schiffstyp:  

Zerstörer

Klasse:  

Tribal-Klasse

Bauwerft:  

Palmers Shipbuilding,
Jarrow b. Newcastle

Baukosten:  

unbekannt

Stapellauf:  

14. September 1909

Indienststellung:  

13. Juni 1910

Verbleib:  

Im Dezember 1919 verkauft und verschrottet

Länge:  

86,9 Meter

Breite:  

8,14 Meter

Tiefgang:  

2,9 Meter

Verdrängung:  

Max. 1.210 Tonnen

Besatzung:  

71 Mann

Antrieb:  

6 Yarrow-Kessel

3 Dampfturbinen mit Einfachgetrieben

Leistung:  

14.000 PS

Höchstgeschwindigkeit:  

33 kn

 

Bewaffnung:

 

2 x 102 mm L/40 Kanonen

2 x 45 cm Torpedorohre

1915/16
1 x 152 mm L/45 Kanone als Ersatz

Ende 1916
2 x 102 mm L/45 Kanonen als Tausch gegen alte Geschütze

Panzerung:  

unbekannt

 

 

 

 

 

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