Royal Aircraft Factory S.E.2

Die Royal Aircraft Factory S.E.2 war ein einsitziger Doppeldecker, der vor dem ersten Weltkrieg als erstes Flugzeug Großbritanniens speziell als schneller Aufklärer mit nur einem Piloten entwickelt wurde.

 

Entwicklung und Konstruktion:

1912 begann unter der Leitung von Geoffrey de Havilland bei der Firma Royal Aircraft Factory die Entwicklung eines schnellen Aufklärungsflugzeuges.

Als Basis wurde eine Doppeldecker Version genommen, wobei diesmal das Besatzungsmitglied sowohl als Pilot als auch als Beobachter dienen sollte und damit das Flugzeug nur eine Person transportierte.

Zunächst unter der Bezeichnung B.S.1 entstand ein Rumpf aus Holz mit zwei gleich großen Tragflächen. Die Seitensteuerung erfolgte über Flügelverwerfung und einem kleineren Ruder als wie bei der B.E.3. Als Antrieb diente ein zweireihiger, 14-Zylinder Gnome Wankelmotor mit 100 PS.

Anfang 1913 wurde der Prototyp von Geoffrey de Havilland das erste mal geflogen. Dabei zeigten sich hervorragenden Leistungen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 147,6 km/h, einer Standgeschwindigkeit von 82 km/h und einer Steiggeschwindigkeit von 4,6 Metern pro Sekunde, obwohl der Motor nicht die erhofften 100 PS sondern nur 82 PS lieferte. Geoffrey de Havilland war jedoch nicht mit dem kleinen Ruder zufrieden und bemängelte die dadurch entstehende schlechte Manövrierfähigkeit. Nach weiteren Testflügen begann er mit der Entwicklung eines größeres Ruders. Dieses konnte jedoch nicht mehr verbaut werden, da das Flugzeug am 27. März 1913 mit de Havilland abstürzte. Er selbst brach sich dabei den Kiefer, das Flugzeug wurde hingegen völlig zerstört.

Nach dem Unfall wurde der Prototyp wieder neu aufgebaut und ein einreihiger, 14-Zylinder Gnome Wankelmotor ebenfalls mit 100 PS eingebaut. Zudem wurden dreieckige Flossen über und unter dem Rumpf sowie ein größeres Ruder montiert. Zunächst unter der Bezeichnung B.S.2 wurde das Flugzeug etwas später in S.E.2 (für Scout Experimental) umbenannt. Im Oktober 1913 wurde der erste Flug durchgeführt.

Nachdem Geoffrey de Havilland aus der Firma ausschied und zu Airco wechselte, begann Henry Folland im April 1914 einen neuen Prototyp der S.E.2 aufzubauen. Das Heck des Flugzeuges wurde nochmals überarbeitet, mit größeren Seiten- und Seitenruder, mit neuen Höhenleitwerken und Höhenrudern. Es wurden zudem bessere stromlinienförmige Streben und stromlinienförmige Spanndrähte (Raf-Drähte) eingebaut. Am 3. Oktober 1914 wurde der erste Flug mit diesem Prototyp durchgeführt.

Am 17. Februar 1914 wurde das Flugzeug dem 5. Squadron des Royal Flying Corps zum Testen übergeben, im März erhielt auch das 3. Squadron das Flugzeug für Testzwecke. Im April wurde es der Royal Aircraft Factory zurück gegeben.

 

 

Royal Aircraft Factory S.E.2

 

Royal Aircraft Factory B.S.1

 

Royal Aircraft Factory S.E.2

 

 

 

 

 

Einsatz im ersten Weltkrieg:

Nach einigen Änderungen des Flugzeuges die auf die Tests in den beiden Squadrons zurück fielen, wurde die modifizierte Version am 27. Oktober 1914 nach Frankreich gebracht und dort dem 3. Squadron zugeteilt.

Vor dem ersten Einsatz an der Front wurde noch eine provisorische Bewaffnung angebracht. Die beiden Gewehre wurden seitlich am Rumpf angebracht und zielten an dem Propeller vorbei um diesen beim Schießen nicht zu beschädigen.

In den ersten Monaten des Krieges zählte die Royal Aircraft Factory S.E.2 zu den schnellsten Flugzeugen über der Westfront.

Im März 1915 wurde es jedoch durch eine Bombe beschädigt und musste zurück nach Großbritannien gebracht werden. Dort wurde es schließlich verschrottet, da bereits an einem Nachfolgemodell gearbeitet wurde.

 

 

 

Technische Daten:

Bezeichnung: Royal Aircraft Factory S.E.2
Land: Großbritannien
Typ: Aufklärungsflugzeug
Länge: 6,25 Meter
Spannweite: 8,38 Meter
Höhe: 2,39 Meter
Gewicht: 327 kg leer
Besatzung: Max. 1
Motor: Ein Gnôme Umlaufmotor mit 80 PS
Höchstgeschwindigkeit: 155 km/h
Reichweite: Max. 2 Stunden und 30 Minuten
Bewaffnung: Zwei 7.7×56 mm Gewehre

 

 

 

 

 

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