Royal Flying Corps

Das britische Royal Flying Corps (RFC) war die Luftstreitkraft der britischen Armee vor und während dem ersten Weltkrieg und wurde gegen Ende des Krieges mit der Royal Naval Air Service (RNAS) zur heutigen Royal Air Force (RAF) zusammen gelegt.

 

 

Beginn der militärischen Luftfahrt in Großbritannien:

Großbritannien setzte, wie die meisten anderen europäischen Großmächte, bereits früh Ballons und Zeppeline zur Aufklärung und für die Artillerie Unterstützung ein. Mit dem Aufkommen der ersten Flugzeuge und dem steigenden Interesse an einer kostengünstigen und effektiven Alternative zu Ballons, verstärkte sich die Aufmerksamkeit auf die Flugzeuge.

Im November 1911 begann das britische Verteidigungsministerium mit der Bildung eines Unterkomitees, was beauftragt wurde den militärischen Nutzen von Flugzeugen zu untersuchen. Am 28. Februar 1912 legte das Komitee seinen Bericht vor, bei dem es den Aufbau eines fliegenden Korps empfahl. Dieses sollte zum Teil dem Heer und zum Teil der Royal Navy unterstellt sein, zudem sollte eine Flugschule und eine Flugzeug Produktion aufgebaut werden.

Der Vorschlag wurde vom Verteidigungsministerium angenommen und am 13. April 1912 unterzeichnete König George V. einen Erlass zur Gründung des Royal Flying Corps. Da die Royal Navy ihre Flugzeuge und Ballons nicht dem Heer unterstellen und somit eigene Befehlsgewalt ausüben wollten, wurde der Royal Naval Air Service aufgebaut, womit die Royal Navy ihre eigenen Luftstreitkräfte erhielten, vorerst jedoch in dem Royal Flying Corps integriert waren. Die offizielle Bezeichnung als Royal Navy Air Service und eigenständiger Aufbau erfolgte am 1. Juli 1914.

Die Ballons des Royal Engineers sowie dessen Personal wechselte jedoch vollständig in das Royal Flying Corps. Bis Ende 1912 wuchs das RFC auf eine Stärke von 12 bemannten Ballons und 36 Flugzeugen. Major Sykes erhielt den ersten Oberbefehl.

 

 

 

Struktur und Organisation:

Bei der Gründung bestand das Royal Flying Corps zunächst noch zusammen mit dem Royal Navy Air Service. Die Struktur und Größe lies zunächst nur die Bildung von drei Staffeln zu. Erst im Laufe der nächsten Jahre wuchs die Luftstreitkraft und es mussten mehrere Umstrukturierungen durchgeführt werden. Als sich 1914 der Royal Navy Air Service ausgliederte hatte das Royal Flying Corps dennoch eine Größe erreicht, dass die Schaffung von Flügeln nötig wurde, die aus mehreren Staffeln bestand.

Im Oktober 1915 hatte das Royal Flying Corps erneut eine Größe erreicht, die die Schaffung von Brigaden nötig machte. Die letzte Umstrukturierung erfolgte im August 1917, als nun auch eine Division eingeführt wurde.

 

 

Aufbau des Royal Flying Corps

 

Nach den Luftangriffen auf britische Städte durch deutsche Bomber wurde zudem im August 1917 die Luftabwehr als Teil des Royal Flying Corps eingeführt, wurde jedoch selbstständig gehalten und eingesetzt.

 

Staffel / Squadron:

Die Größe und Ausstattung einer Staffel variierte von dessen Aufgabe und war nur bedingt einheitlich geregelt.

Neben einem kommandierenden Offizier des Geschwaders gab es einen Nachrichtenoffizier, einen Adjutant, zwei bis drei Unteroffiziere und bis zu 10 Mannschaftsdienstgrade im Verwaltungsbereich. Neben den Piloten und den mitfliegenden Beobachtern kam noch das Wartungspersonal von Monteuren, Mechanikern und Technikern hinzu. Diese wurden von einem Oberfeldwebel befehligt und bestanden aus bis zu 36 Soldaten.

Zudem verfügte jede Staffel über einen Ausrüstungsoffizier, Rüstungsoffizier und einen Transportoffizier dem bis zu 22 Soldaten zur Verfügung standen.

Für den Transport verfügten die Staffeln in der Regel über ein Auto, fünf leichte Tender, sieben schwere Tender, zwei Reparatur Lastwagen, acht Motorräder und acht Anhänger.

Bis zum Ende des ersten Weltkrieges verfügte das Royal Fling Corps über rund 150 Staffeln.

 

Flügel / Wings:

Als das Royal Fling Corps gegründet wurde war es zunächst in den Militärflügel und den Marineflügel aufgeteilt.

Nach der Abspaltung des Marineflügels und der Größe des Militärflügels wurde das Fling Corps umstrukturiert und die Bezeichnung Flügel wiederverwendet in dem mehrere Staffeln zusammen gefasst wurden.

Zunächst wurden die in Frankreich eingesetzten Staffeln zu dem 1. und 2. Flügel zusammengefasst, wobei diese dann auch gleich entsprechend der 1. Armee und der 2. Armee zugeteilt wurden.

Am 1. März 1915 erfolgte dann die Aufstellung des 3. Flügels, am 15. April die des 5. Flügels.  Im August folgte der 6. Flügel, im November der 7. und 8. Flügel. Bis zum Kriegsende wurden insgesamt 54 Flügel aufgestellt.

Mit der erneuten Umstrukturierung und der Aufstellung von Brigaden erhielten die Flügel, ebenso wie zuvor die Staffeln, spezielle Aufgaben und wurden dementsprechend aufgebaut und erhielten die nötige Ausrüstung.

Flügel mit Artilleriebeobachtungs- und Bodenkontaktaufgaben wurden jedem Armeekorps zugeteilt, die anderen Flügel wurden in
- Luftkampf
- Bomber
- strategische Aufklärung
aufgeteilt und eingesetzt. Bis zu 9 Staffeln wurden schließlich in jedem Flügel eingegliedert.

 

Brigaden:

Die Einführung von Brigaden ging auf Sir David Henderson zurück, der im August 1915 aus Frankreich zurück kehrte und seine gesammelten Erfahrungen und Verbesserungsvorschläge dem Verteidigungsministerium vorlegte. Einer der Vorschläge sah die Schaffung von Brigaden vor, in denen mehrere Flügel zusammen gefasst werden sollten. Henderson begründete diesen Vorschlag mit dem Ausbau des Royal Fling Corps und dessen zukünftiger Größe.

Der Vorschlag wurde von Lord Kitcheners angenommen und umgesetzt.

Aufgeteilt wurden die Brigaden in einen Armeeflügel und einen Korpsflügel und jeweils einer Armee zugeteilt. Die Aufgaben des Korpsflügel bestanden in der Artillerieunterstützung und Aufklärung, die des Armeeflügel im Luftkampf, der Bombardierung und der strategische Aufklärung. Zusätzlich wurde im November 1916 ein Ballonflügel hinzugefügt und die Logistik in einem Militärflugzeugpark, einer Flugzeugmunitionsverwaltung und einem Reserve-LKW-Park zusammengefasst.

Bis kurz vor Kriegsende wurden folgenden Brigaden gegründet:
- I. Brigade am 16. Januar 1916
- II. Brigade am 23. Oktober 1915
- III. Brigade am 16. Januar 1916
- IV. Brigade am 1. April 1916
- V. Brigade am 15. Dezember 1915
- VI. Brigade am 15. Januar 1916
- Nahostbrigade am 1. Juli 1916
- Palästinabrigade am 5. Oktober 1917
- VII. Brigade im Oktober 1917
- Ausbildungsbrigade Mittlerer Osten am 14. Dezember 1917
- VIII. Brigade am 28. Dezember 1917
- IX. Brigade am 6. März 1918

 

Landeplätze:

Landeplätze des Royal Flying Corps wurden offiziell als Royal Flying Corps Stationsname benannt. Der Stationsname bezieht sich in der Regel immer an die nächste Stadt oder Bahnhof, damit der Flugplatz entsprechend zugeordnet werden konnte.

Ein Trainingsflugplatz bestand in der Regel aus einem Quadrat mit einer Seitenlänge von rund 610 Metern. Neben der Start und Landebahn stand ein großer Hangar, entweder aus Holz oder Ziegeln gebaut. Dieser hatte die Maße 55 x 30 Meter. In diesem war die technische ausrüstung und die Ersatzteile gelagert. Die Flugzeuge selbst standen in Hangers die aus Holz, Draht und Stoff gebaut waren. Das sollte die Flugzeuge vor der Witterung schützen.

Die größeren Landing Grounds waren meistens L-förmig. Die Start und Landebahnen waren rund 400 bis 500 Meter lang. Neben dem großen Hanger und den Unterständen für die Flugzeuge wurden auch oft weitere Gebäude für die Lagerung des Treibstoff oder als Unterkunft für die Soldaten gebaut. Die Offiziere quartierten sich meistens in Landhäusern in der näheren Umgebung ein. Die Aufteilung der Landing Grounds erfolgte in vier Kategorien:
- First Class Landing Ground
Größere Flugplätze mit vielen Gebäuden, Hangers und mehreren Start und Landebahnen
- Second Class Landing Ground
Flugplätze die regelmäßig genutzt wurden, jedoch nicht so viele Gebäude hatten
- Third Class Landing Ground
Flugplätze mit einer Start und Landebahn sowie einem kleineren Hangar
- Notlandungsgelände
Meistens Felder und Äcker, bei denen im Vorfeld die Landwirte angerufen wurden wenn ein Flugzeug landen musste, damit diese ihre Tiere von den Feldern nehmen konnten

Bei Flugplätzen die auch für Nachtlandungen genutzt wurden, wurde eine Gasbeleuchtung um das Flugfeld aufgebaut. Mit Fackeln wurde teilweise auch im Umfeld die Richtung angezeigt wo die Landebahn lag.

 

 

Luftaufnahme von Camp Rathbun, einem der Trainingslager des Royal Flying Corps in der Nähe von Deseronto, Ontario.

 

Ansicht von dem Waddington Flugplatz

 

Ausbildung: 

Die ersten Piloten des Royal Flying Corps wurden bei der Gründung von den Royal Engineers übernommen oder flogen bereits in ihrer Freizeit.

Das Bodenpersonal bestand überwiegend aus Freiwilligen, die sich wegen der Flieger Zulage gemeldet hatten um ihren Sold zu erhöhen.

In der Anfangsphase wurden sowohl die Piloten als auch die Beobachter nur einer kurzen Einweisung unterzogen und mussten anschließend selbst fliegen. Dies führte zu hohen Verlusten an der Front und auch zu vielen Unfällen, bei denen die Piloten starben. Erst durch den Einsatz des ehemaligen Piloten Colonel Robert Smith-Barry konnte ein Ausbildungsplan erstellt werden und die Piloten vernünftig ausgebildet werden.

Hierfür wurden die School of Military Aeronautics in Reading und Oxford gegründet wo die angehenden Piloten theoretischen Unterricht bekamen und eine bestimmte Anzahl an Flugstunden absolvieren mussten. Rund 45 Prozent der Schüler schafften die ersten Flüge nicht und wurden wegen Untauglichkeit nicht als Piloten eingesetzt. Für die Spezialausbildung zum Jagdflieger wurden entsprechende Schulen in Turnberry, Marske, Sedgeforth, Feiston, East Fortune und Ayr eingerichtet, wo die angehenden Piloten von erfahrenden Frontkämpfern unterrichtet wurden.

Anfang des Jahres 1917 wurde eine weitere Schule in Ägypten aufgebaut um die Piloten für die Sinai und Palästina Feldzüge auszubilden. Mit dem Kriegseintritt der USA kam es zudem zu einem Zusammenschluss mit Großbritannien und Kanada, um die Ausbildung von Piloten zu zentrieren. Hierfür wurde vom April 1917 bis Januar 1919 im kanadischen Ontario das Camp Borden und im amerikanischen Texas das Camp Taliaferro aufgebaut und betrieben. Dabei wurden nicht nur Piloten aus den USA, Kanada und Großbritannien ausgebildet, sondern auch aus Südafrika und Australien. Die hohe Anzahl australischer Piloten im Laufe des Krieges führte sogar dazu, dass diese eigene Staffeln bilden konnten.

Durch diese Ausbildungsmaßnahmen gelang es zwar die Qualität der Piloten deutlich zu steigern, trotzdem kam es bis zum Kriegsende noch zu rund 8.000 Toten, die bei der Ausbildung oder Trainingsflügen ums Leben kamen.

 

 

Rekrutierungsposter des Royal Flying Corps

 

Dienstgrade des Royal Flying Corps:

  • Private 2nd Class
    Aufgabengebiete: keine
  • Air Mechanic 3rd Class
    Aufgabengebiete: Waffenschmied, Acetylen-Schweißer, Schmied, Kupferschmied, Klempner, Maschinenschlosser, Getriebemechaniker, Elektriker, Schlosser, Maschinist, Segelmacher
  • Private 1st Class
    Aufgabengebiete: Pilot
  • Air Mechanic 2nd Class
    Aufgabengebiete: Waffenschmied, Acetylen-Schweißer, Schmied, Kupferschmied, Klempner, Maschinenschlosser, Getriebemechaniker, Elektriker, Schlosser, Maschinist, Segelmacher
  • Lance Corporal
    Aufgabengebiete: keine
  • Air Mechanic 1st Class
    Aufgabengebiete: Waffenschmied, Acetylen-Schweißer, Schmied, Kupferschmied, Klempner, Maschinenschlosser, Getriebemechaniker, Elektriker, Schlosser, Maschinist, Segelmacher
  • Corporal
    Aufgabengebiete: Monteur
  • Sergeant
    Aufgabengebiete: Waffenmeister, Monteur, Getriebemechaniker
  • Flight Sergeant
    Aufgabengebiete: Chefmechaniker
  • Warrant Officer II
    Aufgabengebiete: Quartiermeister Sergeant
  • Warrant Officer I
    Aufgabengebiete: Sergeant Major
  • Cadet
    Aufgabengebiete: Pilot im Training, Beobachter im Training
  • 2nd Lieutenant
    Aufgabengebiete: Pilot-in-Training, Pilot, Beobachter im Training, Beobachter
  • Lieutenant
    Aufgabengebiete: Pilot, Beobachter, Aufzeichnungsoffizier, Rüstungsoffizier, Ausrüstungsoffizier, Funkoffizier
  • Captain
    Aufgabengebiete: Flug Kommander, Aufzeichnungsoffizier, Ausrüstungsoffizier, Transportoffizier
  • Major
    Aufgabengebiete: Squadron Commander
  • Lieutenant-Colonel
    Aufgabengebiete: Wing Commander
  • Brigadier-General
    Aufgabengebiete: Brigade Commander
  • Major-General 
    Aufgabengebiete: Division Commander

 

Fallschirm:

Bereits vor dem ersten Weltkrieg war die Nutzung eines Fallschirmes möglich und bekannt. Besonders Insassen der Ballons und einige  wenige Freizeit Piloten nutzten diese Möglichkeit um einen Absturz überleben zu können.

Anfang 1915 unterbreitete der Erfinder des Fallschirms Everard Calthrop auch dem Royal Flying Corps ein Angebot für die Einführung des Fallschirm, da dadurch vermutlich viele Piloten Abstürze überleben könnten. Schließlich wurden diese ausgebildet was Geld kostete.

Das Royal Flying Corps lehnte das Angebot ab, da nach deren Meinung ein Fallschirm nicht nötig sei. Es würde die Piloten im Ernstfall dazu verleiten, ihr Flugzeug eher aufzugeben als bis zum Schluss weiter zu kämpfen. Zudem sei der Fallschirm sehr schwer und sperrig und würde bei besonders leichten Flugzeugen zu Problemen führen.

Auch der erste Absprung aus einem Militärflugzeug von Captain Clive Collett, einem neuseeländischen Piloten, am 13. Januar 1917 konnte die Führung des Royal Flying Corps nicht überzeugen.

Erst am 16. September 1918 erging der Befehl alle Piloten mit einem Fallschirm auszurüsten. Bis zum Kriegsende jedoch waren nur wenige Piloten mit so einem ausgestattet.

 

Markierung:

Zu Beginn des Krieges waren die meisten britischen Flugzeuge mit unterschiedlichen Ausführungen der Union Flag markiert. Das führte jedoch dazu, dass Bodentruppen oder andere Flugzeuge dieses Symbol mit dem deutschen Kreuz verwechselten und nicht wenige britische Flugzeuge von den eigenen Truppen abgeschossen wurde.

Somit entschied sich das Verteidigungsministerium Ende 1915 mit der Einführung einer einheitlichen, der französischen Markierung ähnlichen Kennzeichnung der Flugzeuge. Diese wurde sowohl an der Unterseite als auch an der Oberseite und den Seitenrudern angebracht um eine Verwechslung auszuschließen.

 

 

Britische Roundel Kennzeichnung der Flugzeuge

 

 

 

Das Royal Flying Corps im ersten Weltkrieg:

Zu Beginn des Krieges begann in Großbritannien die Ausrüstung der Staffeln 2, 3, 4 und 5 um nach Frankreich überzusetzen. Dabei kam es am 12. August 1914 zu dem ersten Toten, als Lt. Robert R. Skene und Air Mechanic Ray Barlow ihr Flugzeug zu dem Flugplatz flogen an dem sie sich treffen sollten. Das wahrscheinlich überladende Flugzeug stürzte ab und beide Besatzungsmitglieder starben.

Am 13. August begann von Dover aus die Überfahrt nach Amiens. Zuerst wurden 60 Flugzeuge transportiert, die 5. Staffel folgte erst ein paar Tage später.

Nachdem die Staffeln beim britischen Expeditionskorps eingetroffen und einsatzfähig gemacht wurden, begannen am 19. August die ersten Aufklärungsflüge. Bereits drei Tage später wurde das erste Flugzeug von den Deutschen abgeschossen. Der Pilot Leutnant Vincent Waterfall und Beobachter Leutnant Charles George Gordon Bayly befanden sich mit ihrer Avro 504 über Belgien, als das Flugzeug vom Maschinengewehr deutscher Truppen erfasst und getroffen wurde.

Am gleichen Tag konnten die Aufklärer jedoch auch einen Erfolg erzielen. Kapitän Charlton und sein Pilot Leutnant Vivian Hugh Nicholas Wadham sichteten die 1. deutsche Armee, die auf die Flanke der britischen Truppen marschierte. Diese Meldung ermöglichte es dem Oberbefehlshaber Sir John French seine Flanke zu sichern und den Vorstoß der Deutschen bei Mons aufzuhalten.

Nachdem die deutsche Armee doch noch Mons einnehmen konnte, mussten sich die Flieger zur Marne zurück ziehen und von dort aus ihre Flüge starten. Dabei konnte am 7. September der erneute Vorstoß der deutschen Armee gesichtet werden was dazu führte, dass sich die französische Armee gegen den Angriff einstellen konnte, was zu der Schlacht an der Marne führte.

Im späteren Verlauf des Septembers konnten während der ersten Schlacht der Aisne Beobachter das erste Mal die drahtlose Telegraphie mit der Artillerie nutzen, um diese besser auf die deutschen Stellungen einzustellen. Auch wurden erstmals Luftaufnahmen aufgenommen, die dazu führten, dass Oberstleutnant JTC Moore-Brabrazon 1916 die erste praktische Luftbildkamera entwickelte, die später als Standard Kamera genutzt wurde. Dafür wurde die Kamera in der Regel an dem Rumpf des Flugzeuges befestigt und durch ein Loch konnte der Beobachter diese dann bedienen. Die gemachten Bilder wurden anschließend für Karten im Maßstab 1: 10.000 ausgewertet und übertragen. Aufgrund solcher Karten konnte auch erst die Somme-Offensive von Juli bis November 1916 durchgeführt werden.

Als an der Westfront aus dem Bewegungskrieg ein Stellungskrieg wurde und der bekannte Lauf zum Meer begann, verlegte das Royal Flying Corps am 8. Oktober 1914 seinen Stützpunkt nach Saint-Omer und errichtete neben der örtlichen Rennstrecke den Flugplatz. Bis zum Kriegsende blieb Saint-Omer einer der wichtigsten Stützpunkte an der Westfront für die britischen Luftstreitkräfte.

Nachdem Hugh Trenchard den Oberbefehl über das Flying Corps ab dem August 1915 erhielt, setzte er die Prioritäten in der Artillerie Unterstützung und den taktischen Bombardierungen deutscher Stellungen.

Als 1916 die Vorbereitungen für die britischen Offensiven begannen, versammelte die RFC 421 Flugzeuge mit 4 Drachenballongeschwader und 14 Ballons die an der Schlacht an der Somme teilnehmen sollten. Von Juli bis in den November verlor das Flying Corps jedoch 800 Flugzeuge und 252 Piloten wurden getötet.

Das Jahr 1917 war für das Flying Corps besonders verlustreich, als sich die Luftüberlegenheit der deutschen Flugzeuge besonders stark zeigte. Die erst vor kurzem aufgestellten deutschen Jagdstaffeln mit ihren Albatros Flugzeugen waren denen der Briten deutlich überlegen. Besonders der April 1917 war sehr verlustreich als rund 700 britische Flugzeuge abgeschossen wurden.

Trotz der deutschen Überlegenheit begann am 9. April 1917 die Schlacht von Arras, bei der sich das RFC mit 25 Staffeln, rund 365 Flugzeugen beteiligte. Davon gingen jedoch 245 Flugzeuge verloren und rund 211 Piloten wurden getötet.

Erst die im Sommer neu eingeführten Flugzeugtypen SE5, Sopwith Camel und Bristol Fighter sorgten dafür, dass sich das Kräfteverhältnis mit den deutschen Jagdfliegern wieder ausgleichen konnte.

Der erste Einsatz von Infanterie, Panzern und Flugzeugen erfolgte im November 1917, als die Kampfflugzeuge während der Schlacht von Cambrai im Tiefflug die britischen Soldaten und Panzer unterstütze und deutsche Stellungen angriffen.

Mit dem Beginn der deutschen Frühjahrs Offensive im März 1918 wurden auch die Flugzeuge der RFC eingesetzt um den Vormarsch zu stoppen. Dabei sorgten besonders die Berichte der Aufklärer dafür, dass sich die Alliierten geordnet zurückziehen konnten und wussten, wo der nächste Angriff stattfand. Auch durch die Bombardierung der deutschen Stellungen sorgten die Flieger für eine Verlangsamung des Vormarsches. Im Gegenzug verlor das RFC in dieser Zeit rund 1.000 Flugzeuge und 400 Piloten und Beobachter.

 

 

Royal Flying Corps Offiziere vor einer BE2b

 

 

 

Gründung der Royal Air Force:

Bereits am 17. August 1917 legte General Jan Smuts dem britischen Verteidigungsministerium einen Bericht vor, in dem er Möglichkeiten für die zukunftige Ausrichtung des Royal Flying Corps und des Royal Navy Air Service vorstellte.

Ausschlaggebend für diesen Bericht, waren die Vorstellungen Smuts, der in den Flugzeugen das Potential der Verwüstung feindlicher Länder und die Zerstörung industrieller und bevölkerungsreicher Zentren in großem Maßstab sah. Hierfür sollte eine Streitkraft gegründet werden, die in der Stärke dem des Heeres und der Royal Navy ebenbürtig sei.

Zudem würde sich die Konkurrenz zwischen dem RFC und dem RNAS negativ auf die Bündelung von Ressourcen auswirken. Diese beiden Streitkräfte sollten zu einer verbunden werden, die jedoch wie das Heer und die Marine eigenständig operieren kann.

Das Verteidigungsministerium stimmte den meisten Punkten des Vorschlages zu und damit wurde am 1. April 1918 in dem neu gegründeten Luftfahrtministerium das RFC und das RNAS zusammengelegt und es entstand die Royal Air Force als eigenständige Teilstreitkraft.

 

 

 

Ende des Krieges:

Am Ende des ersten Weltkrieges waren noch 5.182 Piloten im Einsatz.

Die Verluste betrugen von 1914 bis 1918 9.378 Tote oder Vermisste sowie 7.245 Verletzte.

Neben 6.942 Tonnen abgeworfener Bomben wurden auch rund 7.054 deutsche Flugzeuge, Zeppeline und Ballons abgeschossen.

11 Piloten wurde während des Krieges das Victoria-Kreuz verliehen.

Mit der Gründung der Royal Air Force (RAF) stellte Großbritannien neben der Royal Navy eine zweite wichtige Teilstreitkraft auf. Der Vorteil einer Insel wurde vom Verteidigungsministerium strategisch sinnvoll genutzt, da die vorhandenen Ressourcen überwiegend in die Marine und die Flugzeuge investiert werden konnte und das Heer verhältnismäßig klein gehalten werden konnte, was Kosten und Rohstoffe sparte. Der Aufbau der RAF sollte sich später im zweiten Weltkrieg als kriegsentscheidend bei der Luftschlacht um England zeigen.

 

 

 

 

 

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